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180076 KU Kritischer Posthumanismus - Einführung (2019W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Moodle; Mi 11.12. 08:00-09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock

An/Abmeldung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 09.10. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 16.10. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 23.10. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 20.11. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 27.11. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 04.12. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 08.01. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 15.01. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 22.01. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Mittwoch 29.01. 08:00 - 09:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der Transhumanismus (TH) und der Posthumanismus (PH) vereinen Diskurse aus der Philosophie, den Sozial- und Kulturwissenschaften, den Neurowissenschaften, der Informatik, der Robotik und KI-Forschung und lassen sich an der Grenze von philosophischer Anthropologie und Technikphilosophie verorten.
Der TH will den Menschen weiterentwickeln, optimieren, modifizieren und verbessern. Die transhumanistische Methode ist die technologische Transformation des Menschen zu einem posthumanen Wesen. In diesem Sinne kann man nicht sagen, dass der TH ‚den‘ Menschen zu überwinden sucht, sondern er will durch den Menschen, wie er ihn gegenwärtig erkennt, hindurch („trans“) zu einem Posthumanen gelangen, zu einem Menschen x.0. Die menschliche Evolution wird im TH als generell unabgeschlossen verstanden. Die Technik spielt im transhumanistischen Denken die Rolle des Mediums und Mittels zum Zweck der Optimierung des Menschen zu einem Menschen x.0.
Anders als dem TH ist dem PH nicht mehr primär an ‚dem‘ Menschen gelegen, sondern er hinterfragt die tradierten, zumeist humanistischen Dichotomien wie etwa Frau/Mann, Natur/Kultur oder Subjekt/Objekt, die zur Entstehung unseres gegenwärtigen Menschen- und Weltbilds maßgeblich beigetragen haben. Der PH möchte ‚den‘ Menschen überwinden, indem er mit konventionellen Kategorien und dem mit ihnen einhergehenden Denken bricht. So gelangt der PH an einen philosophischen Standort hinter oder jenseits („post“) eines spezifischen und für die Gegenwart essenziellen Verständnisses des Menschen. Dieser PH wird in Anlehnung an Stefan Herbrechter kritischer PH (kPH) genannt.
Zwischen TH und kPH ist eine weitere Strömung zu verorten, die zuweilen als technologischer PH bezeichnet wird (tPH). Sowohl kPH als auch tPH haben nicht primär eine Veränderung ‚des‘ Menschen im Blick. Daher stellen beide Variationen des PH dar. Allerdings ist dem tPH nicht an einer Infragestellung tradierter Kategorien oder an einer Kritik des (humanistischen) Menschenbildes gelegen, sondern primär an der Erschaffung einer artifiziellen Alterität, die die menschliche Spezies ablösen und damit ‚den‘ Menschen überwinden wird. Auf dem Weg dorthin soll zwar auch der Mensch von den technologischen Errungenschaften profitieren, er werde modifiziert und so zu einer weitaus besseren Version seiner selbst. Jedoch stellen diese Entwicklungen, die von einigen Transhumanist*innen als Grund dafür angeführt werden, den tPH als dem transhumanistischen Paradigma zugehörig zu betrachten (wie etwa Stefan Lorenz Sorgner, Max More und Martine Rothblatt), eher automatische Schritte auf einem Weg dar, auf dem es nicht an erster Stelle um den Menschen, gar um einen Menschen x.0, geht, sondern vorrangig um die Kreation einer maschinellen ‚Superspezies‘. Die Modifizierung des Menschen stellt im Denken des tPH eine Art angenehmer Nebenfolge dar. Daher wird die Technik im tPH eher als Ziel und Zweck denn als Medium und Mittel (wie im TH) verstanden. Auch der tPH schließt eine Vorstellung vom Posthumanen ein. Dabei handelt es sich allerdings weder um einen Menschen x.0 wie im TH noch um ein neues nach-humanistisches Verständnis des Menschen wie im kPH, sondern eben um eine artifizielle Alterität, eine künstliche Superintelligenz.

Dieser Kurs führt in das Programm des kPH ein, das sich in fünf Schwerpunkte gliedert: (1) ein Ringen mit dem Humanismus, (2) eine Überwindung des Anthropozentrismus, (3) eine Hinterfragung des Essenzialismus und der (philosophischen) Anthropologie, (4) eine Kritik der Wissenskulturen sowie (5) ein deutlicher Appellcharakter sowie gesellschaftspolitische Implikationen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Student*innen haben die Wahl zwischen einem Textanalysepaper und einem Referat. Die Prüfungen werden im laufenden Semester bis zum Abschluss der Lehrveranstaltung abgelegt.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Erfüllung einer semesterbegleitenden unbenoteten Aufgabe ist die Bedingung dafür, zur Prüfung antreten zu können.

Prüfungsstoff

Literatur

Die zu lesende sowie die weiterführende Literatur wird in der ersten Sitzung bekannt gegeben und (zumindest was erstere anbelangt) bei Moodle eingestellt. Es sei darauf hingewiesen, dass einige der im Seminar gelesenen und diskutierten Texte auf Englisch sein werden. Das Seminar selbst wird dennoch auf Deutsch geführt. Zudem wird den Student*innen empfohlen, das Buch Trans- und Posthumanismus zur Einführung (Junius 2018) von Dr. Janina Loh zu erwerben.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 30.09.2019 15:08