Universität Wien FIND

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170212 PS Proseminar "Konzepte und Techniken von Schau/Spiel" (2021S)

Queerer "freak" Karneval? Zu Körperinszenierungen in der Neo-Burlesque

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first serve").

Details

max. 40 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

Das Seminar wird online angeboten. Die Inhalte des Seminars werden auf digitalem Weg vermittelt bzw. alternative Plattformen für den synchronen und asynchronen Austausch benutzt. In der obligatorischen ersten (Online)Sitzung wird das genaue Vorgehen bekannt gegeben.

Freitag 19.03. 18:30-20:00 Uhr digital (obligatorisch)
Samstag 24.04. 10.00-12-00 Uhr, 2 Std. Pause, 14.00-16-00 Uhr digital
Sonntag 25.04. 10.00-12-00 Uhr, 2 Std. Pause, 14.00-16-00 Uhr digital
Samstag 29.05. 10.00-12-00 Uhr, 2 Std. Pause, 14.00-16-00 Uhr digital
Sonntag 30.05. 10.00-12-00 Uhr, 2 Std. Pause, 14.00-16-00 Uhr digital

Das Seminar wird als Blockveranstaltung abgehalten. Es findet zunächst erste obligatorische Online-Sitzung statt, in der der Seminarplan und die Leistungsanforderungen und weitere Aufgaben besprochen werden. Bis zum Blocktermin findet eine Phase des Selbststudiums statt (mit 1-2-seitigen Lektüreprotokollen mit etwaigen Verständnisfragen die bis Montag der Blockseminarwoche erfolgen sollten). Die Dozierende bereitet anhand der Protokolle und Fragen der Studierenden eine kurze Einführung die am Beginn der Blockeinheit erfolgt und bereitet eine eigene Fragenliste, die den Studierenden am Tag vor der Sitzung über Moodle bekannt gegeben werden. Bei der Blockseminar-Einheit werden nach einer Einführung in die Thematik durch die Dozierende die Gruppen gebildet in denen Studierende die Fragen diskutieren und anschließend die Ergebnisse der Diskussion im Quorum präsentieren. Nach jedem theoretischen Teil folgt ein Video-Beispiel und die darauffolgende Aufführungsanalyse unter Anwendung der zuvor diskutierten theoretischen Konzepte. Auch diese Analyse erfolgt in Gruppenarbeiten, Impulsreferat jeweiliger Gruppen und der abschließenden gemeinsamen Diskussion. In der Abschlusssitzung wird das erlernte Wissen während der Video-Diskussion mit einer*einem Performer*in angewendet, die Studierende werden gebeten, sich auf diese Sitzung vorzubereiten und Fragen vorzustellen.


Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

"'Freak' does not mark any position in the aside, but instead marks a movement of distantiation, of keeping distance from ideals of being-white, being heterosexual, being-normal, being-efficient. Freak theory is then to be understood as 'work', as working on the history of attributions and exclusions, and as an approach to difference that refuses to abandon differentiation." (Lorenz 2012: 28).

Das theatralisch-erotische Phänomen der Neo-Burlesque erobert seit den 1990er Jahren die alternativen, queeren Bars und Fetisch-Clubs und wird dennoch vor allem im deutschsprachigen Raum noch zu wenig diskutiert. Diese Übung soll die Lücke schließen und die Neo-Burlesque mithilfe queerer Konzepte, wie dem oben zitierten Konzept der "queer freak theory" von Renate Lorenz, der "queer art of failure" von Jack (Judith) Halberstam und des Konzeptes des "theatrum posse" von Gin Müller als eine queere Körperinszenierung analysieren. Dafür werden die in der Neo-Burlesque eingesetzten Inszenierungen, wie drag, cross-dressing, cosplay (vor allem in der nerdlesque), der groteske "bawdy look" und clowning anhand theoretischer Konzepte, z.B. dem Klassiker "Mother Camp" von Esther Newton, Mary Russos Konzept der grotesken Körper in Anlehnung an die Karnevalstheorie von Michail Bachtin oder Efrat Tseëlons Reflexionen über die Maskerade der Identitäten, diskutiert. Handelt es sich bei der Neo-Burlesque insgesamt um eine queere VerUneindeutigung (Antke Engel) unabhängig vom Geschlecht oder Begehren der Performer*innen und um ein populäres Phänomen, das einen Raum für eine queere Intervention eröffnet, in dem Normalisierungsprozesse in Bezug auf Geschlecht, Begehren, Körper hinterfragt werden? Ist die Neo-Burlesque ein queerer Karneval, der Geschlechternormen, Schönheitsideale und auch aktuelle gesellschaftliche Debatten auf groteske Weise enthüllt, teils mittels der "grotesken" Körper der Performer*innen, wie z.B. in der clownischen oder "Freakshow"-thematisierten Neo-Burlesque?

Ziele:
Die Studierenden können nach erfolgreichem Abschluss des Seminars:
- die ausgewählten theoretischen Ansätze zum Thema der queeren Körperinszenierungen (camp, drag, Maskerade, queere "freak show" gender constructions, queer cosplay, närrische Performance, modern primitivism/queere Körpermodifikationen) benennen und erläutern
- verschiedene Zugänge zum Thema der queerenden Wirkung: VerUneindeutigung (Engel), queer freak theory (Lorenz), queer art of failure und die Macht der "silly archives" (Halberstam), theatrum posse (Gin Müller), erotohistoriography (Freeman)
- Studierende erhalten ein Instrumentarium zur Analyse von Körperinszenierungen, das sie für eine Analyseaufführung einer individuell ausgesuchten Burlesque-Performance als schriftliche Arbeitsleistung einsetzen können
- das erlernte Wissen während der Video-Diskussion mit einer*einem Performer*in anwenden.

Methoden:
dialogisches Lernen durch gemeinsame Textanalyse und Diskussionen, Gruppenarbeiten, Aufführungsanalyse anhand der Videos zur ausgewählten Burlesque Performances, zum Abschluss ein Video-Gespräch mit einer*einem Burlesque-Performer*in.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Es handelt sich um eine prüfungsimmanente Lehrveranstaltung. Vorausgesetzt wird aktive Mitarbeit und Teilnahme, die Vorbereitung von 1-2-seitigen Lektüreprotokollen bis zur nächsten Sitzung, Impulsreferate in Arbeitsgruppen und eine schriftliche Arbeit zum ausgewählten Themenbereich der LV oder eine Aufführungsanalyse einer individuell ausgesuchten Burlesque-Performance.

Gewichtung der Teilleistungen:
Lektüreprotokolle/Mitarbeit/Diskussionen: 20 %
Impulsreferat/Gruppenarbeit: 40%
Schriftliche Arbeit (12-15 Seiten): 40 %

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- Anwesenheit in der ersten Online-Sitzung. Studierende, die in der ersten Sitzung abwesend sind, werden nach Vorgabe der Studienordnung abgemeldet.
- Anwesenheit in den weiteren Online-Sitzungen (1 Fehlzeit erlaubt, für weitere Abwesenheiten ist ein ärztliches Attest vorzulegen.)
- Erstellung von Lektüreprotokollen, aktive Teilnahme an Diskussionen und Gruppenarbeiten
- schriftliche Arbeit

Die Endnote ergibt sich aus dem Durschnitt der gewichteten Einzelleistungen, wobei jede Einzelleistung erbracht werden muss. Werden eine oder mehrere Einzelleistungen nicht erbracht oder negativ beurteilt, kann die Gesamtnote nicht positiv sein (führt zur Abwertung).

Prüfungsstoff

Literatur

Eine Auswahl zum Selbststudium (die vollständige Literatur wird bei der Einführungsveranstaltung vorgestellt. Die Seminartexte werden auf Moodle zur Verfügung gestellt):

Commane, Gemma R.: "Bad Girls and Dirty Bodies: Performative Histories and Transformative Styles", in: Burkhard Scherer/Matthew Ball/Kathleen O'Mara et al. (Hg.), Queering paradigms, New York, NY: Peter Lang 2010, S. 49-64.

Costa, Stevi: (2015), "Accio Burlesque! Performing Potter Fandom Through "Nerdlesque"", in: Lisa S. Brenner (Hg.),
Playing Harry Potter: Essays and interviews on fandom and performance, Jefferson, North Carolina: McFarland & Company Inc. Publishers, S. 108132.

Engel, Antke: Wider die Eindeutigkeit. Sexualität und Geschlecht im Fokus queerer Politik der Repräsentation, Frankfurt/Main: Campus-Verl. 2002, S. 204-230.

Freeman, Elizabeth: "Time Binds, or, Erotohistoriography", in: Social Text 23 (2005), S. 57-68.
Halberstam, Judith: The queer art of failure, Durham NC: Duke University Press 2011, S. 1-25.

Klesse, Christian: "Racialising the Politics of Transgression. Body Modification in Queer Culture", in: Social Semiotics 17 (2007), S. 275-292.

Lorenz, Renate: Queer Art. A Freak Theory, Bielefeld: transcript 2012. S. 15-30.

Millner, Jacqueline/Moore, Catriona: "'Performing Oneself Badly?' Neo-Burlesque and Contemporary Feminist Performance Art", in: Australian and New Zealand Journal of Art 15 (2015), S. 20-36.

Müller, Gin: Possen des Performativen. Theater, Aktivismus und queere Politiken, Wien: Transversal Texts 2015, S. 9-18 und 197-221.

Nally, Claire: "Grrrly hurly burly. Neo-burlesque and the performance of gender", in: Textual Practice 23 (2009), S. 621-643.

Newton, Esther: Mother camp: Female Impersonators in America 1972, Kapitel 5: Role Models, S. 97- 111,

Russo, Mary: "Female Grotesques: Carnival and Theory", in: Teresa de Lauretis (Hg.), Feminist studies, critical studies, Bloomington, Ind.: Indiana Univ. Press 1986, S. 213-229.

Tobias, Ashley: "The Postmodern Theatre Clown", in: David Robb (Hg.), Clowns, fools and picaros. Popular forms in theatre, fiction and film, Amsterdam: Rodopi 2007, S. 37-55.

Tseëlon, Efrat: "Introduction. Masquerade and identities", in: Efrat Tseëlon (Hg.), Masquerade and identities. Essays on gender, sexuality and marginality, London: Routledge 2001, S. 1-17.

Willson, Jacki: ""Piss-Takes", Tongue-in-Cheek Humor and Contemporary Feminist Performance Art: Ursula Martinez, Oriana Fox and Sarah Maple", in: n.paradoxa: international feminist art journal 36 (2015), S. 5-12.
Willson, Jacki: Happy Stripper: Pleasures and Politics of the New Burlesque: I.B. Tauris 2008, S. 17- 47.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 21.04.2021 11:26