Universität Wien

100076 PS NdL: Der Schachtürke (2022S)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Mittwoch 09.03. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 16.03. 16:45 - 18:15 Digital
  • Mittwoch 23.03. 16:45 - 18:15 Digital
  • Mittwoch 30.03. 16:45 - 18:15 Digital
  • Mittwoch 06.04. 16:45 - 18:15 Digital
  • Mittwoch 27.04. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 04.05. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 11.05. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 18.05. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 25.05. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 01.06. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 08.06. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 15.06. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 22.06. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
  • Mittwoch 29.06. 16:45 - 18:15 Seminarraum 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Erbaut im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia und präsentiert 1770 am Habsburger Hof, erlangte „der Schachtürke“ Wolfgang von Kempelens durch Tourneen in Europa und Nordamerika Weltruhm und sorgte sowohl in der Literatur als auch in der Wissensgeschichte des Abendlandes für ein anhaltendes Faszinosum. Der vermeintliche Automat im türkischen Gewand beschwor geschickt (orientalistische) Bilder „des Anderen“ und entfesselte die dichterische Imagination von der Romantik bis in die Moderne (E.T.A. Hoffmann, Jean Paul, Heinrich von Kleist, Edgar Allan Poe), wo er zum Inbegriff der Täuschung, des Doppelgängers und des künstlichen Menschen avancierte. Darüber hinaus diente er aber auch als Denkfigur des historischen Materialismus (Walter Benjamin), der Kybernetik und der Künstlichen Intelligenz (Norbert Wiener, Max Bense). Nicht zuletzt erlangte die Figur durch Amazons Mechanical Turk, einen 2005 gegründeten Microtasking-Marktplatz, neue Relevanz in der digitalen Medienkultur und Arbeitswelt der Gegenwart.

Ziel des Seminars ist der Nachvollzug dieser komplexen Verflechtungsgeschichte anhand von literarischen Texten, historischen Dokumenten, Ausstellungsexponaten sowie von medien- und kulturtheoretischen Schriften. Basis der Seminargespräche bilden selbständige Textlektüren und Recherchen, schriftliche Reflexionen, Impulsreferate und Dozentinneninputs.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Es handelt sich um eine theorie- und lektüreintensive Veranstaltung. Neben der regelmäßigen Anwesenheit (max. drei Fehltermine) wird eine aktive Beteiligung am Seminargespräch erwartet.

1. Statements
Als primäre Diskussionsgrundlage dienen vorab verfasste Statements zu mindestens fünf thematischen Einheiten im Umfang von max. einer A4 Seite, im Vorfeld der jeweiligen Sitzung hochgeladen werden sollen.

2. Expertise
Die Kontextualisierung der besprochenen Texte wird durch Expert*innen sichergestellt, die sich über Kernkonzepte sowie über theoretische und biographische Hintergründe informieren und kurze mündliche Inputs (ohne Handouts oder Folien) zum Seminargespräch beisteuern.

3. Verfassen einer Hausarbeit im Umfang von 15 Seiten (Haupttext). Frist der Einreichung: 30.09.2022

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.

Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeiten 15 Seiten Haupttext

Um das Seminar zu absolvieren, muss jede einzelne Teilleistung (regelmäßige Teilnahme, aktive Mitarbeit, schriftliche Statements, Hausarbeit) erbracht werden. Für die Benotung ist aber die Hausarbeit maßgeblich.

Prüfungsstoff

Semesterprogramm

Literatur

Sämtliche Primärtexte des Seminars werden in einem Reader auf Moodle bereitgestellt.

Weiterführende Empfehlungen
Natascha Adamowsky: Fauxtomation – Gedanken zu Geschichte und Ästhetik ‚intelligenter‘ Technik, in: Internationales Jahrbuch für Medienphilosophie, Bd. 6, 1, 2020, S. 263-276.
Elizabeth Bridges: Maria Theresa, “The Turk,” and Habsburg Nostalgia, in: Journal of Austrian Studies 47:2, 2014, S. 17-36.
Brigitte Felderer/Ernst Strouhal: Kempelen – Zwei Maschinen. Texte, Bilder und Modelle zur Sprechmaschine und zum schachspielenden Androiden Wolfgang von Kempelens, Wien: Sonderzahl 2004.
Bernard Dionysius Geoghegan: Orientalism and Informatics: Alterity from the Chess-Playing Turk to Amazon’s Mechanical Turk, in: Ex-position 43, June 2020, S. 45-90.
Peter Gendolla: Anatomien der Puppe. Zur Geschichte des MaschinenMenschen bei Jean Paul, E.T.A. Hoffmann, Villiers de L’Ísle-Adam und Hans Bellmer, Carl Winter: Heidelberg 1992.
Tom Standage: Der Türke. Die Geschichte des ersten Schachautomaten und seiner abenteuerlichen Reise um die Welt. Frankfurt a.M./New York: Campus 2005.
Bernhard Serexhe/Peter Weibel (Hg.): Wolfgang von Kempelen. Mensch–[in-der]–Maschine, Berlin: Matthes & Seitz 2007.
Ernst Strouhal: Eine flexible Geschichte. Kempelens Türke: Eine Schach-Metaphern-Maschine aus dem Spätbarock, in: KARL. Das kulturelle Schachmagazin, 4, 2002, S. 14-17.
Siegfried Zielinski/Peter Weibel (Hg.): Allah’s Automata. Artifacts of the Arab-Islamic Renaissance (800-1200), Ostfildern: Hatje Cantz 2015.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Do 11.05.2023 11:27