Universität Wien FIND

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie können kurzfristige Änderungen bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen (z.B. Absage von Vor-Ort-Lehre und Umstellung auf Online-Prüfungen) erforderlich sein. Melden Sie sich für Lehrveranstaltungen/Prüfungen über u:space an, informieren Sie sich über den aktuellen Stand auf u:find und auf der Lernplattform moodle.

Regelungen zum Lehrbetrieb vor Ort inkl. Eintrittstests finden Sie unter https://studieren.univie.ac.at/info.

Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

070069 UE Methoden-Workshop - Eichmann in Wien und Jerusalem (2021W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
GEMISCHT
Di 12.10. 09:00-11:00 Digital

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Das Seminar findet großteils als Blockveranstaltung und digital statt. Sollte das Rektorat bis Oktober wieder Präsenzunterricht zulassen, wechseln wir jedoch zu Präsenzunterricht!
Bitte beachten Sie: zwischen den Blocksitzungen kommt es zu intensiven Arbeitsphasen, zudem werden Archiv-Arbeitsaufgaben gegeben, damit Sie Ihr Thema mit Originalquellen bearbeiten können. Darüberhinaus bilden wir Arbeitsteams zwischen Jurist:Innen und Historiker:Innen, um das Thema interdisziplinär anzugehen.
Bitte wählen Sie dieses Seminar nur, wenn Sie Interesse haben, interdisziplinär zu arbeiten und eigenständig zu forschen.

Dienstag 19.10. 09:00 - 12:00 Digital
Dienstag 16.11. 09:00 - 12:00 Digital
Dienstag 30.11. 09:00 - 12:00 Digital
Dienstag 14.12. 09:00 - 12:00 Digital
Montag 17.01. 09:00 - 13:00 Digital
Dienstag 18.01. 09:00 - 13:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

--- In Zusammenarbeit mit Prof. Milos Vec, Rechts- und Verfassungsgeschichte, Universität Wien,
In Jerusalem, Frankfurt und Wien kam es seit 1961 zu Verfahren wegen der Verbrechen im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Die Holocaustüberlebenden Hermann Langbein und Simon Wiesenthal hatten sich nach 1945 – nicht nur in Österreich – vehement für die Ahndung von NS-TäterInnen eingesetzt, der Ahndungskomplex um das Vernichtungslager Auschwitz war letztlich diesen Bemühungen, Beweise und Zeugenaussagen zu sammeln und der Staatsanwaltschaft zuzuleiten, zu verdanken. Trotz der Bemühungen war die Bilanz erschütternd: Langbein und Wiesenthal hatten Material gegen insgesamt 70 österreichische Auschwitz-TäterInnen gesammelt, von denen 4 vor Gericht kamen und keiner verurteilt wurde.
Im Zusammenhang mit den Verbrechen in Auschwitz spielte Adolf Eichmann eine Schlüsselrolle. Der Chef der Wiener „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ hatte einen für die nationalsozialistische Judenverfolgung beispielhaft effizienten Weg ersonnen, Zehntausende jüdischer Opfer zu entrechten, zu vertreiben, auszuplündern, in die Lager zu deportieren und dort töten zu lassen. Eichmanns bürokratischer Eifer, von Hannah Arendt mit dem plakativen Begriff „Banalität des Bösen“ treffend umschrieben, nahm seinen Ausgang in Wien, und verbreitete das „Modell“ dann überall im besetzten Europa.
Im Seminar sollen, ausgehend von Eichmann und wichtigen Handlangern sowie Ihren Prozessen vor Gericht, die Ahndung von NS-Verbrechen an einem Wien-betreffenden Themenkomplex (Judenvertreibung, Arisierung und Deportation) erforscht und anhand von Akten zu den Nachkriegsprozessen reflektiert werden. Zudem befinden sich im Archiv des Wiener Wiesenthal Instituts, VWI, Unterlagen der Israelitischen Kultusgemeinde, IKG Wien , welche die Verfolgung, Vertreibung und Deportation der Jüdinnen und Juden dokumentieren. Darunter sind auch die Falldossiers des „Nazijägers“ Simon Wiesenthal, diue belegen, wie schwierig es war, in Österreich ein Holocaustverfahren zu eröffnen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mündliche Mitarbeit, Vorbereitung der Seminarlektüre, eigenständige Archivrecherche von Dokumenten für Projektthema, Gruppenarbeit mit Präsentation, Seminararbeit (15-20 Seiten) zu einem ausgewählten Fall

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Gute Kenntnis der Sekundärliteratur zum Holocaust in Wien wird erarbeitet. Geübt werden das Arbeiten mit verschiedenen Quellen der Zeitgeschichte (1938-1945 und nach 1945) zum Holocaust in Wien sowie der Nachkriegsjustiz in Österreich und Europa, Schwerpunkt liegt auf den originalen Archivquellen (Volksgerichtsakten, Prozessakten) und weiterer Quellen (TV/Audiomitschnitte).

Prüfungsstoff

Projektarbeit mit Präsentation, Seminararbeit (15-20 Seiten, mit Archivquellen).
Abgabe der Seminararbeit: 20. Februar 2022

Literatur

Zur privaten Anschaffung empfohlen (Taschenbücher):
Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem.
Sybille Steinbacher, Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte, München 2007.

Literatur:
Devin O. Pendas, Der Auschwitz-Prozess: Völkermord vor Gericht, Frankfurt 2013.
Sybille Steinbacher, Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte, München 2007.
Sybille Steinbacher/ Katharina Rauschenbacher (Hg), Der Auschwitz-Prozess auf Tonband: Akteure, Zwischentöne, Überlieferung (Kleine Reihe zur Geschichte und Wirkung des Holocaust), Frankfurt 2020.
Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem.
Gerhard Botz, Nationalsozialismus in Wien. Machtübernahme, Herrschaftssicherung, Radikalisierung, Kriegsvorbereitung, 1938/39. Wien (überarb. Neuausgabe) 2018.
Hecht Dieter, Lappin-Eppel Eleonore, Raggam-Blesch Michaela. Topographie der Shoah. Gedächtnisorte des zerstörten Wien, Wien 2017.
Hans Safrian/ Hans Witek, Und keiner war dabei: Dokumente des alltäglichen Antisemitismus in Wien 1938, Wien 1988.
Sabine Loitfellner, Auschwitz-Verfahren in Österreich. Hintergründe und Ursachen eines Scheiterns, in: Thomas Albrich/Winfried Garscha/Martin Polaschek (Hrsg.), Holocaust und Kriegsverbrechen vor Gericht. Der Fall Österreich. StudienVerlag Innsbruck-Wien-Bozen 2006, 364 Seiten, S. 183–197.
Claudia Kuretsidis-Haider / Johannes Laimighofer /Siegfried Sanwald: Auschwitz-Täter und die österreichische Nachkriegsjustiz, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (Hg.): Täter, Österreichische Akteure im Nationalsozialismus, Wien 2014. (Artikel online) Fritz Bauer Institut (Hg): »Gerichtstag halten über uns selbst...«. Geschichte und Wirkung des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (Jahrbuch zur Geschichte und Wirkung des Holocaust), Frankfurt 2001.
Raphael Gross, Werner Renz (Hg): Der Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963-1965): Kommentierte Quellenedition (Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts, 22), Frankfurt 2013.
Tom Segev, Simon Wiesenthal: Die Biografie, München 2010.
Simon Wiesenthal, Ich jagte Eichmann, Gütersloh 1961.
Tuviah Friedman, The Hunter, London 1961.
Fritz Bauer Institut & Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Der Auschwitz-Prozess. Tonbandmitschnitte, Protokolle, Dokumente. DVD/ROM. Directmedia Publishing, Berlin 2004, ISBN 3-89853-501-0. (Enthält auch Danuta Czech: Kalendarium für Auschwitz).

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

AER: Zeitgeschichte.
MA Geschichte (Version 2014): PM2 Einführung in den Forschungsprozess. Design und Methoden, AR Methodenworkshop (3 ECTS).
MA Geschichte (Version 2019): PM3 Durchführung eines selbstständigen Forschungsprozesses, UE Methodenworkshop (5 ECTS).
Interdisziplinäres MA Zeitgeschichte und Medien (Version 2016): M2a Einführung in den Forschungsprozess. Design und Methoden, AR Methodenworkshop (3 ECTS).
Interdisziplinäres MA Zeitgeschichte und Medien (Version 2019): M2a Einführung in den Forschungsprozess und Methoden I, UE Methodenworkshop (5 ECTS) / M3b Praktische Forschung und Darstellung II, UE Methodenworkshop (5 ECTS), aber nur zu einer anderen Methode als im M2a.

Letzte Änderung: Mi 15.09.2021 09:27