Universität Wien FIND

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180003 SE Entwicklung aller menschlichen Möglichkeiten (2021S)

Der Bildungsbegriff der klassischen deutschen Philosophie

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL
Sa 05.06. 10:00-14:30 Digital

An/Abmeldung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Samstag 17.04. 10:00 - 14:30 Digital
Samstag 24.04. 10:00 - 14:30 Digital
Samstag 12.06. 10:00 - 14:30 Digital
Samstag 19.06. 10:00 - 14:30 Digital
Samstag 26.06. 10:00 - 14:30 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Diskussion des Bildungsbegriffs in der klassischen deutschen Philosophie bringt die Bedeutung von Bildung für das Selbstverständnis der neuzeitlichen, bürgerlichen, Gesellschaft theoretisch auf den Punkt, mitsamt allen diesem Selbstverständnis inhärierenden Widersprüchen. Die Substanz dieses Bildungsbegriffs ist die allgemeine und umfassende Entwicklung aller menschlichen Möglichkeiten. Darin ist der Anspruch auf individuelle subjektive Autonomie ausgedrückt, der den modernen Bildungsbegriff von früheren spezifisch unterscheidet. Insofern wird Bildung als Ziel und als Ausdruck menschlicher Freiheit verstanden. Diese Freiheit hängt jedoch praktisch davon ab, ob es gelingt, die natürlichen Lebensbedingungen in humaner Weise gesellschaftlich beherrschbar zu machen. Insofern steht Bildung von Anfang an immer auch in Abhängigkeit von heteronomenBedingungen, die sie nicht selbst vollständig kontrollieren kann, sondern auf die sie reagieren muss. Anders gesagt: Bildung entsteht in der Differenz zwischen Autonomie und Heteronomie, Freiheit und Instrumentalisierung. Diese Differenz soll theoretisch durch die Geschichtlichkeit von Bildung, ihren Fortschritt über Generationen hinweg, vermittelt werden: als Annäherung an Freiheit durch humane Umformung der gegebenen Bedingungen. Insofern ist das Subjekt der Bildung ein doppeltes: Das sich bildende individuelle Subjekt ist zugleich ein Element im Bildungssubjekt Menschheit. Und durch die gesellschaftliche Verfassung der Menschheit, ihre zweite Natur, machen sich ganz neue Sachzwänge gegenüber den Individuen geltend. In der Bildungstheorie tritt die Wissenschaft dann einmal als Zweck an sich selbst auf und ein anderes Mal als Mittel gesellschaftlicher Zwecke.
In dem Seminar sollen diese und weitere Aspekte des Bildungsbegriffs anhand der Lektüre und Diskussion von Texten z.B. von Lessing, Kant, Fichte, Schelling, Hegel oder Humboldt herausgearbeitet und kritisch ins Verhältnis gesetzt werden. Wo nötig werden die Texte Absatz für Absatz, Satz für Satz oder Wort für Wort gemeinsam besprochen. Ausdrücklich sollen auch Bezüge zur Situation der Bildung in unserer Gegenwart hergestellt werden.
Das Ziel des Seminars ist es, den klassischen Bildungsbegriff in seinen historischen, theoretischen und praktischen Zusammenhängen kritisch zu verstehen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Das Seminar soll, wenn irgend möglich, als Präsenzveranstaltung stattfinden. Grundsätzlich wird die aktive Teilnahme an den Sitzungen erwartet. Die Texte müssen zuvor so gelesen werden, dass sie diskutiert werden können (d.h. z.B. notieren Sie sich Fragen, schauen Sie unbekannte Wörter nach etc.; idealer Weise schreiben Sie sich ein Exzerpt). Als Teilleistungen dient entweder ein Lesebericht (kommentiertes Exzerpt) und eine Hausarbeit oder ein Referat mit anschließender schriftlicher Ausarbeitung.
Falls das Seminar nicht in Gruppenpräsenz stattfinden darf, wird die Veranstaltungsform folgende sein, vorausgesetzt Sprechstunden bleiben möglich: Einige wenige Termine werden als Videokonferenz im Plenum abgehalten. Darüber hinaus bekommt jeder Teilnehmer zwei individuelle Gesprächstermine, bei denen inhaltliche Fragen besprochen werden können, vorallem aber Entwürfe der eigenen schriftlichen Teilleistungen kommentiert und diskutiert werden sollen, d.h. es findet ein individuelles Schreibcoaching statt. Sollte das auch nicht möglich sein, könnte neben den Videokonferenzen eine Schreibbetreuung per Mail stattfinden. Über Häufigkeit und Termine der Videositzungen wird ggf. informiert.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Regelmäßige Teilnahme wird vorausgesetzt. Die Beurteilung setzt sich entweder aus einem kurzen Lesebericht (30 %) und einer Hausarbeit von 15-20 Seiten (70 %) zusammen oder aus einem Referat (30 %) mit schriftlicher Ausarbeitung (70 %). Der Lesebericht bezieht sich auf einen auszuwählenden Textabschnitt und enthält Angaben zum Inhalt, Ihren persönlichen Leseeindruck und ggf. kritische Reflexionen. Die Themen für Referate und Hausarbeiten werden individuell abgesprochen. Dabei kann es sich sowohl um die Seminartexte handeln als auch um Texte aus dem thematischen Umkreis, die eigenständig vorgeschlagen werden können.

Prüfungsstoff

Es handelt sich um eine prüfungsimmanente Lehrveranstaltung, daher gibt es keine Abschlussprüfung, sondern nur die beschriebenen Teilleistungen

Literatur

Das Seminar ist konzentriert auf intensive Lektüre der Primärliteratur. Daher wird von den folgenden Texten nicht alles gemeinsam durchgearbeitet werden können. Es können aber zu allen Texten und darüber hinaus Referate und Hausarbeiten übernommen werden. Weitere Literatur hierfür wird im Seminar individuell besprochen.
Es können notfalls immer auch andere Ausgaben als die hier angegebenen verwendet werden.

Gotthold Ephraim Lessing, Die EImmanuel Kant, Über Pädagogik (erschienen 1803), Einleitung, Werke, hg. v. W. Weischedel, Frankfurt am Main 1977, S. 697-712.

Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Hamburg 1976 u.ö., Die Architektonik der reinen Vernunft, S. B 860-B 880.

Johann Gottlieb Fichte, Einige Vorlesungen über die Bestimmung des Gelehrten (1794), Fichtes Werke VI, Berlin 1971, Vorlesungen 1-3, S. 293-334.

F.W.J. Schelling, Vorlesungen über die Methode (Lehrart) des akademischen Studiums (1803), Hamburg 1990, Vorlesungen 1-3, S. 5-41.

Johann Gottlieb Fichte, Über das Wesen des Gelehrten und seine Erscheinung im Gebiete der Freiheit (1805), Fichtes Werke VI, Berlin 1971, Vorlesungen 1 und 2, S. 350-371.rziehung des Menschengeschlechts, Werke, hg.

v. H.G. Göpfert, Bd. VIII, München 1979, S. 489-510

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 21.04.2021 11:26