Universität Wien FIND

180131 SE Phänomenologie des Sozialen/Politischen (2017W)

Castoriadis' "Gesellschaft als imaginäre Institution"

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Dienstag 10.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 17.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 24.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 31.10. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 07.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Samstag 11.11. 10:30 - 14:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 14.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 21.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 28.11. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Samstag 02.12. 10:30 - 14:30 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 05.12. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock
Dienstag 12.12. 18:30 - 20:00 Hörsaal. 2H NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der griechisch-französische Philosoph und Psychoanalytiker Cornelius Castoriadis (1922-1997), der für manche einer der wichtigsten politischen Theoretiker und Sozialphilosophen des 20. Jahrhunderts ist, hat in seinem Buch Gesellschaft als imaginäre Institution (1975) eine kritische Gesellschaftstheorie entworfen, die man in der Tradition der Phänomenologie von Merleau-Ponty und einer hermeneutischen Tradition und einer weiter gedachten Kritischen Theorie (und damit auch in Aufnahme von und Kritik an Freud und Marx) situieren kann, die Sinn- und Bedeutungsstrukturen auch als soziale und damit gesellschaftskritisch thematisiert. Dabei waren Merleau-Pontys Auseinandersetzung mit dem Marxismus und der Geschichtsphilosophie, sein Denken der Praxis, der Gedanke der Leiblichkeit des Subjekts und des anonymen Hintergrund des Sozialen, aber vor allem der Begriff der Institution als Stiftung einer Ordnung von entscheidender Bedeutung für das Denken von Castoriadis. Gesellschaft und Kultur werden bei Castoriadis zu einem Sinn- und Bedeutungszusammenhang, d. h. einer symbolischen Ordnung, die sich einer kreativen Praxis verdankt, bei der die Einbildungskraft/Imagination – in der Nachfolge der Radikalisierung der Einbildungskraft bei Kant und Heidegger – eine zentrale Rolle spielt. Gesellschaftliche Ordnungen werden so zum Resultat des Institutionalisierungsprozesses des Imaginären, das nicht einen Gegensatz zu Realität oder Rationalität bildet, sondern diesen innewohnt bzw. diese begründet. Von der Einbildungskraft ausgehend, wird bei Castoriadis auch eine Kritik am abendländischen Bestimmtheitsdenken bzw. eines identifizierenden Denkens entwickelt, das in Bezug auf Gesellschaftstheorien vor allem strukturalistische und funktionalistische Gesellschaftstheorien, aber auch bestimmte marxistische im Visier hat, ohne auf eine radikale Kapitalismuskritik zu verzichten.
Im Seminar wird dabei vor allem das Buch Gesellschaft als imaginäre Institution behandelt und diskutiert werden, jedoch auch Aufsätze zum Thema Politik und Demokratie herangezogen werden.

Methoden:
Einführungen durch den Lehrveranstaltungsleiter, Lektüre und Diskussion von Texten, die in Referaten vorgestellt werden.

Ziele:
Einführung und Auseinandersetzung mit der kritischen Theorie der Gesellschaft von Cornelius Castoriadis.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Regelmäßige Teilnahme ist Voraussetzung. Zeugniserwerb durch (1) schriftliche Kommentare plus (2) Seminararbeit oder Referat (auch schriftlich auszuarbeiten). Die Seminararbeit und das ausgearbeitete schriftliche Referat machen 80 Prozent der Note aus.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Regelmäßige Teilnahme ist Voraussetzung. Zeugniserwerb durch (1) schriftliche Kommentare plus (2) Seminararbeit oder Referat (auch schriftlich auszuarbeiten). Die Seminararbeit und das ausgearbeitete schriftliche Referat machen 80 Prozent der Note aus.

Prüfungsstoff

Literatur

Primärliteratur:

- Cornelius Castoriadis: Gesellschaft als imaginäre Institution. Entwurf einer politischen Philosophie, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1990 (franz. 1975).
- Cornelius Castoriadis: Autonomie oder Barbarei. Ausgewählte Schriften, Band 1, Verlag Edition AV, Lich, 2006.

Der Haupttext des Seminars (Castoriadis: Gesellschaft als imaginäre Institution) ist im Buchhandel (20 Euro) erhältlich und liegt im Handapparat der Institutsbibliothek zum Kopieren auf.
Andere Literatur/Sekundärliteratur steht auf Moodle zur Verfügung.
.
Sekundärliteratur:

- Suzy Adams: Castoriadis’s Ontology. Being and Creation, Fordham University Press, New York, 2011.
- Suzy Adams (Hg.): Cornelius Castoriadis. Key Concepts, London 2014.
- Johann P. Arnason: Verständigungsformen und imaginäre Bedeutungen, in: ders., Praxis und Interpretation, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1988; S. 187-309.
- Johann P. Arnason: Kulturelle Horizonte und imaginäre Bedeutungen, in: Alice Pechriggl/Karl Reitter (Hg.), Die Institution des Imaginären. Zur Philosophie von Cornelius Castoriadis, Turia + Kant, Wien, 1991, S. 143-171.
- Nicola Condoleo: Vom Imaginären zur Autonomie. Grundlagen der politischen Philosophie von Cornelius Castoriadis, transcript, Bielefeld, 2015.
- Gerhard Gamm: Cornelius Castoriadis: Gesellschaft als imaginäre Institution (1975), in: ders./Andreas Hetzel/Markus Lilienthal: Interpretationen. Hauptwerke der Sozialphilosophie, Reclam, Stuttgart, 2001, S. 173-194.
- Lars Gertenbach: Cornelius Castoriadis: Gesellschaftliche Praxis und radikale Imagination, in: Stephan Moebius/Dirk Quadflieg (Hg.), Kultur. Theorien der Gegenwart, VS, Wiesbaden, 2011, S. 277-289.
- Andreas Hetzel: Kultur als Imaginäres: Cornelius Castoriadis, in: ders., Zwischen Poiesis und Praxis. Elemente einer kritischen Theorie der Kultur, Königshausen & Neumann, Würzburg, 2001, S. 219-230.
- Axel Honneth: Eine ontologische Rettung der Revolution. Zur Gesellschaftstheorie von Cornelius Castoriadis, in: ders., Die zerrissene Welt des Sozialen, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1999, S. 144-164.
- Hans Joas: Institutionalisierung als kreativer Prozeß. Zur politischen Philosophie von Cornelius Castoriadis, in: ders., Pragmatismus und Gesellschaftstheorie, Suhrkamp, Frankfurt/M., 1992, S. 146-170.
- Peter Kelbel: Praxis und Versachlichung. Konzeptionen kritischer Sozialphilosophie bei Habermas, Castoriadis und Sartre, Philo, Berlin, 2005.
- Alice Pechriggl: Der Einfall der Einbildung als ontologischer Aufbruch, in: dies./Karl Reitter (Hg.): Die Institution des Imaginären. Zur Philosophie von Cornelius Castoriadis, Turia + Kant, Wien, 1991, S. 81-102.
- Alice Pechriggl/Karl Reitter (Hg.): Die Institution des Imaginären. Zur Philosophie von Cornelius Castoriadis, Turia + Kant, Wien, 1991.
- Martin W. Schnell: Cornelius Castoriadis, in: Thomas Bedorf/Kurt Röttgers (Hg.), Die französische Philosophie im 20. Jahrhundert, WBG, Darmstadt, 2009, S. 88-94.
- Robert Seyfert: Cornelius Castoriadis: Institution, Macht, Politik, in: Ulrich Bröckling/Robert Feustel (Hg.), Das Politische denken. Zeitgenössische Positionen, Bielefeld, 2010, S. 253-272.
- Yannis Stavrakakis: Antinomies of Creativity: Lacan and Castoriadis on Social Construction and the Political, in: ders., The Lacanian Left. Psychoanalysis, Theory, Politics, Edinburgh University Press, Edinburgh, 2007, S. 37-65.
- Bernhard Waldenfels: Der Primat der Einbildungskraft. Zur Rolle des gesellschaftlichen Imaginären bei Cornelius Castoriadis, in: Alice Pechriggl/Karl Reitter (Hg.), Die Institution des Imaginären. Zur Philosophie von Cornelius Castoriadis, Turia + Kant, Wien, 1991, S. 55-80.
- Joel Whitebook: Intersubjectivity and the Monadic Core of the Psyche: Habermas and Castoriadis on the Unconscious, in: Maurizio Passerin/Seyla Benhabib (Hg.), Habermas and the Unfinished Project of Modernity, Cambridge/UK, 1996, S. 172-193.
- Harald Wolf (Hg.): Das Imaginäre im Sozialen. Zur Sozialtheorie von Cornelius Castoriadis, Wallstein, Göttingen, 2012

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:42