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180136 PS Armut und Philosophie (2017S)

Ist Armut ein philosophisches Problem?

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Einführung in das Problem der Armut aus philosophischer, insbesondere handlungsethischer Sicht unter besonderer Berücksichtigung der Auseinandersetzung um die Frage einer globalen Gerechtigkeit, Vermittlung von Kenntnissen der verschiedenen gegenwärtigen philosophischen Positionen zur Armutsproblematik – und zwar aus interkultureller Perspektive.

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 09.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 16.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 23.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 30.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 06.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 27.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 04.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 11.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 18.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 01.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 08.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 22.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 29.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der Skandal der Weltarmut ist eines der größten Probleme der Gegenwart. Aber inwiefern ist Armut auch ein philosophisches Problem?
Das Seminar beginnt mit einer Einführung in die verschiedenen Auffassungen von Armut. Dazu werden sozialwissenschaftliche und philosophische Positionen genauso diskutiert wie einschlägige politische Dokumente, u.a. der UNO (Menschenrechtsdeklaration, Millenniumsziele) und der EU. Ebenso finden nicht-europäische Konzeptionen, wie das Verständnis von Armut im Islam oder im Buddhismus Berücksichtigung. Am Ende des ersten Abschnittes soll die Frage beantwortet werden, was Armut eigentlich ist (Mangel, Elend oder einfache Lebensformen) und welche Faktoren ein menschliches Minimum (nötig, um ein Leben in Würde führen zu können) umfassen müsste.
Im zweiten Abschnitt wird beleuchtet, inwiefern Armut ein für die Philosophie relevantes Problem ist. In diesem Zusammenhang wird Armut sowohl aus autonomieethischer wie auch aus subsistenzrechtlicher Perspektive untersucht. Verschiedene Konzepte, die heute gemeinhin unter dem Begriff "globale Gerechtigkeit" stehen, dienen dabei als Basis für die Annäherung an dieses Thema. Dazu gehören u.a. einschlägige Texte von Thomas Pogge, Amartya Sen, Martha Nussbaum und Iris Marion Young, ebenso natürlich der Gegner eines solchen Konzepts, wie John Rawls oder David Miller. Ebenso berücksichtigt werden aber auch die Konzepte nicht-westlicher Philosophen der Gegenwart, wie des lateinamerikanischen Philosophen Enrique Dussel oder der afrikanischen Philosophen Henry Odera Oruka (Kenia), H.P.P. Lötter (Südafrika) und Abdullahi Ahmed An-Na'im (Sudan). Dabei bringt der sudanesische Geisteswissenschaftler An-Na'im zudem eine explizit islamische Perspektive in den Diskurs ein.
In einem dritten Abschnitt werden die Konsequenzen der obigen Betrachtungen sowohl für die politische Theorie (und Philosophie) als auch für die politische Praxis betrachtet.
Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt des Seminars:
- Was ist Armut: eine Einführung in die verschiedenen sozialwissenschaftlichen und politischen Positionen
- Der Begriff der Armut in der Geschichte der abendländischen Philosophie
- Der Begriff der Armut in nicht-europäischen Konzeptionen (Islam, Buddhismus etc.)
- Armut und die Forderung globaler Gerechtigkeit heute
Armut als moralische Herausforderung (Singer)
Armut als Gerechtigkeitsproblem (Pogge / Beitz)
Der Fähigkeitenansatz (Sen / Nussbaum)
Partizipatorische Verantwortung (Young)
Tauschgerechtigkeit und Weltrepublik (Höffe)
Armut und soziale Gerechtigkeit als nationales Problem (Rawls, Nagl)
Globale Gerechtigkeit aus afrikanischer Sicht (Odera Oruka)
Globale Gerechtigkeit aus lateinamerikanischer Sicht (Enrique Dussel)
Soziale (globale) Gerechtigkeit im islamischen Diskurs der Gegenwart (Abdullahi Ahmed An-Na'im)

Methode:
Neben der Vermittlung von Grundkenntnissen durch die Seminarleiterin in Form von Input-Vorträgen, werden wichtige Positionen im Rahmen der Analyse von Texten erarbeitet. Es erfolgt eine Anwendung von Methoden der Textanalyse bzw. Textinterpretation (Begriffsanalyse, Einordnen des Begriffs in den Diskurs und das historische Umfeld, Rezeptionsgeschichte; Herausfiltern der Grundthese und der Argumentationsstruktur etc.). Ziel ist die intensivere Beschäftigung mit ausgewählten Problemen, das Nachvollziehen und Evaluieren von Argumenten, die Erarbeitung einer eigenen Problemstellung und Perspektive und das Einüben größerer Sicherheit im Argumentieren. In Vorbereitung der Abschlussarbeit erstellt jede/r Teilnehmer/in ein Konzept, das mit der Seminarleiterin besprochen wird.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Voraussetzung für den Erwerb eines Abschlusses: Anwesenheit und Mitarbeit (nicht mehr als 2 Fehlstunden) (10%); Präsentation/Referat zu einem ausgewählten Thema (10-15 min, Powerpoint od. Handout) (30%); Verfassen eines Leseprotokolls zu einem ausgewählten Text (20%); Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit zu einem ausgewählten Thema (ca. 12 Seiten) (40%).
Themen für das Referat und die Abschlussarbeit sind aus einer Liste auszuwählen, die in der ersten Einheit zur Verfügung gestellt wird.
Abgabetermine werden im ersten Seminar bekannt gegeben.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Voraussetzung für den Erwerb eines Abschlusses: Anwesenheit und Mitarbeit (nicht mehr als 2 Fehlstunden) (10%); Präsentation/Referat zu einem ausgewählten Thema (10-15 min, Powerpoint od. Handout) (30%); Verfassen eines Leseprotokolls zu einem ausgewählten Text (20%); Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit zu einem ausgewählten Thema (ca. 12 Seiten) (40%).
Themen für das Referat und die Abschlussarbeit sind aus einer Liste auszuwählen, die in der ersten Einheit zur Verfügung gestellt wird.
Abgabetermine werden im ersten Seminar bekannt gegeben.

Prüfungsstoff

Siehe Themenliste auf Moodle.

Literatur

Amin, Samir: The Millennium Development Goals: A Critique from the South, Vol. 57, Nr. 10 (2006)
An-Na'im, Abdullahi Ahmed: Muslims and Global Justice (Pennsylvania Studies in Human Rights). Univ of Pennsylvania Press, 2010.
Dussel, Enrique: Philosophie der Befreiung. Hamburg: Argument-Verlag 1989.
------ derselbe: Philosophie der Befreiung (Interview). In: Fornet-Betancourt, Raúl / Gómez-Müller, Alfredo (Hrsg.): Positionen Lateinamerikas, Lateinamerika-Solidarität 1, Frankfurt / M.: Materialis, 1989.
------ derselbe: Die Lebensgemeinschaft und die Interpellation des Armen. Die Praxis der Befreiung. In: Fornet-Betancourt, Raúl (Hrsg.): Ethik und Befreiung. Aachen: Augustinus, 1990.
------ derselbe: Prinzip Befreiung. Kurzer Aufriss einer kritischen und materialen Ethik. Aachen: Mainz Verlag, 2000.
Frost, Rainer / Honneth, Axel: Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch philosophische Kontroverse. Frankfurt / M. 2005.
Höffe, Otfried: Gerechtigkeit. Eine philosophische Einführung, München: C. H. Beck, 2004.
------ derselbe: Wirtschaftsbürger, Staatsbürger, Weltbürger. Politische Ethik im Zeitalter der Globalisierung. München: C. H. Beck, 2004.
Kersting, Wolfgang: Kritik der Verteilungsgerechtigkeit. In: Die Neidgesellschaft. Kursbuch, Heft 143, Berlin: Rowohlt, 2001. S. 23-38.
Lötter, H.P.P.: Poverty, Ethics and Justice. Cardiff 2011.
Nagel, Thomas: The Problem of Global Justice. In: Philosophy & Public Affairs 33, No. 2, 2005, Blackwell Publishing, Inc.
Odera Oruka, Henry: Practical Philosophy. In Search of an Ethical Minimum. Nairobi / Kampala: East African Educational Publishers, 1997.
------ derselbe: Philosophie der Entwicklungshilfe. Eine Frage des Rechts auf ein menschliches Minimum.In: Polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren. Nr. 6 (2000), S. 6-16.
Pogge, Thomas W.: Eine globale Rohstoffdividende. In: Analyse und Kritik 17, 1995.
------ derselbe: World Poverty and Human Rights. Cosmopolitian Responsibilities and Reforms. Cambridge: Polity Press, 2002.
------ derselbe: What is Global Justice?, Oslo, 11. September 2003, Quelle: www.etikk.no/globaljustice/Pogge_Introductory_Lecture.doc
------ derselbe [Hrsg.]: Global Justice. Oxford: Blackwell Publishing, 2004.
------ derselbe: Gerechtigkeit in der Einen Welt. Herausgegeben von Julian Nida-Rümelin und Wolfgang Thierse mit Heidemarie Wieczorek-Zeul und Gert Weißkirchen. Essen: Klartext Verlag, 2009.
Rawls, John: Eine Theorie der Gerechtigkeit. Frankfurt / M.: Suhrkamp 1979.
------ derselbe: The Priority of Right and Ideas of the Good. In: Philosophy and Public Affairs, Jg. 17, 1988.
------ derselbe: Das Recht der Völker. Berlin / New York: de Gruyter, 2002
Sen, Amartya K.: Globale Gerechtigkeit. Mehr als internationale Fairness&. In: polylog. Forum für interkulturelle Philosophie 3 (2001). Online: http://them.polylog.org/3/fsa-de.htm, ISSN 1616-2943. Quelle der englischen Fassung: Kaul, Inge et al. (Eds.): Global Public Goods. International Cooperation in the 21st Century. New York – Oxford: Oxford University Press, 1999, S. 116-125.
------ derselbe: Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft. (Original: Development as Freedom) München: dtv, 2002.
------ derselbe: Die Idee der Gerechtigkeit. C. H. Beck, München 2010.
Singer, Peter: Famine, Affluence and Morality&. In: Philosophy & Practical Affairs 1, 1972, S. 229-243.
------ derselbe: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart: Reclam, 1994.
Young, Iris Marion: Global Challenges. War, Self-Determination and Responsibility for Justice. Cambridge: Polity Press, 2007.
----- dieselbe: Responsibility and Global Justice: A Social Connection Model. In: Social Philosophy & Policy Foundation 23 / 2006, S. 102 - 130.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

BA M 6.1
MA Ethik M02 A, D, E

Letzte Änderung: Fr 31.08.2018 08:52