Universität Wien FIND

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190245 SE WM-M12 Bildung - Alterität - Kultur(alität) (2017S)

Kommunikationskultur in Universitäts-und Arbeitspraxis II

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 19 - Bildungswissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Ort: Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF), Schottenfeldgasse 29, 1070 Wien

Lehrveranstaltung in Kooperation mit IFF: Anmeldung erfolgt nicht über u:space!
Kontakt: silvia.hellmer@aau.at
bis 10. März 2017 bei Dr. Silvia Hellmer: Lehreadministration:
Die Lehrveranstaltung ist Teil des IFF-Lehrprogramms Interdisziplinäre Kommunikation, Wissensnetzwerke und soziales Lernen.

An/Abmeldung

Details

Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine

MO 20.03.2017_09.00-14.00_IFF 1070 Wien, Schottenfeldgasse 29, 1070 Wien, Seminarraum 4c
MO 27.03.2017_09.00-14.00_IFF 1070 Wien, Schottenfeldgasse 29, 1070 Wien, Seminarraum 4c
MO 03.04.2017_09.00-14.00_IFF 1070 Wien, Schottenfeldgasse 29, 1070 Wien, Seminarraum 4c
MO 24.04.2017_09.00-14.00_IFF 1070 Wien, Schottenfeldgasse 29, 1070 Wien, Seminarraum 4c
MO 08.05.2017_09.00-14.00_IFF 1070 Wien, Schottenfeldgasse 29, 1070 Wien, Seminarraum 4c


Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Lehrveranstaltung ist Teil eines Lehrprogramms 'Interdisziplinäre
Kommunikation, Wissensnetzwerke und soziales Lernen' der Alpen Adria Universität Klagenfurt, die am Wiener Standort der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF), Wien 1070, Schottenfeldgasse 29 abgehalten wird.
Die Lehrveranstaltung und das gesamte Lehrprogramm wird von der Universität Klagenfurt finanziert, eine Finanzierung durch die Universität Wien wird - wie die Jahre davor - nicht angestrebt. Das Anliegen der IFF ist es, dass Studierende des Masterstudiums der Bildungswissenschaft als MitbelegerInnen an dieser
Lehrveranstaltung teilnehmen können. Studierende der Bildungswissenschaft als MitbelegerInnen können auch nur einen Anteil der Studierenden ausmachen, die an dieser Lehrveranstaltung teilnehmen, da die Zusammensetzung der Lehrveranstaltung interdisziplinär sein soll. Die Lehrveranstaltung ist eine
prüfungsimmanente Lehrveranstaltung (Seminar) mit einer beschränkten TeilnehmerInnenzahl von 25 Studierenden.

Ziele/Inhalte/Methodik:
Ein Ziel von Bildung, verstanden als individueller und gesellschaftlicher Prozess, ist Entscheidungsfähigkeit, sowohl individuelle wie auch kollektive (siehe Fischer 2012b). Dieses Ziel ist bedeutsam im Hinblick auf die Schaffung einer nachhaltigen
bzw. vorsorgenden Gesellschaft (siehe Fischer et al. 2011).
Bildungsprozesse zu organisieren meint damit Wissen für Entscheidungssituationen zur Verfügung zu stellen, Wissen mit Reflexion und (verantwortungsvollem) Handeln zu verbinden. Individuell stellt sich diese Herausforderung dadurch, dass zunehmend komplexe Entscheidungen zu treffen sind, die ein Spezial- oder Expertenwissen zur Grundlage haben und einer differenzierten Reflexion bedürfen. Es geht um Beurteilung, Wahl, Entscheidung auf Basis von Fachwissen. Kollektiv werden immer mehr Informationen (auch über Risken) von wissenschaftlichen Anwendungen in der Praxis für die Gesellschaft zugänglich, was
die Zivilgesellschaft und die Politik auffordert, sich dazu zu positionieren. Auch in diesem Kontext wir die Fähigkeit differenzierter Beurteilung, Wahl und Entscheidung benötigt.

In einer Gesellschaft, in der Wissen und Technologie in einer nie da gewesenen Geschwindigkeit zunehmen und jeder Entscheidung eine enorme Komplexität und Ungewissheit zugrunde liegt (Gibbons et.al 1994), ist dies eine große Verantwortung, die der Einzelne, aber auch die gesellschaftlichen Entscheidungsträger und in Entscheidungsprozesse einbezogene VertreterInnen und Gruppen wahrzunehmen haben. Dazu braucht es Bildungsprozesse, die darauf vorbereiten: sowohl auf Entscheidungen in Einzelfällen als auch auf Entscheidungen im Kollektiv sowie für Entscheidung in der Wissenschaft selbst (insbesondere in inter- und transdisziplinären Teams).

Wenn Bildung durch Wissenschaft bedeutet, dass nicht nur Individuen lernen, sondern auch Organisationen und Kollektive, dann muss dies auf der jeweiligen Ebene sichtbar und erfahrbar sein. Die (gebildeten) Akteure müssen ein Bewusstsein darüber haben, was sie gelernt haben, wie sie dieses Wissen anwenden, wie sie
neue Informationen zu Wissen machen (zu Information/Wissen siehe Willke 2004). Es ist wichtig, zugrunde liegende Lernmodelle zu unterscheiden: bei kausalen Ursache-Wirkungszusammenhängen (siehe Bateson 1985, Lernen 1) bleibt der Kontext unberücksichtigt und die Wahlmöglichkeiten sind - auch bei einer ungemeinen Vielfalt - beschränkt. Unsicherheit und noch unbekannte Lösungsmöglichkeiten und Wissenszuwächse sind nicht eingeschlossen. Aber gerade die Generierung von neuem - vorher unbekanntem Wissen - ist in der Forschung relevant und für die Gesellschaft ein Entwicklungspotenzial. Wissensgenerierende Lernprozesse (oder Lernen 2 nach Bateson) sind daher für
Bildung, im besonderen für akademische Bildung, besonders relevant.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Voraussetzung für den Zeugniserwerb:
aktive Mitarbeit, schriftliche Ausarbeitung und Präsentation der geforderten Produkte, Seminararbeit
Zertifikat:
Absolvierung von mindestens 12 Semesterwochenstunden im Rahmen des Lehrprogramms Interdisziplinäre Kommunikation, Wissensnetzwerke und soziales Lernen. Informationen zum Lehrprogramm unter www.workinprocess.at.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Lehrveranstaltung möchte an das bisherige Wissen und die Erfahrungen der Studierenden anknüpfen, um Kommunikationsprozesse im Kontext von eigener
wissenschaftlicher Arbeits- und Projekterfahrung zu reflektieren und zu analysieren. Aufbauend auf die Lehrveranstaltung 'Kommunikationskultur in Universitäts- und Arbeitspraxis I' legt diese Lehrveranstaltung besonderes Augenmerk auf das
Kommunikationsverhalten in der Gruppe und Organisation.
In immer flacheren Hierarchien gewinnt das Arbeiten in und mit Teams zunehmend mehr an Bedeutung. Teamarbeit erfordert einen stetigen Kommunikationsfluss, Ideenaustausch, Koordination und Vernetzen von Aktivitäten und Beziehungen innerhalb der Organisation (Schnittstellen). Nur so wird ein gutes Ergebnis und ein
produktiver Arbeitsprozess möglich. Teams werden damit zum Fundament einer lernenden Organisation.
Da das Arbeiten im Team auch mit Leitungsaufgaben verbunden sein kann, werden Grundlagen der Teamsteuerung behandelt.
In der Lehrveranstaltung werden Kommunikationskulturen unterschiedlicher Studien bzw. Fächer (insbesondere der Soziologie, Bildungswissenschaft, Natur- und Technikwissenschaften) in ihrer Universitäts- und Arbeitspraxis mit Hilfe sozial- und
kulturwissenschaftlicher Theorieangebote reflektiert und zum Ausgangspunkt für praktische Übungen gemacht, um Kommunikation im Sinne eines Dialogs verstehen und Konfliktsituationen bearbeiten zu können.

Erworben werden vertiefte Kenntnisse und Kompetenzen über kollektive Kommunikations- und Entscheidungskulturen, die verantwortungsvolles Handeln in verschiedenen Rollen im Sinne einer nachhaltigen und vorsorgenden Gesellschaft
zum Ziel haben. Zentral ist dabei, die (eigene) Kommunikations- und Entscheidungsfähigkeit im Kontext gesellschaftlichen Handeln zu verstehen und als Grundlage (eigener) Bildungsprozesse zu begreifen.

Prüfungsstoff

Literatur

ANTONS, Klaus: Praxis der Gruppendynamik. Übungen und Techniken. Göttingen -
Toronto - Zürich: Hogrefe, 5. Auflage, 1992

ARGYRIS, Chris / SCHÖN, Donald A.: Die lernende Organisation. Grundlagen, Methode, Praxis. Stuttgart: Klett-Cotta, 1999.

BATESON, Gregory: Die logischen Kategorien von Lernen und Kommunikation. In: Ökologie des Geistes. Anthropologische, psychologische, biologische und
epistemologische Perspektiven. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1985, 362-399

FISCHER, Roland: Entscheidungsgesellschaft, Bildung und kollektives Bewusstsein. In: FISCHER, Roland/Ulrike GREINER/Heribert BASTEL, Domänen fächerorientierter Allgemeinbildung, Linz 2012a, 277-288

FISCHER, Roland: Bildung von Individuum und Gesellschaft. In: FISCHER, Roland/Ulrike GREINER/Heribert BASTEL, Domänen fächerorientierter
Allgemeinbildung, Linz 2012b, 262-276

FISCHER, Roland, Schendl, Georg, Schmid Martin, Veichtlbauer Ortrum, Winiwarter,
Verena, Wer und wie wollen wir sein? Über die Bedingungen der Möglichkeit einer Vorsorgenden Gesellschaft, In: Weiss, Michael N. (Hg.), Weltethos und
Bildung - User Generated Ethics, LIT: Wien/Berlin, 2011,13-30.

GIBBONS, Michael, LIMOGES, Camille, NOWOTNY, Helga, SCHWARTZMAN, Simon,
SCOTT, Peter, TROW, Martin: The new production of knowledge. The
dynamics of science and research in contemporary societies. Los Angeles, London, New Delhi, Singapore, Washington DC: Sage 199415

HEINTEL, Peter: Über drei Paradoxien der T-Gruppe. Agieren versus Analysieren, Gefühl versus Begriff, Intensität versus Ende. In: betrifft: TEAM. Dynamische
Prozesse in Gruppen. VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden, 2006, S 191-250.
ISAACS, William: Dialog als Kunst gemeinsam zu denken. EHP: Köln 2003, S. 197-260

ROSS, Rick: Die Abstraktionsleiter. In: Senge, Peter M./Art Kleiner/Bryan Smith/Charlotte Robert/Richard Ross, Das Fielbook zur Fünften Disziplin, Stuttgart: Klett-Cotta, 1996, S.279-284

RAPPE-GIESECKE, Kornelia: Supervision. Gruppen- und Teamsupervision in Teorie
und Praxis, 2. Aufl., Berlin u.a. 1994.

SCHEIN, Edgar H.: Prozessberatung für die Organisation der Zukunft. Der Aufbau einer helfenden Beziehung. EHP: Köln, 2000, S. 185-244

SCHULZ V. THUN, Friedemann.: Miteinander reden. Störungen und Klärung. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. 2 Bd., Reinbek 1992

SENGE, Peter M.: Die fünfte Disziplin. Kunst und Praxis der lernenden Organisation.
Stuttgart 1999.

SVOBODA, Waltraud, Das Rangdynamik-Modell nach Raoul Schindler aus der gruppen- und organisationsdynamischen Sicht, Wien 1994.

WATZLAWICK Paul/BEAVIN, Janet H./JACKSON, Don D.: Menschliche Kommunikation.
Formen, Störungen, Paradoxien. (1967), Göttingen 200010
WILLKE, Helmut. Einführung in das systemische Wissensmanagement. Heidelberg: Carl-Auer Verlag 2004.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

WM-M12 (IFF)

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:37