Universität Wien

170224 UE Übung "Medienübergänge" (2026S)

Unerträgliche Bilder - Hybride Erzählstrategien in Realfilm, Animation und Social Media

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 40 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Dienstag 17.03. 09:45 - 13:00 Seminarraum 1 2H316 UZA II Rotunde
  • Dienstag 14.04. 09:45 - 13:00 Seminarraum 1 2H316 UZA II Rotunde
  • Dienstag 28.04. 09:45 - 13:00 Seminarraum 1 2H316 UZA II Rotunde
  • Dienstag 26.05. 09:45 - 13:00 Seminarraum 1 2H316 UZA II Rotunde
  • Dienstag 09.06. 09:45 - 13:00 Seminarraum 1 2H316 UZA II Rotunde
  • Dienstag 23.06. 09:45 - 13:00 Seminarraum 1 2H316 UZA II Rotunde

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die filmische Auseinandersetzung mit traumatischer Erinnerung kreist im Zusammenhang mit Erfahrungen in totalitären Regimen um die Frage der Un-/Darstellbarkeit. Nach Jacques Rancière findet im Laufe des 20. Jahrhunderts und als Folge der Grauen des Holocaust eine Verschiebung des Unerträglichen IM Bild zum Unerträglichen DES Bildes statt, mit der die Auffassung einhergeht, dass das Bild ungeeignet sei, „die Wirklichkeit zu kritisieren, weil es derselben Ordnung der Sichtbarkeit angehört wie die Wirklichkeit“ (Rancière: 101). Filmemacher*innen entwickeln verschiedene Strategien, um der Krise der Repräsentation zu begegnen: vom Aussetzen oder dem Verstellen des Bildes, über eine Neu-Interpretation von (Co-)Autorschaft bis hin zu hybriden Formen zwischen Fiktion und Dokument. In diesem Kurs werden paradigmatische Texte der Bildtheorie (W.J.T Mitchell, Didier Huberman, Jacques Rancière, Stuart Hall) sowie der Dokumentarfilmtheorie (Michael Renov, Eva Hohenberger, Hito Steyerl) gelesen und diskutiert. Die Auseinandersetzung mit der Theorie erfolgt im engen Dialog mit den Filmsichtungen, die historisch und filmgeschichtlich kontextualisiert werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- Lektüre der Texte (Pflichtlektüre) und Teilnahme an der Diskussion sowie angeleitete Gruppengespräche
- Zwei schriftliche Film/Text-Kommentare zur Wahl, abzugeben auf Moodle vor dem 30.06.2026.
- Wissenschaftliche Arbeit ODER Konzept für einer künstlerische Arbeit (Artistic Research) zu einem oder mehreren Filmen Ihrer Wahl als kreative Reflexion über die Rezeptionserfahrung;
- Präsentation und Diskussion der gewählten Themen im Rahmen einer zusammen zu kuratierenden Ausstellung bzw. einer Mini-Konferenz.
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Hinweis der Studienprogrammleitung: Wir möchten faire Bedingungen für alle Studierenden sicherstellen. Im Zuge der Beurteilung kann eine Plagiatssoftware (Turnitin in Moodle) zur Anwendung kommen. Die Verwendung von KI-Tools (z. B. ChatGPT) für die Produktion von Texten ist nur dann gestattet, wenn dies ausdrücklich eingefordert wird. Alle Informationen zu Ihren Rechten und Pflichten finden Sie in der Satzung, https://satzung.univie.ac.at/studienrecht/.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- Close-Reading, Textdiskussion und Mini-Referate
- Plenar- und Gruppendiskussionen, Peer-Feedback
- gemeinsame Filmsichtungen

- Lektüre der Texte und Teilnahme an der Diskussion: 20% der Gesamtnote
- 2 Film-/Text-Kommentare (à max. 5 Seiten pro Kommentar, wissenschaftlicher Text): 30% der Gesamtnote
- Wissenschaftliche Arbeit ODER AR-Konzept (schriftlich max. 12 Seiten wissenschaftlicher Text oder kreative Arbeit wie eine Collage, Installation, Filmessay etc. mit einem erklärenden Begleittext von max. 3 Seiten): 50% der Gesamtnote

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Hinweis der Studienprogrammleitung: Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen in der Theater-, Film- und Medienwissenschaft sind in der Regel Präsenzveranstaltungen, in denen die aktive Mitarbeit oder die Zusammenarbeit der Studierenden zur Erreichung der Lehr- und Lernziele erforderlich ist und in denen Teilleistungen erbracht werden müssen. Daher gilt eine generelle Anwesenheitspflicht, mit bis zu 3 Fehleinheiten (6 SWS) im wöchentlichen Format bzw. mit bis zu max. 20% Prozent der Gesamtzeit in Blockformaten. Für Fehlstunden können Lehrende eine Ersatzleistung einfordern; weitere Fehlstunden können, gegen eine Kompensationsleistung, angefragt werden, ihre Bewilligung liegt aber im Ermessen der jeweiligen Lehrperson in Hinblick auf die Kursziele und deren didaktische Vermittlung. Die Gleichbehandlung der Studierenden ist zu gewährleisten.
In Übereinstimmung mit §10, Abs. 1 des studienrechtlichen Teils der Satzung sind diese Anwesenheitsregelungen auf u:space jedem Kurs hinzugefügt. Sie können jedoch ersetzt werden durch individuelle Regelungen seitens der jeweiligen Lehrperson, in Hinblick auf die Kursziele und deren didaktische Vermittlung. Diese Regelungen müssen in Ersatz dieser Notiz auf u:space eingetragen werden und gelten verbindlich für den jeweiligen Kurs.

Prüfungsstoff

Filmkorpus:

Damian, Anca: CRULIC – DRUMUL SPRE DINCOLO (RU, 2011)
Garayalde, Natalia: ESQUIRLAS (AR, 2020)
Joslin, Tom & Peter Friedman: SILVERLAKE LIFE: THE VIEW FROM HERE (US, 2019)
Orlik, Julia: JESTEM TUTAJ (PL, 2020)
Panh, Rithy: L´IMAGE MANQUANTE (F, 2013)
Panh, Rithy: S21, LA MACHINE DE MORT KHMÈRE ROUGE (F, Kambodscha 2003)
Resnais, Alain: HIROSHIMA, MON AMOUR (F 1959)

CONTENT NOTE:
Die Filme (und Medienbeispiele) der LV Unerträgliche Bilder setzen sich mehrheitlich mit politischen und persönlichen Krisen, Traumata oder kontrovers diskutierten Themen auseinander. Einige Filme können daher Elemente enthalten, die starke Reaktionen auslösen oder individuell als verstörend empfunden werden können. Als Angebot für alle, die sich im Vorfeld über potenziell belastende Inhalte einzelner Filme informieren möchten, bieten Content Notes auf Moodle Informationen zu den konkreten sensiblen Inhalten.

Literatur

Cazenave, Jennifer: „Rithy Panh as Chasseur d´Images”, in: Joseph Mai, Leslie Barnes (ed.): The cinema of Rithy Panh. Everything Has a Soul. New Jersey: Rutgers University Press 2021, S. 72-85.

Chow, Ray: „Die erkaltete Spur aufnehmen: Anti-dokumentarische Bestrebungen, akusmatische Komplikationen“, in: Volko Kamensky; Julian Rohrhuber (Hg.): Ton. Texte zur Akustik im Dokumentarfilm. Berlin: Vorwerk 8 2013, S. 194-212.

Kessler, Frank: „Fakt oder Fiktion? Zum pragmatischen Status dokumentarischer Bilder“, in: montage AV, 7/1998, Nr. 2, S. 63-78.

Möller, Elke: „Konfiguration und Präsenz. Essayistische Filmästhetik und die Unverfügbarkeit von Erinnerung in Rithy Panhs L´IMAGE MANQUANTE“ in: Juliane Engel; Mareike Gebhardt;
Kay Kirchmann (Hg.): Zeitlichkeit und Materialität. Interdisziplinäre Perspektiven auf Theorien und Phänomene der Präsenz. Bielefeld: transcript 2019, S. 223-245.

Nichols, Bill: Introduction to Documentary. Bloomington: Indiana University Press 2001.

Nichols, Bill: Representing Reality: Issues and Concepts in Documentary. Bloomington: Indiana University Press 1991.

Rancière, Jacques: „Das unerträgliche Bild“, in: Idem: Der emanzipierte Zuschauer. Wien: Passagen 2009, S. 101-123.

Rothöhler, Simon: „1. Vergangenes vergegenwärtigen”, in: Idem: Amateur der Weltgeschichte. Historiographische Praktiken im Kino der Gegenwart. Zürich: diaphanes 2011, S. 29-66.

Torchin, Leshu: „Mediation and Remediation: La Parole Filmée in Rithy Panh’s THE MISSING PICTURE (L´IMAGE MANQUANTE)”, in: Film Quarterly, Vol. 68, Number 1 (2014), pp. 32-41.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Sa 21.02.2026 19:46