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220026 VO SPEZI: KOME Kommunikationsethik (2019S)

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Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

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Die VO KOME beginnt am 18.3.!

Montag 18.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 25.03. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 01.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 08.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 29.04. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 06.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 13.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 20.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 27.05. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 03.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03
Montag 17.06. 11:30 - 13:00 Hörsaal C1 UniCampus Hof 2 2G-O1-03

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Versteht man Kommunikation als unverzichtbare Voraussetzung menschlicher Individuation und zugleich von Gesellschaft insgesamt, dann wird deutlich, wie wichtig eine fundierte und kritische Auseinandersetzung mit Kriterien und Maßstäben zwischenmenschlicher Kommunikation ist. Eben darin liegt die zentrale Aufgabe einer Kommunikationsethik. Sie fragt nach Begründbarkeit und Rechtfertigungsmöglichkeit derjenigen Normen, die unser kommunikatives Handeln leiten. Insofern sind Fragen der Kommunikationsethik zugleich immer auch Fragen nach der sittlichen Qualität unseres kommunikativen Handelns. Die Vorlesung möchte dafür ein entsprechendes Problembewusstsein schaffen und Dimensionen einer möglichen kommunikationsethischen Reflexion zur Diskussion stellen. Ausgangspunkt der Überlegungen stellen dabei eine Reihe kommunikationsethischer Problemdiagnosen dar:

o Zunächst ist festzustellen, dass in der modernen Kommunikationswissenschaft kommunikationsethische Fragen wenn überhaupt, dann ausschließlich im Kontext von Journalismus und Massenkommunikation gestellt werden. Als das für Kommunikation zuständige Reflexionssystem hat Kommunikationswissenschaft jedoch nicht nur mit Phänomenen der Massenkommunikation zu tun, sondern muss auch den gesamten Bereich zwischenmenschlicher Kommunikation einschließlich ihrer normativen Steuerung entsprechend berücksichtigen.

o Darüber hinaus ist zu bedenken, dass inmitten einer sowohl kommunikationspraktischen wie auch kommunikationstheoretischen Fixierung auf die bloße Funktionalität kommunikativer Prozesse, Fragen nach den Kriterien und möglichen Maßstäben sittlich "guten" kommunikativen Handelns verloren gehen. Der Gleichung "gute" Kommunikation ist "funktionierende" Kommunikation liegt ein strategisch-instrumentelles Verständnis von Kommunikation zu Grunde und unterwirft Kommunikation einer ausschließlichen Zweck-Mittel-Relation. Verloren geht dabei der unverzichtbare Anspruch, interpersonale Kommunikation auch in ihrer existenziellen Dimension und ihrem Eigenwert zu begreifen.

o Daraus wird schließlich erkennbar, dass die Auseinandersetzung mit Kommunikationsethik für die Kommunikationswissenschaft zugleich auch die Chance enthält, eine Auseinandersetzung mit ihren eigenen Denkvoraussetzungen zu pflegen. Geht es doch dabei um die Frage, von welchem Kommunikationsverständnis die wissenschaftliche Wahrnehmung kommunikativer Phänomene gesteuert wird, also welche meist verborgenen normativen Erwartungen kommunikationswissenschaftlichen Forschungs- und Reflexionsprozessen zu Grunde liegen.

o Damit in Zusammenhang geht es nicht zuletzt auch um das grundsätzliche Verhältnis zwischen Einzelwissenschaften (Sozialwissenschaften) und Philosophie. Zwar kann sozialwissenschaftlich, also empirisch festgestellt werden, was in jeweiligen sozialen Kontexten (z. B. Journalismus) als (berufs-)moralisch gilt, jedoch muss im Kontext einzelwissenschaftlichen Denkens die Frage nach möglichen Begründungen bzw. Rechtfertigungen ausgeklammert bleiben. Wer sich für die Frage interessiert, ob das, was als gut gilt, auch sittlich gut ist, der muss die Sozialwissenschaft in Richtung Moralphilosophie übersteigen.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Prüfung mit offenen Fragen.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Vor dem Hintergrund dieser grundsätzlichen Erwägungen versucht die Vorlesung Grundlinien einer Kommunikationsethik zu skizzieren. Die Überlegungen speisen sich dabei aus drei unterschiedlichen Traditionen:
o Zum einen aus der Tradition kommunikationsethischer Reflexion innerhalb der Disziplin - wie etwa der Diskursethik von J. Habermas, aber auch der Auseinandersetzung mit dem systemrationalen bzw. konstruktivistischen Verständnis journalistischer Ethik.
o Zum anderen greifen die Überlegungen auf die Grundlagen der Dialogphilosophie des 20. Jahrhunderts zurück - wie vorrangig bei M. Buber formuliert.
o Ein Schwerpunkt der Auseinandersetzung ist schließlich der neueren Rezeption des Anerkennungsbegriffs gewidmet - wie er in der Tradition von Fichte und Hegel durch A. Honneth übernommen und weiterentwickelt wurde. Es soll gezeigt werden, dass der Anerkennungsbegriff ein zentrales kommunikationsethisches Prinzip darstellt, dessen Bedeutung sowohl für interpersonale als auch massenkommunikative Beziehungen Gültigkeit beanspruchen kann.
Auf diese Weise möchte die Vorlesung nicht nur gleichsam abstrakt für kommunikationsethische Problemstellungen sensibilisieren, sondern zugleich auch einen Beitrag zur kritischen Selbstreflexion (eigener) kommunikativer Praxis leisten.

Prüfungsstoff

Wird in der LV bekannt gegeben.

Literatur

Aristoteles (2015): Buch VIII. In: Aristoteles: Nikomachische Ethik. Stuttgart: Reclam. S. 213-223.
Auer, Alfons (1996): Verantwortete Vermittlung. Bausteine einer medialen Ethik. In: Wilke, Jürgen (Hrsg.): Ethik der Massenmedien. Wien: Braumüller. S. 41-52.
Boventer, Hermann (1992): Der Journalist in Platons Höhle. Zur Kritik des Konstruktivismus. In: Communicatio Socialis, 25(2). S. 157-167.
Düsing, Edith (2000): Modelle der Anerkennung und Identität des Selbst (Fichte, Mead, Erikson). In: Schild, Wolfgang (Hrsg.): Anerkennung. Interdisziplinäre Dimensionen eines Begriffs. Würzburg: Königshausen und Neumann. S. 99-127.
Gottschlich, Maximilian (1983): Journalismus als ethisches Problem. Anmerkungen zur Selbstgefährdung der Demokratie. In: Kohl, Andreas/Stirnemann, Alfred (Hrsg.): Österreichisches Jahrbuch für Politik '83. Oldenbourg: Verlag für Geschichte und Politik.
Gottschlich, Maximilian (1999): Journalistische Ethik zwischen Idealisierung und Ideologieverdacht. In: Gottschlich, Maximilian: Die Welt ist, wie wir sie denken. Zur Kulturkritik der Mediengesellschaft. Analysen und Essays 1980-1999. Wien: Springer. S. 135-165.
Gottschlich, Maximilian (1999): Plädoyer für eine neue Medienethik. In: Gottschlich, Maximilian: Die Welt ist, wie wir sie denken. Zur Kulturkritik der Mediengesellschaft. Analysen und Essays 1980-1999. Wien: Springer. S. 176-181.
Gottschlich, Maximilian (1999): Der Anspruch der Freiheit. In: Gottschlich, Maximilian: Die Welt ist, wie wir sie denken. Zur Kulturkritik der Mediengesellschaft. Analysen und Essays 1980-1999. Wien: Springer. S. 166-175.
Gottschlich, Maximilian (2007): Das A.R.Z.T-Modell empathischer Kommunikation. In: Gottschlich, Maximilian: Medizin und Mitgefühl. Die heilsame Kraft empathischer Kommunikation. Wien: Böhlau. S. 208-237.
Gottschlich, Maximilian (2016): Journalismus im Umbruch. Über die unheimliche Ambivalenz des Digitalen. In: Herczeg, Petra / Lojka, Klaus (Hrsg.): Orientierung & Erkenntnis. Über das Unverzichtbare im Journalismus. Gedenkschrift für Hannes Haas. Wien: Facultas Verlag. S. 23-34.
Habermas, Jürgen (1991): Vom pragmatischen, ethischen und moralischen Gebrauch der praktischen Vernunft. In: Habermas, Jürgen: Erläuterungen zur Diskursethik. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 100-118.
Hausmanninger, Thomas (2002): Grundlegungsfragen der Medienethik: Für die Rückgewinnung der Ethik durch die Kommunikationswissenschaft. In: Publizistik, 47(3). S. 280-294.
Honneth, Axel (1992): Anerkennung und Vergesellschaftung: Meads naturalistische Transformation der Hegelschen Idee. In: Honneth, Axel: Kampf um Anerkennung. Zur moralistischen Grammatik sozialer Konflikte. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 114-147.
Honneth, Axel (1992): Muster intersubjektiver Anerkennung: Liebe, Recht, Solidarität. In: Honneth, Axel: Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S.148-211.
Honneth, Axel (2003): Unsichtbarkeit. Über die moralische Epistemologie von „Anerkennung“. In: Honneth, Axel: Unsichtbarkeit. Stationen einer Theorie der Intersubjektivität. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 10-27.
Honneth, Axel (2005): Der Vorrang der Anerkennung. In: Honneth, Axel: Verdinglichung. Eine anerkennungstheoretische Studie. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S. 46-61.
Hütig, Andreas (2003): Konventionen und Deliberationen. Die Diskursethik und die massenmediale Öffentlichkeit. In: Debatin, Bernhard/Funiok, Rüdiger (Hrsg.): Kommunikations- und Medienethik. Konstanz: UVK. S. 111-125.
Kant, Immanuel (1996): Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen. In: Kant, Immanuel: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Stuttgart: Reclam. S. 28-72.
Rühl, Manfred/Saxer, Ulrich (1981): 25 Jahre Deutscher Presserat. Ein Anlaß für Überlegungen zu einer kommunikationswissenschaftlich fundierten Ethik des Journalismus und der Massenkommunikation. In: Publizistik, 26(4): 471-50

Die gesamte Literatur wird in der LV bekannt gegeben.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 29.10.2019 10:48