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100192 SE Masterseminar NdL: Weltfremdheit und Zeitkritik. Günther Anders als Theoretiker und Literat (2021S)

6.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 10.03. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 17.03. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 24.03. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 14.04. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 21.04. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 28.04. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 05.05. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 12.05. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 19.05. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 26.05. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 02.06. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 09.06. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 16.06. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 23.06. 18:30 - 20:00 Digital
Mittwoch 30.06. 18:30 - 20:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Günther Anders (1902–1992) war ein Zeitkritiker in doppelter Hinsicht: Einerseits wusste er das 20. Jahrhundert, seine Zäsuren (Auschwitz, Weltkrieg, Hiroshima) und seine (technologischen, politischen, ökologischen) Umbrüche in markanten, zuweilen grellen und drastischen Bildern zu beschreiben und damit seiner eigenen ›apokalypseblinden‹ Zeit einen Spiegel vorzuhalten. Andererseits unterscheiden seine Schriften zwischen jener klassischen Moderne, die sie selbst in aller Schärfe durchleuchten, und einer sich in ihr abzeichnenden posthumanen und posthistorischen Zukunft, in der Leben und Arbeiten, Fühlen und Denken unter ganz neuen Bedingungen stehen werden. Diese Zukunft ist unsere Gegenwart. Erst von heute aus zeigt sich daher, welch prognostische Kraft Anders‘ Diagnosen zu eigen ist.
Beispielweise hat er lange vor Baudrillard mediale Simulationsregime beschrieben, mit denen ein ›postideologisches‹ oder ›postfaktisches‹ Zeitalter anbrechen wird; und spricht er bereits in den 1950er Jahren von einem globalen Maschinenverbund, dessen Apparate sich ihrer Umwelten bemächtigen, hat er damit jene digitalen Netzwerke antizipiert, die heute all unsere Lebens-, Arbeits- und Wissensbereiche umspannen.
Anders‘ Schriften sind in den Bereichen der philosophischen Anthropologie, der Kritischen Theorie, der Technik- und Medienwissenschaft ebenso anzusiedeln wie auf dem Feld der Ästhetik, der Kunst- und Kulturkritik, der Essayistik und der Literatur. Das Seminar soll sich ihnen in drei Schritten annähern. Ausgangspunkt ist Anders‘ Konzept der ›Weltfremdheit‹: eine Theorie des Menschen, der erst durch Technologie- und Medieneinsatz zur Teilnahme an der Welt befähigt wird, den die moderne ›Technokratie‹ allerdings nur mehr Simulakren von Welt zugänglich macht. Im Zentrum stehen hier Anders‘ Klassiker »Die Antiquiertheit des Menschen« (mit seinen berühmten Diagnosen zum ›prometheischen Gefälle‹, zum medialen Weltverlust und zum Zeitalter des atomaren Nihilismus), seine Beobachtungen zum Medienereignis der Mondlandung und seine Skizzen zu einer Geschichte menschlichen Fühlens.
In einem zweiten Schritt wird es um Anders‘ kunstkritische und literaturtheoretische Schriften gehen, in denen er – ausgehend von Filmen und Gemälden, aber auch von Autoren wie Kafka und Döblin – die ästhetischen und poetologischen Konsequenzen eines ›Menschen ohne Welt‹ untersucht. Drittens und abschließend soll sich das Seminar Anders‘ vielfältigen Schreibweisen widmen: seinem Roman »Die molussische Katakombe«, mit dem er die Möglichkeiten des Erzählens unter totalitären Bedingungen erkundet; seinem Lehrgedicht »Mariechen«, seinen Fabeln und Gedichten, mit denen er sein theoretisches Denken ausfabuliert; seinen Aphorismen und seinem Tagebuch als Mittel aufmerksamer Zeitkritik; und schließlich seinen vielbeachteten Korrespondenzen, die er mit Adolf Eichmanns Sohn und mit einem Piloten führte, der am Abwurf der ersten Atombombe beteiligt war. Letztlich soll das Seminar Anders als einen Autor untersuchen, dessen Werk, wie er selbst sagte, zur Hälfte ›Belletristik‹ ist – »freilich eben politische und philosophische Belletristik«.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Erwartet wird – neben der aktiven und regelmäßigen Teilnahme – die Mitwirkung in einer Expertengruppe, die den Stoff einer Sitzung aufbereitet und präsentiert; mindestens eine Respondenz zur Präsentation einer anderen Expertengruppe; und nach Semesterende eine Seminararbeit im Umfang von 25 Seiten, Abgabe bis 15. September 2021 in gedruckter und elektronischer Form.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.

- im Seminar: aktive Teilnahme an den Sitzungen; sachlich pointiertes Impulsreferat mit kompetenter Diskussionsleitung; Respondenz zu einer Präsentation der anderen Expertengruppen
- Seminararbeit: originelle Themenwahl und klare Fragestellung; Erschließung des aktuellen Forschungsstands; Orthographie, sprachliche Form, Stil; Berücksichtigung wissenschaftlicher Konventionen; Methodenbewusstsein; theoretischer Hintergrund

Prüfungsstoff

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Literatur

Nach Möglichkeit werden die Texte über Moodle bereitgestellt.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 21.04.2021 16:08