Universität Wien FIND

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Regelungen zum Lehrbetrieb vor Ort inkl. Eintrittstests finden Sie unter https://studieren.univie.ac.at/info.

Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

170601 SE MA 1.1. "Inszenierungsformen und ästhetische Wahrnehmung" (2017W)

Bodies That Do Not Matter? A|sexualitäten, Erotonormativität & Medien

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Anmeldung: Die selbstständige Anmeldung über u:space innerhalb der Anmeldephase zu Semesterbeginn ist für die Teilnahme an dieser Lehrveranstaltung verpflichtend. Eine nachträgliche Anmeldung ist nicht möglich. Die Anmeldezeiten entnehmen Sie bitte unserer Homepage unter https://spl-tfm.univie.ac.at/studium/

Anwesenheitspflicht in der ersten Einheit: Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung. Studierende von der Warteliste können nachrücken.

Plagiate: Prüfungsleistungen und Prüfungszugänge, die durch das Verwenden unerlaubter Hilfsmittel oder durch absichtsvolles Plagiieren erlangt werden, werden laut Satzung der Universität Wien (§13, §74) nicht beurteilt, sondern im Sammelzeugnis untilgbar mit (X) bewertet. Dies ist auch nach bereits erfolgter Benotung rückwirkend möglich, wenn sich der Tatbestand des Plagiats erst im Nachhinein erweisen sollte. Als Plagiat gilt die absichtsvolle und undeklarierte Übernahme von fremdem geistigen Eigentum ohne Angabe der Quelle; der Begriff des Plagiats umfasst dabei wörtliche Zitate ebenso wie übersetzte Übernahmen und Paraphrasen.

Weitere Infos zum Studium finden Sie unter https://spl-tfm.univie.ac.at/

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 09.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 16.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 23.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 30.10. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 06.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 13.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 20.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 27.11. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 04.12. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 11.12. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 08.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 15.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 22.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5
Montag 29.01. 13:15 - 14:45 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

"What is so radical (or not) about having sex (or not)?", fragt die Kulturwissenschaftlerin Jacinthe Flore in der Überlegung, ob das Narrativ einer vormals repressiven und nunmehr liberalen Sexualität noch kritiklos hinzunehmen sei. Die Antwort liegt auf der Hand: "To be human, is to be sexual" , so die als Denkmuster verfestigte und dem Körper vermeintlich inhärente Prämisse der westlichen "Sexusocieties". Währenddessen wird Asexualität, trotz der Flexibilität und Pluralität des Phänomens, gemeinhin als eine personenzentrierte Orientierung verstanden, die eine Erfahrung sexueller Attraktion ausschließt. Schon im Begriff selbst manifestiert sich die Schwierigkeit eines Deutungsbereichs außerhalb jenes (dominanten) von "Sexualität". So definiert das Asexual Visibility & Education Network (AVEN) Asexualität über das "Fehlen" eines Verlangens nach sexueller Interaktion bzw. als "Mangel" an sexueller Anziehung - ohne, dass durch diesen "Umstand" ein Leidensdruck bestünde . Der Durchsexualisierung von Gesellschaft und ihren Praktiken in Medien, Werbung, Film und Web 2.0 entspricht, so der selbstkritische Impetus, auch die theoretische Bezugnahme aus der Queer Theory in einem entscheidenden Punkt: Sexualität wurde und wird im Freud'schen Sinne (und trotz Foucaults Identifikation von Sexualität als historisches Konstrukt einer société à sexualité") mehrheitlich essentialisiert.
Paradox erscheint zudem, dass die sexuellen Befreiungsbewegungen zwar für gesellschaftlich nicht anerkannte sexuelle Praktiken einstehen, jedoch die Möglichkeit der Befreiung von Sexualität gar nicht vorsehen. Die erst in den frühen 2000er Jahren sich organisierende Asex*bewegung - und damit einhergehend die Verwendung der Kategorie "ace" als Kampfbegriff - kommt also spät; bezeichnenderweise mit dem Internet, in einem Umfeld von Cybersex, Love-/Dating-Technology und "Pornogratisierung". Vor diesem Hintergrund gewinnen die "Technologies of Gender" an neuer Brisanz, ein Update zentraler feministischer und queerer Ansätze bietet sich an. Es geht dabei nicht nur um ein Infragestellen der Omnipräsenz von (Hetero-)Sexualität, sondern auch um eine Sichtbarmachung und Vitalisierung der "Bodies That do not Matter": Die wegweisende Konzeption Judith Butlers, der zufolge Sex nicht nur kulturelle Norm, sondern auch regulative und v.a. produktive Macht ist, verläuft noch innerhalb einer Sex-Matrix und ihrer Binarität. Das Homosexuelle ist Butler zufolge (einziges) "konstitutives Außen" des Heterosexuellen. In einem "Plädoyer für ein subversives Nein" proklamiert die Philosophin Ayşegül Şah Bozdoğan Asexualität jüngst als ein "konstitutives Außen von allen sexuellen Subjekten". Asexualitäten (von ace über gray-A, demi-sexual bis hin zu no lable fits) können damit als diskurs- und letztlich subjektkonstitutiv innerhalb der gängigen Sexökonomien und darüber hinaus begriffen werden. Die Lehrveranstaltung handelt davon ausgehend von Asexualität als Möglichkeit und befragt die je neuen Ansätze aus Theorie und Praxis (neben Film- und Serienbeispielen vor allem Blogs und Vlogs) auf Ihre Konsequenzen und Potentiale für künstlerisches bzw. (kultur-)politisches Handeln. In einem (krisenhaften) neoliberalen Kontext der Erotonormativität kommen der Idee von "agency" neue Dimensionen zu: als (zu kreierende?) Freiheit des Nicht-Begehrens und des Nicht-Handelns.
Ziele:
Uns interessieren Asexualitätskonzepte in ihrer Ambition von Systemveränderung, wir wollen sie als Einladung zur Revision von Identitätspolitiken verstehen. Schließlich wohnt ihnen die Verheißung einer Transformation von Machtverhältnissen inne. Ihre Thematisierung wird anhand von Konkretionen und Materialisierungen innerhalb der Media Culture erfolgen - via performative Codes, Fetischisierung, Hypervisibilität, "Stilmittel" des Schweigens, Narrativierung, Inkorporation (prominent: der Clown), Heroisierung (z.B. im filmischen Mainstream: Shortbus; Dexter).

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Nach einer theoretischen Einführung findet das Setting in Gruppen-Performances (Referaten) statt. Es wird darum gehen, ausgehend von einem jeweils vorgegebenen konkreten Beispiel (siehe oben) Schlüsselbegriffe und -Konzepte von ace mit Blick auf Möglichkeiten künstlerischer Intervention zu hinterfragen. Zur Mitte des Semesters ist ein kurzes Konzept (eine Seite) einzureichen (thematische Relationierung frei wählbar), um eine individuelle Betreuung der schriftlichen Hausarbeit (ca. 10 Seiten) zu ermöglichen. Das Seminar sieht also – neben Mitarbeit – drei Teilleistungen vor: Referatsperformance, Konzept, Hausarbeit.
Grundkenntnisse im Bereich der Gender/Queer Studies sind erwünscht.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die positive Absolvierung aller drei Teilleistungen.

Prüfungsstoff

Siehe Inhalte.

Literatur

Die Referenztexte werden im Kurs verteilt.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

092: § 5(1)

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36