Universität Wien FIND

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160097 SE Zum Verhältnis von musikalischer Analyse und Aufführung (2014W)

aktuelle Diskussionen und neue Perspektiven

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

Freitag, 09:00-12:15, Seminarraum, Institut für Musikwissenschaft

Termine: 24.10. / 31.10. / 14.11. / 28.11. / 12.12. / 09.01. / 23.01.


Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Seit zumindest zwei Jahrzehnten wurden Musikwissenschaft und musikalische Analyse von vielfältigen »performative turns« beeinflusst (vgl. Jost 2013) und haben in der Folge eine Vielzahl neuer methodischer Perspektiven entwickelt, durch die strukturalistisch-hermeneutische, historische oder phänomenologische mit »performativen« Paradigmen zusammengedacht werden. Autoritäre Theoriemodelle, in denen musikalische Strukturanalysen als Richtschnur für Ausführende dienen sollten (Narmour 1988, Berry 1989) wurden seither verworfen und durch Modelle der Verflechtung und Wechselwirkung ersetzt, die den »performativen« Charakter musikologischer Erkenntnisbildung und die Konstitution musikalischer Strukturen im Aufführungsakt einerseits mit den analytisch und historisch informierten Schichten musikalischer Interpretation andererseits zusammendachten (Cook 1999, 2001, 2005; Rink 2002 u.a.). Nur wenige Ansätze haben dabei konsequent auch die Sicht der Ausführenden in die Diskussion integriert (Clarke/Cook/Harrison/ Thomas 2005, Gingras/Schubert/McAdams 2010). Weiterhin erscheint es daher als eine große Herausforderung, das bei der musikalischen Interpretation zur Anwendung kommende »implizite Wissen«, die »informed intuition« (Rink 2002) des Performers, mit historisch differenzierten, wahrnehmungspsychologisch oder empirischen fundierten Methoden in einen dauerhaften Dialog zu bringen.
Im Seminar sollen sich die TeilnehmerInnen vor dem Hintergrund einer Auseinandersetzung mit aktueller und älterer Forschungsliteratur zum Thema dieser Herausforderung auch in der Praxis stellen. Im Zentrum des Seminars wird praktische Projektarbeit stehen, während der die SeminarteilnehmerInnen gemeinsam mit MusikerInnen, Ensembles oder DirigentInnen exemplarische Analysen ausgewählter Werke aus einer frei zu wählenden Epoche erarbeiten. Dabei sollen je nach selbst gewähltem Methodenschwerpunkt und orientiert an werk- und epochenspezifischen Fragestellungen historische, phänomenologische oder empirische Methoden der Werkinterpretation mit den Perspektiven der Ausführenden auf die Werke konfrontiert werden, im Seminar zur Diskussion gestellt und schließlich in einer Seminararbeit dokumentiert werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Semesternote setzt sich aus drei Teilen zusammen: 1/2 Seminararbeit; 1/3 Referat, 1/6 Mitarbeit.

Genaue Hinweise zur Gestaltung von Referaten und Seminararbeiten werden im Seminar vermittelt.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Vortrag; gemeinsame Lektüre und Diskussion; Diskussion mit Gästen; Referate (ev. in Kleingruppen); Seminararbeit.

Ausführlichere Literaturhinweise werden über den moodle-Kurs bereitgestellt.

Literatur

Abbate, Carolyn (2004), Music - Drastic or Gnostic?, in: Critical Inquiry 30, 505-536.
Adorno, Theodor W. (2001), Zu einer Theorie der musikalischen Reproduktion, Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Ballstaedt, Andreas / Hinrichsen, Hans-Joachim (2008, Hrsg.): Werk-Welten: Perspektiven der Interpretationsgeschichte, Schliengen: Argus.
Bergé, Pieter (2009), The Art of Not Playing an Analytical Observation: Some Remarks on the Main Theme Structure of Beethoven’s Adagio op. 31/2, ii, in: Tijdschrift voor muziektheorie (Dutch Journal of Music Theory) 14/1 (2009), 62-69.
Berry, Wallace (1989), Musical Structure and Performance, New Haven: Yale University Press.
Clarke, Eric F./Nicholas Cook/Bryn Harrison/Philip Thomas (2005), Interpretation and Performance in Bryn Harrison’s être-temps, in: Musicae Scientiae 9/1, 31-74.
Cone, Edward T. (1968), Musical Form and Musical Performance, New York: Norton 1968.
Cook, Nicholas (2014), Beyond the Score: Music as Performance, Oxford: Oxford University Press.
- (2001), Between Process and Product: Music and/as Performance, in: music theory online 7/2; http://www.mtosmt.org/issues/mto.01.7.2/mto.01.7.2.cook.html
- (1999), Analyzing Performance and Performing Analysis, in: Rethinking Music, hrsg. von Nicholas Cook und Mark Everist, Oxford: Oxford University Press, 239-261
Danuser, Hermann (1992, Hrsg.), Musikalische Interpretation (Neues Handbuch der Musikwissenschaft 11), Laaber: Laaber.
de Assis, Paulo / William Brooks / Kathleen Coessens (2013, Hrsg.), Sound and Score. Essays on Sound, Score and Notation (Orpheus Institute Series), Leuven: Leuven University Press.
Gingras, Bruno/McAdams, Stephen/Schubert, Peter (2010), The Performer as Analyst. A Case Study of J. S. Bach’s »Dorian« Fugue BWV 538, in: Musiktheorie als interdisziplinäres Fach. 8. Kongress der Gesellschaft für Musiktheorie Graz 2008 (musik.theorien der gegenwart 4), hrsg. von Christian Utz, Saarbrücken: Pfau 2010, 305-318.
Jost, Christofer (2013): Der performative turn in der Musikforschung. Zwischen Desiderat und (teil)disziplinärem Paradigma, in: Musiktheorie 28/4, 291-309.
Latham, Edward D. (2005), Analysis and Performance Studies. A Summary of Current Research, in: ZGMTH 2/2-3, 157-162; http://www.gmth.de/zeitschrift/artikel/521.aspx
Loesch Heinz von / Stefan Weinzierl (Hrsg. 2011), Gemessene Interpretation. Computergestützte Aufführungsanalyse im Kreuzverhör der Disziplinen, Schott: Mainz.
Kapp, Reinhard (2008): Partiturbild und Notentext, übersetzt in Klang. Zur musikalischen Aufführung (Anhang: Mit den Augen hören, mit den Ohren erkennen. Rudolf Kolischs Theory of Performance), in: In Ketten tanzen. Übersetzen als interpretierende Kunst, hrsg. von Gabriele Leupold und Katharina Raabe, Göttingen: Wallstein, 199-233.
Kolisch, Rudolf (1992), Tempo und Charakter in Beethovens Musik (Musik-Konzepte 76/77); München: edition text + kritik.
- (1983), Zur Theorie der Aufführung. Ein Gespräch mit Berthold Türcke (Musik-Konzepte 29/30), München: edition text + kritik.
Kopiez, Reinhard (2010), Performanceforschung, in: Lexikon der Systematischen Musikwissenschaft (Handbuch der Systematischen Musikwissenschaft, Band 6), hrsg. von Helga de la Motte, Heinz von Loesch, Günther Rötter und Christian Utz, Laaber: Laaber, 367-370.
Rink, John (1995, Hrsg.), The Practice of Performance. Studies in Musical Interpretation, Cambridge: Cambridge University Press 1995.
Rink, John (2002), Analysis and/or Performance?, in: Musical Performance. A Guide to Understanding, hrsg. von John Rink, Cambridge / New York: Cambridge University Press, 35-58.
Sloboda, John (1988, Hrsg.), Generative Processes in Music. The Psychology of Performance, Improvisation and Composition, Oxford: Clarendon Press 1988.
Sprick, Jan Philipp (2009), »Structural« und »Re-creative Analysis«: Rudolf Kolischs Analyse-Projekt zu Beethovens Streichquartetten, in: Musiktheorie 24 (2009), 210-227.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

B08, B13, B17; M01, M03, M04, M05, M10, M14

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:35