Universität Wien
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100242 PS SpraWi: Die Dragqueen und der Androide (2018W)

Menschliches/Humanoides jenseits der präfeministischen Geschlechterdichotomie?

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 10 - Deutsche Philologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

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Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 03.10. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 10.10. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 17.10. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 31.10. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 07.11. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 14.11. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 21.11. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 28.11. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 05.12. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 12.12. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 12.12. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 5 Hof 3
Mittwoch 09.01. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 09.01. 11:30 - 13:00 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Mittwoch 16.01. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 23.01. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Mittwoch 30.01. 09:45 - 11:15 Seminarraum 1 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Wortneuschöpfungen wie "Dragqueen" oder "Androide" sind inzwischen anerkannt und wurden auch normativ schnell erfasst, dh. sie finden sich in prestigehältigen Wörterbüchern, Fachlexika und auch E-Lexika. Ganz im Gegensatz zur Versprachlichung/Rekonzeptionalisierung von Personenreferenzen, die bereits in präfeministischer Zeit benannt wurden, wie etwa „Frau“ bzw. „Weib“ oder „Zwitter“. Hierbei handelt es sich um verfestigte Personenreferenzen, die nur einer Bedeutungserweiterung bzw. -verengung bedürften, um die alleinbestimmenden hetero-maskulinen Kategorien aufzuheben. Menschliches muss heute die drei biologischen Phänotyp_innen – weiblich, männlich, intersexuell – sowie alle sexuellen Existenzweisen – hetero-, homo, bi-, inter- und transsexuell/-gender gleichwertig auf der Personenstandsebene erfassen und entsprechend auf normativer Ebene umsetzen.
Es soll der Frage nach dieser Repräsentation aller nach mehr als 40 Jahren Emanzipation der Frau und der sukzessiven Anerkennung sexueller Existenzweisen nachgegangen werden. Wie und auf welche Weise sind sie alle konzeptionalisiert und versprachlicht? Welche Motivation und Norm liegt ihrer Wortbildung bis heute zugrunde? Wie sind sie in ihren semantischen Relationen in der Makro- und Mikrostruktur des Wortschatzes verortet und entspricht dies einer zeitgemäßen Darstellung aller Mensch_innen?
Es liegt auf der Hand, dass sich bei Intersexuellen aufgrund ihrer erst kürzlich rechtlichen Anerkennung noch nicht so viel geändert haben kann wie bei allen anderen Mensch_innen. Weniger verständlich ist die bis heute unbefriedigende Repräsentanz des biologischen weiblichen Geschlechts und aller sexuellen Existenzweisen - ausgenommen die masko-heterosexuelle. Diese wird bis heute mit dem Hyperonym sexuell in maßgeblichen Nachschlagewerken gleichgesetzt, was einer Höhersetzung des Heteromannes gegenüber allen Anderen gleichkommt.
Sprache sollte unabhängig von Ideologien alle so darstellen, dass auf sie in unterschiedlicher Weise je nach Kontext referiert werden kann – wertneutral "Frau/Mann", aufwertend "tolle_r Frau/Mann" und abwertend "Weib/Macho", um nur einige zu nennen. Diese differenzierten Repräsentanzen weisen Heteromänner ganz, Heterofrauen aber nur teilweise auf - das biologische Geschlecht „intersexuell“ oder andere Existenzweisen wenig bis gar nicht. So sind wertneutrale Referenzen auf Homosexuelle nur durch die Umdeutung von Pejorativa wie etwa „Lesbe“ und „Schwuler“ entstanden, alle anderen sind in der Regel abwertend. Bei der Referenz auf Intersexuelle wird nicht zwischen Person, Tier und Ding unterschieden, was den humanen Status der Intersexuellen unterläuft, stellt doch diese Abgrenzung des Menschlichen vom Nicht-Menschlichen eine essentielle Rangordnung im Deutschen wie in vielen indoeuropäischen Sprachen dar.
Die Ziele dieses Proseminars stellen daher die Analyse und Dekonstruktion der androzentrischen und teilweise sexistischen Versprachlichung des Menschlichen als heterosexuell Männlichen im Lexikon anhand konkreter Lemmata dar. Das Resultat sollen konkrete Vorschläge bzw. Neudefinitionen der untersuchten hetero-androzentrischen Lemmata sein. Diese werden aufgrund lexikologischer und lexikografischer Vorgehensweisen unter dem Gesichtspunkt eines Mensch_innenkonzeptes, das phänomenologisch alle und nicht nur das Heteromännlich-Menschliche präsentiert, erarbeitet.
Des weiteren sollen syntaktische Problemfelder wie etwa die Bevorzugung des Maskulinums in der Genus-Kongruenz oder morpho-semantische wie der Zusammenfall des Nomen agentis mit der maskulinen Personenbezeichnung und das Auseinanderdriften des grammtischen mit dem natürlichen Geschlecht analysiert werden. Neben diesen sollen auch die Aufwertung bestimmter biologischer Geschlechter und anderer sexueller Existenzweisen in ihren Verortungen im Wortschatz mit ihren semantische aus gendersymmetrischer bzw. -repräsentativer Sicht analysiert und dekonstruiert werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- regelmäßige Anwesenheit (max. 3 unentschuldigte Absenzen)
- Mitarbeit/aktive Beteiligung an den Diskussionen
- Referat (Power-Point-Präsentation und/oder Handout)
- Proseminar-Arbeit (Umfang: 15 Seiten Fließtext)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die PS-Note setzt sich aus regelmäßiger Anwesenheit sowie schriftlichen und mündlichen Teilleistungen zusammen, wobei ein Referat gehalten werden und die PS-Arbeit positiv sein muss.

Prüfungsstoff

- Feministische/MaskulinistischeTheorie, Gendertheorie, Diversity und Queer Studies
- Feministische Linguistik und Genderlinguistik
- Lexikologie/-graphie, Semantik/Wortbildung
- sprachwissenschaftliche Argumentation auf Basis oben genannter Theorien und Bewegungen

Literatur

- wird in der LV bekanntgegeben

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

(I 1233, I 2900)
Teilnahmevoraussetzung im UF Deutsch Diplom:
StEOP (I 1114 + StEOP LehrerInnenbildung)
I 1111; I 1112; I 1117
Zur Äquivalenzliste geht es hier: http://spl-germanistik.univie.ac.at/uploads/media/Aequivalenzliste_LA_UF_Deutsch.pdf

Letzte Änderung: Mi 15.12.2021 00:18