Universität Wien

200111 VO Diagnosesysteme, Grundlagen der Diagnostik und psychotherapeutischen Begutachtung psych. Störungen (2026W)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 20 - Psychologie

Die Teilnahme und Absolvierung ist nur mit Studienplatz im Master Psychotherapie möglich.
Mi 21.10. 09:00-10:30 Ort in u:find Details

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Ort: MedUni Wien, Center for Translational Medicine (CTM), Seminarraum CTM 2.02
28.10. eventuell auch digital. Wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

ACHTUNG: Diese Vorlesung findet am 7.10., 21.10., 28.10., 04.11. und 11.11. im Hörsaal 2 in der Borschkegasse 4a (Bauteil 31.1) statt!

  • Mittwoch 07.10. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 14.10. 09:00 - 10:30 Digital
  • Mittwoch 28.10. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 04.11. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 11.11. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 18.11. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 25.11. 09:00 - 10:30 Digital
  • Mittwoch 02.12. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 09.12. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 16.12. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 13.01. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details
  • Mittwoch 20.01. 09:00 - 10:30 Ort in u:find Details

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Vorlesung gibt eine Übersicht strukturierter Zugangswege zur Diagnostik psychischer Störungen. Am Beginn steht der Hinweis, dass hier primär die nomothetischen und weniger die ideografischen Perspektiven im Mittelpunkt stehen. Es wird dargestellt, wie syndromale Diagnostik und eine Klassifikation von Krankheitsbildern reliabel erfolgt. Dabei geht es um die Frage: „Was haben die Patient:innen gemeinsam?“ Wiederkehrende Muster und Symptomkombinationen werden erfasst und bestimmten Kategorien zugeordnet (z.B. Depression).
Für die Psychotherapie ist zusätzlich zu dieser nomothetischen Herangehensweise die ideografische Diagnostik von zentraler Bedeutung. Dabei geht es um die Frage: „Was unterscheidet diesen einzelnen Menschen von allen anderen?“ Dieses individuelle Verstehen wird in späteren Lehrveranstaltungen fokussiert.
Von strukturierter Diagnostik wird dann gesprochen, wenn ein (teilweise) festgelegtes und standardisiertes Vorgehen genutzt wird. Fragebögen werden von Patient:innen ausgefüllt, bei strukturierten Interviews werde vorformulierte Fragen von der Psychotherapeut:in gestellt. Das strukturierte Vorgehen hat den Vorteil einer hohen Vergleichbarkeit und Zuverlässigkeit. Zudem können bereits bekannte Muster - Diagnosen - erkannt werden, die für Entscheidungen zum therapeutischen Vorgehen unerlässlich sind.
Am Übergang zwischen strukturierter Diagnostik und dem hochindividualisierten Vorgehen im psychotherapeutischen Erstgespräch stehen semi- und teilstrukturierte, bei denen freie Interviewtechniken zum Einsatz kommen, aber bestimmte diagnostische Bereiche fokussiert und exploriert werden, damit spezifische Informationen erhoben werden können.
Klassifikationssysteme (z.B. DSM-5 und ICD-11) definieren Diagnosekategorien und legen fest, welche Symptome in welcher Ausprägung und in welcher Kombination vorliegen müssen, um eine bestimmte Diagnose zu erhalten. Die Diagnosen werden typischerweise codiert, wobei Buchstaben und Zahlenkombinationen verwendet werden. Dies gestattet eine internationale Vergleichbarkeit und ist für die Forschung ebenso unerlässlich wie für die Dokumentation im Gesundheitswesen.
Auch in der psychotherapeutischen Begutachtung ist eine strukturierte („objektivierte“) Diagnostik unerlässlich, wenn es zum Beispiel um Versorgungsansprüche oder juristische Fragen geht.
Trotz allen Bemühens um Wissenschaftlichkeit und Objektivität hat die Diagnostik ihre Grenzen. Wir alle unterliegen – teils unbewussten – Vorurteilen und Annahmen, die zu einer verzerrten diagnostischen Einschätzung führen können und nicht selten mit einem Bias hinsichtlich Geschlecht, Lebensstil oder kultureller Herkunft einhergehen. Diese Begrenztheit gilt es zu kennen und bei sich selbst zu erkennen.

Nach Abschluss des Moduls können die Studierenden:
• nomothetische und idiografische Diagnostik in ihrem Zusammenspiel verstehen und erläutern,
• die Indikation zur Anwendung spezifischer diagnostischer Verfahren erkennen und erläutern,
• die gängigen internationalen Klassifikationssysteme lesen, verstehen und praktisch anwenden,
• die Vorgehensweise bei umfassenden diagnostischen Interviews kennen und erläutern,
• Grundlegende diagnostische Herangehensweisen der verhaltenstherapeutischen und psychodynamischen Diagnostik mit der jeweiligen Integration von idiografischen und nomothetischen Anteilen kennen und erläutern,
• psychologische Testverfahren und deren Anwendung und Auswertungslogik verstehen und erklären sowie einfache Tests selbständig durchführen und auswerten,
• die diagnostischen Basistechniken bei Kindern und Jugendlichen sowie bei Erwachsenen und älteren Personen unter Berücksichtigung von Besonderheiten der verschiedenen Gender- und Patient*innengruppe kennen Aspekte von Gender und Diversität bei der Diagnostik reflektieren, Techniken und Vorgehensweisen der differentialdiagnostischen Abklärung aufzeigen sowie fallspezifisch anwenden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Prüfungsmodus: Klausur in Präsenz
- 20 MC- Fragen mit 5 Antwortalternativen (1-4 Antworten können richtig sein; Teilpunkte werden vergeben, solange keine falsche Antwortalternative angekreuzt wird) mit maximal 20 Punkten insgesamt
- 5 Freitextfragen mit maximal 10 Punkten insgesamt
- 70 Minuten Bearbeitungszeit
Es sind keine Hilfsmitte erlaubt.
Prüfungstermine: Jeweils Mittwoch 9:00 – 10:30 Uhr am 27.01., 03.03., 28.04. und 23.06.2027.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Bewertungsschlüssel
erreichte Punkte in % Note
90 – 100: 1
80 - 89,9: 2
70 - 79,9: 3
60 - 69,9: 4
0 - 59,9: 5

Prüfungsstoff

Literatur

Weiterführende Literatur
American Psychiatric Association (2015). Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen – DSM-5. Göttingen: Hogrefe.
Arbeitskreis OPD (2024): OPD-3 – Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik. Das Manual für Diagnostik und Therapieplanung. 2., korrigierte Auflage. Göttingen: Hogrefe.
Beesdo-Baum K, Zaudig M, Wittchen HU (2019): SCID-5-CV. Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-5®-Störungen – Klinische Version. Deutsche Bearbeitung des Structured Clinical Interview for DSM-5® Disorders – Clinician Version von Michael B. First, Janet B. W. Williams, Rhonda S. Karg, Robert L. Spitzer. Göttingen: Hogrefe.
Beesdo-Baum K, Zaudig M, Wittchen HU (2019): SCID-5-PD. Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-5® – Persönlichkeitsstörungen. Deutsche Bearbeitung des Structured Clinical Interview for DSM-5® – Personality Disorders von Michael B. First, Janet B. W. Williams, Lorna Smith Benjamin, Robert L. Spitzer. Göttingen: Hogrefe.
Bonnin, G., Kröber, S., & von Brachel, R. (2024). Klinische Interviews zur Klassifikation psychischer Störungen. In T. Teismann, P. Thoma, S. Taubner, A. Wannemüller, & K. von Sydow (Eds.), Klinische Psychologie und Psychotherapie (pp. 114–126). Hogrefe.
Caspar, F. (2025). Plananalyse. In E.-L. Brakemeier & F. Jacobi (Eds.), Verhaltenstherapie in der Praxis (pp. 155–171). Beltz.
Clarkin JF, Caligor E, Stern BL, Kernberg OF (2019, revised 2021). Das Strukturierte Interview zur Persönlichkeitsorganisation-Revidierte Version – Deutsche Übersetzung (STIPO-R-D, 2020). Übersetzung von Hörz-Sagstetter & Doering. Online unter: https://istfp.org/wp-content/uploads/STIPO-R-DeutscheVersion-mitManual-final.pdf
Hörz-Sagstetter S, Mokros A, Zimmermann J (2025): SCID-5-AMPD. Strukturiertes Klinisches Interview für das alternative DSM-5®-Modell für Persönlichkeitsstörungen. Deutsche Bearbeitung des Structured Clinical Interview for the DSM-5® – Alternative Model for Personality Disorders von Michael B. First, Andrew E. Skodol, Donna S. Bender und John M. Oldham. Göttingen: Hogrefe.
Knappe, S., & Wittchen, H.-U. (2020). Diagnostische Klassifikation psychischer Störungen. In J. Hoyer & S. Knappe (Eds.), Klinische Psychologie und Psychotherapie (3. Auflage, pp. 29–56). Springer.
Neudeck, P. (2025). Verhaltensanalyse. In E.-L. Brakemeier & F. Jacobi (Eds.), Verhaltenstherapie in der Praxis (pp. 155–171). Beltz.
Weltgesundheitsorganisation (2011): Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10, Kapitel V(F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. 7. Überarbeitete Auflage. Bern: Huber.
World Health Organization (2024): Clinical descriptions and diagnostic requirements for ICD-11 mental, behavioural and neurodevelopmental disorders. Geneva: World Health Organization. Online unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789240077263

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mi 14.10.2026 14:47