Universität Wien
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210115 SE M8: Gender, Staat, Wohlfahrt: Geschlechterkritische Perspektiven auf ein angespanntes Verhältnis (2025W)

9.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 21 - Politikwissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

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Details

max. 50 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Dienstag 07.10. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 14.10. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 21.10. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 28.10. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 04.11. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 11.11. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 18.11. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 25.11. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 02.12. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 09.12. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 16.12. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 13.01. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 20.01. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock
  • Dienstag 27.01. 11:30 - 13:00 Hörsaal 2 (H2), NIG 2.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der Wohlfahrtsstaat wird gemeinhin mit sozialer Sicherung und Sozialleistungen in Verbindung gebracht, die darauf abzielen, das allgemeine Wohlergehen der Bürger*innen zu fördern. Im Gegensatz zu solchen normativen Vorstellungen haben kritische Politik- und Sozialwissenschaftler*innen die widersprüchliche und ambivalente Rolle des Wohlfahrtsstaates bei der Reproduktion und Absicherung, aber auch bei der potenziellen Milderung sozialer Ungleichheiten entlang der sozialen Kategorien Geschlecht, Race und Klasse hervorgehoben.

Feministische Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen haben in ähnlicher Weise eine politisch-strategische Skepsis gegenüber dem Wohlfahrtsstaat gewahrt. Einerseits wird kritisch festgehalten, dass der Wohlfahrtsstaat durch seine Politiken, Institutionen und Diskurse Frauen als „abhängig“ von erwerbstätigen Männern konstruiert und dadurch patriarchale Arbeitsteilung und Geschlechterverhältnisse weiter normalisiert und institutionell absichert. Andererseits gilt der Staat weiterhin als ein zentraler Adressat feministischer Politik und Anforderungen nach Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt und Gleichstellung. Die Tatsache, dass Frauen einen bedeutenden Anteil der Empfänger*innen von wohlfahrtsstaatlichen Leistungen ausmachen und in großer Zahl vom Staat beschäftigt werden, oft für reproduktive Aufgaben wie Kinderbetreuung und Gesundheitsversorgung, hat das Interesse von Feminist*innen am Wohlfahrtsstaat noch verstärkt.

Die Lehrveranstaltung handelt von dieser historischen Anspannung und widmet sich der geschlechterkritischen und politikwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Wohlfahrtsstaat aus historischen, empirischen und theoretischen Perspektiven. Sie behandelt dabei folgende Fragen:

In welchem Kontext ist der Wohlfahrtsstaat im Globalen Norden entstanden? Wie lässt sich sein historisches und strukturelles Verhältnis zum Patriarchat, Kapitalismus, Rassismus und Kolonialismus aber auch zur Demokratie und Gleichstellung beschreiben?
Wie wirken sich wohlfahrtsstaatliche Politiken auf Frauen? Welche Unterschiede lassen sich entlang der sozialen Kategorien Klasse und Race beobachten?
Wie lässt sich der neoliberale Umbau des Wohlfahrtsstaates und dessen Folgen für Frauen und andere marginalisierte Gruppen beschreiben? Welche neuen oder veränderten Bedeutungen kommen in diesem Zusammenhang Begriffen wie „Sozialhilfe“ und „Sozialhilfeempfänger*in“ zu?
Welches Potenzial hat der Wohlfahrtsstaat, Antworten auf die ineinandergreifende, vielfache (wirtschaftliche, sozialreproduktive, ökologische und humanitäre) Krisen und alt-neue gesellschaftliche Tendenzen (z.B. Militarisierung und Autoritarismus) zu liefern? Wo liegen seine Grenzen und inwiefern wird er selbst zum Auslöser oder Beschleuniger von Krisen?
Wie kann der Wohlfahrtsstaat feministisch-materialistisch, staatstheoretisch und hegemoniekritisch konzeptualisiert werden? Inwiefern kann eine solche Konzeptualisierung des Wohlfahrtsstaates dabei helfen, gesellschaftliche Verhältnisse der Ausbeutung und Unterdrückung empirisch zu erfassen und politisch herauszufordern?
Inwiefern werden Wohlfahrtsstaat und Sozialpolitik von rechtspopulistischen Parteien aktuell umgedeutet? (Stichwort: Wohlfahrtschauvinismus)
Ist ein feministischer und anti-rassistischer Wohlfahrtsstaat möglich?

Die Methode der LV ist die gründliche und kritische Auseinandersetzung (d.h. lesen, verstehen, wiedergeben, diskutieren) mit allen Pflichtlektüren und die Erbringung von verschiedenen Teilleistungen (s. unten).

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Um die Lehrveranstaltung positiv abzuschließen, müssen alle Teilleistungen fristgerecht, vollständig und positiv abgeschlossen werden. Diese sind:
(1) Aktive Mitarbeit, d.h. Lesen von allen Pflichtlektüren im Vorfeld, aktive Teilnahme in den Diskussionen im Plenum und in Murmelgruppen & Gruppenarbeiten, rechtzeitige und vollständige Abgabe aller Teilleistungen, Anwesenheitspflicht (Studierende dürfen max. 2 unentschuldigt fehlen)
(2) Abgabe von insgesamt 3 kleineren Hausübungen im Laufe des Semesters
(3) Verfassen, Präsentation & Diskussion eines Exposés
(4) Verpflichtende Teilnahme an einer Sprechstunde mit LV-Leiterin zu der geplanten Seminararbeit
(5) Verfassen & Abgabe einer Seminararbeit bis 31. März 2026
Es müssen dabei stets die Standards guter wissenschaftlicher Praxis eingehalten werden (https://politikwissenschaft.univie.ac.at/studium/informationen-fuer-studierende/#c176951). Die Nicht-Einhaltung dieser Standards kann zu negativer Beurteilung führen.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Endnote für die Lehrveranstaltung setzt sich folgendermaßen zusammen:
Aktive Mitarbeit (10 Punkte)
Abgabe von kleineren Hausübungen (20 Punkte)
Verfassen, Präsentation & Diskussion eines Exposés (25 Punkte)
Verpflichtende Teilnahme an einer Sprechstunde (10 Punkte)
Abgabe einer Seminararbeit (35 Punkte)

Notenschlüssel:
91-100: Sehr gut
81-90: Gut
71-80: Befriedigend
61-70: Genügend
0-60: Nicht Genügend

Prüfungsstoff

Alle wissenschaftlichen und fachdidaktischen Inhalte, die in der Lehrveranstaltung durchgenommen werden.

Literatur

Eine vollständige Literaturliste wird in der ersten Einheit bekanntgegeben.

Atzmüller, R., Décieux, F. & Ferschli, B. (Eds.) (2023). Ambivalenzen in der Transformation von Sozialpolitik und Wohlfahrtsstaat. Soziale Arbeit, Care, Rechtspopulismus und Migration. Beltz Juventa.
Blome, A., & Lepperhoff, J. (2024). Einleitung: Feministische Perspektiven auf Ambivalenzen des Sozialstaats. Femina Politica, 33(2), 9–22.
Daly, M. (2020): Gender inequality and welfare states in Europe. Edward Elgar Publishing.
Laufenberg, M. (2020). Radical Care und die Zukunft des Wohlfahrtstaats. Konturen einer paradoxen Politik der Sorge. BEHEMOTH A Journal on Civilisation, 13 (2), 99–120.
Ludwig, G., & Sauer, B. (Eds.) (2024). Das kälteste aller kalten Ungeheuer? Annäherungen an intersektionale Staatstheorie. Campus.
Pavolini, E., & Ranci, C. (2008). Restructuring the welfare state: Reforms in long-term care in Western European countries. Journal of European Social Policy, 18 (3), 246–259.
Sainsbury, D. (1996). Gender, equality, and welfare states. Cambridge University Press.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Fr 03.10.2025 13:07