Universität Wien FIND

Bedingt durch die COVID-19-Pandemie können kurzfristige Änderungen bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen (z.B. Absage von Vor-Ort-Lehre und Umstellung auf Online-Prüfungen) erforderlich sein. Melden Sie sich für Lehrveranstaltungen/Prüfungen über u:space an, informieren Sie sich über den aktuellen Stand auf u:find und auf der Lernplattform moodle. ACHTUNG: Lehrveranstaltungen, bei denen zumindest eine Einheit vor Ort stattfindet, werden in u:find momentan mit "vor Ort" gekennzeichnet.

Regelungen zum Lehrbetrieb vor Ort inkl. Eintrittstests finden Sie unter https://studieren.univie.ac.at/info.

170542 UE "Boden blieb Boden bald/Luft blieb Luft" (Bertolt Brecht) (2021S)

Mensch, Natur und darüberhinaus: Neuere Positionen in den darstellenden Künsten

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL

An/Abmeldung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 24.03. 16:45 - 20:00 Digital
Mittwoch 21.04. 16:45 - 20:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Mittwoch 05.05. 16:45 - 20:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Mittwoch 02.06. 16:45 - 20:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Mittwoch 16.06. 16:45 - 20:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde
Mittwoch 30.06. 16:45 - 20:00 Seminarraum 3 2H467 UZA II Rotunde

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Übung versucht einen Brückenschlag zwischen aktuellen Fragen zu Ökologie und „Capitalozän“ (Donna Haraway) und neueren Formen in den darstellenden Künsten. Wie sprechen und reflektieren wir über Arbeiten, die durch eine veränderte Positionierung (oder Aufhebung) „des Menschen“ in der Welt die Handlungsvermögen der Akteure (Performer*innen, Tiere, Pflanzen, Medien, Rezipient*innen) neu erproben und darstellen?
Ausgehend von Passagen aus künstlerischen und theoretischen Texten (s. Literatur) von Bertolt Brecht bis Dorothee Elmiger und von Marx bis Donna Haraway legen wir eine Basis, um aktuelles künstlerisches Schaffen zu betrachten. Mit diesen „Gefährten“ werden wir Stücke internationaler und Wiener Künstler*innen gemeinsam anschauen und diskutieren (s. Literatur, Stücke). Einige wurden 2020 abgesagt und sind nun für 2021 geplant. Gemeinsame Live-Besuche aus der Übung wären großartig; wir werden sehen, ob das im SS möglich ist oder ob wir uns den Stücken hpsl. über Videomaterial nähern.
Inspiriert von Brechts viel zitierter Aussage, der „Fatzer-Vers“ sei „der höchste Standard technisch“ wird der Versuch unternommen, anhand der Stücke einer Ästhetik auf die Spur zu kommen, deren Formen möglicherweise noch kaum erkennbar sind. So geht die Übung auch der Frage nach, wie die Kategorie „künstlerische Qualität“ nach ihrer feministischen, queeren und postkolonialen Kritik noch haltbar ist und ob sie jenseits einer häufig konservativen Polemik gegen neuere Positionen überhaupt zur Kommunikation über die Künste dienen kann – sowohl im Kontext kuratorischer Praxis wie auch in der Rede über Kunst und Kultur im (zunehmend kunstfeindlichen) Alltagsgebrauch.

Ziele – Zunächst wird die Aufmerksamkeit auf ein sich intensiv und dynamisch entwickelndes sowie international zunehmend etabliertes künstlerisches Feld gelenkt, das sich engagiert, klug und teils auch ohne Sprache brennenden aktuellen Fragen widmet und kollaborative, solidarische und körperliche Vorschläge für die Zukunft macht. So soll auch dazu ermutigt werden, in gemeinsamen Lektüren komplexe Texte in Angriff zu nehmen und eigenständige Zugänge dazu zu entwickeln. Wir wollen erproben, wie wir uns in vielleicht noch neuem Terrain artikulieren können und mögliche Zusammenhänge – genauso wie „Unübersetzbarkeiten“ und Störungen – zwischen Theorie, gesellschaftlichen Diskursen, künstlerischen Arbeiten und Publikum entdecken und formulieren, um uns so auch Fragen aktueller Kunstvermittlung zu nähern.
Nicht zuletzt werden dezidiert Fragen aus der kuratorischen Praxis mit einfließen, so dass die Studierenden erfahren, welche Schwierigkeiten zu überwinden und welche Bedingungen zu schaffen sind, um künstlerische und kulturelle Prozesse in Gang zu setzen, die Arbeiten auch an unüblichen Orten ermöglichen und sie einem diversen Publikum erschließen.
Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie haben zumal das Feld der darstellenden Künste ins Herz getroffen. Andererseits beschäftigen sich die ausgewählten künstlerischen Positionen schon lange mit Fragen von Care, Umwelt und Verletzlichkeit. Zusammen mit den Künstler*innen gilt es, Settings zu entwickeln, die Veranstalter*innen, Künstler*innen und Publikum einen nicht nur „notgedrungenen“, sondern zukunftsweisenden Umgang mit den Regeln (wie auch immer sie im Sommer 2021 aussehen mögen) und den sozialen, emotionalen, ökonomischen und künstlerischen Folgen von Social und Physical Distancing ermöglichen.
Die Übung wird praktische Einblicke in dramaturgische und produktionstechnische Fragen (inklusive institutioneller, politischer und finanzieller Möglichkeiten und Unmöglichkeiten) geben, sowie jüngste Erfahrungen der Künstler*innen einbeziehen.

Methoden - Gemeinsame Textlektüre sowie Anschauen und Besprechen (per Video und wenn möglich live) ausgewählter Arbeiten. Exkursionen, soweit erlaubt, Proben- und Studiobesuche bei Künstler*innen oder Partnerinstitutionen von ImPulsTanz (z. B. mumok) gewähren praktische Einblicke

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Anwesenheit und Mitarbeit in der Übung, Referat (bevorzugt in Gruppenarbeit) , Verfertigung eines kurzen Textes (5.000 Zeichen).
Auch angesichts der zumeist kollaborativen Verfasstheit des künstlerischen Feldes und der ausgewählten Stücke bieten sich Gruppenarbeiten an, welche die ausgewählten Themen vorab in Zusammenarbeit erschließen und sie dem Seminar vorstellen. Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten werden im Plenum diskutiert und reflektiert; am Ende sollen die Studierenden einen Text über eine besprochene künstlerische Produktion unter Einbeziehung der Erkenntnisse, Materialien und Diskussionen aus der Übung verfassen.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Anwesenheit und Mitarbeit bei mindesten fünf der sieben Sitzungen (30%)
Referat (bevorzugt in Gruppenarbeit) (40 %)
Verfertigung eines kurzen Textes (5.000 Zeichen) bis Ende der Sitzungen (30%).
Für Interessierte an Besuchen von und Texte über Aufführungen im Rahmen des ImPulsTanz-Festivals (15. Juli bis 15. August 2021) gilt als spätester Abgabetermin der 30. August 2021.

Prüfungsstoff

Lektüre der ausgewählten Texte; Diskussionsbereitschaft im Seminar; Teilnahme an Exkursionen (wenn nach geltenden Regeln möglich); ein Referat, bevorzugt in Gruppenarbeit, aus dem die das entsprechende indivudielle Engagement hervorgeht; Verfertigen eines kurzen Textes

Literatur

Texte und Stücke

Lektüre ausgewählter Passagen aus Dramtik und Literatur:
- "Fatzer-Fragment" von Bertolt Brecht aus den 1920er Jahren, die anhand der Erfahrung des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden revolutionären Situationen Zusammenhänge – „Assemblagen“ – von Gesellschaft, Raum, menschlichen wie nicht-menschlichen Akteur*innen und „Natur“ erstaunlich aktuell in dramatische Sprache setzen.
- „Klimatrilogie“, "paradies fluten / paradies hungern / paradies spielen" (2017) des Dramatikers Thomas Köck
- Roman "Aus der Zuckerfabrik" von Dorothee Elmiger (2020)

Theorie:
Thesen und Passagen aus
- Karl Marx und Friedrich Engels zu Ökologie
- Judith Butlers Gedanken zum Unorganischen in den Frühschriften von Karl Marx in ihrem Essayband "Rücksichtslose Kritik"
- Anna Lowenhaupt Tsing "Der Pilz am Ende der Welt, Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus"
- Donna Haraway "Unruhig Bleiben" und "Das Manifest für Gefährten" - Bruno Latour "Das terrestrische Manifest"
- Emanuele Coccia, "Die Wurzeln der Welt"
- Michael Marder "Dump Philosophy : A Phenomenology of Devastation"

Künstlerische Arbeiten (Video oder Live Besuch):
- Maguy Marin, "Umwelt" (2004, seither international on Tour);
- Angela Schubot & Jared Gradinger, "The Nature of Us", aufgeführt 2019 im HAU Berlin und im Botanischen Garten Berlin; "Beyond Shadowland", realisiert im Rahmen der Ausstellung "Down To Earth", Berliner Festspiele im Gropius Bau, Sommer 2020;
- Sergiu Matis "Extinction Room (Hopeless)", 2019/2020 u.a. im Radialsystem Berlin, BOZAR Museum Brüssel und Uferstudios Berlin; - Astrit Ismaili, "MISS", Les Urbaines Festival Lausanne, 2019;
- Amanda Piña, "Climatic Dances", tqw Wien 2021;
- Lisa Hinterreithner, "Untamed Cozy Care," Donaufestival 2021;
- Claudia Bosse / theatercombinat; N.N., neue Arbeit Sommer 2021

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 21.04.2021 11:26