Universität Wien FIND

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180105 SE Phänomenologie des Sozialen/Politischen (2021W)

Castoriadis' "Gesellschaft als imaginäre Institution"

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
VOR-ORT
Di 07.12. 18:30-20:00 Digital

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Neben den wöchentlichen Dienstagterminen (bis Weihnachten) beinhaltet die Lehrveranstaltung auch zwei Samstagsblocktermine.

Dienstag 12.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Dienstag 19.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Samstag 30.10. 11:30 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Dienstag 09.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Dienstag 16.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Dienstag 23.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Dienstag 30.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Samstag 04.12. 11:30 - 14:45 Digital
Dienstag 14.12. 18:30 - 20:00 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der griechisch-französische Philosoph und Psychoanalytiker Cornelius Castoriadis (1922-1997), der für manche einer der wichtigsten politischen Theoretiker und Sozialphilosophen des 20. Jahrhunderts ist, hat in seinem Buch Gesellschaft als imaginäre Institution (1975) eine kritische Gesellschaftstheorie entworfen, die man in der Tradition der Phänomenologie von Merleau-Ponty und einer hermeneutischen Tradition und einer weiter gedachten Kritischen Theorie (und damit auch in Aufnahme von und Kritik an Freud und Marx) situieren kann, die Sinn- und Bedeutungsstrukturen auch als soziale und damit gesellschaftskritisch thematisiert. Dabei waren Merleau-Pontys Auseinandersetzung mit dem Marxismus und der Geschichtsphilosophie, sein Denken der Praxis, der Gedanke der Leiblichkeit des Subjekts und des anonymen Hintergrund des Sozialen, aber vor allem der Begriff der Institution als Stiftung einer Ordnung von entscheidender Bedeutung für das Denken von Castoriadis. Gesellschaft und Kultur werden bei Castoriadis zu einem Sinn- und Bedeutungszusammenhang, d. h. einer symbolischen Ordnung, die sich einer kreativen Praxis verdankt, bei der die Einbildungskraft/Imagination – in der Nachfolge der Radikalisierung der Einbildungskraft bei Kant und Heidegger – eine zentrale Rolle spielt. Gesellschaftliche Ordnungen werden so zum Resultat des Institutionalisierungsprozesses des Imaginären, das nicht einen Gegensatz zu Realität oder Rationalität bildet, sondern diesen innewohnt bzw. diese begründet. Von der Einbildungskraft ausgehend, wird bei Castoriadis auch eine Kritik am abendländischen Bestimmtheitsdenken bzw. eines identifizierenden Denkens entwickelt, das in Bezug auf Gesellschaftstheorien vor allem strukturalistische und funktionalistische Gesellschaftstheorien, aber auch bestimmte marxistische im Visier hat, ohne auf eine radikale Kapitalismuskritik zu verzichten.
Im Seminar wird dabei vor allem das Buch Gesellschaft als imaginäre Institution behandelt und diskutiert werden, jedoch auch Aufsätze zum Thema Politik und Demokratie herangezogen werden.

Methoden:
Einführungen durch den Lehrveranstaltungsleiter, Lektüre und Diskussion von Texten, die in Referaten vorgestellt werden.

Ziele:
Einführung und Auseinandersetzung mit der kritischen Theorie der Gesellschaft von Cornelius Castoriadis.

ACHTUNG:
Die Lehrveranstaltung soll vor Ort stattfinden (Präsenzveranstaltung). Wenn es aufgrund von Corona Abstandsregeln und Sitzplatzbeschränkungen gibt, wird die Lehrveranstaltung hybrid durchgeführt (alternierend ist eine Gruppe vor Ort im Hörsaal und die andere online dabei).
Es gilt neu ab 1.10. die 2,5G-Regel!
Die allererste Sitzung am 12.10. (Vorbesprechung) wird für alle nur online via Zoom stattfinden. Der Link für die erste Sitzung wird zeitgerecht auf Moodle eingerichtet sein.
UPDATE LOCKDOWN: Die Lehrveranstaltung findet während dem Lockdown naturgemäß nur online via Zoom statt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Regelmäßige Teilnahme ist Voraussetzung (zweimal kann unentschuldigt gefehlt werden). Zeugniserwerb durch Kurzreferat (im Rahmen eines Gruppenreferats - auch schriftlich auszuarbeiten) plus Diskussionsinputs/Lektürereflexionen plus Seminararbeit.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Regelmäßige Teilnahme ist Voraussetzung (zweimal kann unentschuldigt gefehlt werden). Zeugniserwerb durch Kurzreferat (im Rahmen eines Gruppenreferats - auch schriftlich auszuarbeiten) plus Diskussionsinputs/Lektürereflexionen plus Seminararbeit.
Mitarbeit/Diskussionsinputs: 10%
Kurzreferat: 25%
Seminararbeit: 65%

Prüfungsstoff

Die im Seminar zu lesende Literatur.

Literatur

Primärliteratur:
- Cornelius Castoriadis: Gesellschaft als imaginäre Institution. Entwurf einer politischen Philosophie, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1990 (franz. 1975).
- Cornelius Castoriadis: Autonomie oder Barbarei. Ausgewählte Schriften, Band 1, Verlag Edition AV, Lich, 2006.

Die im Seminar zu lesende Literatur wird auf Moodle zur Verfügung gestellt.

Sekundärliteratur:
- Suzy Adams: Castoriadis’s Ontology. Being and Creation, Fordham University Press, New York, 2011.
- Suzy Adams (Hg.): Cornelius Castoriadis. Key Concepts, London 2014.
- Johann P. Arnason: Verständigungsformen und imaginäre Bedeutungen, in: ders., Praxis und Interpretation, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1988; S. 187-309.
- Nicola Condoleo: Vom Imaginären zur Autonomie. Grundlagen der politischen Philosophie von Cornelius Castoriadis, transcript, Bielefeld, 2015.
- Gerhard Gamm: Cornelius Castoriadis: Gesellschaft als imaginäre Institution (1975), in: ders./Andreas Hetzel/Markus Lilienthal: Interpretationen. Hauptwerke der Sozialphilosophie, Reclam, Stuttgart, 2001, S. 173-194.
- Lars Gertenbach: Cornelius Castoriadis: Gesellschaftliche Praxis und radikale Imagination, in: Stephan Moebius/Dirk Quadflieg (Hg.), Kultur. Theorien der Gegenwart, VS, Wiesbaden, 2011, S. 277-289.
- Andreas Hetzel: Kultur als Imaginäres: Cornelius Castoriadis, in: ders., Zwischen Poiesis und Praxis. Elemente einer kritischen Theorie der Kultur, Königshausen & Neumann, Würzburg, 2001, S. 219-230.
- Axel Honneth: Eine ontologische Rettung der Revolution. Zur Gesellschaftstheorie von Cornelius Castoriadis, in: ders., Die zerrissene Welt des Sozialen, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1999, S. 144-164.
- Hans Joas: Institutionalisierung als kreativer Prozeß. Zur politischen Philosophie von Cornelius Castoriadis, in: ders., Pragmatismus und Gesellschaftstheorie, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1992, S. 146-170.
- Peter Kelbel: Praxis und Versachlichung. Konzeptionen kritischer Sozialphilosophie bei Habermas, Castoriadis und Sartre, Philo, Berlin, 2005.
- Alice Pechriggl: Der Einfall der Einbildung als ontologischer Aufbruch, in: dies./Karl Reitter (Hg.): Die Institution des Imaginären. Zur Philosophie von Cornelius Castoriadis, Turia + Kant, Wien, 1991, S. 81-102.
- Alice Pechriggl/Karl Reitter (Hg.): Die Institution des Imaginären. Zur Philosophie von Cornelius Castoriadis, Turia + Kant, Wien, 1991.
- Martin W. Schnell: Cornelius Castoriadis, in: Thomas Bedorf/Kurt Röttgers (Hg.), Die französische Philosophie im 20. Jahrhundert, WBG, Darmstadt, 2009, S. 88-94.
- Robert Seyfert: Cornelius Castoriadis: Institution, Macht, Politik, in: Ulrich Bröckling/Robert Feustel (Hg.), Das Politische denken. Zeitgenössische Positionen, Bielefeld, 2010, S. 253-272.
- Yannis Stavrakakis: Antinomies of Creativity: Lacan and Castoriadis on Social Construction and the Political, in: ders., The Lacanian Left. Psychoanalysis, Theory, Politics, Edinburgh University Press, Edinburgh, 2007, S. 37-65.
- Bernhard Waldenfels: Der Primat der Einbildungskraft. Zur Rolle des gesellschaftlichen Imaginären bei Cornelius Castoriadis, in: Alice Pechriggl/Karl Reitter (Hg.), Die Institution des Imaginären. Zur Philosophie von Cornelius Castoriadis, Turia + Kant, Wien, 1991, S. 55-80.
- Joel Whitebook: Intersubjectivity and the Monadic Core of the Psyche: Habermas and Castoriadis on the Unconscious, in: Maurizio Passerin/Seyla Benhabib (Hg.), Habermas and the Unfinished Project of Modernity, Cambridge/UK, 1996, S. 172-193.
- Anna Wieder: Autonomie und Alterität. Zu den normativen Grundlagen von Cornelius Castoriadisʼ Gesellschaftstheorie, in: Zeitschrift für Praktische Philosophie, 3, 1, 2016, S. 203–232.
- Harald Wolf (Hg.): Das Imaginäre im Sozialen. Zur Sozialtheorie von Cornelius Castoriadis, Göttingen, 2012.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 03.12.2021 10:28