Universität Wien

030265 KU Aktuelle Kriminalpolitik (2026S)

2.00 ECTS (1.00 SWS), SPL 3 - Rechtswissenschaften
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 56 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Wer angemeldet ist, aber zu der ersten Einheit unentschuldigt nicht erscheint, verliert den Platz in diesem Kurs und wird abgemeldet.
Für jede - auf diese Weise - ausscheidende Person kann eine Person von der Warteliste nachrücken, sofern sie in der ersten Einheit anwesend ist.
Die Reihenfolge des Nachrückens richtet sich nach dem Rang auf der Warteliste, den die anwesenden Studierenden jeweils einnehmen.

Bitte beachten Sie auch, dass es eine Parallelveranstaltung von Kollegen Hajszan gibt: https://ufind.univie.ac.at/de/course.html?lv=030279&semester=2026S.

Im Wintersemester 2026 / 2027 werden nach Möglichkeit drei Parallel-Kurse "Aktuelle Kriminalpolitik" angeboten werden.

  • Freitag 13.03. 14:00 - 16:00 Hörsaal U12 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Freitag 20.03. 14:00 - 16:00 Hörsaal U12 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Freitag 27.03. 14:00 - 16:00 Hörsaal U12 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Freitag 24.04. 14:00 - 16:00 Hörsaal U12 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Freitag 08.05. 14:00 - 16:00 Hörsaal U12 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Freitag 12.06. 14:00 - 16:00 Hörsaal U12 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Im Kurs werden aktuelle kriminalpolitische Fragen vorgestellt und miteinander diskutiert.

Dadurch sollen Sie als angehenden Jurist*innen Einblicke in rechtliche und praktische Probleme bei strafrechtlichen Ermittlungen bzw. in Strafverfahren und im Straf- und Maßnahmenvollzug erhalten und Ihr Blick auf die Reformbedürftigkeit verschiedener Bereiche gelenkt werden.

Beispielsweise werden Vor- und Nachteile einer weisungsunabhängigen Staatsanwaltschaft, insbesondere der Korruptionsstaatsanwaltschaft, anhand von Literatur aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Auch die verschiedenen Modelle einer politisch unabhängigen "Weisungsspitze" werden dargestellt und natürlich die aktuell vom Gesetzgeber angepeilte Lösung mit Ihnen diksutiert.

Anhand der Ergebnisse der Evaluationsstudie von Birlkbauer, Stangl und Soyer sollen die Vor- und Nachteile der „Abschaffung“ des Untersuchungsrichters bzw. die Reduktion der richterlichen Aufgaben auf die Zuständigkeit des Rechtsschutzrichters diskutiert werden.
Welche (zusätzlichen) Probleme Großverfahren verursachen, konnte die unter meiner Leitung durchgeführte Studie zu Baubetrugsfällen aufzeigen.

Wie belastend überlange Verfahren sowohl für Tatverdächtige / Beschuldigte als auch für Opfer sein können, soll unter anderem anhand der Aufarbeitung von Judikatur des EGMR und einer Schweizer Studie zu der Belastung von Opfern häuslicher Gewalt durch Behördenwege und die oft stark zeitverzögerte strafrechtliche Aufarbeitung thematisiert werden.

Ein weiterr Schwerpunkt wird die geplante Ausweitung der Strafbarkeit psychischer Gewalt sein. Neben den Fortschritten, die das "Hass-im-Netz-Bekämpfungsgesetz" gebracht hat, wenden wir uns den immer noch offenen Fragen zu, wie etwas, warum Mobbing nur unter Strafe gestellt wird, wenn es im digitalen Raum passiert.

Abschließend möchte ich die seit Jahren angekündigte umfassende Reform des Maßnahmenvollzugs skizzieren und die gröbsten Mängel anhand von Beispielen aus Literatur und Praxis besprechen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Anwesenheitspflicht (eine Einheit (Doppelstunde) kann versäumt werden; darüber hinaus benötige ich eine Entschulidgung)
Mindestens zwei Mitarbeitsleistungen in der Lehrveranstaltung oder im Diskussionsforum auf moodle sind Voraussetzung für einen positiven Abschluss der Lehrveranstaltung.
Der schriftliche Abschlusstest (zwei Termine zur Auswahl, voraussichtlich 12.06.2026 und 10.7.2026, 46 Punkte zu erreichen, ab 23 Punkten positiv, ab 34 ein Befriedigend, ab 40 ein Gut, ab 44 ein Sehr Gut)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Anwesenheitspflicht.
Positiver Abschlusstest und mindestens zwei Mitarbeitsleistungen. Wer vier Mitarbeitsleistungen (während der Lehrveranstaltung oder im Moodle-Diskussionsforum) erbringt, kann sich dadurch die Note um einen Grad verbessern.

Prüfungsstoff

Inhalt der einzelnen Einheiten einschließlich der dafür vorzubereitenden Texte.
(alle prüfungsrelevanten Präsentationen und Texte werden auf moodle hochgeladen)

Literatur

Literatur (nicht prüfungsrelevant, aber bei Interesse empfohlen; Auswahl):

Arbeitsgruppe Maßnahmenvollzug, Bericht an den Bundesminister für Justiz über die erzielten Ergebnisse, BMJ-V70301/0061-III 1/2014, Jänner 2015.

Katharina Beclin, „Aussage gegen Aussage“ – häufige Pattstellung bei Strafverfolgung häuslicher Gewalt? juridikum 3/2014, 360-372.

Katharina Beclin, Zur strafprozessualen (Nicht-) Erledigung von Anzeigen wegen Baubetrugs durch Scheinfirmen - Ernüchternde Ergebnisse einer empirischen Studie und daran anknüpfende ermittlungsstrategische Empfehlungen“, JSt 2016/6, 512 – 519.

Katharina Beclin, Hass im Netz' im Strafrecht? - Eine Übersicht zur gegenwärtigen Rechtslage und ein rechtspolitischer Ausblick zur strafrechtlichen Sanktionierung von psychischer Gewalt im Internet, in Silvia Ulrich/ Elisabeth Greif (Hrsg.) Hass im Netz - Grenzen digitaler Freiheit, Trauner Verlag 2019, 123-150.

Katharina Beclin, „Femizid“? – Ein Plädoyer für eine zielorientierte Begriffsdefinition - in juridikum nr 2/2022, 219 – 225.

Julia Bettermann/Moetje Feenders (Hrsg.), Stalking - Möglichkeiten und Grenzen der Intervention, Verlag für Polizeiwissenschaft, Clemens Lorei, Frankfurt 2004.

Alois Birklbauer/Wolfgang Stangl/Richard Soyer, Die Rechtspraxis des Ermittlungsverfahrens nach der Strafprozessreform, nwv-Verlag Wien-Graz 2011.

BMJ (Hrsg.) Endbericht der Arbeitsgruppe zur Schaffung einer unabhängigen und weisungsfreien Bundesstaatsanwaltschaft, September 2022
Manfred Burgstaller, Argumente für die Geschworenengerichtsbarkeit, JBl 2006/2 69 – 75.

Albin Dearing/Birgitt Haller (Hrsg.), Schutz vor Gewalt in der Familie - Das österreichische Gewaltschutzgesetz, Verlag Österreich, Wien 2005.
Daniela Gloor/Hanna Meier, „Nach dieser Zeitspanne fragt man sich wirklich, ob das jetzt ein Witz ist.“ Erfahrungen gewaltbetroffener Frauen mit Interventionen des Rechtssystems, juridikum 3/2014, 327-337.

IRKS, Welcher organisatorischen Schritte bedarf es, um die Zahl der Einweisungen in den Maßnahmenvollzug zu verringern? Projektendbericht, Wien 2012.

Barbara Linder/Nora Katona/Julia Kolda, Menschenwürde auf der Anklagebank, Handbuch zur Stärkung der Verfahrensrechte von strafrechtlich verdächtigen und beschuldigten Personen mit psychosozialen und intellektuellen Beeinträchtigungen, Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte, 2018.

Thomas Mühlbacher, Vom Weisungsrecht und von den Chancen und Gefahren eines Generalstaatsanwaltes, RZ 2021 63

Rainer Nimmervoll, Zum Anklageverdacht und dessen notwendigen Beweisergebnissen, JSt 2017/3 189 – 195.

Susanne Reindl-Krauskopf, Argumente gegen die Geschworenengerichtsbarkeit, ÖAnwBl 2010/05, 224 – 227.

O. Scheiber: Mut zum Recht! Plädoyer für einen modernen Rechtsstaat, Falter Verlag 2019

Marcel Singer, Der Fortführungsantrag im Ermittlungsverfahren, Schriftenreihe Kriminalwissenschaften in Theorie und Praxis, band 10, Verlag für Polizeiwissenschaft, Frankfurt 2017.

R. Soyer/A. Stuefer: Der Kampf um das Strafrecht: kriminalpolitische Glossen, Verlag Österreich 2020 (https://doi.org/10.33196/9783704686503)


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 22.05.2026 12:05