Universität Wien

110084 VO Literaturwissenschaftliche Vorlesung (BA/MA) - Italienisch (2026S)

Politik der Literatur von Chiara d'Assisi bis Roberto Saviano

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 11 - Romanistik
VOR-ORT

Voraussetzungen lt. Studienplan:
MA: s. Studienplan
BA: Absolvierung der Grund- und Erweiterungsmodule (Pflichtmodule)
Lehramt (Wahlfach): Absolvierung der Einführungsvorlesungen dringend empfohlen

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Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Mittwoch 11.03. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 18.03. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 25.03. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 15.04. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 29.04. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 06.05. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 13.05. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 27.05. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 03.06. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 10.06. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8
  • Mittwoch 17.06. 13:15 - 14:45 Seminarraum ROM 1 (3B-EG-15) UniCampus Hof 8

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Politik und Literatur haben oft ebenso fruchtbare wie furchtbare Allianzen gebildet. Das Verhältnis zwischen politischen und literarischen Formen ist daher von der Antike bis in die Gegenwart hinein umstritten: Platon wollte bekanntlich die Dichter aus dem Staat vertreiben. Aristoteles hingegen schien von der gemeinschaftskonstitutiven Kraft künstlerischer Formen auszugehen. In Italien scharten mittelalterliche Herrscher die Poeten der Scuola Siciliana um sich, in deren Gedichten soziale und poetische Strukturen in komplexer Weise interagieren. Über ihre Autorinnenschaft entwerfen Chiaria d’Assisi, Vittoria Colonna oder auch das Pseudonym Elena Ferrante neuartige Formen von Autorität, nicht zuletzt um andere Autoritäten in Frage zu stellen. Dantes Ich-Erzähler begibt sich nicht zuletzt auch deshalb auf eine fiktive Jenseitsreise, um in Inferno, Purgatorio und Paradiso zur zeitgenössischen Politik Stellung nehmen zu können. Im Exil zum Schreiben verdammt wird Niccolò Machiavelli zum Webereiter einer ‚modernen‘ politischen Theorie, die sich über den literarischen Diskurs allererst formieren kann. Alessandro Manzonis ‚Promessi Sposi‘ wurden im Nachhinein zum Gründungstext einer italienischen Nation, die sich vielleicht gerade in der Literatur und ihren (Re-)Lektüren über die Jahrhunderte hinweg als solche wahrnehmen kann. In der Reflexion Antonio Gramscis oder Pier Paolo Pasolinis wiederum werden solche Prozesse der Kanonisierung auch als Unterdrückungsinstrument greifbar. Und Roberto Saviano beruft sich unter anderem auf diese Traditionen,
um aus dem Abseits eines von Polizeischutz begleiteten Schreibens in mafiöse Machenschaften seiner Heimat zu intervenieren.

Die Vorlesung will anhand dieser und anderer Texte und Autor:innen nach den Möglichkeiten einer „Politik der Literatur“ fragen. Im Anschluss an das gleichnamige Buch von Jacques Rancière soll es dabei nicht so sehr um Formen literarischer Rede über politische Inhalte gehen, sondern um die Frage, wie „Literatur als Literatur Politik betreibt“.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

(Hand-)Schriftliche Abschlussprüfung mit Fragen/Aufgaben und Textanalyse. Der Gebrauch von Wörterbüchern (allerdings NICHT in elektronischer Form) ist erlaubt.

Die Vorlesung findet in deutscher Sprache statt, hat aber überwiegend italienische Originaltexte zum Gegenstand. Das Bestehen der schriftlichen Klausur setzt die Kenntnis der Vorlesungsinhalte voraus, die am besten durch regelmäßigen Besuch der Lehrveranstaltung und/oder Durcharbeiten der Materialien zur Vorlesung (Powerpointfolien, Handouts, etc.) sowie insbesondere auch der angegebenen Literatur erworben wird. Die Klausuraufgaben können in deutscher, italienischer oder englischer Sprache bearbeitet werden.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Es sind zwei von drei Fragen zu beantworten. Außerdem sieht die Prüfung die Analyse eines Textausschnittes vor, der anhand von Leitfragen in den thematischen Kontext der Vorlesung einzuordnen bzw. zu reflektieren ist. Falls Sie alle drei Fragen beantworten, werden die drei besten Antworten beurteilt. Jede Frage ergibt max. 5 Punkte. Für die Textanalyse können max. 10 Punkte erworben werden.
Notenskala (max. Punkteanzahl = 20):
11-13 Punkte = genügend
14-16 = befriedigend
17-18 = gut
19-20 = sehr gut

Fragen:
5 Punkte: sehr präzise und differenzierte Beantwortung; sichere Kenntnis der Vorlesungsinhalte; klare argumentative Struktur; eigenständige Verknüpfung von Texten, Begriffen und theoretischen Positionen; korrekter und reflektierter Umgang mit Fachterminologie

4 Punkte: schlüssige und inhaltlich richtige Beantwortung; gute Kenntnis der behandelten Texte und Konzepte; Argumentation nachvollziehbar, aber mit geringerer Differenzierung oder begrenzter Eigenständigkeit

3 Punkte : grundsätzlich korrekte Darstellung zentraler Aspekte; Antwort bleibt teilweise beschreibend oder reproduktiv; begrenzte argumentative Stringenz oder begriffliche Präzision

2 Punkte: Mindestanforderungen in Ansätzen erfüllt; stark vereinfachte Darstellung; lückenhafte Kenntnisse oder unscharfe Argumentation; kaum eigenständige Verknüpfungen

0–1 Punkte: unzureichende oder weitgehend fehlerhafte Beantwortung; fehlende Kenntnis der Vorlesungsinhalte; reine Paraphrasen oder thematische Verfehlung

Textanalyse (max. 10 Punkte)
9–10 Punkte: sehr präzise, textnahe Analyse; sichere Einordnung des Textausschnitts in den thematischen und theoretischen Kontext der Vorlesung; überzeugende Verbindung von Analyse und übergeordneten Fragestellungen zur „Politik der Literatur“; hohe analytische Eigenständigkeit

7–8 Punkte: schlüssige Textanalyse mit guter Textkenntnis; Leitfragen werden sinnvoll bearbeitet; Kontextualisierung überwiegend überzeugend, kleinere Schwächen in Tiefe oder Präzision

5–6 Punkte: grundsätzlich korrekte Analyse; Textbezug vorhanden, aber teilweise beschreibend; Einordnung in den Vorlesungskontext bleibt allgemein oder schematisch

4 Punkte: Mindestanforderungen ansatzweise erfüllt; oberflächliche Analyse; geringe analytische Durchdringung; Kontextualisierung nur ansatzweise

0–3 Punkte: unzureichende oder fehlende Textanalyse; kaum Textbezug; keine nachvollziehbare Einordnung in den thematischen Rahmen der Vorlesung

Prüfungsstoff

Gegenstand der Abschlussprüfung sind die Inhalte der Vorlesung sowie der begleitenden Materialien, Quellen und Texte. Lehr- und Lernmaterialien auf Moodle sowie bibliographische Angaben ermöglichen eine gezielte Nachbereitung der Vorlesung und die Vorbereitung der Klausur.

Literatur

Jacques Rancière, Politik der Literatur, Wien: Passagen 2011 (diverse Auflagen).

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BAR 11/14 I;
MAR 04/05/06/07/08/09 a/b, 03b;
Wahlfach;
MAR 01 Literaturgeschichte;

Letzte Änderung: Mi 22.04.2026 12:26