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210031 LK BAK5: LK Theoriegeschichte und Theoriedebatten (2017W)

6.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 21 - Politikwissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Eine Anmeldung über u:space innerhalb der Anmeldephase ist erforderlich! Eine nachträgliche Anmeldung ist NICHT möglich.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.

Beachten Sie die Standards guter wissenschaftlicher Praxis.

Die Lehrveranstaltungsleitung kann Studierende zu einem notenrelevanten Gespräch über erbrachte Teilleistungen einladen.
Plagiierte und erschlichene Teilleistungen führen zur Nichtbewertung der Lehrveranstaltung (Eintragung eines 'X' im Sammelzeugnis).

Details

max. 50 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Achtung die Lehrveranstlatung beginnt erst am Montag den 16.10. 2017

Montag 16.10. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 23.10. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 30.10. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 06.11. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 13.11. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 20.11. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 27.11. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 04.12. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 11.12. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 08.01. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 15.01. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 22.01. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock
Montag 29.01. 09:45 - 11:15 Hörsaal 1 (H1), NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

„Experten sagen, dass…“; „Wissenschaftler haben herausgefunden, dass…“- mit diesen Worten beginnen oft Zeitungsartikel über Krankheiten und Lifestyle-Phänomene, die wissenschaftliche Erklärungen für unseren Alltag wiedergeben. Oft werden dabei frühere Erklärungen als falsch zurückgewiesen oder die neuen Befunde treten in einen Widerspruch zu bereits bestehendem Wissen. Wissenschaft kann sich also irren. Genaugenommen muss sie sich sogar irren, da nur durch Behebung früherer Fehler und Irrtümer wissenschaftliche Entwicklung stattfindet. Sollen wir nun auf einen Begriff der Wahrheit verzichten, weil alles Wissen unsicher ist und sich am Ende sogar als falsch erweisen muss?
Wie können wir wissenschaftliche Wahrheit hinterfragen, ohne ihre Einsichten unkritisch zu verwerfen? In Zeiten, in denen sich Fake-News rasend schnell ausbreiten, und das Phänomen der „Post-Wahrheit“ den Wahrheitsbegriff zu untergraben droht erweist sich diese Frage als höchst notwendig. Um den Trend der Post-Wahrheit entgegen zu treten werden aktuell mehrere Lösungsansätze vorgeschlagen: manche Staaten versuchen die Ausbreitung von Fake-News in die Illegalität stellen, oder Kontrollräte schaffen, Wissenschaftler rufen zur Verteidigung von wissenschaftlichen Erkenntnisse, vor allem ihrer Rationalität in global angelegten Protesten.
Fängt das Phänomen jedoch nicht bereits früher - bei der Definition von Wahrheit und ihre Rolle für das demokratische Zusammenleben- an? Ausgehend von dieser Frage begibt sich das Seminar auf die Suche nach dem Wahrheitsbegriff. Zunächst wird eine Genealogie des Begriffes vorgelegt (Kant, Kierkegaard, Foucault, Arendt), durch die die aktuellen - kritischen - Zugänge zu Wahrheitsproduktion und ihrer Rolle in der Politik historisch verankert werden. Die aktuellen Zugänge heben Wahrheit als ein zentrales Handlungsinstrument der Politik hervor: sie gibt Evidenzgrundlage für politisches Handeln, teilt Akteure in Befürworter und Gegner, sie schafft Täter und Opfer.
Dass darin Emotionen eine zentrale Rolle spielen wurde in den bisherigen politikwissenschaftlichen Analysen nicht genug berücksichtigt, was auch zur Folge hatte, dass Politikwissenschaftler von dem Phänomen der „Post-Wahrheit“ überrascht wurden und diesem zunächst ratlos gegenüberstanden. Deshalb wird im Seminar eine Reflexion angeboten, welche die Verankerung von Wahrheit in der Politik in die Richtung von Miteinbeziehung von Emotionen konzeptualisiert.

Was lernen die StudentInnen im Seminar: die ideengeschichtliche Kontextualiserung vom Begriff der Wahrheit, die theoretische Verankerung des Begriffs Wahrheit in der aktuellen Politikwissenschaft, der Umgang mit dem Begriff von Wahrheit in der Analyse aktueller politischer Phänomene/Ereignisse (es wird stets versucht auch die übergreifende Thematik der qualitativen Methodologie im Seminar anzusprechen)

Methoden, Ablauf und andere Kommentare
Die theoretische Diskussion wird zu einem Leitfaden für die anschließende Analyse der Beispiele konkreter Wahrheitsverhandlungen in den aktuellen wissenschaftlichen Kontroversen. Diese werden von den StudentInnen ausgesucht und ausgewertet. Es wird dabei ein Konzept der Wahrheit vorgeschlagen, das Diskurse – Bedeutungsketten, die durch Machtstrukturen, Interessen, Werten und gesellschaftlichen Kontexten geformt werden - und Emotionen explizit macht. Die StudentInnen werden gefragt durch theoretische Konzepte die jeweiligen ausgesuchten Kontroversen zu analysieren: ihre AkteurInnen zu identifizieren, die gesellschaftliche Dynamik zu beleuchten. Auf dieser Weise wir der Dynamik der Wahrheit und ihrer Rolle als politische Instrument Rechnung getragen.
Sie werden diese Analysen in Kleingruppen (max 3. Personen) herausarbeiten (im Umfang 5- 7 Seiten) und am Ende der Lehrveranstaltung präsentieren

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Mündliche und schriftliche Teilleistungen.
Höchstens 2 Fehlstunden.
Wichtig: Beachten Sie die Richtlinien zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis (http://www.univie.ac.at/mtbl02/2005_2006/2005_2006_112.pdf). Das bezieht sich besonders auf Plagiate. Ein Plagiat ist die bewusste und unrechtmäßige Übernahme von fremdem geistigem Eigentum; der/die AutorIn verwendet ganz oder teilweise fremde Werke in einem eigenen Werk, ohne die Quelle anzugeben.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
• Einstiegsreferat oder Begriffsarbeit (10%)
• 3 Textsorten von 3 ausgewählten Texten: Rezension, Zusammenfassung, Zitatenauswahl) (30%)
• Herstellung und Präsentation des Analysebeispiels (Gruppe von 3 Personen) (30%)
• Mitarbeit - Lektüre der Texte und Teilnahmen an der Diskussion (30%)

Prüfungsstoff

Literatur

Syllabus:
Einführende Einheit: Präsentation von Syllabus; Erklärung der Beurteilung
Ein aktueller Ereignis in drei unterschiedlichen Tageszeitungen: Studentinnen werden eingeladen die Unterschiede herauszuarbeiten: worauf gehen diese zurück - Einstieg in das Phänomen Wahrheit & Post-Wahrheit

Beispiele: Präsentation der Ergebnisse der NR Wahl; Präsentation von den Protesten in Charlottesville
2EH + 3EH: Wahrheit versus Post-Wahrheit: Versuch einer Zeitdiagnose
Brown, T. (2016). Evidence, expertise, and facts in a “post-truth” society: British Medical Journal, December.

Higgins, K. (2016). Post-truth: a guide for the perplexed. Nature, 540(7631), 9-9.
doi: 10.1038/540009a

Fischer, F., Torgerson, D., Durnová, A., & Orsini, M. (2015) Introduction to Critical Policy Studies. In: Fischer, F., Torgerson, D., Durnová, A., & Orsini, M. (Eds.). (2015). Handbook of Critical Policy Studies. Edward Elgar Publishing, pp. 1- 24

Shapin, Steven. 2012. "The sciences of subjectivity." Social Studies of Science 42 (2):170-184. doi: 10.1177/0306312711435375.
- Beispiele aus den 100 Tagen von Trump:

4. EH: Auf der Suche nach dem modernen Wahrheitsbegriff: Die dichotomie Vernunft - Emotion
Kant, I. (1900). Immanuel Kant's Kritik der reinen Vernunft (5., durchgängig rev. Aufl. ed.). Berlin: Reimer. (§ A666 / B694)
Ahmed, Sara. 2013. The cultural politics of emotion: Routledge.

5 + 6 EH: Auf der Suche nach dem modernen Wahrheitsbegriff: Kampf um die Wahrheit: Ideologie und Diskurs

Marx, Karl, Kapitel 8: Die Grenzen des Arbeitstages und Der Heißhunger nach Mehrarbeit. Fabrikant und Bojar, In: Kapital, Band 1, Seiten 249 - 262

Foucault, M. (1974) Vorwort, Die Ordnung der Dinge: Frankfurt, Suhrkamp, pp. 17 - 30.

7 EH: der politische Kampf um die Wahrheit: die Rolle der Wissenschaft in der modernen Demokratie
Jasanoff, S. (2005). Chapter 10: Civic Epistemology Designs on Nature: Science and Democracy in Europe and in United States. (pp. 247-271). Princeton: Princeton University Press

8 + 9 EH: Wahrheit als politisches Instrument I:
Lascoumes, P., & Le Gales, P. (2007). Introduction: Understanding Public Policy through Its Instruments—From the Nature of Instruments to the Sociology of Public Policy Instrumentation. Governance, 20(1), 1-21. doi:10.1111/j.1468-0491.2007.00342.x

Torgerson, Douglas. 2013. "Policy as a matter of opinion." Critical Policy Studies 7 (4):449-454.
- Suche nach Beispielen wissenschaftlicher Debatten die als politisches Instrument herangezogen werden.
10EH: Wahrheit als politisches Instrument II: emotionelle Aspekte des Wissens
Gould, D. (2009). Moving politics: Emotion and ACT UP’s fight against AIDS. Chicago, Ill.: University of Chicago Press. Pp. 5 – 41.

- Beispiel: Kontroverse um AIDS, Kontroverse um Homosexualität - Beispiele aus dem Pressearchiv werden analysiert.
11 EH Emotionelle Aspekte des Wissensträgers
Durnová, A. (2013). A Tale of ‘Fat Cats’ and ‘Stupid Activists’: Contested Values, Governance and Reflexivity in the Brno Railway Station Controversy. Journal of Environmental Policy & Planning, 1-17.

Beispiel: Planungskontroversen (Begegnugszone MAHÜ, Stuttgart 21, u.a.)
12 EH: Beispiele aktueller wissenschaftlichen Debatten mit politischem Bezug.
- Analyse des Wahrheitsbegriffs durch selbst gewählte Beispiele

13. EH Präsentation der Ergebnisse, Zusammenfassung; Ausblick

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Do 18.10.2018 11:28