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180038 SE Philosophische Anthropologie der Moral (2014S)

Allgemeine Wissenschaft vom Menschen im Feld praktischer Philosophie

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

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Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 13.03. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 20.03. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 27.03. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 03.04. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 10.04. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 08.05. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 15.05. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 22.05. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 05.06. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 12.06. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 26.06. 10:30 - 12:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Auf Moral ausgerichtetes Denken unterstellt in der Regel, dass handlungsfähige Individuen namens ihrer Autonomie und Freiheit kognitiv imstande sind, eigenaktiv-vernünftig von sich selbst ausgehen zu können. Allerdings gilt es dabei zu berücksichtigen, dass Vernunft, Freiheit und Moralfähigkeit autonomer Individuen im Rahmen der anthropologischen Verfassung nicht von vornherein gegeben sind. Ausschlag gebend ist vielmehr der namentlich von einer Philosophischen Anthropologie der Moral ins Spiel gebrachte Prozess einer geschichtlichen, sozialen und ontogenetischen Bildung von Autonomie als humanspezifischer Grundlage praktisch vernünftig argumentierbarer, als Moral festschreibbarer Regelstrukturen.

Dem soll in diesem Seminar im Rahmen von 4 Themenkreisen nachgegangen werden:

1. KANT UND DAS PROBLEM DER REINEN PRAKTISCHEN VERNUNFT.
Wie Margot Fleischer anhand der Kritik der praktischen Vernunft zu zeigen versucht, war Kant daran gelegen, moralische Regelstrukturen auf ein nur der reinen praktischen Vernunft zugängliches Unbedingtes zu stützen, namentlich das dem menschlichen Selbstzweck eingeschriebene moralische Gesetz und die mit ihm zwingend gekoppelte Freiheit und Autonomie. Dem gegenüber steht die von Dieter Schönecker ins Spiel gebrachte, sich auf Kant berufende These, dass wir die Geltung des kategorischen Imperativs auf der emotionalen Grundlage des Gefühls der Achtung zu erkennen vermögen.

2. LEIBLICHKEIT, AUFRECHTER GANG UND REFLEXION
Bernhard Waldenfels versucht zu zeigen, dass sich hinter der Moral ein gefühlsgeladenes leibliches Selbst verbirgt, welches sich nach Kurt Bayertz dem aufrechten Gang als Konstituente anthropologischen Denkens verdankt. In diesem Zusammenhang versteht sich auch der von Hans-Peter Krüger und Richard Shusterman herausgegebene DZPhil-Schwerpunkt Leiblichkeit und Reflexion. Die politisch philosophische Makrodimension individueller Leiblichkeit wird in dem von Andrea Esser herausgegebenen DZPhil-Schwerpunkt Autonomie und Selbstbestimmung beleuchtet.

3. KOGNITION UND KOMMUNIKATION
Thomas Nagel zeigt, weshalb ein neurobiologisch oder neodarwinistisch angesiedelter reduktiver Materialimus zu kurz greift, wenn es darum geht, Moral als humanspezifisches Verhalten zu begründen. Dem gegenüber lässt sich Moral, ebenso wie die Bildung des mit ihr verbundenen, auf Autonomie ausgerichteten Geistes aus der Sicht von Michael Tomasello als Resultat der kulturellen Entwicklung menschlicher Kommunikation und menschlichen Denkens begreifen.

4. PARADOXIEN DER AUTONOMIE
Autonomie, auf die sich Moral beruft, ist nicht von vornherein gegeben, sondern, wie Günter Dux argumentiert, im Rahmen frühestkindlich ansetzender mikrosozialer Interaktionen vor dem Hintegrund makrosozialer Strukturen eigenaktiv lernend zu erwerben. Dies gereicht Michael Schmidt-Salomon zu der von ihm vertretenen These von Moral als einer kulturell etablierten, Autonomie verhindernden, sozialen Wahnidee. Ergänzend dazu lassen sich die Beiträge des von Thomas Khurana und Christoph Menke herausgegebenen Sammelbandes verstehen, dessen Beiträge den Verdacht aufkommen lassen, dass Freiheit und moralisches Gesetz eben nicht im Sinne des Anspruches von Kant vereinbar sind, sondern vielmehr in Willkür und gesetzlose Setzung münden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Referat und schriftliche Einzelarbeit

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Herstellung eines begriffslogischen Zusammenhanges zwischen Moralphilosophie und Philosophischer Anthropologie als allgemeiner Wissenschaft vom Menschen

Prüfungsstoff

Theoretische Einleitung durch den Lehrveranstaltungsleiter mit Aufschlüsselung des Seminarthemas. Im Anschluss daran Referate mit Diskussion

Literatur

Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Fleischer, M.: Mensch und Unbedingtes im Denken Kants, Freiburg/München 2009
Schönecker, D.: Das gefühlte Faktum der Vernunft, in: DZPhil 61(2013)1
Waldenfels, B.: Das leibliche Selbst, F.a.M. 2000
Bayertz, K.: Der aufrechte Gang, München 2012
Krüger, H.-P./R.Shusterman : DZPhil 59(2011)4 Schwerpunkt - Leiblichkeit und Reflexion
Esser, A.: DZPhil 59(2011)6 Schwerpunkt - Autonomie und Selbstbestimmung
Nagel, Th.: Geist und Kosmos, F.a.M. 2013
Tomasello, M.: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens, F.a.M. 2002
Tomasello, M.: Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation, F.a.M. 2009
Tomasello, M.: Warum wir kooperieren, Berlin 2010
Dux, G.: Die Moral in der prozessualen Logik der Moderne, Weilerswist 2004
Schmidt-Salomon, M.: Jenseits von Gut und Böse, München 2009
Khurana Th. /Menke Ch. (Hg.): Paradoxien der Autonomie, Berlin 2011

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 6.2, PP § 57.3.4

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36