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140057 VO+UE VM3 / VM8 - 'Die größte Minderheit der Welt' (2018S)

Wie Behinderung sich intersektional auf menschenrechtsbasierte Zugänge zu Entwicklung auswirkt

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
SGU

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Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch, Englisch

Lehrende

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Stichworte / key words:

human rights, disability, governmentality, human rights instruments, development programmes, neo-institutionalism, world society, organisation theory, minority, personhood, accessibility, ableism, disableism, thematic priorities, European Union, welfare, social policy, community-based rehabilitation, autonomy, individuality, dignity,
Menschenrechte, Behinderung, Gouvernmentalität, Menschenrechtsinstrumente, Entwicklungsprogramme, Neoinstitutionalismus, Weltgesellschaft, Organisationstheorie, Minderheit, Personenstatus, Barrierefreiheit, Ableismus, Disableismus, thematische Prioritäten, Europäische Union, Wohlfahrtsstaatlichkeit, Sozialpolitik, Autonomie, Individualität, Würde, inclusive development

Falls Sie als TeilnehmerIn Bedarf für räumlichen barrierefreien Zugang oder anderweitige Bedürfnisse haben, so kommunizieren Sie dies bitte noch vor der ersten Einheit an die LV-Leitung und das Büro der Internationalen Entwicklung.

Dienstag 06.03. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 13.03. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 20.03. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 10.04. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 17.04. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 24.04. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 08.05. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 15.05. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 29.05. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 05.06. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 12.06. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 19.06. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1
Dienstag 26.06. 14:00 - 16:00 Seminarraum SG1 Internationale Entwicklung, Sensengasse 3, Bauteil 1

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Debatten um Menschenrechte haben bislang verbreiteten Wert als Werkzeuge in entwicklungspolitischen Diskursen gefunden, nachdem sie wenig an Hinterfragen zulassen. Dennoch waren Aspekte um „Behinderung“ (dis/ability) – eine breite Kategorie, die oftmals nur als individuell eingeengt oder als rhetorisch universalisiert einsetzbar gemacht werden kann – in den Millennium Development Goals vernachlässigt und gewinnen seit den SDGs nur langsam an Fahrt. An diesem Themenbereich soll Studierenden veranschaulicht werden, wie Wertvorstellungen als Grundrechte durch soziale Bewegungen vorangetrieben wurden und werden, und welche theoretischen Denkströmungen daraus erwachsen. Eine Berücksichtigung der Leben und Sprecherpositionen von Menschen mit Behinderung, welche von der WHO auf 10 bis 20% der Weltbevölkerung geschätzt werden, kann EntwicklungsforscherInnen dazu sensibilisieren, reflexiver mit ihrer eigenen Arbeit und mit Entwicklungsstrategien umzugehen.
Im Seminar werden wir uns zuerst einen Überblick zur institutionellen Kategorie „Behinderung“ (samt Konzepten von Dis/Ableismus als physische und gesellschaftliche Diskriminierungspraxen) und zur Entstehung moderner Menschenrechte verschaffen. Zweitens beleuchten wir die Ursprünge von Normativität, sozialen Normen und institutionalisierter Normalisierung in Anbetracht einer globalisierten Marktwirtschaft, was uns eine sachkundige Diskussion zur sozialen Konstruktion menschlicher Kategorien erlauben wird. Und drittens wollen wir aus neoinstitutionalistischer Perspektive weltweite Tendenzen dazu beobachten, wo „Probleme“ ausgemacht und Lösungsvorschläge zu diesen formuliert werden – wer sich also in einem internationalen Kommunikationsnetz auf welchen Wegen Gehör verschafft. Unsere Literaturarbeit setzt sich zusammen aus (1) wissenschaftlichen Aufsätzen zur Genese der allgemeinen Menschenrechte, und behindertenrechtssensiblen Zugänge im Besonderen; (2) methodologischen Artikeln, die eine strukturelle Verschiebung von Zwangsmaßnahmen zu mimetischer und wissensbasierter Aneignung darstellen; die gewonnenen Einsichten setzen wir mit (3) grauer Literatur staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure in Zusammenhang, die Veränderungen in Entwicklungsparadigmen und deren Herausforderungen in der Anwendung beschreiben.
Im Laufe des Seminars sollen Studierende sich kritisch mit ihrem bislang gesammelten Wissen auseinandersetzen, um es in Anbetracht von Menschen mit Behinderung in Entwicklungsfragen auf den Prüfstand zu stellen. Theoretische Perspektiven aus Sozialkonstruktivismus, feministischer Ethik, Queer Theory und soziologischer Weltgesellschaftstheorie sollen somit nachvollziehbar machen, was bisherige Entwicklungsagenden generiert hat und künftige beeinflussen kann. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948) und auf sie folgende Menschenrechtsverträge, die auf jeweilige Minderheiten zugeschnitten waren (z.B. Frauen, people of colour, Kinder, Migranten) wollen wir mithin daraufhin untersuchen können, wie sie gesellschaftliche Erwartungen, Wissen und Praktiken normativ prägen. Empirisch soll ein Vergleich zwischen den Zielen der MDGs (2000), der SDGs (2015) und dem Neuen europäischen Konsens über die Entwicklungspolitik (2016) erlaubt werden. Es ist unser Ziel zu erkennen, wie menschenrechtssensible Strategien ausgearbeitet werden, und auf welche Umstände Nationalstaaten und die Zivilgesellschaft dabei reagieren.

Ziele:
a. Behinderung als eine Forschungsperspektive zur kritischen Betrachtung von Menschenrechten, Normativität und intersektionaler Ungleichheit erkennen;
b. Methodische Sensibilisierung und Kenntnisnahme sozialer Akteure, um historische und theoretische Verbindungen und ihren strategischen Nutzen für unterschiedliche Zielgruppen herauszuarbeiten;
c. Darstellung von Beispielen, wo Bemühungen um Rechte zu Aufmerksamkeit und übergreifendem gemeinschaftlichen Handeln breiter Interessensgruppen beitragen können.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Kritisches Lesen und Vorbereitung von Fragen in kleinen Fokusgruppen (Textausarbeitung und wechselseitige Präsentation – Gruppengröße abhängig von Teilnehmerzahl);
Peer review und Diskussion im Plenum während jeder Einheit;
Gruppenpräsentation zu ausgewählten Texten – vorbereitete Fragen sollen die Diskussion leiten.
Relevante Texte sollen den Teilnehmenden einen Überblick zu den vorhandenen Forschungsperspektiven liefern, anhand derer sie im weiteren Verlauf politische Strategien untersuchen können.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Aktive Teilnahme an Diskussionen und Lesen der Pflichtlektüre; Mindestteilnahme; mündliche Präsentation; schriftliche Arbeiten

Anwesenheit und aktive Diskussionsteilnahme (max. 20% der Note);
Präsentation und Gruppenarbeit (max. 30%);
Fragenvorbereitung und Moderation der jeweiligen Diskussion (max. 10%);
2 schriftliche Arbeiten – 5-8 Seiten (Standardfont) (max. 40%).

Prüfungsstoff

Schriftliche Arbeiten im Rahmen der LV sollten auf mindestens 2 der im Seminar behandelten Texte inhaltlich verweisen; zu individueller Recherche und Einbezug von Quellen aus anderen Wissensbereichen wird herzlich eingeladen.

Literatur

DiMaggio, Paul J., and Walter W. Powell. 1983. ‘The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields’. American Sociological Review 48 (2): 147–60.

Giulianotti, Richard, and Roland Robertson. 2012. ‘Mapping the Global Football Field: A Sociological Model of Transnational Forces within the World Game’. The British Journal of Sociology 63 (2): 216–240.

Link, Jürgen. 2004. ‘From the “Power of the Norm” to “Flexible Normalism”: Considerations after Foucault’. Translated by Mirko M. Hall. Cultural Critique 57 (1): 14–32.

Nguyen, Xuan-Thuy. 2015. ‘Genealogies of Disability in Global Governance: A Foucauldian Critique of Disability and Development’. Foucault Studies 19: 67–83.

Pogge, Thomas, and Mitu Sengupta. 2016. ‘Assessing the Sustainable Development Goals from a Human Rights Perspective’. Journal of International and Comparative Social Policy 32 (2):83–97.

Schulze, Marianne. 2007. ‘The UN Convention on the Rights of Persons with Disabilities and the Visibility of Persons with Disabilities in Human Rights’. Behinderung und Dritte Welt: Journal for Disability and International Development 18 (1): 13–19.

Shuttleworth, Russell, and Devva Kasnitz. 2006. ‘The Cultural Context of Disability’. Edited by Gary Albrecht, Jerome E. Bickenbach, David T. Mitchell, Walton O. Schalick III, and Devva Kasnitz. Encyclopedia of Disability, Vol.1, 330-337. Thousand Oaks, CA: Sage.

Stein, Michael Ashley. 2007. ‘Disability Human Rights’. California Law Review 95 (1): 75–121.

Tardi, Rachele, and Janet Njelesani. 2015. ‘Disability and the Post-2015 Development Agenda’. Disability and Rehabilitation 37 (16–17):1496–1500.

Thomas, Carol. 2004. ‘How Is Disability Understood? An Examination of Sociological Approaches’. Disability & Society 19 (6): 569–83.

Titchkosky, Tanya. 2011. ‘Monitoring Disability: The Question of the “Human” in Human Rights Projects’. In Disability, Human Rights and the Limits of Humanitarianism, edited by Michael Gill and Cathy Schlund-Vials, 119–135. New York: Routledge.

Turner, Bryan S. 2000. ‘Disability and the Sociology of the Body’. In Handbook of Disability Studies, edited by Gary L. Albrecht, Katherine D. Seelman, and Michael Bury, 252–66. Thousand Oaks, CA: SAGE Publications.

UN Department of Economic and Social Affairs. 2015. ‘Transforming Our World: The 2030 Agenda for Sustainable Development’. U.N. Doc. A/RES/70/1. New York: United Nations.

UN General Assembly. 2008. CRPD - Convention on the Rights of Persons with Disabilities. U.N. Doc. A/RES/61/106. New York: United Nations.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

VM3 / VM8

Letzte Änderung: Mi 21.04.2021 13:31