Universität Wien

100159 SE Masterseminar NdL: "Hoch der menschliche Trotz" (Peter Handke) (2025W)

Traditionen der Widersetzlichkeit in der (österreichischen) Literatur

6.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Achten Sie auf die Einhaltung der Standards guter wissenschaftlicher Praxis und die korrekte Anwendung der Techniken wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens.
Plagiierte und erschlichene Teilleistungen führen zur Nichtbewertung der Lehrveranstaltung (Eintragung eines 'X' im Sammelzeugnis).
Die Lehrveranstaltungsleitung kann Studierende zu einem notenrelevanten Gespräch über erbrachte Teilleistungen einladen.

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Mittwoch 08.10. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 15.10. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 22.10. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 29.10. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 05.11. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 12.11. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 19.11. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 26.11. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 03.12. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 10.12. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 07.01. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 14.01. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 21.01. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
  • Mittwoch 28.01. 11:30 - 13:00 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der Trotz als ambivalente menschliche Haltung bzw. Eigenschaft zeigt sich in der Literaturgeschichte als starkes Movens. Vor dem Hintergrund von Peter Sloterdijks Modell der "thymotischen" Affekte - im Kontrast zu den erotischen - beleuchtet das Seminar die vielfältigen literarischen Erscheinungsformen des Begriffs in ihren politischen und psychologischen Aspekten. Trotz bedeutet Aufmüpfigkeit und Widerstandskraft gegen eine Übermacht, bedeutet Aushalten und Ausharren in Bedrängnis, Trotz meint aber auch kindischen Eigensinn, Neinsagen aus Prinzip und Ressentiment. In der Literatur gelten trotzige Heldinnen und Helden als dankbarer Stoff - aber nicht erst seit Kleists "Michael Kohlhaas" sind wir beim Lesen nicht selten hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Befremden. Aktuelle politische Entwicklungen lenken den Blick auf den Wutbürger als das Zerrbild des Trotzigen. Gerade in der österreichischen Literatur sind Traditionen der mehr oder minder verhüllten Widersetzlichkeit und des trotzig-zornigen Rebellentums wirkmächtiger als jene der planmäßigen Revolution. Im Seminar werden ausgewählte Texte einer genauen Lektüre unterzogen und in historischen Kontext gestellt. Dabei geht es nicht zuletzt um die Frage der formalen Inszenierung von Trotz und Widerstandspathos.

Dies ist ein Seminar für alle, die gerne lesen (primär: Primärliteratur).

LITERATUR (Auswahl)

Sophokles: Antigone

Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas

Ferdinand Raimund:
Der Alpenkönig und der Menschenfeind

Johann Nestroy: Freiheit in Krähwinkel
Der Zerrissene

Adalbert Stifter: Der Hagestolz

Marie von Ebner-Eschenbach: Mašlans Frau
Die Totenwacht
Die Unverstandene auf dem Dorfe
Er laßt die Hand küssen
Hirzepinzchen

Peter Rosegger: Jakob der Letzte

Gottfried Keller: Pankraz, der Schmoller

Arthur Schnitzler: Professor Bernhardi

Theodor Kramer: Die Gaunerzinke

Hugo Sonnenschein: Der Bruder Sonka und die allgemeine Sache

Jura Soyfer: Der Lechner Edi schaut ins Paradies

Marlen Haushofer: Himmel, der nirgendwo endet

Thomas Bernhard: Der Keller
Wittgensteins Neffe
Holzfällen
Meine Preise

Martin Walser: Finks Krieg

Peter Handke: Eine winterliche Reise ...
Der große Fall
Immer noch Sturm
Zwiegespräch

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel


Erlaubte Hilfsmittel:

Bücher
Computer
Papier und Stift
Natürliche Intelligenz

KI-Tools werden ausdrücklich NICHT als erlaubte Hilfsmittel angeführt. Ihr Einsatz mag nicht nachweisbar sein, aber wenn Sie aus dem von ChatGPT Gelieferten nichts Brauchbares machen, fällt es auf Sie zurück.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Bei prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 besteht grundsätzlich Anwesenheitspflicht.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal dreimaliges entschuldigtes Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bis zur dritten LV-Einheit möglich.

- Seminararbeit: 25 Seiten Haupttext
- Referat/Podiumsgespräch

Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Seminararbeit.

Modul V Masterseminar mit Zusatzleistung aus dem Master Deutsche Philologie (12 ECTS): Für die Aufwertung des Seminars um 6 ECTS muss eine verpflichtende schriftliche Mehrleistung (10 Seiten Haupttext) erbracht werden, d.h. es muss eine Seminararbeit im Umfang von 35 Seiten Haupttext verfasst werden.

Prüfungsstoff

- Lektüre der im Seminar behandelten Werke
- Abgabe Seminararbeit (Umfang 25 Seiten Haupttext)
- Kurzreferat und Teilnahme an Podiumsgespräch
- Thesenpapier
- Lektüreberichte
- Mitarbeit

Literatur

HINWEISE zur SEKUNDÄRLITERATUR

Karl Abraham, Ergänzungen zur Lehre vom Analcharakter. In: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Band IX, Nr. 1, 1923, S. 27–47

Ines Böker: Die Ethik der Widersetzlichkeit. Theoretische und literarische Transformationen der Antigone. Peter Lang: Berlin u.a.: 2019

Franz M. Eybl: Kleist-Lektüren. Wien: Facultas 2007

Sigmund Freud: Charakter und Analerotik. Gesammelte Werke, Band 7, 1908, S. 203–209

Sigmund Freud: Über Triebumsetzungen insbesondere der Analerotik. In: Sigmund Freud (Hrsg.): Internationale Zeitschrift für Ärztliche Psychoanalyse. Band IV, Nr. 3. Wien 1917, S. 125–130

Rupert Gaderer: Querulieren. Kulturtechniken, Medien und Literatur 1700-2000. Heidelberg: Metzler 2021

Hans von Hentig: Der Desperado. Ein Beitrag zur Psychologie des regressiven Menschen. Berlin u.a.: Springer 1956

Peter Sloterdijk: Zorn und Zeit. Politisch-psychologischer Versuch. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2006

Daniela Strigl: Zum Trotz. Erkundung einer zwiespältigen Eigenschaft. Salzburg: Residenz Verlag 2025


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 14.10.2025 21:26