Universität Wien FIND

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170612 SE MA 1.2. "Theatrale und mediale Prozesse" (2020S)

Ästhetische Geschmacksdebatten über das Essen und die Künste

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

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Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 11.03. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 18.03. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 25.03. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 01.04. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 22.04. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 29.04. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 06.05. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 13.05. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 20.05. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 27.05. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 03.06. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 10.06. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 17.06. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)
Mittwoch 24.06. 19:00 - 20:30 (ehem. Jura-Soyfer-Saal (THW) Hofburg, 1.Stock)

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

"Trägt aber jemals eine Kunst ihren Zweck rein und lauter in sich selbst, so ist es gewiß die Eßkunst" (Anthus, S. 103): Ästhetische Geschmacksdebatten über das Essen und die Künste

"Von allem Anfang der Bildung an hat man stets lieber gut als schlecht gegessen und große Unterschiede gemacht. Scherzhafte Poeten haben sogar die Kochkunst als Mutter aller Kultur gepriesen." Mit diesen Worten eröffnete Jacob Burkhardt, der Basler Kunstkritiker und Kulturhistoriker, einen seiner berühmten Aulavorträge in Basel im November 1876. Jacob Burckhardt sprach in diesem Vortrag "Über die Kochkunst der späten Griechen". Jahrzehnte vor Burckhardt hatte bereits 1801 August Wilhelm Schlegel gleich zu Beginn seiner Berliner Vorlesungen über schöne Literatur und Kunst ebenfalls die Bedeutung dieses Themas erkannt. "Unstreitig lasse sich manche Kunst durch technische Theorie wissenschaftlicher behandeln, als bis jetzt geschehen ist. So müßte durch die Zurückführung auf Chemie in der Kochkunst viel neues entdeckt werden." (A.W.Schlegel, VO über schöne Lit. und Kunst, 1. Teil, S. 9) Heilbronn 1884).

Wo Essen akzentuiertes Leben war - so Novalis - durfte die Kochkunst als Ausdruck höheren Tuns im Bemühen um eine "Lebenskunstlehre" nicht fehlen. Wie der Dichter die Poesie so sollte der Gelehrte die Kochkunst, vielleicht sogar auch die Esskunst, als "strenge Kunst" auf der Grundlage der Erfahrung betreiben. Heinrich Heine konstatiert 1892 in den "Briefen aus Berlin", dass die Idee eines Mittagsessens begriffen werden müsse, und damit die Handlunsgweisen der Menschheit. Das traditionelle bürgerliche Mittagessen beginnt mit einer Suppe. "Eine gute Suppe", betont Brecht in den "Flüchtlingsgesprächen" "gehe mit dem Humanismus zusammen." So scheint es nur konsequent zu sein, wenn Thomas Bernhard in seinem Dramolett mit dem bezeichnenden Titel "Der deutsche Mittagstisch" mit einer Suppe, nämliche mit einer "Nazisuppe" das Ende des Humanismus beschwört. Jede diätetische Kritik wird immer auch zur ästhetische Kritik, gibt sie doch Auskunft über den Willen zu sein und zu werden, über Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse. Als Ethik und Ästhetik wird die Diätetik zur Wissenschaft wie zum diätetischen Kunstwerk. Wechselwirkung zwischen Speise, Lebensgefühl und Ästhetik schließen Küchen zu kulturellen Regelwerken zusammen und vollenden sich in der Nahrungsaufnahme und anschließenden Verdauung chemisch, geistig, kulturell und politisch. Rudolf Schwarzkogler bezeichnet in seinen Versuchsanordnungen und ästhetischen Panoramen die Kunst als Purgatorium der Sinne, die wie die Kochkunst wirken solle. Nahrungsmittel sind nicht nur in der Bildenden Kunst Thema der Gemälde (Brueghel Bauernhochzeit), sondern Speisen werden auch in der Aktions- und Performancekunst verwendet und zweckentfremdet.

Methoden und Ziele:
Lebensmittel und Speise/An/Ordnungen als ästhetische Diskurse, Nahrungsmittel als Materialien in den Künsten. Ritualisierte Prägung des Ablaufs eines Fest-Essens durch Ordnung und Form. Die Esser*innen und Speisenverweiger*innen kommunizieren mit den Sinnen, das Essen als partizipative Handlungen und Erlebnissituation, an der alle Sinne beteiligt sind. Ausgewählte Schriften zur Ästhetik und Theorie der Koch/Künste modellieren Kunstauffassungen, Wert- und Weltbilder in historischen und zeitgenössischen Gesellschaften. Kunstprojekte thematisieren Zusammenhänge von Anthropologie, Ästhetik, Gesellschaften und Essenskulturen. Ästhetische Entwicklungen, Tendenzen, historische, gesellschaftsrelevante Bedeutungsverschiebungen und gesellschaftspolitischen Wirklichkeiten kontextualisieren die Themenstellung.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Erstellung eines Fragenkatalogs(Konzpet); offenes Forschen, Verschriftlichung der Arbeitsergebnisse

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Genaue Kriterien siehe moodle; Forschungskonzept =30%; schriftl. Arbeit=70%.

Prüfungsstoff

Literatur

siehe moodle

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 23.04.2021 10:48