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160020 VO The Past is a Foreign Country. Über Geschichte und Ethnomusikologie (2020S)

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Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 04.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 11.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 18.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 25.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 01.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 22.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 29.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 06.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 13.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 20.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 27.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 03.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 10.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02
Mittwoch 17.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal B UniCampus Hof 2 2C-EG-02

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Als sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Hilfsdisziplin der Musikgeschichte entstand, hatte die Musikethnologie die Aufgabe, „geschichtslose“ Kulturen zu untersuchen, um nicht aufgezeichnete Prozesse der Musikgeschichte zu rekonstruieren. Als in den 1950er Jahren diese evolutionistische Vorstellung von partikularistischen Ansätzen (Bruno Nettl u.a.) verdrängt wurde, entschieden sich Musikethnologen für eine synchrone Beschreibung von Musikphänomenen als eine adäquate Methode der musikethnologischen Forschung. Diese Vorliebe für das Synchrone festigte sich nach 1964, als eine Anthropologie der Musik zum Forschungsmodell ethnologischer und musikethnologischer Arbeiten avancierte. Anfang der 1980er Jahre ließen sich jedoch auch kritische, aus der Ethnologie und der Musikethnologie kommende Stimmen (Johannes Fabian 1983, Erich Wolf 1982, James Clifford 1986, Timothy Rice 1987 u.a.) hören, die diese Tendenz zu geschichtslosen Beschreibungen von Kulturen in ethnographischen und musikethnologischen Arbeiten in Frage stellten. Sind die geschichtslosen Kulturen wirklich geschichtslos oder werden sie aus kolonialen Interessen als solche dargestellt? Verfügen sie tatsächlich über kein historisches Bewusstsein, wie Carl Dahlhaus (1977) von einer ethnozentrischen Warte aus formulierte? Oder werden sie so gesehen, weil ihre Geschichtsauffassung von der westlichen Vorstellung von Geschichte differiert?
Ausgehend von diesen Überlegungen möchte ich in dieser Vorlesung auf die Frage eingehen, wie Geschichte in die ethnographische bzw. musikethnographische Arbeiten eingebunden wurde, wird oder werden könnte. Zunächst sollen die geschichtsphilosophischen Ansätze von Carl Gustav Hempel (1942), Thomas Kuhn (1962), Arthur Danto (1965), Karl Popper (1971), Paul Veyne (1971), Hayden White (1973) und Frank Ankersmit (2004) vorgestellt werden, welche die Geschichtsschreibung im 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt haben. Ebenfalls sollen die wenigen expliziten Ideen zu einer Philosophie der Geschichte in der Musikwissenschaft (Georg Knepler 1977, Carl Dahlhaus 1977) bzw. in der Musikethnologie (Alan Merriam 1964, Bruno Nettl 1983, Ludwik Bielawski 1985 und Philip Bohlman 1997, 2008), präsentiert und kritisch hinterfragt werden. Dazu werden relevante musikethnologische Texte bezüglich ihrer, nicht selten impliziten, Auffassungen von Geschichte kritisch gelesen, um zu reflektieren, welche Rolle die Geschichte im musikethnographischen Schreiben hatte und hat und wie eine reflexive Musikethnologie Geschichte in die Forschung integrieren kann.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

UPDATE 20.05.2020: 1. Prüfungstermin: Digitale schriftliche Prüfung in Form eines "Take Home Exam"
UPDATE 26.06.2020: 2. Prüfungstermin: Digitale schriftliche Prüfung in Form eines "Take Home Exam"
Weitere Prüfungstermine voraussichtlich schriftliche Prüfung in Präsenz.
UPDATE 14.10.2020: Auch der 3. und 4. Prüfungstermin finden als digitale schriftliche Prüfung in Form eines "Take Home Exam" statt.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Teilnahme an der schriftlichen Prüfung

Prüfungsstoff

Literatur

Allen, W. D. (1962 [1939]). Philosophies of Music History. A Study of General Histories of Music. 1600-1960. New York: Dover Publications, Inc.
Ankersmit, F. (1990). [Historiography and Postmodernism: Reconsiderations]: Reply to Professor Zagorin. History and Theory, 29(3), 275-296.
Bielawski, L. (1985). History in Ethnomusicology. Yearbook for Traditional Music, 17, 8-15.
Bithell, C. (2006). The Past in Music: Introduction. Ethnomusicology Forum, 15(1), 3-16.
Bohlman, P. V. (2008). Returning in the Ethnomusicological Past. In G. Barz & T. J. Cooley (Ed.), Shadows in the Field. New Perspectives for Fieldwork in Ethnomusicology. Oxfrod New York: Oxford University Press.
Dahlhaus, C. (1974). Fragen an die Musikethnologie. Neue Zeitschrift für Musik, 3, 150.
Dahlhaus, C. (1977). Grundlagen der Musikgeschichte. Köln: Musikverlag Hans Gerig.
Danto, A. C. (1985). Narration and Knowledge. New York: Columbia University Press.
Hempel, C. G. (1942). The Function of General Laws in History. The Journal of Philosophy, 39(2), 35-48.
Jenkins, K. (2008). Re-thinking History. London y New York: Routledge.
Knepler, G. (1977). Geschichte als Weg zum Musikverständnis. Leipzig: Reclam Verlag.
Lissa, Z. (1977). Zum Konzept einer Weltgeschichte der Musik. Die Musikforschung, 30, 141-143.
Merriam, A. P. (1990). The use of music as a technique of reconstructing culture history in Africa.
Nettl, B. (1997). Ethnomusicological Views of History: Questions of Emphasis. In C. H. Mahling & H. Münch (Ed.), Ethnomusikologie und historische Musikwissenschaft - Gemeinsame Ziele, gleiche Methoden? Erich Stockmann zum 70. Geburtstag (pp. 98-104). Tutzing: Hans Schneider.
Popper, K. R. (1971). Das Elend des Historizismus. Stuttgart: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck Tübingen).
Popper, K. R. (1975). Die offene Gesellschaft und ihre Feinde 2. Falsche Propheten. München: Francke Verlag München.
Seeger, A. (1991). When Music Makes History. In Steven Blum, Philip Bohlman und Daniel Neuman (Ed.), Ethnomusicology and modern music history (pp. 23-34). Urbana & Chicago: University of Illinois Press.
Treitler, L. (1990). Music and the historical imagination. Cambridge, Mass.; London: Harvard University Press.
Veyne, P. (1984). Geschichtsschreibung. Und was sie nicht ist. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Wachsmann, K. (1971). Musical Instruments in Kiganda Tradition and their Place in the East African scene. Essays on music and history in Africa., 93-135.
White, H. (1975). Historicism, History, and the Figurative Imagination. History and Theory, 14(4), 48-67.
White, H. (1978). Tropics of Discourse. Essays in Cultural Criticism. Baltimore y London: The John Hopkins University Press.
White, H. (1987). The Content of the Form. Narrative Discourse and Historical Representation. Baltimore y Loondon: The John Hopkins University.
White, H. (1999). Figural Realism. Studies in the Mimesis Effect. Baltimore & London: The John Hopkins University Press.
White, H. V. (2015). Metahistory: the historical imagination in nineteenth-century Europe. Baltimore: Johns Hopkins University Press.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA: ETH-V, INT, FRE
MA: M02, M03, M04, M05, M08, M13, M16
EC: MDW2

Letzte Änderung: Mi 14.10.2020 10:09