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040096 UK SOLV - Commons - neue alte Wirtschaftsform (BA) (2017S)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 4 - Wirtschaftswissenschaften
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Selbstorganisierte Lehrveranstaltung der Studienrichtungsvertretung VWL
ACHTUNG: Die Anmeldefrist am Institut für VWL ist bereits abgelaufen - falls du aber trotzdem Lust hast, an der LV teilzunehmen, komm' in die erste Einheit. Sofern es uns noch möglich ist, nehmen wir dich sehr gerne noch in die Gruppe auf!!! Wir können nichts versprechen, tun aber unser Bestes!

Details

max. 50 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 02.03. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 09.03. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 16.03. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 23.03. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 30.03. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 06.04. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 27.04. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 04.05. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 11.05. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 18.05. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 01.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 08.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 22.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock
Donnerstag 29.06. 18:30 - 20:00 Hörsaal 9 Oskar-Morgenstern-Platz 1 1.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

2009 hat Elinor Ostrom den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften erhalten, für ihre Arbeit zu “Commons” - was ist denn das?
Commons als gemeinschaftliche Organisationsform jenseits von Markt und Staat erforschte Ostrom anhand zahlreicher Erfolgsbeispiele, meist in ländlichen Gemeinschaften, die über lange Zeit gemeinsam Weideland, Wälder oder
Fischereigebiete bewirtschaften und dabei oft fragile Ökosysteme erhalten; nicht mittels Privateigentum am Land, sondern mittels kollektiver Nutzungsrechte. Die empirische Realität zeigt hier etwas ganz anderes, als bekannte akademische Theorien vermutet hätten: keine zerstörerische Übernutzung durch selbstsüchtige Individuen, die kommunikationslos in Maximierungsfallen gefangen sind. Statt dessen reale Menschen mit einer Vielzahl nicht nur an Bedürfnissen, sondern auch an Verhaltens und Lösungsmöglichkeiten. Menschen, die miteinander kooperieren, untereinander Absprachen treffen, sich als Gemeinschaft ihre eigenen Regeln setzen und damit nachhaltig eine gemeinsame Ressource nutzen, erhalten, erschaffen.
Ein ganz anderer Bereich: Wissensallmende. Wissen wird nicht weniger, wenn man es mit anderen teilt; tendenziell wird es sogar mehr, weil andere auf dem aufbauen können, was sie erfahren haben. Soll Wissen und Kulturgut nun künstlich verknappt werden, stückchenweise in Privateigentum verwandelt, damit die auf Knappheit beruhenden
Marktmechanismen weiter funktionieren? Oder kann es andere Modelle geben? Als commons-based peer-production beschreibt etwa Yochai Benkler das System, mit dem Wikipedia oder freie Software wie Linux erschaffen wurden. Was passiert, wenn wir Wissen und Kulturgut als Commons denken? Welche Implikationen hat das – zum Beispiel auch ganz konkret an den Unis? Welche Regeln braucht es?
Die Commons verschiedener Bereiche sind immer wieder bedroht durch “Einhegung” - “enclosures”. Historisch bezeichnet dieser Begriff das Errichten von Zäunen auf dem Allmendeland, die Inbesitznahme des Gemeinschaftslandes etwa durch den Adel. Auch heute sind Commons oft durch Privatisierung und staatliche Politik bedroht. Schon deshalb,
weil ihre Existenz oft gar nicht wahrgenommen wird. Die Autoren der Wikipedia wurden nicht bezahlt; wurde dennoch ein Wert, ein Gut geschaffen? Geldfreie Wertschöpfung wird oft nicht gesehen; und dementsprechend wird Politik gemacht, die den montearisierten Sektor (“die Wirtschaft”) fördert, ohne Blick dafür, ob sie den nicht-monetarisierten
Sektor fördert, unberührt lässt oder schädigt. So wurde durch die (rückwirkende!) Verlängerung des Copyrights in den USA der Großteil der Kultur des 20.Jahrhunderts unzugänglich gemacht, wie etwa James Boyle ausführt. Wem war dieser (Kollateral-)Schaden bewusst? Ganz ähnlich: Wieso sollte der Staat einen Wald nicht verkaufen können, an dem es bisher kein Privateigentum gab? (Was, außer Privateigentum könnte es denn Relevantes geben? Wie, kollektive Nutzungsrechte, ein seit langem bestehendes Commons?)
Die Grenzen des Denkens zu weiten und bisher Unsichtbares sichtbar zu machen ist eines der Ziele der LV. Es geht nicht darum, Commons als Allheilmittel zu preisen, das Staat und Markt zur Gänze ersetzen sollte. Aber ein Bewusstsein dafür, dass es zumindest eine dritte Kategorie möglicher Organisationsformen gibt, sollte vorhanden sein.
Die Fähigkeit, existierende und mögliche Commons wahrzunehmen; und sich dann dafür oder dagegen zu entscheiden; die Fähigkeit, in der Gesellschaft eine bewusste Debatte darüber zu führen, wo und in welcher Form wir Commons sehen wollen, und wo nicht; wie sie mit Staat und mit Markt zusammenspielen können, oder welche Schwierigkeiten
dabei zu beachten sind.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Teilnahme an einer thematischen Kleingruppe, (Mit-) Gestaltung einer LV-Einheit; schriftliche Arbeit zu einem selbstgewählten Thema im Bezug auf Commons (ca. 4-6 Seiten); zwei Textreflexionen (max. 2 Seiten)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Format:
Die LV hat Seminarcharakter. Die Einheiten werden von den Studierenden selbst gestaltet. Die Studierenden finden sich zu Semesterbeginn zu themenzentrierten Kleingruppen zusammen, in der sie – in Absprache und mit fachlicher Unterstützung – die Gestaltung einer LV-Einheit vorbereiten.

Prüfungsstoff

Literatur


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:47