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140021 SE VM5 / VM7 - Die Internationale Arbeitsorganisation (2017W)

und die Auseinandersetzung um globale Ungleichheit in der Welt der Arbeit

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 05.10. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 12.10. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 19.10. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 09.11. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 16.11. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 23.11. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 30.11. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 07.12. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 14.12. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 11.01. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 18.01. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Donnerstag 25.01. 12:00 - 14:00 Seminarraum SG2 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziele:

Das Seminar zielt zentral darauf ab, die Studierenden zur Verfassung einer anspruchsvollen, auf Originalmaterial und theoretischer Reflektion basierenden Seminararbeit zu befähigen. Die Studierenden werden lernen, die Arbeits- und Sozialpolitik der ILO und der Akteure, mit denen sie (oft konflikthaft) kooperierte, als Auseinandersetzung mit Fragen der globalen Ungleichheit in der Welt der Arbeit zu begreifen und kritisch zu analysieren. Sie werden befähigt, ihre eigenen inhaltlichen Interessen im Spektrum der unterschiedlichen Traditionen und Perspektiven der Entwicklungsforschung im Themenbereich des Seminars ‘wiederzufinden’ und in eine entsprechende eigenständige Forschungsarbeit zu übertragen. In Auseinandersetzung mit dem Seminarthema werden sie dabei unterstützt, ihre Interessen im Bereich der Entwicklungsforschung zu konkretisieren, zu erweitern, (selbst-)kritisch zu reflektieren, und zu vertiefen.

Inhalt:

Die Seminararbeiten und das Seminar selbst befassen sich mit ungleicher globaler Entwicklung von Arbeitsverhältnissen sowie internationalen, nationalen und post/kolonialen Arbeitspolitiken in den vergangenen hundert Jahren. Insbesondere beschäftigen wir uns dabei damit, wie die Entwicklung einzelner Elemente der globalen Ungleichheit in der Welt der Arbeit durch Auseinandersetzungen und Politiken geformt wurde und geprägt war, die implizit oder explizit auf Klasse, Geschlecht, ‘Rasse’, Post/Kolonialismus und andere Kategorien bzw. Dimensionen von Ungleichheit Bezug nahmen.

Die Geschichte der ILO war und ist in hohem Maße von der Entwicklung der globalen Ungleichheit in der Welt der Arbeit geprägt und hat in vielerlei Weise darauf Bezug genommen. Dabei ging und geht es, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, um die Problematik der unfreien Arbeit, den informellen Sektor, die transnationale Migration, die Arbeitsverhältnisse von Seeleuten, die Einführung des Arbeitsinspektorats in kolonialen und postkolonialen Ländern, die Stellung von Gewerkschaften auf beiden Seiten des ‘Eisernen Vorhangs’ im Kalten Krieg, die Kämpfe von Organisationen der arbeitenden Frauen und der ‘coloured workers’ um Einflussnahme auf die Politik der ILO, die ‘technische Hilfe’ im Rahmen der von der ILO betriebenen Entwicklungszusammenarbeit, die Entwicklung der internationalen Arbeitsstatistik, die Behandlung von unbezahlter Frauenarbeit im internationalen Arbeitsrecht, das Verhältnis zwischen internationalem Arbeitsrecht und anderen internationalen und nationalen Rechtsnormen und -trägern, die Auseinandersetzungen um die Anpassung von Arbeitspolitik an unterschiedliche ‘Stufen der wirtschaftlichen Entwicklung’, die globale Politik des ‘gleichen Lohns für gleiche Arbeit’, etc. In jedem dieser Themenbereiche, und innerhalb von anderen hier nicht genannten großen Themenbereichen, gibt es zahlreiche konkrete Einzelthemen zu ‘entdecken’ und Fragestellungen zu entwickeln. Die Studierenden werden dabei im Seminar auf vielfältige Weise unterstützt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Methoden:

Im ersten Teil des Seminars setzen wir uns gemeinsam kritisch mit der Literatur zu Fragen der Entwicklung von Arbeitsverhältnissen in globaler Perspektive, und zur Geschichte und Gegenwart der ILO und der internationalen Politik der Arbeit auseinander. Wir befragen diese Literatur insbesondere darauf, inwieweit und auf welche Weise sie sich mit Fragen rassistisch konnotierter, geschlechterspezifischer und anderer Unterschiede auseinandersetzt, und ob und wie sie diese Themen mit der Thematik der ungleichen globalen Entwicklung von Arbeitsverhältnissen und Arbeitsrecht in Zusammenhang bringt. Parallel dazu stellen die Studierenden das geplante Thema ihrer Seminararbeit vor und beginnen mit eigenständigen Vorrecherchen (s.u.).

Im zweiten, umfänglicheren Teil des Seminars legen die Studierenden einen vorläufigen, dann einen endgültigen Entwurf ihrer Seminararbeit, und schließlich den Entwurf eines ersten Teilkapitels vor. Diese Texte werden jeweils in der Gruppe eingehend kommentiert und diskutiert.

Die ILO stellt über einen eigenen Server und ein elektronisches Recherchesystem sämtliche gedruckte Originalmaterialien und Publikationen seit 1919, einschließlich einer Fülle von internen Papieren und Protokollen, Erhebungen über Arbeitsverhältnisse und Arbeitspolitik weltweit, Zeitschriften mit detaillierten Informationen über Arbeitsverhältnisse in aller Welt, etc., im open access Modus zur Verfügung. Dasselbe gilt für eine eigene Datenbank über sämtliche Übereinkommen und Empfehlungen der ILO, Informationen über deren Ratifizierung, etc. Diese Materialien stellen eine zentrale empirische Materialgrundlage für die Seminararbeiten dar. Zu Beginn des Seminars erfolgt eine eingehende Einführung in diesen Materialienkorpus, die Möglichkeiten seiner Benutzung, und die vielfältigen Möglichkeiten der Ergänzung durch andere Materialien.

Zu Beginn der Lehrveranstaltung stellen die Studierenden in der Gruppe ihr eigenes Interesse an der Lehrveranstaltung vor und formulieren ihre eigenen bereits vorhandenen Lernziele für das Seminar. Am Ende der Lehrveranstaltung werden diese Eingangsstatements in der Gruppe, und unter Bezugnahme auf das in der Lehrveranstaltung als Gruppe und individuell Erarbeitete, nochmals reflektiert. Außerdem werden wir zum Abschluss des Seminars über mögliche Weiterführungen der gemeinsamen Arbeit nachdenken.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Studierenden verfertigen für den erfolgreichen Abschluss des Seminars eine Seminararbeit im Umfang von 40.000 bis 50.000 Zeichen (incl. Leerzeichen), die wissenschaftlich vertretbar durchgeführt ist (nachvollziehbare Argumentation, wissenschaftlicher Apparat, selbstständig erarbeitet, explizite Bezugnahme auch auf methodische und theoretische Fragen). Aktive Mitarbeit an allen oben genannten Elementen des Seminars ist Voraussetzung für einen positiven Abschluss. Wer zur ersten LV-Einheit nicht erscheint, kann nicht teilnehmen.

Prüfungsstoff

Literatur

Anmerkung: Dies ist eine vorläufige, erste Auswahl möglicher Literatur.
Die einführende (Pflicht-)Lektüre wird nach dem ersten Semi-
nartermin auf die Interessen der Studierenden zugeschnitten.

Ahuja, R. (2013) Working Lives and Worker Militancy: The Politics of Labour in Colonial India ( Delhi: Tulika)
Balachandran, G. (2012) Globalizing Labour? Indian Seafarers and World Shipping, c. 1870-1945 (Delhi and Oxford: Oxford UP)
Blanpain, R., Liukkunen, U., and Chen, Y. (eds) (2014) China and ILO Fundamental Principles and Rights at Work (Alphen ann den Rijn: Kluwer Law International)
Boris, E., Hoehtker, D., and Zimmermann, S. (eds) (2017), Women’s ILO. Transnational Networks, Global Labour Standards and Gender Equity, 1919 to Present, Brill (fortcoming)
Carew, A. et al. (eds) (2000) The International Confederation of Free Trade Unions (Bern: Peter Lang)
Dahlén, M. (2007) The Negotiable Child. The ILO Child Labour Campaign 1919-1973 (Uppsala: Uppsala Universitet)
Fink, L. (ed.) (2011) Workers across the Americas: The Transnational Turn in Labor History (New York: Oxford University Press)
Fonow, M. M. and S. Franzway (2011) Making Feminist Politics. Transnational Alliances between Women and Labor (Urbana: University of Illinois Press
Eckert, A. (ed.) (2016) Global Histories of Work (Berlin: Walter de Gruyter Publishers)
Hoerder, D., Nederveen Meerkerk, E., and Neunsinger, S. (eds) (2015) Towards a Global History of Domestic and Caregiving Workers (Leiden: Brill)
Hofmeester, K., and Van der Linden, M. (eds) (2017) Handbook: Global History of Work (Berlin: Walter de Gruyter Publishers) (forthcoming)
Jensen, J., and Lichtenstein, N. (eds) (2015) The ILO From Geneva to the Pacific Rim.West Meets East (London: Palgrave Macmillan/ILO)
Maul, D. R. (2007) “The International Labour Organization and the Struggle against Forced Labour from 1919 to the Present”, Labor History 48, 4, 477-500
Maul, D. R. (2007) Menschenrechte, Entwicklung und Dekolonisation. Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) 1940-1970 (Essen: Klartext)
Kott, S. and J. Golb (2012) “The Forced Labor Issue Between Human and Social Rights, 1947-1957”, Humanity: An International Journal of Human Rights, Humanitarianism, and Development, 3, 3, 321-35
Kott, S. and J. Droux (eds) (2013) Globalizing Social Rights: The International Labour Organization and Beyond (Basingstoke and New York: Palgrave Macmillan)
Lindell, I. (ed.) Africa’s Informal Workers: Collective Agency, Alliances and Transnational Organizing in Urban Africa (London: Zed Books), 1-30
Neiss, I. (2015) Southern Insurgency. The Coming of the Global Working Class (London: Pluto Press)
Panford, K. (1994) African Labor Relations and Workers’ Rights. Assessing the Role of the International Labor Organization (Westport and London: Greenwood Press)
Prügl, E. (1999) The Global Construction of Gender (New York: Columbia University Press)
Rodriguez Garcia, M. (ed.) (2006) Labour Internationalism. Different Times, Different Faces (= Belgisch Tijdschrift voor Filologie en Geschiedenis/Revue Belge de Philologie et d’Histoire 84, 4)
Van Goethem, G. (2006) The Amsterdam International. The World of the International Federation of Trade Unions (IFTU), 1913-1945 (Aldershot: Ashgate)
Van Daele, J., et al. (eds) (2010) IlO Histories: Essays on the International Labour Organization and Its Impact on the World During the Twentieth Century (Bern: Peter Lang)
Van der Linden, M., and Rodriguez Garcia, M. (eds) (2016) On Coerced Labor. Work and Compulsion after Chattel Slavery (Leiden, Boston: Brill)
Zimmermann, S. (2015) Klasse, Geschlecht, globale Differenz. Drei Achsen der Ungleichheit in der Gründungsstunde der Internationalen Arbeitsorganisation im Jahr 1919, Das Recht der Arbeit, 5, 358-68

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

VM5; VM7

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:42