Universität Wien FIND

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180090 SE Philosophische Anthropologie und Ontologie (2021W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL
Mi 15.12. 11:00-13:00 Digital

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

sämtliche Termine online

Mittwoch 13.10. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 20.10. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 27.10. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 03.11. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 10.11. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 17.11. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 24.11. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 01.12. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 12.01. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 19.01. 11:00 - 13:00 Digital
Mittwoch 26.01. 11:00 - 13:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziel der Lehrveranstaltung ist die Erfassung der ontologischen Grundzüge der Philosophischen Anthropologie. Diese versteht sich für Plessner als eigenständige Denkrichtung der Philosophie im Rahmen einer ontologisch begründbaren Allgemeinwissenschaft. Sie beinhaltet die Bestimmung des Menschen als bio-psycho-soziales Lebewesen. Die ihm mit Geist und Vernunft zugeschriebenen Grundeigenschaften zeigen sich als humanspezifisches Resultat evolutionsgeschichtlicher und ontogenetischer Entwicklungsprozesse. Zu diesem Ergebnis gelangt Plessner vor dem philosophiegeschichtlichen Hintergrund der sich bereits bei Kant abzeichnenden Überwindung des cartesianischen Dualismus zwischen denkendem Ich und sinnlicher Außenwelt. Im Anschluss daran vollzieht Plessner in einem weiteren Schritt den Übergang von einem bei Kant primär dem denkenden Ich geschuldeten, transzendental subjektiven zu einem ontologisch begründbaren, objektiven Apriori. Damit verbindet sich eine Theorie der organischen Modale im Sinne nicht mehr weiter rückführbarer, qualitativer Letztheiten. Als Qualitäten des Seienden sind solche Modale immer durch die Sinne gegeben. Hier betont Plessner die Differenz sowie den Zusammenhang zwischen dem gegenständlichen Bezug des Denkens und dessen kategorialer Formbestimmtheit, vergleichbar mit dem Verhältnis von Anschauung und Begriff bei Kant. Indes geht Plessner aber mit der von ihm eingeschlagenen Richtung eines ontologisch fundierten, transzendentalen Realismus über Kant hinaus. Seine Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf ein die Erkenntnis erst ermöglichendes, gegenständliches Verhältnis. In diesem Zusammenhang spricht Plessner vom apriorischen Formcharakter der materialen Modi der gegenständlichen Inhalte des Denkens als von außen gegebene Inhalte der Erfahrung. Apriori bedeutet hier, dass diese Inhalte in einer bestimmten Begriffsform gegeben sein müssen, damit sie Gegenstand der Erfahrung werden können. Die Materialität der Inhalte ist für Plessner die Bedingung der Möglichkeit ihrer Erfahrung, aber erst die Apriorität ihrer Form gibt ihnen die Möglichkeit, dass sie sich als das zeigen können, was sie ihrem Wesen nach sind. In Die Einheit der Sinne verortet daher Plessner bei Kant das Problem einer unzureichenden Positionierung und Begriffsbestimmung der Sinnlichkeit, zumal sich diese auf das in der transzendentalen Ästhetik der Kritik der reinen Vernunft abgehandelte, vom tatsächlichen Gegenstand abstrahierende Raum-Zeit-Problem beschränkt, denn damit wird die Frage der funktionalen Organisation der Sinne im Zusammenhang mit der Möglichkeit und Gegenständlichkeit des erfahrenden Bewusstseins ausgeblendet. Anstatt dessen richtet sich Plessner auf die gegenständliche Erörterung des Problems der Sinne mit Blick auf die Bestimmung des Verhältnisses von Sinnlichkeit und Geist. In Die Stufen des Organischen und der Mensch zeigt sich das erfahrende Bewusstsein sodann als humanspezifisches Resultat evolutionär hervorgebrachter Organisationsstufen des Lebendigen, welche über den Prozess der personalen Vergesellschaftung mit Verschränkung von gegenständlicher Außenwelt, psychischer Innenwelt und sozialer Mitwelt zur Bildung des Geistes führen. In Die Frage nach der Conditio humana stellt Plessner diesen Bildungsprozess in einen soziokulturell und geschichtlich vermittelten Bezugsrahmen.

Vor dem Hintergrund einer ausführlichen (schriftlichen) Einleitung in das Thema durch den Leiter der Lehrveranstaltung wird die weitere methodisch-didaktische Vorgangsweise in der Erarbeitung und Präsentation einschlägiger Literatur bestehen. Dies mit Schwerpunktausrichtung auf einen Text der in der Literaturliste angegebenen Hauptliteratur unter optionaler Miteinbeziehung von Texten aus der Ergänzungsliteratur.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

1.) Teilnahme an virtuell über Moodle / Big Blue Button online abgehaltenen Seminarterminen mit Referaten Mi. 11:30-13:00. Dazu sollen nach einer Vorbesprechung am 13.10.2021 im nächsten Schritt Meldungen zu Referatthemen bis spätestens 27.10. erfolgen. In weiterer Folge werden vom Seminarleiter nach Themen gegliederte Gruppen gebildet, samt Zuordnung zu Terminen vom 10.11. 2021 bis 26.01.2022. Beginnend mit dem ersten Referattermin am 10.11. werden die vorgesehenen Themen zum jeweils eingetragenen Termin präsentiert.

2.) 2 schriftlich zu verfassende Arbeitsaufträge im Umfang von je 5.000 bis 6.000 Zeichen ohne Leerzeichen sowie schriftliche Abschlussarbeit in Form einer SE-Arbeit im Umfang von 40.000 bis 50.000 Zeichen ohne Leerzeichen bzw. einer BA-Arbeit entsprechend den dafür lt. Studienplan vorgegebenen Bestimmungen.

Für Referate und Abschlussarbeiten können z.B. folgende Probleme gewählt werden:

* Plessners Konzept der Philosophischen (dialektischen) Anthropologie
* Plessner und die Grundbegriffe der Philophischen Anthropologie
* Der Lebensbegriff bei Plessner und der Mensch als Lebewesen
* Der Menschenbegriff bei Plessner mit bes. Ber. der Person und des Geistes
* Plessners Kritik des cartesianischen Dualismus
* Plessners Kant-Kritik
* Plessners Begriff der dialektischen Natürlichkeit des Menschenbegriff
* Plessners Begriff des Geistes
* Der soziokulturelle Bezug des Geistes bei Plessner

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Erfüllung der für die Leistungskontrolle vorgesehenen Erfordernisse.
Anwesenheitspflicht, Studierende dürfen zweimal unentschuldigt fehlen. Die Präsentation ist verpflichtend zu halten.
Präsentation: 30 Punkte
- Seminararbeit: 50 Punkte (vorgegebener/vereinbarter Abgabetermin ist einzuhalten)
- Beteiligung in den Diskussionsphasen (Konstruktive, fachlich richtige Beiträge und
Engagement bei der Besprechung der Präsentationen): 20 Punkte
Für eine positive Beurteilung der Lehrveranstaltung sind 60 Punkte erforderlich. 1 (sehr gut) 100-90 Punkte 2 (gut) 89-81 Punkte 3 (befriedigend) 80-71 Punkte
4 (genügend) 70-60 Punkte 5 (nicht genügend) 59-0 Punkte

Prüfungsstoff

Texte aus der in der Literaturliste angegebenen Fachliteratur

Literatur

Hauptliteratur

PLESSNER: Die Einheit der Sinne. Grundlinien einer Ästhesiologie des Geistes (1923)

PLESSNER: Die Stufen des Organischen und der Mensch (1928)

PLESSNER: Die Frage nach der Conditio humana (1961)

HOLZ, H.H.: Mensch-Natur. Helmuth Plessner und das Konzept einer dialektischen
Anthropologie, Bielefeld 2003

Ergänzungsliteratur

PLESSNER: Die Krisis der transzendentalen Wahrheit im Anfang (1918)
PLESSNER: Anthropologie der Sinne (1970)
KANT: Kritik der reinen Vernunft (Einleitung, Raum, Zeit, Schematismus, Dritte Antinomie)
HEGEL.: Phänomenologie des Geistes (Vorrede, Einleitung, Die sinnliche Gewissheit,
Bewusstsein, Selbstbewusstsein)
PIAGET: Biologie und Erkenntnis.
LUKACS: Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins. Die Arbeit
KÖNIG, J.: Sein und Denken. Studien im Grenzgebiet von Logik, Ontologie und
Sprachphilosophie, Tübingen 1969
TOMASELLO, M.: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens, F.a.M. 2002
RHEMANN, J.: Wie lernen wir, fremde Absichten zu deuten ? Über den Verstehen und Geist bildenden Beitrag der Humanontogenese. In: DZPhil 3/2008

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 24.11.2021 16:28