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190099 SE WM-M10 Spezielle ethische Fragestellungen (2021S)

Bildungsgerechtigkeit

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 19 - Bildungswissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
DIGITAL

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Die Veranstaltung wird in einer Mischung aus Präsenz- und Online-Lehre durchgeführt. Genaueres wird dazu Anfang März bekanntgegeben.

Raumkapazität SR 7 im SS 21: 10 Personen

Dienstag 02.03. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 09.03. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 16.03. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 23.03. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 13.04. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 20.04. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 27.04. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 04.05. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 11.05. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 18.05. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 01.06. 13:15 - 14:45 Digital
Dienstag 08.06. 13:15 - 14:45 Seminarraum 7 Sensengasse 3a 2.OG
Dienstag 15.06. 13:15 - 14:45 Seminarraum 7 Sensengasse 3a 2.OG
Dienstag 22.06. 13:15 - 14:45 Seminarraum 7 Sensengasse 3a 2.OG
Dienstag 29.06. 13:15 - 14:45 Seminarraum 7 Sensengasse 3a 2.OG

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die rezenten Debatten zum Thema Bildungsgerechtigkeit werden nicht nur intradisziplinär, sondern auch interdisziplinär und in der politisch-medialen Öffentlichkeit mit zunehmender Intensität geführt.
Im Zusammenhang meines Seminars Autonomie und Ethik. Zur Relevanz des Konzeptes der Anerkennung für die Bildungswissenschaft ist bereits ein Aspekt der Problematik anhand eines Textes von Krassimir Stojanov (2011) diskutiert worden: die Frage der Konzeption des Begriffs der Bildungsgerechtigkeit im Zusammenhang der Theorie der Anerkennung.
Damit ist zunächst nur ein Moment der theoretischen Seite der Fragestellung berührt, die darüber hinaus jedenfalls noch eine empirisch-methodische und eine politisch-ethische Dimension aufweist und insofern am Schnittpunkt von Theorie, Empirie und Gesellschaft lokalisiert werden kann. Im theoretischen Kontext geht es jedoch nicht nur um die Analyse der Konzepte und die Klärung der
Begrifflichkeiten (dazu findet sich bspw. ein Überblick in einem Vortrag von Johannes Giesinger [2016]), sondern auch darum, eine gehaltvolle Theorie zu entwickeln, die konsistent ist und die sich
in Auseinandersetzung mit den empirischen Befunden weiterentwickeln lässt. Insofern kann ein Ansatz, wie jener von Krassimir Stojanov (2011) - der Bildungsgerechtigkeit als Überwindung von Herkunftslimitierungen durch Anerkennung denkt - nur ein erster Schritt sein, der des produktiven Austausches mit der Empirie, methodischer Vielfalt und der Bezugnahme auf Theorien mittlerer Reichweite, bedarf.
In den vorliegenden Sammelbänden und Studien, die sich darum bemühen, durch begriffliche Präzisierungen und dem Einsatz verschiedenartiger methodischer Zugänge das Problemverständnis in
der Bildungswissenschaft zu verbessern, wird zunächst deutlich, dass 'man Phänomene im Bildungssystem ebenenspezifisch untersuchen und betrachten muss' (Eckert et al. 2017, S. X). Damit
ist insbesondere die Unterscheidung in Makro-, Meso- und Mikrosystem nach H. Ditton (1998) gemeint, die eine mögliche Grundlage dafür bildet, Bildungsungerechtigkeit in den Interaktionen der Akteure ebenso zu identifizieren, wie in den Institutionen und dem Bildungssystem insgesamt. Die Komplexität moderner Gesellschaften und deren Teilbereiche erfordert demnach ebenso die
theoriegeleitete Differenzierung der analytischen Kategorien, die Weiterentwicklung des methodischen Instrumentariums, aber auch die Berücksichtigung der normativen Implikationen von
Fragen der Gerechtigkeit, die in Beziehung zu den übrigen Dimensionen gesetzt werden müssen. In dieser Hinsicht bildet die Auseinandersetzung mit dem Thema der Bildungsgerechtigkeit nicht nur die Chance für die Studierenden Einblick in eine aktuelle Diskussion zu erhalten, sondern gleichzeitig die methodischen, theoretischen und normativen Elemente bildungswissenschaftlicher Forschung an einem konkreten Beispiel kennen zu lernen.

Methoden: Zunächst wird es darauf ankommen anhand einiger ausgewählter Grundlagentexte, wie bspw. jenem von J. Giesinger (2016), einen Einstieg in die Problematik zu finden. Das Verstehen der
konzeptionellen Ansätze ist wichtig, um einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die daran anschließenden bildungswissenschaftlichen Debatten sicherzustellen; vom Seminarleiter werden dazu die für das Verständnis notwendigen theoretischen und methodischen Kenntnisse vermittelt.
Im zweiten und dritten Teil des Seminars gibt es die Möglichkeit divergierende Forschungsperspektiven hinsichtlich der Frage der Bildungsgerechtigkeit innerhalb des bildungswissenschaftlichen Diskurses zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Dabei soll in
Verbindung mit der inhaltlichen Debatte ein Verständnis für verschiedene Konstellationen von Ethik, Theorie und Empirie, wie sie für diese Diskussion kennzeichnend sind, erarbeitet werden. Damit wird auch versucht, das Verständnis für das Zusammenwirken der verschiedenen Ebenen der Theoriebildung, der Methodik und der normativen Ansprüche zu vertiefen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Regelmäßige Teilnahme, qualifizierte Mitarbeit bei der gemeinsamen Erarbeitung der Problematik des Seminars und Beteiligung an den Diskussionen im Anschluss an die Präsentationen von ausgewählten Positionen zur Bildungsgerechtigkeit. Referate, bzw. Präsentationen zu einem Thema der LV und Verfassen einer Seminararbeit (ca. 15 Seiten).

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Zielsetzung des Seminars ist es, in eine neuere Debatte um das bildungswissenschaftliche Potential der Frage der Bildungsgerechtigkeit einzuführen und ein Verständnis für die Bedeutung dieses Diskurses und seine Fruchtbarkeit für die verschiedenen Teilbereiche der Disziplin zu erreichen.
Darüber hinaus besteht die Aufgabe darin, Argumente im Detail kennenzulernen, die es erlauben mögliche Schwierigkeiten bei der Klärung und der Analyse von Bildungsungleichheiten zu beurteilen
und einer begründeten Kritik unterziehen zu können. Daraus kann sich ein Verständnis für die Orientierungsbewegung einer Disziplin entwickeln, die ihrer spezifischen Aufgabe am Schnittpunkt
von Theoriebildung und Praxisbezug zu entsprechen versucht.

Im ersten Teil der LV werden die historisch-systematischen Voraussetzungen, sowie die theoretischen Grundlagen von Fragen der Bildungsgerechtigkeit gemeinsam erarbeitet. Der zweite Teil beinhaltet zunächst die Diskussion von unterschiedlichen theoretischen und methodischen Positionen und deren
Potential für die Bildungswissenschaft. Im dritten Teil des Seminars werden schließlich konkrete, an die pädagogische Praxis anknüpfende Forschungsstrategien, sowie deren Konsequenzen innerhalb der verschiedenen Teildisziplinen (Sozial-, Heilpädagogik, feministische Pädagogik, interkulturelle Pädagogik etc.) der Bildungswissenschaft behandelt.

Die Gewichtung der Teilleistungen im Rahmen des Seminars stellt sich wie folgt dar:
1. Regelmäßige Teilnahme (zwei entschuldigte Einheiten sind möglich), sowie Beteiligung an den Diskussionen im SE (15% der Gesamtleistung).
2. Abhalten einer Präsentation, bzw. eines Referates zu einem ausgewählten Thema des Seminars (25%).
3. Verfassen einer Seminararbeit nach den üblichen Regeln guter wissenschaftlicher Praxis (40%).
4. Schriftliche Reflexion über die im Seminar diskutierten Inhalte, sowie die möglichen Konsequenzen für die eigene Perspektive auf die Disziplin Bildungswissenschaft (20%).

Insgesamt gilt, dass mindestens zwei der vier Leistungen positiv sein müssen, um positiv abzuschließen, wobei die Summe der erbrachten Teilleistungen über 50% liegen muss. Falls keine SEArbeit geschrieben wird, ist stattdessen ein Prüfungsgespräch zu absolvieren, das die kritische Auseinandersetzung mit der behandelten Literatur zum Thema haben wird.

Prüfungsstoff

Literatur

Dabrowski, Martin (2008) (Hrsg.): Bildungspolitik und Bildungsgerechtigkeit. Paderborn, Wien [u.a.]: Schöningh.
Deißner, David (2013) (Hrsg.): Chancen bilden: Wege zu einer gerechteren Bildung - ein internationaler
Erfahrungsaustausch. Neue Wege zu Bildungsgerechtigkeit (Conference) Wiesbaden: Springer Fachmedien:
Imprint: Springer VS.
Dietrich, Fabian; Heinrich, Martin; Thieme, Nina (2013) (Hrsg.): Bildungsgerechtigkeit jenseits von
Chancengleichheit: Theoretische und empirische Ergänzungen und Alternativen zu 'PISA'. Wiesbaden:
Springer Fachmedien: Imprint: Springer VS.
Ditton, H. (1998): Mehrebenenanalyse: Grundlagen und Anwendungen des hierarchisch linearen Modells.
Weinheim: Beltz: Juventa.
Drerup Johannes (2015): Genug ist genug? Zur Kritik non-egalitaristischer Konzeptionen der
Bildungsgerechtigkeit. In: Zeitschrift für Praktische Philosophie, 01 May 2015, Vol.2(1), pp.89-128.
Eckert, Thomas; Gniewosz, Burkhard (2017): Bildungsgerechtigkeit. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
Giesinger, Johannes (2016): Bildungsgerechtigkeit: Begrifflichkeiten, Konzepte, Geschichte. Vortrag im Rahmen
des Workshops 'Bildungsgerechtigkeit: ein erfüllbarer Anspruch?', Österreichische
Forschungsgemeinschaft, Festsaal der Diplomatischen Akademie Wien, 1. Juni 2015. Online verfügbar
unter: http://www.erziehungsphilosophie.ch/publikationen/Giesinger_BildungsgerechtigkeitInnsbruck2016.pdf (24.05.2018)
Giesinger, Johannes (2009): Freie Schulwahl und Bildungsgerechtigkeit. In: Zeitschrift für
Erziehungswissenschaft, 2009, Vol.12(2), pp.170-187.
Giesinger, Johannes: (2007): Was Heißt Bildungsgerechtigkeit? In: Zeitschrift für Pädagogik, May 2007, Vol.53(3), pp.362-381.
Giesinger, Johannes (2015): Bildungsgerechtigkeit und die sozialen Funktionen der Schule. Zu den normativen
Grundlagen des Chancenspiegels. In: Veronika Manitius et al. (Hrsg.), Zur Gerechtigkeit von Schule:
Theorien, Konzepte, Analysen. Münster [u.a.]: Waxmann.
Heimbach-Steins, Marianne (2009) (Hrsg.): Bildungsgerechtigkeit: Interdisziplinäre Perspektiven. Bielefeld: Bertelsmann.
Hogrebe, Nina (2014): Bildungsfinanzierung und Bildungsgerechtigkeit: Der Sozialraum als Indikator für eine
bedarfsgerechte Finanzierung von Kindertageseinrichtungen? Wiesbaden: Springer Fachmedien: Imprint:
Springer VS.
Kunze, Axel Bernd (2012): Bildung als Freiheitsrecht: eine kritische Zwischenbilanz des Diskurses um
Bildungsgerechtigkeit. Berlin [u.a.]: Lit Verlag.
Lenzen, Dieter (2009): Schwerpunkt Bildungsgerechtigkeit und sozioökonomischer Status. In: Zeitschrift für
Erziehungswissenschaft, 2009, Vol.12(2), pp.167-169.
Marquardt, Kathleen (2012): Bildungsgerechtigkeit. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 2012, Vol.15(2), pp.415-421.
Nerowski, Christian (2017): Leistung als Kriterium von Bildungsgerechtigkeit. In: Zeitschrift für
Erziehungswissenschaft, 8/28/2017. Online verfügbar unter: https://link-springercom.uaccess.univie.ac.at/article/10.1007/s11618-017-0775-x (24.05.2018)
Schulze, A.; Schiener, J. (2011): Teachers' decision-making and educational equity: A vignette experiment on school track recommendations by trainee teachers. Lehrerurteile und Bildungsgerechtigkeit:
Schullaufbahnempfehlungen angehender Lehrkräfte im Vignettenexperiment. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 2011, Vol.31(2), pp.186-200.
Stojanov, Krassimir (2011): Bildungsgerechtigkeit: Rekonstruktionen eines umkämpften Begriffs. Wiesbaden:
VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Stojanov, Krassimir (2008): Educational justice - A limitation of freedom? Critical annotations on the use of the category of justice in empirical educational research. Bildungsgerechtigkeit als Freiheitseinschränkung?
Kritische Anmerkungen zum Gebrauch der Gerechtigkeitskategorie in der empirischen Bildungsforschung.
In: Zeitschrift für Pädagogik, July 2008, Vol.54(4), pp.516-531.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

WM-M10

Letzte Änderung: Do 06.05.2021 14:48