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Achtung! Das Lehrangebot ist noch nicht vollständig und wird bis Semesterbeginn laufend ergänzt.

230126 WS Gesellschaftsdiagnosen: Die Religion der Gesellschaft und ihr Geltungsverlust in der Moderne (2018W)

4.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 23 - Soziologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

Details

max. 35 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

Donnerstag 04.10. 13:00 - 15:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Donnerstag 18.10. 13:00 - 15:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Donnerstag 25.10. 13:00 - 15:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Donnerstag 08.11. 13:00 - 15:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Donnerstag 22.11. 13:00 - 15:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Donnerstag 29.11. 13:00 - 15:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Donnerstag 06.12. 13:00 - 15:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Donnerstag 17.01. 13:00 - 15:45 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
Mittwoch 23.01. 10:00 - 12:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

In der Moderne hat ein religiöses Weltbild einen massiven Geltungsverlust erfahren - theoretisch, aber auch praktisch. Deutlich wird dies besonders, wenn man sich die Funktionsweise der modernen Gesellschaft betrachtet. Hier zeigt sich, dass ein religiöses Denken, insbesondere ein religiös begründetes System an Normen, in den verschiedenen Funktionssystemen der modernen Gesellschaft keine oder doch nur noch eine marginale Relevanz besitzt. In Wirtschaft, Recht, Erziehung, Gesundheit, Wissenschaft, Massenmedien oder etwa auch - zumindest in den modernen Demokratien - im System der Politik ist ein religiöses Denken fortschreitend funktionslos geworden. Nur in einem gesellschaftlichen System, nämlich dem der Religion mit seinen vielen verschiedenen Gruppen und Organisationen, ist es weiterhin von grundlegender, genauer: von systemerhaltender Bedeutung. Für die Erhaltung des gesellschaftlichen Systems hingegen gilt dies nicht mehr länger. Hier scheint die Religion nur noch die paradoxe Funktion zu haben, ein Denken aus der Zeit der Vormoderne - Luhmann spricht von einem "semantischen Survival" - zu konservieren.
Die These vom Geltungsverlust der Religion in der Moderne ist für das Selbstverständnis der Soziologie von theoretisch grundlegender Bedeutung. Empirisch ist sie von unbestreitbarer Evidenz. Gleichwohl steht sie im Widerspruch zu einer Beobachtung, die irritierend ist. Denn nach wie vor zeigt sich, dass der Glaube an die Existenz eines göttliches Wesen sich im Denken vieler Menschen quer durch alle Schichten hindurch und entgegen der 'gottlosen' Operationslogiken der modernen gesellschaftlichen Funktionssysteme hartnäckig erhalten hat. Dabei fällt auf, dass die Ausdrucksformen religiösen Denkens und Handelns sich in der Moderne fortschreitend heterogener darstellen. Insbesondere in demokratisch verfassten Gesellschaften mit hohem Migrationsniveau ist es zu - in dieser Dimension - neuartigen religiösen Pluralisierungsprozessen gekommen. Sie gingen teilweise mit Prozessen der religiösen Individualisierung einher, teils sind aber auch neuartige Formen eines religiösen, mitunter gewaltbereiten Fundamentalismus entstanden. Und nicht zuletzt sei erwähnt, dass - inmitten einer weiterhin religiös denkenden Mehrheit in der Bevölkerung - die Zahl der Menschen, die die Welt und ihr Leben darin ohne Bezug auf ein göttliches Wesen begreifen wollen, vor allem in den Ländern der westlichen Welt in den letzten 200 Jahren beständig zugenommen hat.
Wie, das ist die soziologisch spannende Frage, kann diese Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, also die Gleichzeitigkeit der religiösen Denklogik der Vormoderne in der ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Verständnis nach säkular(isiert)en Moderne, soziologisch verstanden werden? Und wie kann sich die Soziologie als Reflexionswissenschaft der Moderne in diesem Kontext positionieren, ohne dabei Gefahr zu laufen, einem mehr oder minder moralisierendem Aufklärungsfundamentalismus oder einem funktionalistischem Sinnrelativismus zu verfallen?

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Verfassen einer Seminararbeit, aktives Mitdenken und Teilnahme an Gruppen- und Penumsdiskussionen, gründliche Lektüre der Seminarliteratur, Gruppenpräsentation, Anwesenheit.

Hinweis der SPL: bei Feststellung einer erschlichenen Teilleistung (Abschreiben, Plagiieren, Ghostwriting, etc.) muss die gesamte Lehrveranstaltung als geschummelt gewertet und als Antritt gezählt werden.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Kleinere schriftliche Arbeiten (Anteil an Gesamtnote: 20% ), (Gruppen-)Referat inkl. Handout (20%), Seminararbeit (60%), aktive Teilnahme, Anwesenheit.

Prüfungsstoff

Seminarliteratur, Präsentationen des SL, Seminardiskussionen

Literatur

Die Seminarliteratur wird in der ersten Sitzung übermittelt.

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

in 505: BA T2 WS Gesellschaftdiagnosen

Letzte Änderung: Mi 20.02.2019 14:08