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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

180077 SE Adornos Moralphilosophie (2019S)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Details

max. 30 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 11.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 18.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 25.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 01.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 08.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 29.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 06.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 13.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 20.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 27.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 03.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 17.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock
Montag 24.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3F NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Rede von „Adornos Moralphilosophie“ ist nicht selbstverständlich. Bis in die 1980er Jahre war Adornos Philosophie, sofern sie unter ethischen Gesichtspunkten rezipiert worden war, recht einseitig auf den Aspekt der in ihr formulierten Kritik der bürgerlichen Moralphilosophie festgelegt worden, die einerseits aus metaethischer Perspektive erfolgte, andererseits in der moralkritischen Tradition von Marx, Nietzsche und Freud stand. Demgegenüber schärfte sich spätestens in den 1990er Jahren der Blick dafür, dass Adornos Schriften keineswegs nur moralkritische und -skeptische Argumente vorbringen, sondern dass ihnen ein moralischer Impetus eignet, der gerade auch in solchen Ausführungen auffällig wird, die, wie etwa die ÄSTHETISCHE THEORIE, thematisch nicht vordergründig auf moralische Fragestellungen abzielen. So lässt sich in den Worten, mit denen J. M. Bernstein seine im Jahr 2001 publizierte Studie ADORNO. DISENCHANTMENT AND ETHICS einleitete, festhalten: „No reading of the works of T. W. Adorno can fail to be struck by the ethical intensity of his writing, sentence by sentence, word by word.”

Feststeht, dass die moralische Kernfrage nach dem guten Leben in Adornos Schriften bis zuletzt aufdringlicher blieb, als es der lakonische Bescheid aus den MINIMA MORALIA nahelegen mochte: Es gäbe „kein richtiges Leben im Falschen“. Der entscheidende philosophische Referenzpunkt für Adornos Auseinandersetzung mit moralischen Fragen war Kant, dessen praktische Philosophie als Inbegriff der Moralphilosophie gelten kann. Die Erörterung und Kritik von Kants praktischer Philosophie steht im Zentrum von Adornos 1963 gehaltener und 1996 auf Grundlage von Tonband-Transkriptionen in Buchform veröffentlichter Vorlesung PROBLEME DER MORALPHILOSOPHIE, die eine wesentliche Vorarbeit zur NEGATIVEN DIALEKTIK darstellt. In dieser Hauptschrift findet sich außer dem für die Thematik des Seminars wesentlichen Kapitel „Freiheit. Zur Metakritik der praktischen Vernunft“ auch der motivhaft verdichtete Satz, in dem das Movens von Adornos späterer ‚negativer’ Moralphilosophie festgehalten ist: „Hitler hat den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufgezwungen: ihr Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.“

Das Seminar basiert auf der selbständigen Lektüre und gemeinsamen Diskussion von Texten und Textauszügen. Die Ziele liegen in der kritischen Auseinandersetzung mit Adornos Moral- und Sozialphilosophie, wobei insbesondere auch Kants praktische Philosophie sowie das philosophische Projekt einer kritischen Gesellschaftstheorie in Grundzügen rekonstruiert werden sollen. Der Gegenwartsbezug auch in historischen Themenzusammenhängen ist dem Ansatz einer Kritischen Theorie immanent.

Die ersten beiden Sitzungen werden einer allgemeinen Einführung in die Kritische Theorie und in Adornos Schriften dienen. Das Seminar soll einen allgemeinen Rahmen für die individuelle schriftliche Auseinandersetzung mit einem Thema zu Adornos Moralphilosophie bieten. Anstelle von Text-Referaten sind zu Semesterende Kurzpräsentationen von Abstracts vorgesehen, in denen die projektierten Seminararbeiten vorgestellt werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Es handelt sich um eine immanente Lehrveranstaltung, die regelmäßige Präsenz erfordert (maximal 2x Fehlen).

Eine positive Bewertung setzt sich zusammen aus
- aktive Teilnahme am Unterrichtsgespräch
- Präsentation eines Abstracts der projektierten Seminararbeit
- Hausarbeit von ca. 15 Seiten

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

Im Zentrum stehen folgende Bücher, die im Rahmen von Adornos GESAMMELTEN SCHRIFTEN (GS)* sowie im Rahmen der Publikation seines Nachlasses (NL)** herausgegeben sind:

MINIMA MORALIA. REFLEXIONEN AUS DEM BESCHÄDIGTEN LEBEN (GS 4).

NEGATIVE DIALEKTIK (GS 6); darin insbesondere der Abschnitt: „Freiheit. Zur Metakritik der praktischen Vernunft“, S.211–294.

PROBLEME DER MORALPHILOSOPHIE (Vorlesung 1963) (NL IV/10) (1996 veröffentlicht)

ZUR LEHRE VON DER GESCHICHTE UND VON DER FREIHEIT (Vorlesung 1964/65) (NL IV/13) (2001 veröffentlicht)

* Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften (GS), hg. v. Rolf Tiedemann unter Mitwirkung von Gretel Adorno, Susan Buck-Morss und Klaus Schultz, Frankfurt am Main: Suhrkamp1997.

** Theodor W. Adorno: Nachgelassene Schriften (NL), hg. vom Theodor W. Adorno Archiv, Frankfurt am Main: Suhrkamp1993ff.

Zu den wesentlichen Auseinandersetzungen mit Adornos Moralphilosophie gehören:

Bernstein, J.M.: ADORNO. DISENCHANTMENT AND ETHICS, Cambridge: Cambridge University Press 2001.

Knoll, Manuel: THEODOR W. ADORNO. ETHIK ALS ERSTE PHILOSOPHIE, München: Fink 2002.

Schweppenhäuser, Gerhard: ETHIK NACH AUSCHWITZ. ADORNOS NEGATIVE MORALPHILOSOPHIE, 2. überarb. Aufl., Wiesbaden: Springer 2016 (1993).

Eine ausführliche Literaturliste wird auf der Lernplattform moodle zur Verfügung gestellt.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 12.03.2019 12:48