Universität Wien FIND

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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

210058 LK BAK8: Internationale Politik (2019S)

6.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 21 - Politikwissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Eine Anmeldung über u:space innerhalb der Anmeldephase ist erforderlich! Eine nachträgliche Anmeldung ist NICHT möglich.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.

Beachten Sie die Standards guter wissenschaftlicher Praxis.

Die Lehrveranstaltungsleitung kann Studierende zu einem notenrelevanten Gespräch über erbrachte Teilleistungen einladen.
Plagiierte und erschlichene Teilleistungen führen zur Nichtbewertung der Lehrveranstaltung (Eintragung eines 'X' im Sammelzeugnis).

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 50 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Montag 04.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 11.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 18.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 25.03. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 01.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 08.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 29.04. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 29.04. 18:30 - 20:00 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 06.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 13.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 20.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 27.05. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 03.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 17.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Montag 24.06. 16:45 - 18:15 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ziele

Inhaltlich sollen die Theorien der Internationalen Politik (IP) im Kontext zweier Aspekte diskutiert und reflektiert werden, die lange Zeit im Kanon der IP ausgeblendet wurden: Zum einen geht es um die Frage der Produktion eines modernen Naturbegriffs und der damit verbundenen kapitalistischen Verwertungslogik von "Natur"; zum anderen um die Frage der Wirkung kolonialer Strukturen in vergangenen und gegenwärtigen internationalen Herrschaftsverhältnissen. Beide Aspekte hängen aus einer dekolonial informierten kritisch-materialistischen Sichtweise eng zusammen.

Dabei soll die Arbeit in Kleingruppen einen wichtigen Bestandteil der LV bilden, die Studierenden bekommen dabei die Gelegenheit eigene Textentwürfe wechselseitig zu lesen und zu kommentieren und die Inhalte der LV in kleinen Gruppen zu erarbeiten und zu diskutieren. Die LV-Verantwortlichen streben eine intensive und horizontale Diskussionskultur an.

Die Studierenden sollen die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens im Kontext von Debatten der Internationalen Politik erproben. Das bezieht sich sowohl auf die Textlektüre als auch auf selbst verfasste Kurztexte und ein Impulsreferat. Diverse Stile wissenschaftlichen Arbeitens - z.B. Essay, Rezension, Textzusammenfassung, Thesenpapier - sollen kennengelernt und ausprobiert werden.

Inhalte

Was bedeutet das "I" in Internationaler Politik (IP)? Ausgehend von dieser Frage von Christopher Jones (2003), wollen wir uns mit dem wissenschaftlichen Feld der IP und seinem Kanon aus der Warte der systematischen Leerstellen befassen, die darin angelegt sind. Denn gerade diese Auslassungen prägen die Disziplin in einem ideologietheoretischen Sinn.

Im Schatten der dominanten "westlichen" bzw. "nördlichen" Theorieproduktion in der IP bleiben zwei wesentliche Aspekte unreflektiert, die die gegenwärtigen internationalen Herrschaftsstrukturen jedoch entscheidend bestimmen: (1)"Natur" als scheinbar passives Objekt, das in der dominanten westlichen Rationalität von menschlichen Subjekten absolut abgetrennt und damit der Aneignung, Inwertsetzung und technischen Beherrschung preisgegeben wird. Und (2) die trotz der formalen Unabhängigkeit der ehemaligen europäischen Kolonien weiter fortwirkenden kolonialen Strukturen, in der die Unterworfenen auf homologe Weise als Objekte imaginiert werden - zum Beispiel in Form einer rassistischen internationalen Arbeitsteilung und anderer Formen von Gewalt. Diese Strukturen bezeichnet der peruanische Soziologe Aníbal Quijano (2000) als "Kolonialität der Macht".

Das "I" in der Internationalen Politik muss daher über die enge eurozentrische Sichtweise hinaus im Licht der kolonialen Unterwerfungen und der Widerstände gegen sie bzw. im Licht der westlichen Idee einer als "äußerlich" und verwertbar vorgestellten "Natur" und ihrer Alternativen weiter gefasst werden. Dieser Zugang ist in den Kontext einer jüngeren, sich intensivierenden Kritik an der westlichen Zentrierung der Internationalen Politik eingebettet (vgl. Blaney/Inayatullah 2002; Bilgin 2008; Acharya/Buzan 2017; Jones 2006; Shilliam 2011).

Wir wollen uns deshalb u.a. mit folgenden Fragen befassen: Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Verwertung und Beherrschung von Natur und den Strukturen kolonialer Machtverhältnisse? Inwiefern werden gegenwärtige IP-Theorien durch diese Machtverhältnisse geprägt?

Methoden

- Gemeinsame Textlektüre und -diskussion
- Gruppenpräsentationen
- Gruppenarbeiten entlang verschiedener Theorieschulen
- evtl. eine freiwillinge Zusatzveranstaltung sowie deren kritische Reflexion (z.B. Exkursion, Theaterbesuch, Film-screening)
- mehre kurze Textarbeiten (ca. 1 Seite) zur Erprobung verschiedener wiss. Arbeitsstile
- eine längere Textarbeit (ca. 5 Seiten)

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Für das positive Abschließen der LV sollen die Teilnehmer_innen (a) mind. 6 kurze schriftliche Reflexionen zu den besprochenen Texten individuell verfassen (je ca. 1 Seite), die vor der jeweiligen Einheit auf Moodle hochzuladen sind sowie zusätzlich ausgedruckt in die Einheit mitzubringen sind. Diese schriftlichen Übungen bilden die Grundlage für die (b) aktive Teilnahme an der Diskussion im Lektürekurs. Darüber hinaus halten die Teilnehmer_innen (c) einmal im Semester einen in der Gruppe vorbereiteten Impuls-Vortrag von 5-7min Dauer. Am Ende des Semesters schreiben die Studierenden eine kurze Arbeit mit einer eigenständig entwickelten Fragestellung (ca. 5 Seiten), passend zu den Themen des Kurses.

Ziel ist es, wissenschaftliche Arbeitsweisen zu erlernen und zu erproben, dabei wird es in der Veranstaltung mehrmals Rückmeldungen zu den ersten kurzen Texten geben (sowohl von Kommiliton_innen als auch von den LV-Verantwortlichen) sowie die Gelegenheit, anfängliche Fehler im Laufe des Semesters auszubessern.

Darüber hinaus erwarten wir (d) die regelmäßige Teilnahme an Veranstaltungen, Interesse und Engagement für die Thematik des Kurses sowie aktive Mitarbeit (Textlektüre, Beiträge zur Diskussion, lautes Mitdenken) sowie eine respektvolle und einander wertschätzende Redekultur.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

An folgendem Beurteilungsmaßstab können sich die Studierenden orientieren:

Teil (a) 30% (die sechs Textentwürfe können unterschiedlich gewichtet werden, um die Fortschritte der Studierenden zu berücksichtigen)
Teil (b) 10%
Teil (c) 30%
Teil (d) 30%

Mindestanforderung: 50%. Es kann aber keine der Teilleistungen vollständig ausgelassen werden.

Unentschuldigte Fehlstunden: max. 2.
Entschuldigte Fehlstunden: nach Ermessen im Einzelfall.

Prüfungsstoff

Wird in der LV bekanntgegeben (siehe Syllabus).

Literatur

Diese Literaturliste ist vorläufig und dient zur Orientierung hinsichtlich der Problematiken, mit denen sich die Veranstaltung inhaltlich und theoretisch beschäftigen wird. Die konkreten Textgrundlagen der jeweiligen Einheiten werden sich im Syllabus bzw. auf Moodle befinden.

Acharya, Amitav/Buzan, Barry (2017): Why is there no Non-Western International Relations Theory? Ten years on. In: International Relations of the Asia-Pacific 17 (3), 341-370.

Becker, Egon/Hummel, Diana/Jahn, Thomas (2011): Gesellschaftliche Naturverhältnisse als Rahmenkonzept. In: Groß, Matthias (Hg.): Handbuch Umweltsoziologie. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Bilgin, Pinar (2008): Thinking past 'Western' IR? In: Third World Quarterly 29 (1), 5-23.

Blaney, David L./Inayatullah, Naeem (2002): Neo-Modernization? IR and the Inner Life of Modernization Theory. In: European Journal of International Relations 8 (1), 103-137.

Brand, Ulrich/Wissen, Markus (2011): Die Regulation der ökologischen Krise. in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie 36 (2), 12-34.

Dussel, Enrique (1995): The Invention of the Americas. Eclipse of "the Other" and the Myth of Modernity. New York: The Continuum Publishing Company.

Horkheimer, Max (2011[1937]): Traditionelle und kritische Theorie. In: Ders. (Hg.): Traditionelle und kritische Theorie: Fünf Aufsätze. Frankfurt a. M.: Fischer.

Jones, Christopher S. (2003): Editor’s Introduction: Locating the ‘‘I’’ in ‘‘IR’’ - Dislocating Euro-American Theories. In: Global Society 17 (2), 107-110.

Jones, Branwen Gruffydd (2006): Decolonizing International Relations. Lanham, Boulder: Rowman & Littlefield Publishers.

Mignolo, Walter D. (2011): The Darker Side of Western Modernity: Global Futures, Decolonial Options. Durham, London: Duke University Press.

Quijano, Aníbal (2000): Coloniality of Power, Eurocentrism and Latin America. In: Nepantla: Views from South (1) 3, 533-580.

Shilliam, Robbie (2011): International Relations and Non-Western Thought. Imperialism, colonialism and the investigations of global modernity. New York: Routledge.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:38