Universität Wien FIND

Kehren Sie für das Sommersemester 2022 nach Wien zurück. Wir planen Lehre überwiegend vor Ort, um den persönlichen Austausch zu fördern. Digitale und gemischte Lehrveranstaltungen haben wir für Sie in u:find gekennzeichnet.

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180132 PS Das Theorem der Analogia entis und seine Diskussion im 20. Jahrhundert (2016S)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Freitag 18.03. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 08.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 15.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 22.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 29.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 06.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 13.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 20.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 27.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 03.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 10.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 17.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock
Freitag 24.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal 3B NIG 3.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziele

Ziel des Seminars ist es, ein solides Verständnis der Problematik zu gewinnen, die sich mit dem Theorem der Analogia entis verbindet. Hierzu gehört die Einführung in seine theoretischen Hintergründe (Aristoteles, Bonaventura, Thomas von Aquin) und die philosophischen Perspektiven, die es auf sich zieht, zumal seine Kritik durch Duns Scotus, die den modernen Nominalismus einleitet. Ebenso ist die Relevanz des Analogie-Problems für das gegenwärtige ontologische bzw. politisch-ontologische Denken einsichtig zu machen, was v.a. an Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts zu diskutieren ist.

Inhalt

Das Theorem der Analogia entis wurde in der scholastischen Theologie entwickelt, um das Verhältnis von absolutem, ewigem Seienden (Gott) und bedingtem, endlichem Seienden zu bestimmen. Im Denken des 20. Jahrhunderts kehrte die Denkfigur wieder in der Auseinandersetzung zwischen dem katholischen Theologen Erich Przywara und dem protestantischen Theologen Karl Barth. Während Przywara die Analogia entis aufnahm und sie in einer Deutung der eigentümlichen Dynamis menschlichen Daseins weiterentwickelte, disqualifizierte Barth sie als Erfindung des Antichristen, die den unendlichen Unterschied zwischen Gott und Mensch kaschiere.

Diese Auseinandersetzung zwischen Przywaras neuer Metaphysik der Analogie und Barths Dialektischer Theologie wirkte bis hinein in die philosophischen, inversen Theologien von Theodor W. Adorno, Walter Benjamin und Jacob Taubes. Spuren von ihr finden sich aber auch in Gilles Deleuzes' Überlegungen zur Univozität des Seins in Differenz und Wiederholung, die sich an Duns Scotus anlehnen.

In diesem Seminar soll es darum gehen, die Problematik der Analogia entis für das Denken des 20. Jahrhunderts zu rekonstruieren, wobei von ihrer thomistischen Urspungsfigur auszugehen ist. Verhandelt werden dabei ontologische Kernfragen, wie etwa: Ist das Sein des Seienden monistisch, dualistisch oder plural verfasst? Wie gestaltet sich Differenz? Ist das Sein ein immanenter Zusammenhang oder öffnet es sich hin auf Transzendenz? Und wie wiederum sind Immanenz bzw. Transzendenz zu denken?

Der Blick auf die angeführten philosophischen Autoren des 20. Jahrhunderts lässt erkennen, dass diese Fragen auch für den ontologischen Subbereich der politischen Ontologie relevant sind. Entsprechend sind sie in den letzten Jahren wiederaufgetaucht, sei es bei dem Theologen John Milbank, oder sei es bei Jürgen Habermas, der in seinen neueren Arbeiten die Bedeutung des Univozitätsdenkens von Duns Scotus für die Genealogie der Moderne entdeckt hat.

Methode

Das Seminar soll als reines Lektüreseminar angelegt werden, d.h., es wird auf Referate verzichtet. Bei der Lektüre wird auf ausgewählte Texte aus der Primärliteratur zurückgegriffen, die möglichst genau erschlossen und diskutiert werden sollen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Voraussetzung für den Erwerb eines Zeugnisses ist neben der regelmäßigen Teilnahme am Seminar und einer sorgfältigen Vorbereitung der zu lesenden Texte die Abgabe einer schriftlichen Abschlussarbeit im Umfang von 4000-6000 Wörtern (Times New Roman, Schriftgröße 12 pts., Zeilenabstand 1,5).

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Mindestanforderung: Regelmäßige und konzentrierte Teilnahme.
Leistungsmaßstab: Lektürebereitschaft, Diskussionsbereitschaft, Niveau der Seminararbeit.

Prüfungsstoff

Seminararbeit auf der Basis der für das Seminar relevanten Texte.

Literatur

Das genaue Programm inkl. der relevanten Textauszüge wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben, wird aber nicht wesentlich von den hier aufgeführten Titeln abweichen.

Primärtexte

Adorno, Theodor W.: Negative Dialektik, in: Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften, Bd. 6, Frankfurt/Main: Suhrkamp 1970

Aristoteles: Metaphysik, Griechisch-deutsch, Neubearbeitung der Übersetzung von Hermann Bonitz. Mit Einleitung und Kommentar herausgegeben von Horst Seidl. Griechischer Text in der Edition von Wilhelm Christ, 2 Bände (Erster Halbband (Bücher I-VI) und Zweiter Halbband (Bücher VII-XIV)), Hamburg: Meiner Verlag 1989 bzw. 1991.

Barth, Karl: Der Römerbrief. Zweite Fassung (1922), Zürich: Theologischer Verlag 1999.

Benjamin, Walter: Theologisch-politisches Fragment, in: Walter Benjamin: Gesammelte Schriften in sieben Bänden, Bd. II/1, S. 203-204.

Ders.: Über den Begriff der Geschichte, in: Walter Benjamin: Gesammelte Schriften in sieben Bänden, Bd. I/2, S. 692 ff.

Deleuze, Gilles: Differenz und Wiederholung, München: Fink 1992.

Duns Scotus: Über die Erkennbarkeit Gottes, lat.-dt., Hamburg: Meiner 2002.

Ders.: Die Univozität des Seienden. Texte zur Metaphysik, mit Studienkommentar und zwei Registern, Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht 2002.

Habermas, Jürgen: Nachmetaphysisches Denken II, Berlin: Suhrkamp 2012.

Milbank, J. 2006: Theology and Social Theory. Beyond Secular Reason. Second edition. Oxford: Wiley-Blackwell.

Milbank, J. 2013: Beyond Secular Order. The Representation of Being and the Representation of the People. Oxford: Wiley-Blackwell.

Przywara, Erich: Analogia Entis, Einsiedeln: Johannes Verlag 1962.

Taubes, Jacob: Dialektik und Analogie, in: Ders.: Vom Kult zur Kultur, München: Fink Verlag, S. 199-211.

Ders.: Die politische Theologie des Paulus, München: Wilhelm Fink 2003 (3., verbesserte Auflage).

Thomas von Aquin: Summa Theologiae, Qu. XII und XIII.

Ders.: De Ente et Essentia, lat.-dt., Stuttgart: Reclam 1987.

Sekundärtexte (Auswahl)

Betz, John: Metaphysics and Theology: An Introduction to Erich Przywara's Analogia Entis; in Analogia Entis: Metaphysicsby Erich Przywara, Cambridge: Eerdmans 2014, S. 1-115.

Ders.: Erich Przywara and Karl Barth: On the Analogia Entis as a Formal Principle of Catholic Theology; in The Analogy of Being: Invention of the Anti-Christ or the Wisdom of God, ed. Thomas Joseph White, O.P., Grand Rapids: Eerdmans 2010, S. 35-87.

Gilson, Etienne: L'être et l'essence, Librairie Philosophique J. Vrin 1948. 3

Heintel, Erich: Hegel und die Analogia entis, Bonn: Bouvier 1958.

Honnefelder, Ludger: Duns Scotus, Beck: München 2005.

Ders.: Woher kommen wir? Ursprünge der Moderne im Denken des Mittelalters, Berlin 2008.

Johnson, Keith L.: Karl Barth and the Analogia entis, T & T Clark 2010.

Lazier, Benjamin: God Interrupted: Heresy and the European Imagination between the World Wars, Princeton, New Jersey: Princeton University Press 2012.

Long, Stephen A.: On the Analogy of Being, Metaphysics, and the Act of Faith, University of Notre Dame Press 2011.

Marion, Jean-Luc: Sur la théologie blanche de Descartes. Analogie, création des vérités éternelles et fondement, Presses Univ. De France 1991.

Müller, Klaus: Thomas von Aquins Theorie und Praxis der Analogia entis, Frankfurt/Main: P. Lang Verlag 1983.

Schönberger, Rolf: Die Transformation des klassischen Seinsverständnisses, Berlin, New York: De Gruyter 1986.

Siewerth, Gustav: Die Analogie des Seienden, Einsiedeln: Johannes Verlag 1965.

Welte, Bernhard: Zum Seinsbegriff des Thomas von Aquin, in: Ders.: Auf der Spur des Ewigen, Freiburg/Br.: Herder 1965.

White, Thomas Joseph: The Analogy of Being. Invention of the Antichrist or Wisdom of God?, Wm. B. Eerdmans Publishing Co. 2010.

Zechmeister, Martha: Gottes-Nacht. Erich Przywaras Weg negativer Theologie, Münster: Lit-Verlag 1997.


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 5.1, BA 09, PP 57.3.2,

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:36