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190115 VO Pflichtmodul: Vertiefung in psychoanalytische Theorie u. deren Relevanz f. verschiedene Disziplin (2017S)

Psychoanalyse im Dialog mit ihren Nachbardisziplinen. Die gegenwärtige Kooperation mit den Neurowissenschaften, der kognitiven Psychologie und der Psychotherapieforschung.

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 19 - Bildungswissenschaft

Die wöchentliche Sprechstunde von Univ.-Prof. Dr. Patrizia Giampieri-Deutsch im SS 2017 findet jeden Montag ab 6. März 2017 nach Voranmeldung und Vereinbarung im Institut für Philosophie, NIG, 2. Stock, Zimmer C0215 statt.

An/Abmeldung

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 06.03. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 20.03. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 27.03. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 03.04. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 24.04. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 08.05. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 15.05. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 22.05. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 29.05. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 12.06. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien
Montag 19.06. 13:15 - 14:45 Hörsaal 3D, NIG Universitätsstraße 7/Stg. III/3. Stock, 1010 Wien

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziele:
Der zweiteilige VO-Kurs zielt darauf ab, die Studierenden des EC Psychoanalyse in den Dialog der Psychoanalyse mit ihren Nachbardisziplinen einzuführen. Die Studierenden können diese Einführung für ihre zukünftigen interdisziplinären Untersuchungen fruchtbar einsetzen.

Inhalte:
Die Teilnahme am Teil 1 der LV im WS 2016/17 setzt die weitere Teilnahme am Teil 2 der LV im SS 2017 nicht voraus. Im ersten Teil werden die Studierenden in die Forschung zahlreicher Psychoanalytikerinnen und Psychoanalytiker von Ernst Kris (1950) bis David Rapaport (1960) sowie vieler Historikerinnen und Historiker der Psychoanalyse von Frank Sulloway (1979) bis Robert Holt (1989) eingeführt, die die konstitutive Interdisziplinarität der Freud schen Theorie des Geistes, des Mentalen, bzw. - nach Freuds eigener Bezeichnung - der Metapsychologie, schon seit den Anfängen der Psychoanalyse mit Freuds Entwurf einer Psychologie (Freud 1950c [1895]) hervorgehoben hatten. So zeigen diese frühen Forschungsversuche die Anteile aus anderen wissenschaftlichen Disziplinen, die Freud für den Aufbau der Psychoanalyse verwendet hatte, übersichtlich auf. In ihrer Interpretation der Psychoanalyse als erste interdisziplinäre Kognitionswissenschaft brachte daran anschließend die Philosophin des Geistes Patricia Kitcher in ihrer ausführlichen Studie ein, dass Freud konstitutiv einen interdisziplinären Ansatz zum Aufbau seiner Theorie des Geistes verwendet hatte: Die Entwicklung der Psychoanalyse kann eine extensive Fallgeschichte im interdisziplinären Aufbau einer Theorie darstellen, schreibt Kitcher und skizziert eine Entstehungsgeschichte der Psychoanalyse, in der sie Freud als den ersten interdisziplinären Kognitionswissenschaftler (Kitcher 1992, S. 5) versteht.
Des Weiteren ist die Geschichte des programmatischen interdisziplinären Interesses der Psychoanalyse fast so alt wie die Psychoanalyse selbst. Freud hatte im Jahr 1912 die Gründung der Zeitschrift Imago. Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften veranlasst, die sich unter der Leitung von Otto Rank und Hans Sachs den Anwendungen der Psychoanalyse widmete. Schon im Jahre 1913 erschien in der Zeitschrift Scientia Freuds Arbeit Das Interesse an der Psychoanalyse. Sie ist eine detaillierte Studie zum Thema Interdisziplinarität: das psychologische, das sprachwissenschaftliche, das philosophische, das biologische, das entwicklungsgeschichtliche, das kulturhistorische, das kunstwissenschaftliche, das soziologische und das pädagogische Interesse an der Psychoanalyse werden von Freud in aller Ausführlichkeit beschrieben (Freud 1913j, S. 389-420). Einige Jahre später bespricht Freud im zu Die Frage der Laienanalyse die Erfordernisse einer ausgewogenen psychoanalytischen Ausbildung und listet die verschiedenen Disziplinen auf, die zum Gedankengut der Psychoanalytikerin oder des Psychoanalytikers gehören sollten: Der Unterrichtsplan für den Analytiker ist erst zu schaffen, er muss geisteswissenschaftlichen Stoff, psychologischen, kulturhistorischen, soziologischen ebenso umfassen wie anatomischen, biologischen und entwicklungsgeschichtlichen (Freud 1927a, S. 288-289). Die Bereicherung und Erweiterung der psychoanalytischen Ausbildung ist gegenwärtig wieder zum Mittelpunkt der Diskussion in der Psychoanalyse geworden. Der multimediale VO-Kurs wird anhand interdisziplinärer Texte in diese breitgefächerte Diskussion einführen und Beispiele aus der laufenden Forschung präsentieren.

Methode:
E-Learning in Vorbereitung. Die LV wird als VO mit anschließender Diskussion angeboten. Die VO-Einheit entfaltet sich anhand einer multimedialen Präsentation der Materialien (inklusive Filme, Videos, Tonbänder u.a.). Die Studierenden werden ermutigt, sich an der anschließenden Diskussion zu beteiligen. Auch an Fallstudien und Kasuistik wird gearbeitet, um eine bessere Verarbeitung und ein vertieftes Verständnis der interdisziplinären Materialien zu ermöglichen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Leistungskontrolle:
Schriftliche Prüfung.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Mindestanforderungen:
Teilnahme an der VO und/oder Arbeit mit Moodle. Modalität der schriftlichen Prüfung: die Beantwortung von Fragen über ausgewählte kleine Texte im Prüfungsverzeichnis und ein Exposé über einen Text eigener Wahl aus den längeren Texten im Prüfungsverzeichnis. Das Prüfungsverzeichnis ist eine Kurzliste aus der Gesamtliteratur der VO, die in der VO ausgearbeitet, und anschließend in der VO und im Moodle bekanntgegeben wird.

Beurteilungsmaßstab:
Die Gesamtleistung der schriftlichen Prüfung wird mit der fünfteiligen Notenskala sehr gut (1), gut (2), befriedigend (3), genügend (4) bzw. nicht genügend (5) beurteilt. In der Sprechstunde können die Studierenden ein Feedback über ihre laufende Leistung erhalten.

Prüfungsstoff

Prüfungsstoff:
Eine Kurzliste aus der Gesamtliteratur der VO (Prüfungsverzeichnis), die in der VO gemeinschaftlich ausgearbeitet und anschließend in der VO und im Moodle bekanntgegeben wird.

Literatur

Literatur:
In der vorliegenden Literaturliste werden bei Sigmund Freud die Werke aus: Freud, S. Gesammelte Werke. Bde. 1-17. London: Imago Publishing 1940-52 (seit 1960: Frankfurt am Main: Fischer); Bd. 18 und Nachtragsbd. Frankfurt am Main: Fischer 1968 und 1987 entnommen. Die Jahresangaben seiner Publikationen werden nach der Bibliographie in: Meyer-Palmedo, I. und Fichtner, G., Hg. (1989). Freud-Bibliographie mit Werkkonkordanz. Frankfurt am Main: Fischer, S. 15-90 bestimmt.

Barth, F., Giampieri-Deutsch, P. und Klein, H.-D., Hg. (2012). Sensory Perception. Mind and Matter. Wien und New York: Springer.
Freud, S. (1913j). Das Interesse an der Psychoanalyse. G.W. 8: 389-420.
Freud, S. (1927a). Nachwort zur Frage der Laienanalyse. G.W. 14: 287-296.
Freud, S. (1950c [1895]). Entwurf einer Psychologie. GW Nachtragsbd., S. 387-477.
Freud, S. (1985c [1887-1904]). Briefe an Wilhelm Fließ 1887-1904, hg. J. M. Masson. Dt. Fassung M. Schröder. Frankfurt am Main: Fischer Verlag 1986.
Holt, R.H. (1989). Freud Reappraised. A Fresh Look at Psychoanalytic Theory. New York, London: The Guilford Press.
Giampieri-Deutsch, P., Hg. (2002). Psychoanalyse im Dialog der Wissenschaften. Europäische Perspektiven. Bd. 1. Stuttgart: Kohlhammer.
Giampieri-Deutsch, P., Hg. (2004). Psychoanalyse im Dialog der Wissenschaften. Anglo-amerikanische Perspektiven. Bd. 2. Stuttgart: Kohlhammer.
Giampieri-Deutsch, P., Hg. (2005). Psychoanalysis as an Empirical, Interdisciplinary Science. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Giampieri-Deutsch, P., Hg. (2009). Geist, Gehirn, Verhalten: Sigmund Freud und die modernen Wissenschaften. Würzburg: Königshausen und Neumann.
Giampieri-Deutsch, P. (2010). Some Remarks on Psychoanalytic Research and Universities. International Forum of Psychoanalysis 19/4: 210-217.
Giampieri-Deutsch, P. (2012). Introductory Remarks to Section IV Perception and Memory: Conscious and Unconscious Processes. In Sensory Perception. Mind and Matter, hg. F. Barth, P. Giampieri-Deutsch und H.-D. Klein. Wien und New York: Springer Verlag, S. 239-243.
Giampieri-Deutsch, P. (2012). Perception, conscious and unconscious processes. In Sensory Perception. Mind and Matter, hg. F. Barth, P. Giampieri-Deutsch und H.-D. Klein. Wien und New York: Springer, S. 245-264.
Giampieri-Deutsch, P. (2014). Neuro-Psychoanalyse. In Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage, hg. W. Mertens. Stuttgart: Kohlhammer, S. 622-631.
Giampieri-Deutsch, P. (2016). Ansätze zur Frage der Voraussage in der Psychoanalyse und in den Psychotherapiewissenschaften vom geschichtsphilosophischen, klinischen und empirischen Standpunkt. In Wissenschaftstheoretische und methodologische Problemlagen empirischer Voraussagen und statistischer Vorhersagen, hg v. R. Bachleitner, M. Weichbold, & M. Pausch. Vienna & New York: Springer, S. 202-220.
Kandel, E. R. (2006). Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 119-156.
Kitcher, P. (1992). Freud s Dream. A Complete Interdisciplinary Science of Mind. Cambridge, Mass.: MIT Press.
Kris, E. (1950). Einleitung zur Erstausgabe 1950. In Sigmund Freud. Briefe an Wilhelm Fließ 1887-1904, hg, J.M. Masson. Frankfurt am Main: Fischer 1986, S. 519-561.
Pribram, K. H. (2005). Freud s Project for a Scientific Psychology in the 21st Century. In Psychoanalysis as an Empirical, Interdisciplinary Science, hg. P. Giampieri-Deutsch. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, S. 169-177.
Rapaport, D. (1960). Die Struktur der psychoanalytischen Theorie. Versuch einer Systematik. Stuttgart: Klett 1973.
Sulloway, F.J. (1979). Freud, Biologist of the Mind. London: Burnett.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

EC192-Pflichtmodul

Letzte Änderung: Do 05.09.2019 12:53