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160051 PS UE Textanalyse: Identitätskrise und Ironie im europäischen Roman des 20. Jahrhunderts (2007W)

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 01.10. 10:00 - 11:30 (Seminarraum B Berggasse 11 1.OG)

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

In diesem Proseminar werden wir vor allem die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts berücksichtigen. Mit der Jahrhundertwende werden die Beziehungen, die Einflüsse und der künstlerische Austausch unter den europäischen Nationen häufiger. Auch die Lebensbedingungen werden immer ähnlicher, vor allem für Bürgertum und Kleinbürgertum. Die industrielle Revolution entwickelt sich über die nationalen Grenzen hinaus, und der erste Weltkrieg involviert alle europäischen Länder. Alle diese Ereignisse und viele andere trugen zur Verfremdung, zur existenziellen Krise, zu Solipsismus bei. Die Identitätskrise beeinträchtigt in ähnlicher Art und Weise die Künstler aller Länder Europas, von Russland bis Spanien, von England bis Italien.
Viele Schriftsteller Europas äußern diese existentielle Verzweifelung, aber gleichzeitig sehnen sie sich nach Unendlichkeit und Ewigkeit. Es herrscht in vielen Romanen ein starker Pessimismus, der aus dem Empfinden der Entfremdung des Menschen aus seiner Umgebung stammt. Die Einsamkeit und die Anonymität der Großstadt werden zu Hauptfaktoren bei der Herausbildung von schizophrenen Spaltungen des Ichs.
Die Ironie ist oft eine Reaktion, aber auch ein Mittel, um gegen diesen Zustand zu reagieren, und sie wird bei vielen Autoren bald zu einem stilistischen Merkmal, ebenso wie zum Hauptgegenstand vieler Werke bekannter Philosophen, wie Nietzsche, Schopenhauer und Kierkegaard.
In diesem Proseminar werden wir auch die filmische Adaptionen einiger Werke berücksichtigen. Sie werden als tertium comparationis für eine bessere Interpretation der Werke dienen und auch dazu die Entwicklung der übernommenen Botschaft des Werkes in der gegenwärtigen Popkultur zu analysieren. Unsere Aufgabe wird also die Begegnung und die Auseinandersetzung mit diesen literarischen Werken im historischen Kontext sein, um eine Art "Landkarte" der Identitätskrise und Ironie des europäischen Romans zu zeichnen.
Ein kurzes Referat über die eigene Seminararbeit, die am Ende des Semesters abzugeben ist, oder Referat und mündliche Prüfung (mit ausgewählten Romanen bzw. Verfilmungen aus der Leseliste plus Sekundärliteratur ). Es besteht Anwesenheitspflicht. Die Teilnahme an Diskussionen wird berücksichtigt. Bei der Ermittlung der Semesternote werden also die Mitarbeit, das Referat und die Seminararbeit bzw. die Prüfung bewertet.
Voraussetzungen:

Allgemeine Literaturwissenschaft, Vergleichende Literaturwissenschaft, 2-std. Einführung in die literaturwissenschaftliche Recherche, außerdem sehr viel Interesse und Motivation.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

Bibliografie:

Werke und Verfilmungen (in alphabetischer Reihenfolge nach Autor):

1. Bulgakow Michail Afanasjewitsch, Der Meister und Margarita ( 1928, erschienen 1940) [Il Maestro e Margherita, Aleksander Petrovis 1972].
2. Dostojewski, Fjodor Michailovitsch, Der Doppelgänger (1846, endgültige Fassung 1865-66) [Partner, Bernardo Bertolucci, 1968].
3. Heinrich Mann, Professor Unrat (1905) [Der Blaue Engel, Josef von Sternberg, 1930 ].
4. Hesse Hermann, Der Steppenwolf (1927) [Steppenwolf, Fred Haines, 1974].
5. Joyce James, Ulysses (1922).
6. Kafka Franz, Die Verwandlung (1912) [Die Verwandlung, Valeri Fokin, 2002]
7. Kafka Franz, Amerika (1927).
8. Maupassant Guy de, Le Horlà (1887) [Le Horlà, Jean-Daniel Pollet, 1966].
9. Nikolaj Gogol, Die Nase (1836) [Le Nez, Animation, Alexander Alexeieff 1963].
10. Pirandello Luigi, Il fu Mattia Pascal (1904 ) [Le due vite di Mattia Pascal, Mario Monicelli 1985].
11. Pirandello Luigi, Uno, nessuno, centomila (1926).
12. Schnitzler Arthur, Flucht in die Finsternis (1913-17).
13. Schnitzler Arthur, Fräulein Else (1924) [ Fräulein Else, Paul Czinner, 1929].
14. Stevenson Robert Louis, The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde (1886) [Mary Reilly, Stephen Frears, 1996 ].
15. Svevo Italo, La coscienza di Zeno (1923), [Le parole di mio padre, Francesca Comencini, 2002].
16. Tarchetti Ugo Iginio, Una nobile follia (1867).
17. Unamuno Miguel de, Niebla (1914).
18. Wilde Oscar, The picture of Dorian Gray (1890) [The picture of Dorian Gray, Albert Lewin, 1945].

Sekundärliteratur:

Henri Bergson, Le rire / Das Lachen, Jena, 1921.
Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung, 1819 (Reclam Ausg.). [passim]
Sören Kierkegaard, Der Begriff der Ironie mit ständiger Rücksicht auf Sokrates. Übers. von W. Rütemeyer, München, 1929. [passim]
Douglas C., Muecke, Irony and Ironic, London, 1982. [passim]
Pere Ballart, Eironeia. La figuración irónica en el discurso literario moderno. Barcelona, 1994. [passim]
Luigi Pirandello, L'umorismo, Milano, 1986.
Milan Kundera, Die Kunst des Romans. Essays, Frankfurt am Main, 1994. [passim]
Charles Baudelaire, De l'essence du rire ¿
(siehe:http://fr.wikisource.org/wiki/Curiosit%C3%A9s_esth%C3%A9tiques_-_VI._De_l%27essence_du_rire_et_g%C3%A9n%C3%A9ralement_du_comique_dans_les_arts_plastiques )

Empfohlene Filmographie:

1. Partner, Bernardo Bertolucci, 1968.
2. Der Blaue Engel, Josef von Sternberg, 1930.
3. Steppenwolf, Fred Haines, 1974.
4. Die Verwandlung, Valeri Fokin, 2002.
5. Le Horlà, Jean-Daniel Pollet, 1966.
6. Le due vite di Mattia Pascal, Mario Monicelli, 1985.
7. Fräulein Else, Paul Czinner, 1929.
8. Mary Reilly, Stephen Frears, 1996.
9. The picture of Dorian Gray, Albert Lewin, 1945.
10. Le Nez, (Animation), Alexander Alexeieff, 1963.
11. Il Maestro e Margherita, Aleksander Petrovis, 1972.
12. Le parole di mio padre, Francesca Comencini, 2002.

Bibliographie zur Filmanalyse:

- Albersmeier, Franz-Josef, Hrg., Texte zur Theorie des Films, Stuttgart, 1979.
- Faulstich, Werner, Einführung in die Filmanalyse, Tübingen, 1980.
- Krote, Helmut, Einführung in die Systematische Filmanalyse, (2. Aufl.) Berlin, 2001.


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

VL 121

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:35