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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

170234 UE Übung "Inszenierte Räume" (2021W)

(Kon-)Figurationen filmischer Immersion

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
VOR-ORT

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Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 05.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 12.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 19.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 09.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 16.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 23.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 30.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 07.12. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 14.12. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 11.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 18.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde
Dienstag 25.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 2H510 UZA II Rotunde

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Immersion beschreibt wörtlich den Prozess des Eintauchens in eine Flüssigkeit. Seit der wissenschaftlichen Fruchtbarmachung des Begriffs am Beginn des neuen Jahrtausends zur Charakterisierung von neuartigen technischen Phänomenen wie den mittlerweile fortgeschrittenen Möglichkeiten zur Erzeugung virtueller Realitäten, seit Jean Baudrillards Benennung des Simulacrums und der Popularität der Game Studies ist die Immersion stetig als rezeptionsästhetisches Phänomen, zuschauer*innenseitiger Wunsch und technologisches Versprechen ins Zentrum des medienkritischen Diskurses gerückt.

In der Filmwissenschaft wird unter dem Begriff der Immersion die Behauptung verhandelt, dass Filme bzw. (post)filmische Medien in der Lage sind, die Sinne ihrer Betrachter*innen derart zu affizieren, dass der Zuschauer sinnlich, ja nahezu somatisch in die filmisch-fiktiven Welten hineingezogen wird. Sieht die Zuschauer*in einen Film, so die Hypothese, dann ist sie von der dargestellten Welt derart gefesselt, dass ihre ursprüngliche Realität und eigene Weltlichkeit sich aufzulösen scheint – von einer „Überschreitung der Grenze von Kunst und Leben“ (Curtis 2010, S. 213) wird dabei immer wieder gesprochen. Gleichzeitig ist das Versprechen einer ‚totalen Immersion‘ verbunden mit medienpessimistischen, pädagogischen und juristischen Diskussionen, die die Macht der Medien als Risiken in einer medialen Gesellschaft verstehen. Und Immersion fungiert als Zuschreibungskategorie, in dem beispielsweise Frauen eine höhere Immersionsbereitschaft und -anfälligkeit ebenso sehr diagnostiziert wird, wie medienunerfahrenen Nutzer*innen aus etwa proletarischen oder kolonialen Kontexten.

Das Seminar möchte den Begriff der Immersion ausgehend von seiner Lancierung 1997 untersuchen und dabei zunächst filmanalytisch sowie -historisch beschreiben und theoretisch umreißen. Vornehmlich jedoch soll das bislang kaum kritisch hinterfragte Phänomen der Immersion und seine nahezu automotorische Omnipräsenz im filmisch-medialen Kontext zur Diskussion gestellt werden, um die a) rezeptionsästhetischen, b) diskursiven und c) politischen Grenzen des Konzepts auszuloten und an jenen Grenzen neues Potenzial zu entdecken: Ist der Zuschauer nicht froh zu wissen, dass er sicher in seinem Kinosessel sitzt, wenn von der Leinwand aus die denkbar schrecklichsten Monster auf ihn zu toben? Hierfür wird als Arbeitsbegriff der Term „Anti-Immersion“ eingeführt.

Das Seminar ist bipolar angelegt; unter Zuhilfenahme theoretischer Grundlegungen aus der Bildwissenschaft, der Phänomenologie, der Kognitionsforschung, der Medienwirkungsforschung sowie der Semiopragmatik soll das immersive Potenzial des Mediums Film filmanalytisch und -theoretisch hinterfragt werden. Der Kurs arbeitet entlang von Textlektüren und dem Verfassen eigener Erfahrungsberichte 1. die methodischen Kontexte der Untersuchbarkeit von Immersion aus wissenschaftlicher Sicht, 2. die ästhetischen Implikationen des Konzepts und ihre Kritisierbarkeit und 3. die Genealogie des Begriffs und seine Wissensgeschichte heraus. Im Fokus soll dabei stehen, uns als Nutzer*innen in medialen Kontexten selbst zu befragen und immersive Erfahrungen stets mit politischen Kontextualisierungen que(e)r zu lesen.

Geplant sind dabei vor allem Gespräche mit Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis. Außerdem sollen 1-2 kürzere Exkursionen in immersive Medienwelten Wiens angeboten werden, für die ggf. eine kleine finanzielle Selbstbeteilung anfallen kann (nicht mehr als 30 Euro).

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Erfahrungsbericht, längere Rechercheaufgabe oder Impulsreferat (25%)
Exposé zur BA-/Seminararbeit (25%)
Seminararbeit (50%)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Der Kurs findet als Präsenzveranstaltung soweit wie möglich statt. Exkursionen und Gastgespräche werden entsprechend der geltenden Regeln angepasst, insofern kann es ggf. zu zeitlichen Verschiebungen oder teilweise Sitzungen auf Zoom kommen.

Prüfungsstoff

Literatur

Empfohlene Literatur zur Vorbereitung:

Curtis, Robin / Voss, Christiane (Hrsg.) (2008): Immersion. Montage AV, 17/2/2008.

Grau, Oliver (2002): Virtuelle Kunst in Geschichte und Gegenwart: Visuelle Strategien. Berlin: Reimer, 2. Aufl.

Ryan, Marie-Laure (2001/2015): Narrative as Virtual Reality: Immersion and Interactivity in Literature and Electronic Media. Baltimore u.a.: Johns Hopkins Univ. Press.

Rose, Frank (2011): The Art of Immersion. New York: W.W. Norton & Company.

Liptay, Fabienne/Dogramaci, Burcu (2016) (Hg.): Immersion in the Visual Arts and Media. Leiden: Brill.

Mühlhoff, Rainer (2019): Immersive Macht. Affekttheorie bei Spinoza und Foucault. Frankfurt a.M.: Campus.

Kasprowicz, Dawid (2019): Der Körper auf Tauchstation. Zu einer Wissensgeschichte der Immersion. Baden-Baden: Nomos.

Janker, Karin (2019): Der Traum vom totalen Kino. Wie Literatur Filmgeschichte schrieb. Bielefeld: transcript.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 01.04.2022 09:08