Universität Wien FIND

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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

180182 PS Einführung in die Ontologie (2020W)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 18 - Philosophie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first serve").

Details

max. 45 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 12.10. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 19.10. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 09.11. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 16.11. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 23.11. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 30.11. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 07.12. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 14.12. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 11.01. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 18.01. 13:15 - 14:45 Digital
Montag 25.01. 13:15 - 14:45 Digital

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

INHALT:
Ontologie, verstanden als ein Teilbereich der Metaphysik, untersucht das Seiende und die allgemeinsten Begriffe, mit denen wir das Seiende beschreiben. Welche allgemeinsten Arten des Seienden gibt es? Gibt es überhaupt verschiedene allgemeinste Arten des Seienden, oder ist alles Seiende letztlich von derselben Art? Sofern es verschiedene allgemeinste Arten des Seienden gibt, wie ist ihr Verhältnis zueinander: Sind sie gleichberechtigt, oder sind bestimmte Arten von bestimmten anderen abhängig bzw. auf diese reduzibel? Was heißt es überhaupt ‚zu sein‘, und wie erkennen wir das Sein des Seienden?
Traditionell wurden diese Fragen im Sinne der Substanzontologie beantwortet. Dieser zufolge sind Substanzen das primär Seiende: unabhängig existierende materielle Einzeldinge, die trotz Veränderungen als numerisch dieselben durch die Zeit persistieren. Andere Arten von Seiendem – z.B. Relationen, Ereignisse, Prozesse – werden zwar angenommen, jedoch als von Substanzen abhängig betrachtet.
Nach Aristoteles, dem ‚Vater‘ der Substanzontologie, sind Substanzen Komposita aus Materie und Form, wobei die Form die natürliche Art spezifiziert, der die Substanz angehört. Sie bestimmt die essentiellen Eigenschaften bzw. Vermögen der Substanz, die diese – im Gegensatz zu ihren akzidentellen Eigenschaften – nicht verlieren kann, ohne aufzuhören zu sein. Von dieser sogenannten hylemorphistischen Version der Substanzontologie zu unterscheiden sind dualistische Substanzlehren, wie etwa die des Descartes, die zwei gleichberechtigte Grundarten von Substanzen annimmt: die denkende Substanz und die ausgedehnte Substanz.
In der modernen analytischen Ontologie ist die Substanzontologie maßgeblich u.a. für Theorien der Gegenständlichkeit (Substrattheorien vs. Bündeltheorien), der materiellen Konstitution von Gegenständen sowie der sortalen Individuation von Gegenständen. Gleichzeitig existieren neue Strömungen, die zentrale Grundannahmen der Substanzontologie in Frage stellen. Hierzu gehören insbesondere die Prozessontologie, derzufolge Prozesse das ontologisch grundlegende Seiende sind, von dem alles andere Seiende abhängt oder auf welches es zurückgeführt werden kann, sowie Theorien innerhalb der feministischen Metaphysik, die die Relationalität des Seins betonen.

ZIELSETZUNG:
Das Seminar bietet eine Einführung in die Ontologie – einen grundlegenden Teilbereich der Metaphysik. Anhand der Lektüre repräsentativer Schriften von Ontolog*innen der Vergangenheit und Gegenwart machen die Studierenden sich mit den Kernfragen und Schlüsselbegriffen der Ontologie – z.B. Substanz, Existenz, Persistenz, Relation, Veränderung, Identität, natürliche Art, Kausalität, Ereignis, Prozess, Zeit und Handlung – vertraut ebenso wie mit den weiteren, auch interdisziplinären Kontexten, in denen ontologische Fragen diskutiert wurden und werden. Am Ende des Seminars besitzen die Studierenden ein systematisches Verständnis ontologischer Probleme sowie eine Kenntnis der historischen Entwicklung der Ontologie.

METHODEN:
Textlektüre und Diskussion; Kurzpräsentationen; Exposé einer Seminararbeit; Seminararbeit

Coronabedingt werden die Seminarsitzungen online als Video-Konferenz abgehalten mittels der von der Universität bereitgestellten Programme Jitsi und/oder BigBlueButton. Die Kurzpräsentationen sind als Audiofile auf Moodle hochzuladen. Zusätzlich wird ein Chat eingerichtet.
Die Verteilung der Kurzpräsentationen erfolgt in der ersten Sitzung. Der Seminarfahrplan sowie Literatur werden vorab auf Moodle zur Verfügung gestellt.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Kurzpräsentation (hochzuladen auf Moodle), Exposé der Seminararbeit (Abgabe: 29.11.2020), Seminararbeit (Abgabe: 14.2.2020); qualifizierte Beteiligung an der Diskussion wird mitberücksichtigt.

Seminararbeiten werden in deutscher und englischer Sprache angenommen.

Mit der Anmeldung zu dieser Lehrveranstaltung stimmen Sie zu, dass die automatisierte Plagiatsprüfungs-Software Turnitin alle von Ihnen im moodle eingereichten schriftlichen Teilleistungen prüft.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

• Anwesenheit (wird via Moodle erfasst)
• Lektüre der Seminartexte
• Aktive Beteiligung an der Seminardiskussion
• Kurzpräsentation (10 Minuten mit Thesenpapier, jeweils
hochzuladen auf Moodle)
• Exposé der Seminararbeit (1 Seite)
• Seminararbeit (15 Seiten)

Prüfungsstoff

Grundlage für die schriftlichen und mündlichen Teilleistungen sind die im Seminar behandelten Texte.

Literatur

Aristoteles: Metaphysik VII (Z) – XIV, griech.–dt., Hamburg 1984.
Ayers, Michael: “Substance: Prolegomena to a Realist Theory of Identity”, The Journal of Philosophy 88 (1991): 69-90.
Ayers, Michael: “Individuals without Sortals”, Canadian Journal of Philosophy 4 (1974): 113–48.
Barnes, Elizabeth: “Going Beyond the Fundamental: Feminism in Contemporary Metaphysics”, Proceedings of the Aristotelian Society 114 (2014): 335-351.
Benovsky, Jiri: “The Bundle Theory and the Substratum Theory: Deadly Enemies or Twin Brothers?”, Philosophical Studies 141 (2008): 175-190.
Bergson, Henri: „Einführung in die Metaphysik“, in: Ders.: Denken und schöpferisches Werden. Aufsätze und Vorträge, Hamburg 2008.
Corradini, Antonella: “Hylomorphism: A Critical Analysis”, Acta Analytica 34, 345-361.
Dupré, John: “Sex, Gender and Essence”, Midwest Studies in Philosophy 11 (1986): 441-457.
Dupré, John: “A Postgenomic Perspective on Sex and Gender”, in D. Livingstone Smith (Ed.), How Biology Shapes Philosophy. New Foundations for Naturalism, Cambridge: 2016, 227-246.
Fine, Kit: "The Non-Identity of a Material Thing and Its Matter", Mind 112 (2003), 195-234.
Fine, Kit: “What is Metaphysics?”, in: Tahko, T. (Ed.): Contemporary Aristotelian Metaphysics, Cambridge 2011: 8-25.
Haslanger, Sally: “Persistence, Change, and Explanation”, Philosophical Studies 56 (1989): 1-28.
Haslanger, Sally: “Persistence through Time”, in: Loux, M. J. and Zimmerman, D. W. (Eds.): The Oxford Handbook of Metaphysics, Oxford 2003: 315-354.
Haslanger, Sally: “Feminism in Metaphysics: Negotiating the Natural”, in: Haslanger, Sally: Resisting Reality: Social Construction and Social Critique, Oxford 2012, 139-157.
Hawley, Katherine: How Things Persist, Oxford 2001.
Heil, John: “Hylomorphism: What’s Not to Like”, Synthese (2018), S.I.: Form, Structure and Hylomorphism, online first.
Jonas, Hans: “Biological Foundations of Individuality”, International Philosophical Quarterly 8 (1968): 231-251.
Johnston, Mark: “Hylomorphism”, The Journal of Philosophy 103 (2006): 652-698.
Lewis, David K.: On the Plurality of Worlds, Oxford 1986.
Loux, Michael J. & Crisp, T., 2017, “Concrete Particulars I: Substrata, Bundles, and Substances”, in M. J. Loux & T. Crisp, Metaphysics. A Contemporary Introduction, London: Routledge (4th ed.), 82-117.
Meincke, Anne Sophie: “Von der Wirklichkeit des Wirklichen. Eine kritische Verteidigung der Metaphysik als philosophischer Disziplin“, in: Erhard, C. et al. (Eds.): Wozu Metaphysik? Historisch-systematische Perspektiven, Freiburg/München 2017: 95-129.
Meincke, Anne Sophie: “The Disappearance of Change. Towards A Process Account of Persistence”, International Journal of Philosophical Studies 27, 1 (2019): 12-30.
Meincke, Anne Sophie: “Human Persons – A Process View”, in: Noller, J. (Ed.): Was sind und wie existieren Personen?, Münster 2019, 57-80.
Meincke, Anne Sophie: “Powers, Persistence and Process”, in: A. S. Meincke (Ed.): Dispositionalism. Perspectives from Metaphysics and the Philosophy of Science, Cham 2020, 89-113.
Mikkola, Mari: “Feminist Metaphysics and Philosophical Methodology”, Philosophy Compass 11 (2016): 661-670.
Quine, William v. O.: “On What There Is”, Review of Metaphysics 2 (1948): 21-38.
Sider, Ted: Four-Dimensionalism: An Ontology of Persistence and Time, Oxford 2001.
Steward, Helen: “What is a Continuant?”, Proceedings of the Aristotelian Society, Supplementary Vol. LXXXIX (2015): 109-123.
Steward, Helen: “Substances, Agents and Processes”, Philosophy 95 (2019): 41-61.
Van Inwagen, Peter: Material Beings, Ithaca and London 1990.
Wiggins, David: Sameness and Substance Renewed, Cambridge 2001.
Wiggins, David: “Identity, Individuation and Substance”, European Journal of Philosophy 20 (2012): 1-25.
Witt, Charlotte (Ed.): Feminist Metaphysics. Explorations in the Ontology of Sex, Gender and the Self, Dordrecht 2011.

Weitere Literaturhinweise erfolgen in der Veranstaltung.
Ein Großteil der Literatur wird auf Moodle hochgeladen.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 05.10.2020 10:09