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140330 SE VM3 / VM7 - Patriarchat, Männlichkeit(en) und Entwicklung (2017W)

Kritische Ansätze der Männlichkeitsforschung

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 04.10. 10:00 - 13:00 Seminarraum SG3 Gender-Studies, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 18.10. 10:00 - 13:00 Seminarraum SG3 Gender-Studies, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 08.11. 10:00 - 13:00 Seminarraum SG3 Gender-Studies, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 22.11. 10:00 - 13:00 Seminarraum SG3 Gender-Studies, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 06.12. 10:00 - 13:00 Seminarraum SG3 Gender-Studies, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 10.01. 10:00 - 13:00 Seminarraum SG3 Gender-Studies, Sensengasse 3, Bauteil 1
Mittwoch 24.01. 10:00 - 13:00 Seminarraum SG3 Gender-Studies, Sensengasse 3, Bauteil 1

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Sozialwissenschaftliche Männlichkeitsforschung hat sich seit den 1970er Jahren zu einem eigenständigen Feld im breiteren Bereich der Geschlechterforschung entwickelt. Dennoch ist ihre Materie die Untersuchung männlicher Geschlechterkonstitution und ihrer sozialer Wirksamkeit bisher weit davon entfernt, eine sozialwissenschaftliche Querschnittsmaterie zu sein. Dies ist auch in der Entwicklungsforschung der Fall.

Ziel des Seminars ist es, dem entgegenzuwirken und Bestände der kritischen Männlichkeitsforschung aufzuarbeiten um sie in Folge vor dem Hintergrund von Fragestellungen des Zentrum-Peripherie-Verhältnisses reflektieren zu können. Entgegen der auch in der Männlichkeitsforschung weit verbreiteten sozialkonstruktivistischen Fundierung erscheint es jedoch für die Analyse der strukturellen politischen Zusammenhänge des Männlichen vorteilhaft, auch an materialistische Theoriebestände anzuschließen.

Arbeitsgrundlage hierfür wird die Annahme sein, dass Männlichkeit im Rahmen einer differenzierten Patriarchatstheorie zu erschließen ist (Jeff Hearn). Auf dieser Basis wird anfangs eine subjekttheoretische Annäherung an Männlichkeit versucht. Klassische psychoanalytische Vorstellungen über Männlichkeit werden diskutiert (Sephen Frosh). In Folge wird Männlichkeit als handlungswirksamer Habitus (Pierre Bourdieu) erschlossen, der im Kontext sozialer Ungleichheitserfahrungen Bedeutung hat. Mit R.W. Connell wird dann eine der bedeutsamsten kontemporären Theoretikerinnen von Männlichkeit diskutiert.

Einführend wird dabei der Status Quo der Männersoziologie mit Michael Meuser besprochen. In Folge wird mit Wendy Brown die Männlichkeit des Staates anhand der Konstitution von Männerbünden untersucht. Schließlich wird mit Roswitha Scholz eine Perspektive auf die ‚Männlichkeit des Werts‘ in der Politischen Ökonomie diskutiert.

Am Ende des Seminars wird gemeinsam der empirische Gehalt der weit verbreiteten Diagnose einer ‚Krise der Männlichkeit‘ diskutiert (Michael Meuser/ Sylka Scholz). Diese Zeitdiagnose bietet die Vorlage für eine abschließende Auseinandersetzung mit Strukturdifferenzen hegemonialer Männlichkeit in Zentren und Peripherien, wobei postkoloniale Überlegungen zu Männlichkeit besprochen und die Männlichkeit der Entwicklungszusammenarbeit diskutiert werden. Abschließend wird ein Länderbeispiel (black masculinity in Haiti) in den Blick genommen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mitarbeit, Zusammenfassungen, Referate, Abschlussarbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Mindestanforderung:
Referat, mehr als 50% zeitgerecht abgegebene Zusammenfassungen, Seminararbeit, Mitarbeit

Beurteilungsmaßstab:
Seminararbeit 35%
Zusammenfassungen 35%
Referat 30%
Besondere Mitarbeit verbessert Note

Prüfungsstoff

Da es sich um ein Seminar handelt und Lektüre der Texte die Voraussetzung ist, muss von 30-60 Seiten Lektüre pro Einheit ausgegangen werden, die zeitgerecht (!) zusammenzufassen sind (per Block also zwei Zusammenfassungen und ca. die doppelte Lese-Menge). Hierfür ist das nötige Zeitbudget einzuplanen. Hinzukommt die Arbeit in Referatsgruppen, die bereits in der ersten Einheit vergeben werden. Bitte also vorab entscheiden, ob der Arbeitsaufwand in die Semesterplanung passt.

Literatur

Beckles, Hilary. 2004. Black Masculinity in Caribbean Slavery. In: Interrogating Caribbean Masculinities, Hrsg. Reddock, Rhoda E., 255-44. Jamaica/Barbados/Trinidad and Tobago: University of the West Indies Press.
Beynon, John. 2002. Masculinities and culture. Philadelphia: Open University Press.
Bourdieu, Pierre. 2002. Masculine Domination. Stanford: Stanford University Press.
Brown, Wendy. 1992. Finding the Man in the State. In Feminist Studies, 7-34.
Connell, Robert W. 2005. Masculinities Berkeley/Los Angeles: University of California Press.
Frosh, Stephen. 1994. Sexual Difference. Masculinity and Psychoanalysis. London/New York: Routledge.
Haywood, Chris und Mac an Ghaill, Máirtín. 2003. Men and Masculinities. Theory, research and social practice. Buckingham/Philadelphia: Open University Press.
Hearn, Jeff. 1992. Men in the public eye. The construction and deconstruction of public men and public patriarchies. London/New York: Routledge.
Heine, Frederic. 2014. Prekarisierte Männlichkeiten. Die doppelte Erosion industriegesellschaftlicher Männlichkeitskonstruktionen. In: Männlichkeiten. Kontinuität und Umbruch, Hrsg. Frey, Michael; Kriszio, Marianne und Jähnert, Gabriele, 194-209: Geschäftsstelle des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin.
Kivland, Chelsey. 2014. Becoming a Force in the Zone: Hedonopolitics, Masculinity, and the Quest for Respect on Haiti’s Streets. Cultural Anthropology 29, 4: 672-98.
Meuser, Michael. 2010. Geschlecht und Männlichkeit. Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster. Wiesbaden: VS-Verlag.
Meuser, Michael und Scholz, Sylka. 2012. Geschlecht und Männlichkeit. Soziologische Theorie und kulturelle Deutungsmuster. In: Erziehung, Bildung und Geschlecht. Männlichkeiten im Fokus der Gender-Studies, Hrsg. Baader, Meike Sophia; Bilstein, Johannes und Tholen, Toni, 23-41. Wiesbaden: VS-Verlag.
Mey, Dorothea. 1987. Die Liebe und das Geld. Zum Mythos und zur Lebenswirklichkeit von Hausfrauen und Kurtisanen in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Weinheim/Basel: Beltz.
Morrell, Robert und Swart, Sandra. 2005. Men in the Third World. Postcolonial Perspectives on Masculinity. In: Handbook of Studies on Men & Masculinities, Hrsg. Kimmel, Michael S.; Hearn, Jeff und Connell, R. W. , 90-114. Thousand Oaks/London/New Delhi: Sage.
Scholz, Roswitha. 1992. Der Wert ist der Mann. Thesen zu Wertvergesellschaftung und Geschlechterverhältnis. Krisis 12: 19-52.
Wanner, Thomas und Wadham, Ben. 2015. Men and Masculinities in International Development: 'Men-streaming' Gender and Development? Development Policy Review 33, 1: 15-32.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

VM3, VM7

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:42