Universität Wien FIND

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180160 KU Selbst und Nichtselbst (2020S)

West-östliche Perspektiven

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 19.03. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 26.03. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 02.04. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 23.04. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 30.04. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 07.05. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 14.05. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 28.05. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 04.06. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 18.06. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien
Donnerstag 25.06. 09:45 - 11:15 Hörsaal 2G, NIG Universitätsstraße 7/Stg. II/2.Stock, 1010 Wien

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

In diesem Kurs soll ein Blick darauf geworfen werden, wie in der gegenwärtigen Philosophie des Geistes klassische indische (insbesondere buddhistische und vedantische) Gedanken hinsichtlich der Frage nach dem Wesen und der Existenz des Erlebnissubjekts aufgegriffen werden.
Worum es bei der Frage nach dem Subjekt der Erlebnisse geht, wird am deutlichsten, wenn man sie aus der Perspektive der ersten Person – also aus der Ich-Perspektive – stellt (da es ja genau um das Wesen der „ersten Person“ selbst geht): Mein Bewusstseinsleben ist ein Fluss ständig wechselnder Erlebnisse – doch bei aller Unterschiedlichkeit scheinen all diese Erlebnisse eines gemeinsam zu haben: eben dass ich sie erlebe. Die Frage ist nun: Was hat es mit diesem Ich und seiner Selbigkeit auf sich? Liegt dem Erlebnisstrom tatsächlich so etwas wie ein bleibendes erlebendes Subjekt zugrunde, oder gibt es letztlich bloß den Bewusstseinsstrom selbst, und das identisch bleibende Ich oder Selbst ist nichts als ein auf ihm aufbauendes Konstrukt?
Während die erstere Ansicht sich paradigmatisch etwa in Descartes’ Konzeption des Ich als einer res cogitans findet, geht die heutige Philosophie des Geistes großteils nicht von der Existenz einer solchen Ich-Substanz aus. Es herrscht eine „reduktionistische Auffassung“ der personalen Identität vor, der gemäß die transtemporale Identität der Person durch die Selbigkeit des Körpers und/oder einende Relationen zwischen mentalen Zuständen konstituiert ist und keineswegs auf der fortdauernden Existenz einer mentalen Subjekt-Entität beruht.
Während in der westlichen Philosophie diese Debatte vergleichsweise jüngeren Datums ist (als Ahnherr der Bestreitung eines bleibenden Selbst wird üblicherweise David Hume zitiert), hat im indischen Denken die Frage nach dem Wesen und der Existenz des Selbst (atman) von jeher eine zentrale Rolle gespielt. Mit dem Aufkommen des Buddhismus mit seiner anatman-Lehre (anatman = „Nichtselbst“) war es bereits sehr früh mit einer radikalen Leugnung der Existenz von so etwas wie einem identisch bleibenden Selbst oder Ich konfrontiert, während hingegen die „orthodoxen“ (auf den Veden beruhenden) Schulen auf der Existenz des atman beharrten und ihn mitunter sogar – insbesondere im Advaita-Vedanta – mit dem Absoluten gleichsetzten.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass in jüngerer Zeit in der Philosophie des Geistes klassische indische Sichtweisen aufgegriffen werden. Ebendies ist das Thema dieses Kurses, in dem neuere Texte betrachtet werden sollen, die indische Denkfiguren in aktuelle Debatten über das Selbst einbringen. Hierbei soll der Fokus einerseits auf dem Buddhismus liegen, der in prinzipieller Übereinstimmung mit der heute vorherrschenden reduktionistischen Sichtweise steht, andererseits auf dem Advaita-Vedanta, der mit dem Buddhismus darin einig ist, dass so etwas wie ein Selbst introspektiv nicht auffindbar ist, aber darauf beharrt, dass es über die phänomenalen Daten hinaus noch etwas gibt, nämlich das Bewusstsein von ihnen, welches selbst niemals ein solches Datum werden kann und in dem er das Sein des Selbst sieht. Der Advaita postuliert also keineswegs eine Entität, die das Erleben vollzöge, sondern meint vielmehr, dass das Erleben selbst selbsthaften und bleibenden Charakter hat und die Grundlage des Erlebnisstroms ist.
Das Ziel des Kurses ist, den Dialog, in den die westliche Gegenwartsphilosophie hinsichtlich dieses Themas mit buddhistischen und vedantischen Traditionen tritt, anhand ausgewählter neuerer Texte kennenzulernen und zu diskutieren. In den Sitzungen sollen sich einführender Vortrag, genaue Textlektüre und Diskussion abwechseln. Vor jeder Sitzung sind durch alle Teilnehmer Lektüreflexionen auf der E-Learning-Plattform abzugeben, was eine optimale Diskussionsbasis schaffen soll.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Vor jeder Sitzung sind durch alle Teilnehmer auf der E-Learning-Plattform Lektüreflexionen über den jeweils zu behandelnden Text abzugeben. Im Laufe des Semesters ist eine Hausarbeit (ca. 10 Seiten) zu schreiben bzw. ein Referat zu halten, welches bis zum Ende des Semesters auch in schriftlicher Ausarbeitung abzugeben ist

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

• regelmäßige und aktive Teilnahme (max. zweimaliges Fehlen)
• fristgerechte Abgabe der Lektürereflexionen (max. zweimaliges Nichtabgeben)
• eine Hausarbeit (ca. 10 Seiten) bzw. ein Referat + schriftliche Ausarbeitung

Prüfungsstoff

Literatur

Miri Albahari (2006): Analytical Buddhism. The Two-Tiered Illusion of Self. Basingstoke: Macmillan.
R. Balasubramanian (1992): Advaita Vedanta on the Problem of Enworlded Subjectivity. In: D. P. Chattopadhyaya, Lester Embree, Jitendranath Mohanty (Hg.): Phenomenology and Indian Philosophy. Albana, NY: State University of New York Press, 77–93.
Tara Chatterjee (1982): The Concept of Saksin. In: Indian Journal of Philosophy 10, 339–356.
Deikman, Arthur J. (1999): ‘I’ = Awareness. In: Shaun Gallagher, Jonathan Shear (Hg.): Models of the Self. Thorverton: Imprint Academic, 421–427.
Kupperman, Joel J. (1984): Investigations of the Self. In: Philosophy East and West 34, 37–51.
Matthew McKenzie (2008): Self-Awareness Without a Self. Buddhism and the Reflexivity of Awareness. In: Asian Philosophy 18/3, 245–266.
Matthew MacKenzie (2012): Luminosity, Subjectivity, and Temporality. An Examination of Buddhist and Advaita Views of Consciousness. In: Irina Kuznetsova, Jonardon Ganeri, Chakravarthi Ram-Prasad (Hg.): Hindu and Buddhist Ideas in Dialogue. Self and No-Self. Farnham: Ashgate, 181–198.
Parfit, Derek (1999/1971): Personale Identität. In: Michael Quante (Hg.): Personale Identität. Paderborn: Schöningh, 71–99.
Jonathan Shear (1996): On a Culture-Independent Core Component of Self. In: Ninian Smart, B. Srinivasa Murthy (Hg.): East-West Encounters in Philosophy and Religion. Long Beach: Long Beach Publications.
Mark Siderits, Evan Thompson, Dan Zahavi (Hg.) (2011): Self, No Self? Perspectives from Analytical, Phenomenological, and Indian Traditions. Oxford: Oxford University Press.
Stone, J. (1988): Parfit and the Buddha. Why There Are No People. In: Philosophy and Phenomenological Research 48/3, 519–532.
Zahavi, Dan (2000): Self and Consciousness. In: Dan Zahavi (Hg.): Exploring the Self. Philosophical and Psychopathological Perspectives of Self-Experience. Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins, 55–74.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:21