Universität Wien

180100 VO-L Ökonomie der Beziehungen (2016S)

Zur Ethik einer immateriellen Ressource

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Mittwoch 09.03. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 16.03. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 06.04. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 13.04. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 20.04. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 27.04. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 04.05. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 11.05. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 18.05. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 25.05. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 01.06. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 08.06. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 15.06. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 22.06. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß
  • Mittwoch 29.06. 09:45 - 11:15 Hörsaal III NIG Erdgeschoß

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Schon in der Antike werden menschliche Beziehungen unter dem Aspekt abgehandelt, dass sie ein Gut darstellen. Dies betrifft den Bereich des Instrumentellen genauso wie die Ausrichtung des Strebens an in sich wertvollen Zielen. Die philía erscheint als nichtinstrumentelles Gut, insofern einander Freund sein bedeutet, eine wechselseitige Vorbildfunktion zu übernehmen, einander in der gemeinsamen Arbeit am Guten zu bestärken und herauszufordern.

Insofern bedeutet diese Konzeption konkrete Arbeit, Leistung (ergon, energeia), und die Frage ist, inwieweit ein ursprüngliches Miteinander (syzen), eine kollektive Anstrengung (synergein) und Auseinandersetzung zur Erreichung bestimmter, ethisch relevanter Ziele zu begründen ist. Wie kann man die unterschiedlichen Formen des Wertschätzens beschreiben, die dem Prozess persönlicher Beziehungen zugrunde liegen? Was ist der Unterschied in der Einstellung des Wertschätzens, wenn wir von Freundschaft, von Liebe, von familiären Beziehungen bzw. von persönlichen Beziehungen im öffentlichen Bereich (Arbeit, Bildung, Gesellschaftspolitik) sprechen?

Zeitgenössische Annäherungen an die Moralität zwischenmenschlicher Beziehungen erlauben es, genau diese Frage zu stellen: Inwieweit ist es innerhalb von Beziehungen möglich, gemeinsam an der Realisierung intrinsischer Werte zu arbeiten? Inwieweit sind Beziehungen Ausdruck wertbestimmter Haltung und nicht nutzenorientiertes Kalkulieren der Handlungsfolgen? Wie ist die konkrete Arbeit, die Organisation des gemeinsamen Tätigseins zu beschreiben, im Sinne des kognitiven, affektiven, sorgenden und zeitlichen Aufwandes, der von den an einer Beziehung Beteiligten geleistet wird? Was bedeutet Gerechtigkeit hier im Sinne der Forderung nach Wechselseitigkeit im Geben und Nehmen? Was bedeutet es, die konkrete Beziehungsarbeit in ökonomischen Begriffen wie Ressource oder Investition in Form von Vertrauen und Nutzenerwartung zu beschreiben? Was bedeutet dies für die grundlegende Frage der Moralphilosophie, inwiefern und ob besondere Verpflichtungen und Aufwände mit allgemeinen Verbindlichkeiten im Sinne der Pflichtethik in Widerspruch stehen? Unterliegen Beziehungen generell einer Tendenz der Ökonomisierung, oder kann man sie als Praktiken beschreiben, in deren Rahmen sich instrumentelle und intrinsische Aspekte verbinden?

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mündliche Prüfung

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsstoff

Literatur

(A) Beziehung als Gut, antike Konzeption.
- Aristoteles (1997), Nikomachische Ethik, Stuttgart, Reclam.
- Gadamer, H.-G. (1991), Freundschaft und Selbsterkenntnis. Zur Rolle der Freundschaft in der griechischen Ethik, in: Gesammelte Werke. Band 7. Griechische Philosophie III, Tübingen, Mohr Siebeck (UTB), S. 396-406
- Schulz, P. (2000), Freundschaft bei Platon und Aristoteles, Freiburg/München, Alber.
- Wolf, U. (2002), Aristoteles’ Nikomachische Ethik, Darmstadt, WBG.

(B) Freundschaft, Liebe, Familie in aktuellen moralphilosophischen Debatten
- Blum, L. (2003), Personal Relationships, in: Frey/Wellman (Hg.), A Companion to Applied Ethics, Malden/Oxford, Blackwell, S. 512-524.
- Friedman, M. (2008), Freundschaft und moralisches Wachstum, in: Honneth (Hg.), Von Person zu Person. Zur Moralität persönlicher Beziehungen, Frankfurt a. M., Suhrkamp, S. 148-167.
- Baier, A. C. (1995) Unsafe Loves, in: Moral Prejudices, Cambridge, Harvard University Press, S. 33-50.
- Delaney, N. (2008) Romantische Liebe und Verpflichtung aus Liebe: Die Artikulierung eines modernen Ideals, in: Von Person zu Person, S. 105-142.
- Jeske, D. (2008) Familien, Freunde und besondere Verpflichtungen, in: Von Person zu Person, S. 215-240.

(C) Beziehung als ökonomischer und ethischer Wert
- Anderson, E. (1993) Value in Ethics and Economics. Cambridge, Harvard University Press.
- Baier, A. C. (2009) Dinge mit anderen tun: die mentale Allmende, in: Schmid/Schweikard (Hg.) (2009) Kollektive Intentionalität, Frankfurt a. M., Suhrkamp, S. 230-266.
- Husserl, E. (1932) Personales Leben. Soziale Verbindung aus willentlicher Stiftung, aus Instinkt, aus Sympathie. Das Teilnehmen (Sympathie), in: Zur Phänomenologie der Intersubjektivität. Dritter Teil (Husserliana XV), Den Haag: Nijhoff 1973, S. 510-514.
- Husserl, E. (1933) Notizen über Triebgemeinschaft, Liebe usw., in: Husserliana XV, S. 597-602.
- Moldaschl, M. (Hg.) (2007), Kapitalarten, Verwertungsstrategien, Nachhaltigkeit, in: ders. (Hg), Immaterielle Ressourcen, München, Hampp, S. 81-116.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA 6.2, BA M 12, PP 57.3.6, EC 2.2, 2.3

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36