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140373 VO+UE VM4 / VM5 - Zivilisierungsmission/en: Kritische Annäherungen an einen Begriff und Praxis (2018S)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
MOB

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 05.03. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 19.03. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 09.04. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 16.04. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 23.04. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 30.04. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 07.05. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 14.05. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 28.05. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 04.06. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 11.06. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 18.06. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12
Montag 25.06. 09:00 - 11:00 Inst. f. Afrikawissenschaften, Seminarraum 3 UniCampus Hof 5 2M-O1-12

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Vom 18. Jahrhundert an bis ins 20 Jahrhundert hinein wurde der Begriff Zivilisation ausschließlich im Singular gebraucht und verstanden. Darin zeigt sich sowohl die Selbstgenügsamkeit als auch Arroganz eines Europas bzw. eines Westens, der sich dank seiner technologischen und wissenstechnischen Überlegenheit an Machtmitteln über andere Weltgegenden erheben konnte und erfolgreiche imperiale Differenzpolitik betrieb. Zur Pluralisierung des Zivilisationsbegriffs kam es nur langsam. Dass andere als europäische Gesellschaften und Kulturen eigenständige Zivilisationen sein konnten, dass sie verdienten, mit diesem Begriff bezeichnet zu werden, dieser Gedanke ließ lange auf sich warten; zu schlagend erschien die europäische Überlegenheit, und entsprechend selbstgewiss und ignorant richtete sich der Blick auf die Anderen. Erst nach den Irritationen durch globale Vorgänge im 20. Jahrhundert nach den Weltkriegen, den antikolonialen Unabhängigkeitsbewegungen, der Dekolonisation, der afroasiatischen Solidarität, der Blockfreienbewegung, dem Tiersmondisme etc. setzten kritischere und pluralisierende Töne ein.
Die imperiale Machtausgreifung und Durchsetzung kolonialer Kontrolle wurde allerorts durch sendungsideologische Rechtfertigungen begleitet, die auf der Grundlage einer behaupteten Superiorität der Zivilisation der Kolonisatoren beruhte. Die ins Treffen geführten Begründungen dafür konnten vielfacher Art sein: rassisch (rassistisch i.e.S.), gottgewollt und gottgegeben, naturgewollt und naturgegeben (dasselbe Argument, einmal monotheistisch, einmal biologistisch ausgedrückt), institutionell, sozial, kulturell usw. Nun lebt diese Art des Denkens und des Machens sowie des Glaubens an die Machbarkeit auch in nachkolonialen Zeiten und Zusammenhängen fort.
Die begriffslogische Kehrseite der Superiorität, die Inferiorität, wurde (und wird) den Unterworfenen bzw. den zu Unterwerfenden zugeschrieben. Gut paternalistisch mussten (und müssen) die Dominierten aufgrund ihrer erklärten Minderwertigkeit dominiert und zivilisiert werden. Im zivilisierungsmissionarischen Diskurs werden erwachsene Menschen einer anderen Kultur zu Kindern der Zivilisation, damit werden sie zu Objekten des obrigkeitlichen Eingriffes, zu passiven Gegenständen der Formung, der Bildung, der Erziehung im Sinne und zum Zweck der Dominanzkultur.
Im Rahmen dieser LV werden Studierende Einblicke in die Komplexitäten der Kolonialgeschichte und neueren Geschichte bekommen. Sie erhalten Gelegenheit, ihre interkulturellen Kompetenzen zu schärfen und ihr kritisches Bewusstsein über fortlaufend herrschende bzw. wirkende Formen von Eurozentrismus und Rassismus zu schulen. Der Fokus auf konkrete Aspekte und Beispiele von Zivilisierungsmission/en erlaubt darüber hinaus die Entwicklung von eigenständigen Themenstellungen, die im Rahmen von Kursarbeiten/Seminararbeiten bearbeitet werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

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Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Regelmäßige Anwesenheit & engagierte Mitarbeit;
Mündliche Konzept- und Themenpräsentation plus Handout;
Kritische Kommentierung eines Fremdkonzepts;
Schriftliche Ausarbeitung Abschlussarbeit

Prüfungsstoff

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Literatur

Adas, Michael (2015 [1989]): Machines as the Measure of Men: Science, Technology, and Ideologies of Western Dominance. Ithaca: Cornell University Press.
Adas, Michael (2004): Contested Hegemony: The Great War and the Afro-Asian-Assault on the Civilizing Mission Ideology. In: Journal of World History 15: 31-63.
Braudel, Fernand (1993 [1987]): A History of Civilizations. New York u.a.: Penguin Books.
Burbank, Jane/ Cooper, Frederick (2010): Empires in World History: Power and the Politics of Difference. Princeton, Oxford: Princeton University Press.
Conklin, Alice L. (1997): A Mission to Civilize: The Republican Idea of Empire in France and West Africa, 1895-1930. Stanford: Stanford University Press.
Conrad, Sebastian (2015): Die Weltbilder der Historiker: Wege aus dem Eurozentrismus. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 41-42/2015, https://www.bpb.de/apuz/212825/die-weltbilder-der-historiker-wege-aus-dem-eurozentrismus?p=all
Cooper, Frederick (2014): Citizenship between Empire and Nation: Remaking France and French Africa, 1945-1960. Princeton, Oxford: Princeton University Press.
Febvre, Lucien (1988 [1930]): Zur Entwicklung des Wortes und der Vorstellung von »Civilisation«. In: Ders.: Das Gewissen des Historikers. Hg. v. Ulrich Raulff. Berlin: Verlag Klaus Wagenbach.
Hauck, Gerhard (2003): Die Gesellschaftstheorie und ihr Anderes: Wider den Eurozentrismus der Sozialwissenschaften. Münster: Westfälisches Dampfboot.
Hobsbawm, Eric (1996 [1962]): The Age of Revolution 1789-1848. New York: Vintage Books.
Hobsbawm, Eric (2008 [2007]): Globalisation, Democracy and Terrorism. London: Abacus.
Koselleck, Reinhart (1989 [1975]): Zur historisch-politischen Semantik asymmetrischer Gegenbegriffe. In: Ders.: Vergangene Zukunft: Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 211-259.
Mazlish, Bruce (2004): Civilization and its Contents. Stanford: Stanford University Press.
Osterhammel, Jürgen (2005): »The Great Work of Uplifting Mankind«: Zivilisierungsmission und Moderne. In: Barth, Boris/ Osterhammel, Jürgen (Hg.): Zivilisierungsmissionen: Imperiale Weltverbesserung seit dem 18. Jahrhundert. Konstanz: UVK, 363-425.
Osterhammel, Jürgen (2009): XVII: »Zivilisierung« und Ausgrenzung. In: Ders.: Die Verwandlung der Welt: Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts. München: C.H. Beck, 1172-1238.
Sonderegger, Arno (2010): Abolitionismus in Afrika: Zwischen Rassismus und Zivilisierungsmission. In: Eckert, Andreas/ Grau, Ingeborg/ Sonderegger, Arno (Hg.): Afrika 1500-1900: Geschichte und Gesellschaft. Wien: Promedia, 218-234.
Wallerstein, Immanuel (1999): Eurocentrism and its Avatars: The Dilemmas of Social Science. In: Ders.: The End of the World as We Know it: Social Science for the Twenty-First Century. Minneapolis, London: University of Minnesota Press, 168-184.
Wallerstein, Immanuel (2006): European Universalism: The Rhetoric of Power. New York: The New Press.
Wallerstein, Immanuel (2011): Capitalist Civilization. In: Ders.: Historical Capitalism [1983] with Capitalist Civilization [2011]. London, New York: Verso, 113-163.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

VM4 / VM5, SAG.KU.3

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:42