Universität Wien
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070169 SE Forschungsseminar (2025W)

Von Nummern, Schränken und Tabellen: Ordnungstechniken in der Geschichte der Neuzeit

10.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 7 - Geschichte
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Start am 10.10., weitere vorbereitende Termine 17., 24., 31.10., 14.11., danach Beginn der Mentoringphase mit Einzelterminen, Zwischentermin 12.12., Abschlussblock im Jänner (voraussichtlich 16.1., evt auch 23.1.)

  • Freitag 10.10. 09:45 - 11:15 Seminarraum Geschichte 2 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9
  • Freitag 17.10. 09:45 - 11:15 Seminarraum Geschichte 2 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9
  • Freitag 24.10. 09:45 - 11:15 Seminarraum Geschichte 2 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9
  • Freitag 31.10. 09:45 - 11:15 Seminarraum Geschichte 2 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9
  • Freitag 07.11. 09:45 - 11:15 Seminarraum Geschichte 2 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9
  • Freitag 14.11. 09:45 - 11:15 Seminarraum Geschichte 2 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9
  • Freitag 12.12. 09:45 - 11:15 Seminarraum Geschichte 2 Hauptgebäude, 2.Stock, Stiege 9
  • Freitag 16.01. 09:45 - 18:15 Seminarraum 12, Kolingasse 14-16, OG01

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Problem, wie Menschen, ihr Wissen, ihre Besitztümer, aber auch Tiere und Pflanzen zu ordnen sind, beschäftigt in der Neuzeit Gelehrte wie Verwaltung, sollen doch über die geordneten Subjekte und Objekte Erkenntnisse gewonnen werden, sollen sie nützlich und regierbar gemacht werden. Zu den Techniken, die dabei angewandt werden, zählen u. a. die Nummerierung, die Benennung, die alphabetische Anordnung, die Einordnung in eine Klassifikation, die Verwendung von Fragebögen, Listen, Tabellen, Protokollbüchern und Karteikarten, weiters kartographische Darstellungsformen. Rund um das Problem der Ordnung entstehen Utopien, Campanellas "Sonnenstaat" etwa oder Bacons "Haus Salomos", es werden eigene Organisationen wie Bibliotheken, Museen, Polizei, Registraturen und Normungsinstitute geschaffen. Und es gibt selbstverständlich die Monster und Störfälle, die sich den Ordnungstechniken entziehen und den ordnenden Subjekten wie Institutionen einiges an Kopfzerbrechen bereiten.

Themenbereiche und Beispiele für mögliche Themen:

*Benennung (zB: Personennamen, Hausnamen)
*Nummerierung (zB: Einführung der straßenweisen Hausnummern ["Orientierungsnummern"] in Wien 1862/63; Kennzeichnungspflicht für PolizistInnen; "Numerus currens" in Bibliotheken)
*Alphabetisches Sortieren
*Klassifikation (zB: Carl von Linnés System; Dezimalklassifikation von Melvyl Dewey)
*Standardisierung (zB: Vereinheitlichung von Maßen & Gewichten; Zeitzonen; Standards für Waffen ["08/15"]; Deutsches Institut für Normung [DIN]; Container)
*Begradigung (zB: Flussregulierungen, Stadtassanierungen)
*"Papiermaschinen" (zB: Fragebögen, Karteikarten, Listen, Tabellen, Raster)
*Aufbewahrungsorte und Präsentation (zB: Lexika und Enzyklopädien, Schränke)
*Institutionen (zB: Bibliotheken, Archive, Museen, Polizeiliche Identifizierung/Meldewesen)
*Ordnungsutopien
*Monster und Störfälle

Sie können selbstverständlich auch ein Seminarthema auswählen, dass hier nicht aufgelistet ist, die Anrechnung für den jeweiligen MA erfolgt nach dem von Ihnen gesetzten Schwerpunkt.

Das Seminar kombiniert Präsenzeinheiten in der Gruppe, persönliches Mentoring, E-Learning und Peer-Feedback. Ab dem Ende der Einführungsphase sollen Sie im Rahmen der E-Learning-Plattform Moodle erste Fortschritte Ihrer Erkenntnisse präsentieren und des Weiteren ein Exposé Ihres Vorhabens verfassen, das Sie zunächst mit Ihren Kolleg*innen diskutieren, bevor in der anschließenden Mentoringphase Ihr Arbeitsplan in persönlichen Beratungsgesprächen besprochen wird. Am Zwischentermin können Sie sich über die einstweilen gemachten Fortschritte in der Gesamtgruppe austauschen, gegen Ende des Semesters präsentieren Sie Ihre Erkenntnisse in Form von mündlichen Referaten.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Es handelt sich um eine prüfungsimmanente Lehrveranstaltung, Ihre Beteiligung an den Diskussionen sowie an den Online-Aktivitäten ist erforderlich. Im Seminar wird viel Augenmerk auf die kritische Einschätzung digitaler Angebote gelegt, weswegen verpflichtender Teil der Abschlussarbeit auch eine Bewertung derjenigen Informationen ist, die die Wikipedia zu dem von Ihnen selbstgewählten Thema zur Verfügung stellt; sollten Sie Unterstützung durch KI-Angebote in Anspruch nehmen, so ist zusätzlich die Beantwortung eines nach den Vorgaben des CTL gestalteten Fragenkatalogs nötig.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Beteiligung an Vorbereitung und mündliche Präsentation (je 15%), Verfassen einer Seminararbeit im Umfang von ca. 65.000 Zeichen (70%).

Prüfungsstoff

Siehe Mindestanforderungen

Literatur

Burke, Peter: Papier und Marktgeschrei. Die Geburt der Wissensgesellschaft. Berlin: Wagenbach, 2001. (insbes. Kap. V: Wissen klassifizieren, Kap. VI: Wissen kontrollieren)
Czakai, Johannes: Nochems neue Namen. Die Juden Galiziens und der Bukowina und die Einführung deutscher Vor- und Familiennamen 1772-1820. (=Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden; 55). Göttingen: Wallstein, 2021. doi 10.5771/9783835347335 - direkter Zugriff unter: https://www-nomos-elibrary-de.uaccess.univie.ac.at/10.5771/9783835347335/nochems-neue-namen?page=1
Farge, Arlette: Das brüchige Leben. Verführung und Aufruhr im Paris des 18. Jahrhunderts. Berlin (BRD): Wagenbach, 1989. (Kap. Vor der Werkstattür)
Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp stw 96, 21. Aufl., 2009.
Krajewski, Markus: ZettelWirtschaft. Die Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek. (=Copyrights; 4). Berlin: Kadmos, 2002.
Küster, Marc W.: Geordnetes Weltbild. Die Tradition des alphabetischen Sortierens von der Keilschrift bis zur EDV. Eine Kulturgeschichte. Tübingen: Niemeyer, 2006.
Sasse, Cristina: Die Stadt lesen. Englische "Directories" als Wissens- und Orientierungsmedien, 1760-1830. Berlin/Boston: De Gruyter/Oldenbourg, 2021. Open Access: https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110718263/html
Siegert, Bernhard: Passagiere und Papiere. Schreibakte auf der Schwelle zwischen Spanien und Amerika. München: Fink, 2006. Online: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00064552-7
Tantner, Anton: Lemmata "Adressieren" sowie "Nummerieren", in: Christians, Heiko/Bickenbach, Matthias/Wegmann, Nikolaus (Hg.): Historisches Wörterbuch des Mediengebrauchs, Bd.1. Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 2015, S. 47–54, sowie Bd.3, 2022, 278–288 doi 10.7788/boehlau.9783412217280.47 - direkter Zugriff unter https://www-vr-elibrary-de.uaccess.univie.ac.at/doi/10.7788/boehlau.9783412217280.47 sowie https://www-vr-elibrary-de.uaccess.univie.ac.at/doi/10.7788/9783412514327.278

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Schwerpunkte: Neuzeit, Zeitgeschichte, Globalgeschichte, Österreichische Geschichte, Digital Humanities/ Digitale Geschichtswissenschaften, Frauen- und Geschlechtergeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Historisch-kulturwissenschafltiche Europaforschung, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, MATILDA

MA Geschichte (Version 2019): PM2 Konzeption und Einübung selbstständiger Forschungsprozesse / PM 3 Durchführung eines selbstständigen Forschungsprozesses, SE Forschungsseminar (10 ECTS).
IDMA Zeitgeschichte und Medien(Version 2019): M3a Praktische Forschung und Darstellung I, SE Forschungsseminar (10 ECTS).

Letzte Änderung: Di 18.11.2025 11:26