Universität Wien

230037 UE B7 Rekonstruktive Forschung und Dokumentarische Methode (2026S)

Methoden der interpretativen Sozialforschung (Übung)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 23 - Soziologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Dienstag 03.03. 09:45 - 13:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 1, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
  • Dienstag 17.03. 09:45 - 13:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 1, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
  • Dienstag 14.04. 09:45 - 13:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 1, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
  • Dienstag 12.05. 09:45 - 13:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 1, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
  • Dienstag 09.06. 09:45 - 13:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 1, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
  • Dienstag 23.06. 09:45 - 13:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 1, Rooseveltplatz 2, 1.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Studierende erhalten einen theoretischen und praxisorientierten Einblick in die interpretative Forschung mit Schwerpunkt auf rekonstruktive Forschung. Ziel ist es, die methodologischen Grundzüge interpretativer Forschung zu verinnerlichen und sich intensiver mit der Dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack (2021) auseinanderzusetzen, Sinn und Einsatzmöglichkeiten zu verstehen und die einzelnen Schritte des Analyseverfahrens zu erlernen.
Die dokumentarische Methode ist bekannt dafür, implizites, atheoretisches (und damit latentes) Wissen neben dem manifesten Inhalt von Texten (Interviews, Gruppendiskussionen) und Bildern zu fokussieren und damit Handlungspraktiken und Sinnstrukturen einer Akteur*innengruppe zu rekonstruieren.
Am Beispiel von zur Verfügung gestellten Sekundärdaten (empirisches Materialien aus kindheits-, familien-, und stadtsoziologischen Projekten) sollen alltägliche gemeinsame Ordnung und Erfahrungsräume und damit Wissensbestände und Sinngehalt durch schrittweise Interpretation "freigelegt" werden.

Methoden:
Gruppenarbeit, individuelles Lesen relevanter Methodentexte samt schriftlichen Exzerpten; Präsentationen (Spotlights, Stand der Analyse); Datenanalyse; schriftlicher Bericht;
Die Studierenden bekommen einerseits einen methodologischen Einblick zu Sinn und Zweck des Verfahrens – anhand von selbstständig zu lesenden Texten werden zentrale Annahmen des Paradigmas, methodische Vorgehensweisen und aktuelle Studien erarbeitet und gemeinsam diskutiert. Andererseits führen Studierende parallel dazu eine eigenständige rekonstruktive Analyse in Kleingruppen anhand einer Fragestellung und zur Verfügung gestelltem Material durch. Im Vordergrund steht die gemeinsame Analyse der Daten in Interpretationssitzungen und die Aufarbeitung und Darstellung der Ergebnisse. Die eigene Durchführung soll am Ende in einem Referat und in einem schriftlichen Bericht mit gelesener methodologischer Literatur zur Methode verbunden dargestellt werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

• Aktive Mitarbeit in der Übung in Form von Diskussionsbeiträgen und kurzer Präsentationen
• Eigenständige Lektüre der Pflichtliteratur und drei Abgaben von Kurzexzerpten
• Auswertung bereitgestellter Datenmaterialien mittels der erlernten Dokumentarischen Methode in einer Kleingruppe;
• Präsentation der Analyseergebnisse in einer Kleingruppe
• Erstellen eines schriftlichen Berichtes (unter Einbezug der Pflichtliteratur) samt Reflexion der eigenständigen Durchführung in der Kleingruppe

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Hinweis der SPL Soziologie:
Die Lehrveranstaltungsleitung kann eine Regelung über das Ausmaß der Anwesenheitspflicht festlegen. Für Studierende besteht kein grundsätzliches Recht auf einen festgelegten Anteil erlaubter Abwesenheit, unabhängig von den Gründen. Die Einhaltung der Anwesenheitspflicht ist eine Mindestanforderung für eine positive Beurteilung. Wenn Studierende aus wichtigen Gründen an Lehreinheiten nicht teilnehmen können und/oder wenn krankheitsbedingt Teilleistungen nicht erbracht werden konnten, kann die Lehrveranstaltungsleitung Ersatzleistungen einräumen.
In Hinblick auf An- und Abmeldung zu (bzw. den Abbruch von) prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen gilt § 10 des studienrechtlichen Satzungsteils.
Alle Teilleistungen müssen erbracht werden, um eine positive Beurteilung erlangen zu können.
Führt das Ergebnis der zentralen schriftlichen Teilleistung dazu, dass eine negative Beurteilung der gesamten prüfungsimmanenten Lehrveranstaltung droht, wird eine Verbesserungsmöglichkeit eingeräumt. Die Kriterien sowie eine angemessene Frist für die Verbesserung werdenin der Lehrveranstaltungbekannt gegeben.
Im Zuge der Beurteilung kann eine Plagiatssoftware (Turnitin) zur Anwendung kommen.
Zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis kann die Lehrveranstaltungsleitung ein mündliches Nachfragen zur Plausibilisierung vorsehen. Studierende haben dabei eine Mitwirkungspflicht. Eine erschlichene Leistung (Plagiat, Schummeln etc.) wird auf dem Sammelzeugnis als solche ausgewiesen (Eintragung eines "X") und zählt als Prüfungsantritt.
Die Verwendung von KI-Tools ist nur dann erlaubt, wenn dies von der Lehrveranstaltungsleitung explizit vorgesehen ist. Jede Verwendung von KI ist zu dokumentieren, und die Guidelines der Universität Wien zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) in der Lehre sind zu beachten: https://phaidra.univie.ac.at/detail/o:2092606
Wurde eine Teilleistung erschlichen, d.h. es wurde etwa bei einer Prüfung oder einem Test geschummelt, bei einer schriftlichen Arbeit plagiiert, KI missbräuchlich oder undokumentiert verwendet oder die Unterschrift auf Anwesenheitslisten gefälscht, wird die gesamte Lehrveranstaltung als "nicht beurteilt" gewertet und entsprechend erfasst. Diese und weitere Bestimmungen finden sich im studienrechtlichen Satzungsteil: https://satzung.univie.ac.at/studienrecht/.
Studierende, die eine prüfungsimmanente Lehrveranstaltung bereits dreimal negativ absolviert haben und sich für einen vierten Antritt anmelden wollen, kontaktieren bitte die StudienServiceStelle Soziologie während der Anmeldephase (vgl. Zusatzinformation "Dritte Wiederholung bei prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen": https://soziologie.univie.ac.at/info/pruefungen/#c56313)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Mindestanforderungen:
(1) Anwesenheitspflicht und Mitarbeit: Da die LVA geblockt abgehalten wird, dürfen nur 1,5 Einheiten gefehlt werden; bei 2 Einheiten ist eine Kompensationsleistung zu erbringen, bei 3 von 7 Einheiten Fehlzeit, kann die LVA nicht mehr positiv absolviert werden
(2) Exzerpt-Abgaben (mindestens 1 von 3 Exzerpten muss vorliegen) (Abgaben am 15.3., 12.4., 26.4)
(3 und 4) Schriftlicher Bericht zur Durchführung der Analyse in der Gruppe (Abgabe Termin 1 bis 15.07.2026 - Note bis 31.07.2026; Abgabe Termin 2 bis 31.08.2026 - Note bis 15.09.2026)

(1) Aktive Mitarbeit, Spotlight und Beteiligung im Plenum durch konstruktive Wortmeldungen (20 Punkte)
(2) Lektüre der Pflichtliteratur und Verfassen von 3 Exzerpten (30 Punkte)
(3) Analyse von Daten mittels Dokumentarischer Methode und Präsentation in der Kleingruppe (20 Punkte)
(4) Schriftlicher Bericht in der Gruppe (30 Punkte)

Für eine positive Beurteilung der Lehrveranstaltung sind 60 Punkte erforderlich
1 (sehr gut) 100-90 Punkte | 2 (gut) 89-81 Punkte | 3 (befriedigend) 80-71 Punkte | 4 (genügend) 70-60 Punkte | 5 (nicht genügend) 59-0 Punkte

Prüfungsstoff

Alle in der Lehrveranstaltung durchgenommenen Inhalte, insbesondere auch die zur Verfügung gestellten Folien und Pflichtlektüre. Weiterführendes, unterstützendes Material befindet sich auf Moodle.

Literatur

Literatur (Auswahl):
Bohnsack, Ralf (2021): Rekonstruktive Sozialforschung. 10., durchgesehene Auflage; UTB.
Bohnsack, Ralf (2025): Dokumentarische Methode und Praxeologische Wissenssoziologie in der Analyse organisationaler Bildungsprozesse und ihrer Bezüge zur Macht. In: Wimmer, Christopher, Tafner, Georg (Hrsg.), Grundbildung und Habitus. Springer VS, S. 119-145.
Froschauer, Ulrike; Lueger, Manfred (2025): Das qualitative Interview. Facultas.
Froschauer, Ulrike; Lueger, Manfred (2009): Interpretative Sozialforschung: Der Prozess. UTB.
Karies, Christoph (2021): Variationen Formulierender und Reflektierender Interpretation in der dokumentarischen Interviewanalyse. In Graalmann, Katharina; Jäde, Sylvia; Katenbrink, Nora, & Schiller, Daniel (Hrsg.), Dokumentarisches Interpretieren als reflexive Forschungspraxis, Springer, S. 95-116.
Kanter, Heike (2018): Dokumentarische Methode. In: Akremi, Leila; Baur, Nina; Knoblauch, Hubert; Traue, Boris (Hrsg.): Handbuch Interpretativ forschen. Beltz Juventa, S. 479-505.
Kleemann, Frank; Krähnke, Uwe; Matuschek, Ingo (2013): Interpretative Sozialforschung. Eine Einführung in die Praxis des Interpretierens. Springer.
Nohl, Arnd-Michael (2017). Interview und Dokumentarische Methode. Anleitungen für die Forschungspraxis, 5. Auflage; Springer VS.
Nohl, Arnd-Michael (2016): Innovationen in der dokumentarischen Interpretation narrativer Interviews. In: Sozialer Sinn, 17(2), S. 329-354.
Reichertz, Jo (2018). Interpretieren in Interpretationsgruppen. In: Akremi, Leila; Baur, Nina; Knoblauch, Hubert; Traude, Boris (Hrsg.), Handbuch Interpretativ forschen. Beltz Juventa, S. 72-107.
Przyborski, Aglaja; Wohlrab-Sahr, Monika (2021): Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch (5., überarbeitete und erweiterte Auflage). De Gruyter Oldenbourg.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Im auslaufenden Bachelorstudiengang Soziologie: in Kombination mit "B7 UE Qualitative Methoden - Vertiefung" Äquivalent zu BA M3 SEUE Qualitative Methoden

Letzte Änderung: Di 24.03.2026 15:07