Universität Wien FIND

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210118 SE M4: Internationale Politik und Entwicklung (2020S)

Neuer Autoritarismus - Implikationen für die internationale Politik

9.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 21 - Politikwissenschaft
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Eine Anmeldung über u:space innerhalb der Anmeldephase ist erforderlich! Eine nachträgliche Anmeldung ist NICHT möglich.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.

Beachten Sie die Standards guter wissenschaftlicher Praxis.

Die Lehrveranstaltungsleitung kann Studierende zu einem notenrelevanten Gespräch über erbrachte Teilleistungen einladen.
Plagiierte und erschlichene Teilleistungen führen zur Nichtbewertung der Lehrveranstaltung (Eintragung eines 'X' im Sammelzeugnis).

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 50 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Mittwoch 11.03. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 18.03. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 25.03. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 01.04. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 22.04. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 29.04. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 06.05. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 13.05. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 20.05. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 27.05. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 03.06. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 10.06. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 17.06. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock
Mittwoch 24.06. 08:00 - 09:30 Hörsaal 3 (H3), NIG 2. Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der berühmte Slogan „Das Ende der Geschichte“ erwies sich als historische Fehleinschätzung. Anstelle eines linearen Fortschritts hin zu liberalen Demokratien wurden wir Zeugen von neuen Krisenphänomenen der Demokratie, der Enttstehung von Grauzonen zwischen Demokratie und Autoritarismus und letztlich auch neuen Formen des Autoritarismus. Klassischer Autoritarismus strebt nach absolutem Gehorsam, richtet sich gegen individuelle Freiheiten und Freiheiten und ist immer bereit, Repressionen gegen Gegner anzuwenden. Neue autoritäre oder Grauzonenregime sind chamäleonartig - sie können sich an neue Umstände anpassen, sie haben eine institutionalisierte Vertretung einer Vielzahl von Akteuren und sie integrieren sogar demokratische Verfahren wie Wahlen und schaffen so eine Struktur, die gegen Veränderungen resistent ist.
Neue autoritäre Herrschaftsformen werden als attraktive, eher flexible und anpassungsfähige und schließlich funktionierende Systemalternativen wahrgenommen. Diese Regime sind in der Lage, Wettbewerbswahlen, Mehrparteiensysteme, Parlamente, Verfassungen und andere Elemente der Herrschaft, die normalerweise mit liberalen Demokratien verbunden sind, mit der Funktionslogik des Autoritarismus und mit Mechanismen und Techniken autoritärer Herrschaft (einschließlich offener oder subtiler Unterdrückung) zu kombinieren. Dies wirft global neue Fragen auf und fordert ein tieferes Überdenken der Konzepte von Autoritarismus und Demokratie.

1. Was ist das „Neue“ im zeitgenössischen Autoritarismus? Welche Schlüsselmerkmale definieren neue autoritäre oder Grauzonenregime, wie können wir sie heute konzipieren und (neu) denken, insbesondere aus verschiedenen disziplinären Perspektiven? Wie werden die Begriffe Macht, Herrschaft und Gehorsam in neuen autoritären oder Grauzonenregimen neu verhandelt?

2. Was macht diese Regime attraktiv, was ist ihr „Reiz“ für die Bürger? Welche „Güter“ und „Funktionen“ bieten die autoritären oder Grauzonenregime der Bevölkerung in den jeweiligen Ländern? Sehen wir eine neue Form der „autoritären Persönlichkeit“ auf globaler und regionaler Ebene (Stichwort Trump-isierung der Politik)?

3. Und mit Blick auf die Grauzone zwischen autoritärer und demokratischer Herrschaft: Wie integrieren die Regime quasi- oder formal-demokratische Verfahren, um ihre Herrschaft zu stärken? Was passiert mit dem Begriff Freiheit und Freiheit in neu autoritären oder Grauzonenregimen?

4. Was sind besondere Erfahrungen mit neuem Autoritarismus in bestimmten regionalen Kontexten, z.B. im post-sowjetischen Raum, in Südosteuropa, in der Türkei und der MENA-Region (einschließlich Ägypten) sowie in Asien?

5. Letztlich, welche Implikationen haben diese neuen autoritären Trends auf die internationale Politik?

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Es wird eine Mischung aus Terminen im Plenum, Terminen am oiip (Berggasse 7, 1090 Wien) sowie sogenannten individuellen Intensivterminen geben. Alle Termine werden in der ersten Einheit bekanntgegeben.

Leistungskontrolle erfolgt anhand intensiver und interaktiver Mitarbeit am Seminar, schriftlicher Leistungen sowie Teilnahme an und Reflexion über den Workshop.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

/ regelmäßige Teilnahme – maximal zweimaliges entschuldigtes Fehlen
/ Aktive Teilnahme am Seminar, Beteiligung an Diskussionen, Lesen von Texten
/ Verfassen der kurzen Reflexionsarbeiten während des Semesters (erste Aufgabe bis zur Einheit am 18.3., zweite Aufgabe bis zur Einheite am 1.4.)
/ Vorbereitung eines kurzen Input-Papers (zum selbstgewählten Thema der Seminararbeit) für die inhaltlichen Debatten und Präsentation desselben
/ Verfassen einer Seminararbeit im Umfang von etwa 12-15 Seiten.
/ Teilnahme am internationalen Workshop zum Autoritarismus am oiip
/ Beteiligung an der Gruppenarbeit zur Konzeption und Erstellung eines journalistischen Papers am Ende des Seminars

/ zentrale und wichtigste Anforderung für das Seminar ist jedoch Neugierde und Lust an kritischer Reflexion

Prüfungsstoff

Die Lehrveranstaltung ist prüfungsimmanent.

AKTUELLE INFORMATION, März 2020:

Der Betrieb wird mit dem Beginn des Semester (März 2020) auf Home-Learning umgestellt bzw. e-learning umgestellt.

Die Aufgabe für die laufende und kommende (ab 16.3.2020) Woche:

bis Montag am Abend (16.3.) eine kurze Mailnachricht schicken (von der Mail-Adresse, die Sie aktuell verwenden) mit einer kurzen schriftlichen Beschreibung Ihres Interesses am Thema und am Seminar bzw. Ihrer Erwartung vom Seminar:
- warum interessiert Sie das Thema?
- Was hat mich motiviert, ausgerechnet dieses Seminar zu besuchen?
- was erwarte ich mir vom Seminar, nicht zuletzt auch angesichts der besonderen Umstände am Beginn?

Weiters sollten Sie im Verlauf der kommenden 10 Tage (bis spätestens 23.3.) folgende zwei inhaltliche Aufgaben erledigen:

1) Schauen Sie sich folgendes Youtube-Video mit dem Vortrag von Prof. Wolfgang Merkel zum Thema „Die Krise der Demokratie“ an. Suchen Sie sich ein aus Ihrer Sicht besonders wichtiges Argument von Wolfgang Merkel aus und kommentieren Sie dieses bis 23.3. auf einer Seite. Recherchieren Sie zusätzlich dazu im Internet Medieberichte zum Thema „Krise der Demokratie“, finden Sie einen Medienbericht (kann ein Artikel sein, ein Kommentar, Kolumne etc.) dazu und schicke Sie mir diesen gemeinsam mit dem Kommentar zum Vortrag von Merkel bis 23.3.

2) Lesen Sie den beigefügten Artikel von Levitsky/Way „Competitive Authoritarianism“ durch und fassen Sie die Hauptargumente entweder tabelarisch oder graphisch zusammen. Die Zusammenfassung in einer Tabelle wäre also eine Auflistung der zentralen Argumente in Stichworten, bei der graphischen Darstellung sind Sie frei. Schicken Sie mir diese Aufgabe bis 26.3. zu.

In der Woche ab 23.3. werden weitere Informationen zur Verfügung gestellt. Ich werde auch noch die technischen Möglichkeiten überprüfen, um in den kommenden Wochen und für die Dauer der Später interaktive Online-Seminarstunde (vermutlich in kleineren Gruppen) abhalten zu können. Ich halte Sie da sowie bei allen relevanten Dingen in Bezug auf das Seminar regelmäßig auf dem Laufenden.

Literatur

Levitsky, Steven, and Lucan Way. “The Rise of Competitive Authoritarianism.” Journal of Democracy 13.2 (2002): 51-65

Johannes Gerschewski: The Three Pillars of Stability: Legitimation, Repression, and Co-optation in Autocratic Regimes, in: Democratization, 20:1 (2013), 13-38

Zakaria, Fareed. 1997. “The Rise of Illiberal Democracy” Foreign Affairs (November/December).

Rosanvallon, Pierre, 2010. Demokratische Legitimität : Unparteilichkeit - Reflexivität - Nähe, Hamburg

Krastev, Ivan, 2011. Paradoxes of New Authoritarianism, in: Journal of Democracy Volume 22, Number 2 April

Holger, Albrecht/Rolf Frankeberger (2011) Autoritäre Regime, Schwalbach

Kailitz, Steffe (2009). Stand und Perspektiven der Autokratieforschung. Zeitschrift für Politikwissenschaft 19/2009, p. 437–488

Carothers, Thomas, 2002. The End of the Transition Paradigm, in: Journal of Democracy, Volume 13, Number 1 January

Fukuyama, Francis. 1989. “The End of History” The National Interest, Summer 1989.

BiEPAG, The Crisis of Democracy in the Western Balkans. Authoritarianism and EU Stabilitocracy, Belgrade 2017

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:21