Universität Wien FIND

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180101 PS Praktische Irrationalität (2011W)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first serve").

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 04.10. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 11.10. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 18.10. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 25.10. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 08.11. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 08.11. 15:00 - 17:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 15.11. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 22.11. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 29.11. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 06.12. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 13.12. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 10.01. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 17.01. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 24.01. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Dienstag 31.01. 12:00 - 14:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Irrationalität ist nicht nur ein epistemologisches Problem theoretischer Vernunft bzw. rationaler Rechtfertigung und Begründung, also dessen, was und wie wir etwas glauben, sondern auch ein weitverbreitetes Phänomen unserer praktischer Verhaltensweisen und mithin ein Problem dessen, was wir tun (sollen): So haben und hegen wir oft irrationale Wünsche, handeln entgegen unseres besseren Wissens oder unserer Absichten, täuschen uns selbst etc.

Phänomene praktischer Irrationalität sind seit Platos und Aristoteles'; kanonischer Beschäftigung mit sog. "akratischen" (unbeherrschten) Handlungen Thema eingehender philosophischer Analysen und werden seit den 1960/70er-Jahren insbesondere im angelsächsischen Raum zunehmend von Handlungs- bzw. EnstcheidungstheoretikerInnen, aber auch MoralphilosophInnen und ErkenntnistheoretkerInnen intensiv und kontrovers diskutiert. Die zwei zentralen Formen praktischer Irrationalität, die dabei im Vordergrund stehen, stellen zweifelsohne die Phänomene der Willensschwäche (WS) und der Selbsttäuschung (ST) dar. Gleichwohl bilden auch irrationale Emotionen bzw. die Arationalität von emotionalen/affektiven Handlungen, die Paradoxien irrationaler (Handlungs-)Begründung, (mangelnde) Selbstkontrolle bzw. Selbstbeherrschung, Zwangs- und Suchtphänomene etc. Gegenstand der betreffenden Debatten.

Im PS sollen diese und verwandte Phänomene aus der Perspektive der philosophischen Handlungstheorie und Theorien praktischer Begründung (practical reasoning) eingehend erörtert werden. Zwei Problembereiche werden im Fokus stehen: (1) praktische bzw. instrumentelle (Zweck-)Rationalität, das "Belief/Desire"-Standardmodell der Rationalisierung und Erklärung von Handlungen und deren Verhältnis zu den "begründungslogischen" Paradoxien, den praktischen Konsequenzen und den unterschiedlichen Modellen praktischer Irrationalität; (2) die speziellen Kernphänomene praktischer Irrationalität, nämlich Willensschwäche und Selbsttäuschung und deren Verhältnis zueinander.

Entlang Close-Reading-Lektüren klassischer und zeitgenössischer philosophischer Theorien (von Plato und Aristoteles über J.-P. Sartre, R.M. Hare und D. Davidson bis A.R. Mele, D. Pears, G. Watson, A.O. Rorty, T. Scanlon u.a.) sollen in der LV insbesondere folgende Fragen gemeinsam erarbeitet und kritisch diskutiert werden:

Was ist praktische Irrationalität und wie steht sie zu epistem(olog)ischen Rationalitäts-konzeptionen? Kann es rational sein, irrational zu handeln bzw. irrationale Wünsche/Absichten/ Meinungen etc. zu haben? Wie kann man überhaupt wider besseres Wissen handeln? Inwiefern stellen WS und ST (epistemische und/oder praktische) Paradoxien dar? Inwiefern unterscheiden sich akratische Handlungen von anderen "nicht-idealen" bzw. "devianten" Formen von Handlungen (wie irrationale, unbeherrschte, zwanghafte, Sucht-mäßige etc.) und inwiefern unterscheidet sich ST und Irrationalität von anderen Formen "negativer" Glaubenseinstellungen (wie Lüge, Wunschdenken, Täuschung von anderen, Irrtum)? Welches Konzept von Selbst liegt den Diskussionen von ST und welches Konzept von Rationalität jenen a- bzw. irrationaler Handlungen zugrunde? Ist WS ein (evtl. rein psychologisches) Problem der Selbst-beherrschung/Selbstkontrolle? Sind WS bzw. ST statische, punktuelle oder dynamische Phänomene, die relativ zu jeweiligen Informationen/Wissen, Wünschen, Motiven, Absichten, Zielen, Wertvorstellungen, anderen Akteuren etc. sind? Ist praktische Irrationalität und sind insbesondere ST und WS wesentlich intentionale oder motivierte Handlungen, und wenn ja, inwiefern konterkariert dies die Zielsetzung oder die motivationale Struktur der betreffenden Phänomene?

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- Die LV hat prüfungsimmanenten Charakter: Die regelmäßige Teilnahme, genaue Lektürekenntnisse und aktive Mitarbeit.
- Lektürereflexionen: Das Verfassen kurzer (ca. 1- bis 2-seitiger) Lektürereflexionen zu den jew. Texten, die im PS behandelt werden.
- Verfassen einer (ca. 10- bis 15-seitigen) PS-Arbeit.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Das primäre didaktische Ziel der LV ist es, sowohl einen fundierten und repräsentativen Überblick über die Grundprobleme, die wichtigsten Themen und die zentralen AutorInnen der Auseinandersetzung mit praktischer Irrationalität zu verschaffen als auch die Gelegenheit zu bieten, sich in einer spezialisierten aktuellen philosophischen Debatte kritisch Stellung beziehen zu können.

Prüfungsstoff

Nach einer allgemeinen Einleitung in das betreffende Problemfeld seitens des LV-Leiters (unterstützt durch Power-Point-Präsentationen) werden die ausgewählten Texte gemeinsam durch Close-Reading-Lektüren im Hinblick auf die zentralen Thesen und Sachprobleme bzw. auf die Argumentationsstruktur analysiert und ausführlich kritisch diskutiert.

Lehrmittel und -behelfe: Die verwendeten Power-Point-Präsentationen werden laufend auf die E-Learning-Plattform geladen.

Literatur

A.) Empfehlenswerte Textsammlungen und Monographien:

- Beier, Kathi (2010): Selbsttäuschung. Berlin/New York: deGruyter.
- McLaughlin, Brian P. / Rorty, Amélie Oksenberg (Eds.) (1988): Perspectives on Self-Deception. Berkley et al.: University of California Press.
- Mele, Alfred R. (1987): Irrationality. An Essay on Akrasia, Self-Deception, and Self-Control. Oxford: Oxford UP.
- Pears, David (1984): Motivated Irrationality. Oxford: Oxford UP.
- Spitzley, Thomas (Hg.) (2005): Willensschwäche. Paderborn: mentis.
- Spitzley, Thomas (1992): Handeln wider besseres Wissen. Eine Diskussion klassischer Positionen. Berlin/New York: deGruyter.
- Stroud, Sarah / Tappolet, Christine (Eds.) (2003): Weakness of Will and Practical Irrationality. Oxford: Oxford UP.

B.) Die im PS zu behandelnden Textgrundlagen werden in einem Reader zusammengestellt, der im NIG-Facultas-Shop zu Beginn des Semsters kostengünstig zu erwerben sein wird.

Eine ausführliche, kommentierte Literaturliste wird zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt und weiterführende Literatur auf die E-Learning-Plattform gestellt (elektronischer Handapparat).

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 6.1, § 3.2.3

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36