Universität Wien

180141 VO-L Die Verletzlichkeit von Frieden, Freiheit, Demokratie durch Krieg, Gewalt, Diktatur (2022W)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie

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Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 10.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 17.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 24.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 31.10. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 07.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 14.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 21.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 28.11. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 05.12. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 12.12. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 09.01. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 16.01. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9
Montag 23.01. 15:00 - 16:30 Hörsaal 31 Hauptgebäude, 1.Stock, Stiege 9

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Frieden, Freiheit, Demokratie, Selbstverständnisse der westlichen Welt, sind in den letzten Jahren mehrfach erschüttert worden und fordern zu einem neuen Nachdenken über Gewalt und Krieg heraus. Der „Ewige Friede“, wie Kant ihn postuliert hat, wie die Europäische Union ihn zum indirekt erklärten Ziel machte, wie die westlichen Bündnisse ihn wenigstens in einem Teil der Welt zu sichern beabsichtigten, sind einmal mehr in die Zukunft verschoben. Vom Frieden, gar vom Ewigen Frieden sprechen wir nur deshalb, weil es seit Menschengedenken Kriege gibt. Warum nur ist der Friede, warum sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit Errungenschaften, Setzungen, die aus blutigen, verlustreichen, zerstörerischen AusEinanderSetzungen hervorgingen – und immer wieder hervorgehen müssen!?
Der aktuell geführte Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat uns dies einmal mehr und nachdrücklich in Erinnerung gerufen. Vielleicht weniger öffentlichkeitswirksam, haben uns dies schon andere, „neue Kriege“ (M. Kaldor, H. Münkler) beispielsweise, die sogenannte failed states über Jahre und Jahrzehnte hinweg auf anderen Erdteilen heimsuchen, zu verstehen gegeben. Wir müssen uns fragen, ob uns die Erfahrung des „Kalten Krieges“ nicht hätte sensibler machen müssen für eine latente, schwelende Kriegsgefahr, der das Aufmerksamkeit heischende vernichtender Gewalt abgeht, die sich aber fraglos in einer Vielzahl indifferent hingenommener Konflikte und „Bürgerkriege“, oder proxy wars ankündigte? Könnte es zudem sein, dass wir im „Mahlstrom der Globalisierung“ (A. Appadurai) zusehends indifferent gegenüber dem Leiden anderer geworden sind (E. Levinas), dass unser Wahrnehmen und unser Urteilen „Ökonomien der Gewalt“ (M. Foucault) gehorcht, die vorab schon darüber entschieden haben, was uns als Gewalt affiziert – und was nicht? Unsere westlichen Vorstellungen von dem, was Krieg und dem, was Friede ist, sind in Frage gestellt, fordern dazu auf, unsere Begriffe, unsere Urteilskraft neu zu justieren. Wie dem auch sei: Junge Menschen, aber auch Ältere sind heute mit Ängsten, mit Erfahrungen von Krieg, Gewalt, Bevormundung konfrontiert, die bewusst oder unbewusst, kollektiv verdrängt wurden, obwohl so manche Schlüsselereignisse des 20. Jahrhunderts in das Versprechen umgemünzt wurden, dergleichen nicht mehr geschehen zu lassen. Es gibt zweifelsohne große Bemühungen um einen dauerhaften Frieden, aber, es kann angesichts der harten Fakten in der Welt auch nicht bezweifelt werden, es reicht nicht, es reicht bei Weitem nicht!
Wer den (ewigen) Frieden will, muss verstehen, warum es Kriege gibt – und welche Formen der Krieg annehmen kann, um, verdeckt und unbemerkt, gar nicht mehr als solcher zu gelten. An der Wiege der westlichen, europäischen Kulturtradition steht ein Epos über den Krieg, die Ilias Homers. Ihr Stoff ist Quelle für unzählige weitere Geschichten, Epen, für Tragödien. Die Erzählung von Heroen des Krieges, die den gegnerischen Lebensraum in Schutt und Asche legten, deren Lobpreis in den schönsten Sklavinnen des unterlegenen Volkes bestand, ist in Euripides Troerinnen festgehalten und vielfach wiedererzählt worden. Zur Mahnung! Und dennoch, Kriege haben sich nicht abschaffen lassen, sie sind gerade auch im Gefolge technologischen Fortschritts wiederum brutaler geworden, Gewalt entfesselt sich in kaum nachvollziehbaren Dimensionen, Demokratie ist gut, aber doch zu anstrengend? Immer verhandeln, immer Konsens suchen, ist klare Führung, eine entschiedene Ansage, dicere, Dikatur nicht doch verlockend?! So muss es mancherorts scheinen.

Die Ringvorlesung möchte aus gegenwärtiger wie aus geschichtlicher Perspektive, aus den Perspektiven verschiedener Wissenschaften und ebenso der Kunst und Kultur einen Beitrag zu dem Diskurs zu leisten, der wieder und immer wieder zu führen ist, um der Idee eines echten, positiven Friedens, der nicht nur die aktuelle Abwesenheit von Krieg ist, um der Idee der Freiheit, der westlichen Demokratie Stabilität und Lebendigkeit zu sichern.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die interdisziplinäre Vorlesung wird von einem Tutorium begleitet, in dem die Vorträge der eingeladenen Gäste durch Lektüre von Texten vorbereitet und/oder nachbereitet werden. Tutor ist David Gamsjäger (erreichbar unter david.gamsjaeger@univie.ac.at). Der Besuch des Tutoriums ist sehr zu empfehlen.

Schriftliche Prüfung: Erster Termin: 30. Januar 2023. Weitere Termine im Sommersemester 2023 werden auf der Lernplattform Moodle bekanntgegeben.

Zu jedem Prüfungstermin werden einige Vorlesungen der Gäste ausgewählt, so dass bei den einzelnen Prüfungen nicht jeweils der gesamte Stoff abgeprüft wird.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

In jeder Prüfung werden zu vier Themen, die in der Vorlesung behandelt wurden, Textstellen vorgelegt. Darauf bezogen gibt es inhaltliche und terminologische Fragen, für die maximal zu erreichende Punktzahlen angegeben werden.
Zu jedem Themengebiet können maximal 10 Punkte, also insgesamt 40 Punkte erworben werden.

Notenskala:
40 – 33 Punkte: Note 1
32 – 25 Punkte: Note 2
24 – 17 Punkte: Note 3
16 – 9 Punkte: Note 4
8 – 0 Punkte: Note 5

Prüfungsstoff

Die im Laufe des Semesters vorgestellten Vortragstexte sowie die ergänzend zur Verfügung gestellten Texte der AutorInnen.

Semesterplan:
0. Oktober 2022: Martin Vöhler: Krieg und Gewalt in der Ilias (am Beispiel Achills)
17. Oktober 2022: Wilfried Datler: Psychoanalytische Perspektiven auf das Zustandekommen von Gewalt: Zur Bedeutung bewusster und
unbewusster Prozesse der Regulation von Emotionen
24. Oktober 2022: Paul Gragl: Das völkerrechtliche Gewaltverbot im Lichte der Friedensschrift Kants
31. Oktober 2022: Debra Bergoffen: Descartes' Desire: The Modern Subject and the Lure of Authoritarian Politics
07. November 2022: Burkhard Liebsch: Dem Krieg ausgesetzt, ausgeliefert oder verfallen? Überlegungen zur Frage, ob wir gegenwärtig mit einer Remilitarisierung des Denkens konfrontiert sind.
14. November 2022: Michael Staudigl: Der Krieg und die "conditio humana"
21. November 2022: Herlinde Pauer-Studer: Von der Weimarer Republik zum Dritten Reich. Die „legalistische" Zerstörung einer Demokratie
28. November 2022: Mary Kaldor: The New War in Ukraine?
05. Dezember 2022: Elisabeth Holzleithner: Gefährdungen von Frieden, Freiheit und Demokratie: Zur Rolle illiberalen politischen Denkens
12. Dezember 2022: Robin May Schott: Changing Views of Sexualized Violence in War
9. Januar 2023: Tatjana Schönwälder-Kuntze: Über Krieg und Verantwortung vom Schurken Jacques Derrida
16. Januar 2023: Violetta L. Waibel: Zu Anselm Kiefer – Wege der Weltweisheit. Die Hermanns-Schlacht
23. Januar 2023: Pascal Delhom: Gibt es eine nicht-gewaltaffine Sicherheitspolitik?

Literatur


Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Do 22.06.2023 12:07