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180048 SE Was ist Kritik? Heidegger, Foucault, Butler (2016S)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 17.03. 18:30 - 20:30 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Freitag 18.03. 09:00 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 12.05. 18:30 - 20:30 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Freitag 13.05. 09:00 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Donnerstag 02.06. 18:30 - 20:30 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Freitag 03.06. 09:00 - 13:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Samstag 04.06. 09:00 - 18:00 Hörsaal 3F NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung


Das Seminar wird von der Idee getragen, dass politische und soziale Kritik, die auf der Ebene sozialer Praktiken und den diesen inhärenten Normen angesiedelt ist, allein nicht hinreichend ist. In entscheidender Weise muss Kritik bereits auf einer tieferen Ebene ansetzen. Um soziale Strukturen nicht implizit zu naturalisieren und für unabänderlich auszugeben, muss politische und soziale Kritik auch solche Vorannahmen thematisieren die insbesondere epistemologischer und ontologischer Art sind. Die vor- und mitgängigen metaphysischen Voraussetzungen müssen in ihrer historischen und existentialen Bedingtheit aufgewiesen und entsprechend der Kritik zugänglich gemacht werden.
Diese Überzeugung ergibt sich aus verschiedenen philosophischen Reflexionen auf den Begriff politischer und sozialer Kritik und soll im Zentrum der Lehrveranstaltung stehen. Erstmals ist dieser Gedanke in Martin Heideggers Werk wirkmächtig angelegt, wurde von diesem aber nicht in Richtung einer kritischen Sozialtheorie fruchtbar gemacht. Dies wurde von Michel Foucault geleistet, der Heideggers Anregungen in ein umfangreiches Forschungsprogramm umsetzte, das ontologische Konstellationen in ihrer historischen Gewordenheit und damit auch Kontingenz aufzeigt. Judith Butler schließlich verknüpft die Fragen nach Kontingenz und sozialer Transformation explizit mit der Thematik der Subjektkonstitution und der Herausbildung von Geschlechterordnungen.
Die Lehrveranstaltung soll anhand dieser drei AutorInnen in Argumente und Strukturen einer philosophischen Reflexion auf den Kritikbegriff einführen, die politische und soziale Kritik bei jenen Hintergrundüberzeugungen ansetzen lässt, die üblicherweise der theoretischen Philosophie zugeschlagen werden. Dabei soll zum einen der Diskurszusammenhang dieser Tradition der Sozialphilosophie im 20. und 21. Jahrhundert deutlich werden, zum anderen dieser Diskurs auf sein kritisches Potential für gegenwärtige Diskussionen hin untersucht werden.
Die Lehrveranstaltung findet als Blockveranstaltung. Die drei Blöcke beschäftigen sich mit dem Werk jeweils eines/r der AutorInnen und verfolgen in diesen den eben skizzierten Zusammenhang. Hier steht die gemeinsame Lektüre und Diskussion der Primärtexte im Vordergrund. Im abschließenden Block erhalten die Studierenden zudem die Gelegenheit, sich anhand der Erarbeitung einer eigenständigen Fragestellung weiter in die Thematik zu vertiefen und ihre dabei entwickelten Überlegungen zu präsentieren. Dabei werden eigene Projekte vorgestellt und diskutiert, die dann als Seminararbeit ausgearbeitet werden sollen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Es handelt sich um eine prüfungsimmanente Lehrveranstaltung. Es wird großer Wert auf die eigenständige Auseinandersetzung der Studierenden mit den Primärtexten gelegt. Diese wird in kurzen, schriftlichen Diskussionsbeiträgen in Vorbereitung auf jeden der Blocktermine dokumentiert. In der Lehrveranstaltungseinheit folgt die gemeinsame Lektüre und Diskussion der Texte. Die Beteiligung an der Diskussion ist ein wesentlicher Bestandteil der Leistung. Beim abschließenden Termin präsentieren die Studierenden das Konzept für ihre Abschlussarbeit und stellen dieses den Peers zur Diskussion, ehe sie sich an die Ausarbeitung der Arbeiten machen.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Regelmäßige Teilnahme ist Voraussetzung für den positiven Abschluss der Lehrveranstaltung. Eine etwaige Abwesenheit von einzelnen Blockterminen ist individuell mit den Lehrveranstaltungsleitern zu vereinbaren.
Für einen positiven Abschluss der Lehrveranstaltung müssen zudem mindestens 55% der geforderten Leistung erbracht werden. Diese setzt sich folgendermaßen zusammen:
-> Regelmäßige, aktive Mitarbeit (20%)
-> Kurze, schriftliche Diskussionsbeiträge für jeden Block (20%)
-> Präsentation des Konzepts (20%)
-> Seminararbeit (40%)

Prüfungsstoff

Ein detaillierter Semesterplan mit genauen Angaben zur Pflichtlektüre wird nach erfolgter Anmeldung auf Moodle bekannt gegeben. Eine erste Orientierung bietet die vorläufige Literaturliste.

Literatur

Primärliteratur (vorläufige Auswahl):

Heidegger, Martin: Sein und Zeit, (Gesamtausgabe, Band 2), Frankfurt: Klostermann 1977.
Heidegger, Martin: Einblick in das was ist. Bremer Vorträge 1949, in: Bremer und Freiburger Vorträge (Gesamtausgabe, Band 79), Frankfurt: Klostermann 1994, S. 5-80.
Foucault, Michel: Was ist Kritik, Berlin: Merve 1992.
Foucault, Michel: In Verteidigung der Gesellschaft, Frankfurt: Suhrkamp 2001.
Foucault, Michel: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung: Geschichte der Gouvernementalität I, Frankfurt: Suhrkamp 2006.
Foucault, Michel: Die Geburt der Biopolitik: Geschichte der Gouvernementalität II, Frankfurt: Suhrkamp 2006.
Butler, Judith: Contingent Foundations, in: Seyla Benhabib/Judith Butler/Drucilla Cornell/Nancy Fraser (Hg.): Feminist Contentions: A Philosophical Exchange, New York/London: Routledge 1995, S. 35-58.
Butler, Judith: What is Critique? An Essay on Foucaults Virtue, in Ingram, David (Hg.): The Political, Oxford: Blackwell 2002, S. 212-226.
Butler, Judith: Die Frage nach der sozialen Veränderung, in: dies.: Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen, Frankfurt: Suhrkamp 2009.

Sekundärliteratur (vorläufige Auswahl):

Chambers, Samuel A./Carver, Terrell: Judith Butler and Political Theory: Troubling Politics, London/New York: Routledge 2008.
Figal, Günter: Martin Heidegger zur Einführung, Hamburg: Junius 2011.
Lemke, Thomas, Eine Kritik der politischen Vernunft: Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalität, Hamburg: Argument 1996.
Nichols, Robert: The World of Freedom: Heidegger, Foucault, and the Politics of Historical Ontology, Stanford University Press 2014.
Raffnsøe, Sverre/Gudmand-Høyer,Marius/Sørensen Thaning, Morten: Foucault Studienhandbuch, München/Paderborn: Fink 2011 (UTB).
Sarasin, Philipp: Michel Foucault zur Einführung, Hamburg: Junius 2012.
Schneider, Ulrich Johannes: Michel Foucault, Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft 2004.
Trawny, Peter: Martin Heidegger, Frankfurt am Main/New York: Campus, 2003.
Thomä, Dieter (Hg.): Heidegger-Handbuch Leben – Werk – Wirkung, unter Mitarbeit von Florian Grosser, Katrin Meyer und Hans Bernhard Schmid. 2. Auflage. Stuttgart: Metzler 2013.
Vetter, Helmuth: Grundriss Heidegger. Ein Handbuch zu Leben und Werk, Hamburg: Meiner 2013.
Villa, Paula-Irene: Judith Butler, 2. Auflage. Frankfurt: Campus 2012.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

M-11 Gegenwart, M-13 Geschlecht und Gesellschaft, PP 57.3.6, UF PP 09

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:52