Universität Wien
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230137 SE M6 Gewalt und Geschlecht - Fokus psychische Gewalt (2026S)

5.00 ECTS (2.00 SWS), SPL 23 - Soziologie
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

An/Abmeldung

Hinweis: Ihr Anmeldezeitpunkt innerhalb der Frist hat keine Auswirkungen auf die Platzvergabe (kein "first come, first served").

Details

max. 25 Teilnehmer*innen
Sprache: Deutsch

Lehrende

Termine (iCal) - nächster Termin ist mit N markiert

  • Samstag 07.03. 13:15 - 18:15 Seminarraum H10, Rathausstraße 19, Stiege 2, Hochparterre
  • Samstag 28.03. 09:30 - 18:00 Seminarraum 6, Kolingasse 14-16, EG00
  • Freitag 17.04. 09:30 - 18:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock
  • Freitag 24.04. 09:30 - 18:00 Inst. f. Soziologie, Seminarraum 3, Rooseveltplatz 2, 1.Stock

Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die LV-Angebot richtet sich an MA-Studierende, die an Analysen zu Gewalt und Geschlecht interessiert sind. Es bietet Spezialisierung im Bereich der Gewaltprävention. Wir richten den Fokus in diesem Seminar zu „Gewalt und Geschlecht“ auf die im Vergleich zu physischer Gewalt selten erkannten und benannten Gewaltformen (psychische, ökonomische, sexualisierte, symbolische, strukturelle, institutionelle und digitale Gewalt). Psychische Gewalt findet oft unsichtbar im sogenannten privaten Raum statt. Diese Unsichtbarkeit – an der Oberfläche – ist Teil einer Gewaltdynamik und -spirale. An der Spitze der sichtbaren Oberfläche stehen Femizide, welchen fast immer lange Gewaltverhältnisse und -beziehungen vorausgehen. Geschlechtsspezifische Gewalt wird als gesellschaftliches Problem analysiert.
Im Seminar beziehen wir Expertisen und Erfahrungswissen aus der psychosozialen Beratungspraxis ein. Diese Expertise wurde in den vergangenen Dekaden gebildet und auf nationalen Ebenen sowie international professionalisiert. Mit der Professionalisierung gingen das Schaffen von Datenbanken, Reports (FRA, EIGE und Eurostat 2024) und von Broschüren zur Gewaltprävention einher (F*bF* 2025, 2024, 2022), sowie das Bereitstellen von Fortbildungsangeboten für Berufsgruppen in Bildung, Erziehung und im Gesundheitswesen, verbunden mit dem Ziel, Auswege aus Gewaltdynamiken und -spiralen zu ermöglichen und gesellschaftliche sowie gesellschaftspolitische Awareness zu schaffen. Unsichtbare, psychische Gewalt findet auch im Vorfeld von physischer Gewaltausübung statt, sie bereitet physischen Gewalttaten den Boden beziehungsweise ist Teil davon. Im Seminar werden Analysen zu Gewaltdynamiken vorgestellt und Fachbegriffe wie gaslighting erläutert. Es werden Gewaltdynamiken diskutiert, die Studierende aus Beobachtungen kennen und teils – im sozialen Umfeld oder auch persönlich – erlebt haben. Im Seminar wird daher großer Wert auf die Vermittlung und Verbindung von theoretischem Wissen und empirischen Erkenntnissen aus der (Beratungs-)Praxis gelegt. Die zeitlichen Ressourcen und der zeitliche Rahmen der (Themen-)Blöcke sind daraufhin ausgelegt, Spielraum für Interessen von Studierenden und selbstgewählte Literatur mit einzubeziehen, wie etwa auch Erkenntnisse aus den Queer Studies im Zusammenhang mit Analysen zu Gewalt und Geschlecht jenseits heteronormativer und genderdichotomer Konzepte.
Die Studierenden haben die Möglichkeit, theoretisches Vorwissen aus der Geschlechterforschung einzubringen. Von der Seminarleitung werden Materialien aus der Beratungspraxis als Unterlagen zur Verfügung gestellt, diese dienen auch zur Bearbeitung von spezifischen Themenstellungen in Kleingruppen.
Im Seminar werden aktuelle Studien zum Thema Femizide und Femizidversuche des IKF (Haller et al. 2023, 2025a, 2025b) Expertisen und Literatur von “Frauen* beraten Frauen*“ (2025, 2024, 2022) und von EIGE – European Institute for Gender Equality (2022) als Datengrundlagen und Konzepte zur Analyse und Prävention von geschlechtsbezogener Gewalt einbezogen (https://eige.europa.eu/gender-based-violence). Darüber hinaus stellen wir Medien vom AÖF – autonome österreichische Frauenhäuser vor, um Begrifflichkeiten aus der Beratungspraxis sowie Expertisen zur Beseitigung und Prävention von Gewalt zu verdeutlichen.
In das Seminar fließen das theoretische und empirische Wissen von Gerlinde Mauerer und Bettina Zehetner als (auch) ehemaligen Mitarbeiterinnen eines Wiener Frauenhauses ein. Ebenso ist Bettina Zehetner seit 25 Jahren Mitarbeiterin zweier (Frauen- und Familien-)Beratungsstellen in Wien in und als Ausbildungsleiterin in feministischer und frauen*spezifischer Beratungspraxis tätig (Zehetner 2025, 2024, 2021, 2017).
Wir diskutieren im Seminar, wie Wege aus hierarchischen und gewaltvollen Beziehungen und sogenannten „Gewaltspiralen“ – basierend auf der empirischen Forschung – auf individueller und gesellschaftlicher Ebene gestaltbar sind.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

40% - Ausarbeitung von Textvorbereitungen, Bearbeitung von ausgewählten Fragestellungen anhand der Basislektüre des Workshops und Präsentation im Rahmen einer Arbeitsgruppe
(Referat)

20% - Anwesenheit bei den 4 Seminarblöcken, aktive Mitarbeit und Diskussionsteilnahme (Unterschriftenlisten), Ersatzleistung für begründete Abwesenheit vom Seminar (maximal 1 Block): 2 Textseiten schriftliche Reflexion zu jedem der behandelten Texte sowie gegebenenfalls zu weiterem Material im Fall von Abwesenheit bei Gastvorträgen, Inputs oder Übungen

40% - Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit

Erlaubte und erwünschte Hilfsmittel: Alle von den LV-Leiterinnen genannten Texte und Medienprodukte (Listen und Links finden sich auf Moodle) sowie gerne weitere selbstgewählte, zum LV-Thema passende Texte.

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Hinweis der SPL Soziologie:
Die Lehrveranstaltungsleitung kann eine Regelung über das Ausmaß der Anwesenheitspflicht festlegen. Für Studierende besteht kein grundsätzliches Recht auf einen festgelegten Anteil erlaubter Abwesenheit, unabhängig von den Gründen. Die Einhaltung der Anwesenheitspflicht ist eine Mindestanforderung für eine positive Beurteilung. Wenn Studierende aus wichtigen Gründen an Lehreinheiten nicht teilnehmen können und/oder wenn krankheitsbedingt Teilleistungen nicht erbracht werden konnten, kann die Lehrveranstaltungsleitung Ersatzleistungen einräumen.
In Hinblick auf An- und Abmeldung zu (bzw. den Abbruch von) prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen gilt § 10 des studienrechtlichen Satzungsteils.
Alle Teilleistungen müssen erbracht werden, um eine positive Beurteilung erlangen zu können.
Führt das Ergebnis der zentralen schriftlichen Teilleistung dazu, dass eine negative Beurteilung der gesamten prüfungsimmanenten Lehrveranstaltung droht, wird eine Verbesserungsmöglichkeit eingeräumt. Die Kriterien sowie eine angemessene Frist für die Verbesserung werdenin der Lehrveranstaltungbekannt gegeben.
Im Zuge der Beurteilung kann eine Plagiatssoftware (Turnitin) zur Anwendung kommen.
Zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis kann die Lehrveranstaltungsleitung ein mündliches Nachfragen zur Plausibilisierung vorsehen. Studierende haben dabei eine Mitwirkungspflicht. Eine erschlichene Leistung (Plagiat, Schummeln etc.) wird auf dem Sammelzeugnis als solche ausgewiesen (Eintragung eines "X") und zählt als Prüfungsantritt.
Die Verwendung von KI-Tools ist nur dann erlaubt, wenn dies von der Lehrveranstaltungsleitung explizit vorgesehen ist. Jede Verwendung von KI ist zu dokumentieren, und die Guidelines der Universität Wien zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) in der Lehre sind zu beachten: https://phaidra.univie.ac.at/detail/o:2092606
Wurde eine Teilleistung erschlichen, d.h. es wurde etwa bei einer Prüfung oder einem Test geschummelt, bei einer schriftlichen Arbeit plagiiert, KI missbräuchlich oder undokumentiert verwendet oder die Unterschrift auf Anwesenheitslisten gefälscht, wird die gesamte Lehrveranstaltung als "nicht beurteilt" gewertet und entsprechend erfasst. Diese und weitere Bestimmungen finden sich im studienrechtlichen Satzungsteil: https://satzung.univie.ac.at/studienrecht/.
Studierende, die eine prüfungsimmanente Lehrveranstaltung bereits dreimal negativ absolviert haben und sich für einen vierten Antritt anmelden wollen, kontaktieren bitte die StudienServiceStelle Soziologie während der Anmeldephase (vgl. Zusatzinformation "Dritte Wiederholung bei prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen": https://soziologie.univie.ac.at/info/pruefungen/#c56313)

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

40%
Ausarbeitung von Textvorbereitungen, Bearbeitung von ausgewählten Fragestellungen anhand der Basislektüre des Workshops und Präsentation im Rahmen einer Arbeitsgruppe (Referat mit Handout mit kurzem Überblick des Inputs bis spätestens 3 Tage vor dem jeweiligen Seminarblock per Mail an die LV-Leiterinnen), Textinhalte sowie Reflexionsprozess der Arbeitsgruppe
Notenverbesserungsmöglichkeit durch inhaltlich exzellente Präsentation der bearbeiteten Texte und Themen sowie Bezug auf weitere in der LV behandelte Texte.
20%
Anwesenheit bei den 4 Seminarblöcken, aktive Mitarbeit und Diskussionsteilnahme (Unterschriftenlisten), Ersatzleistung für begründete Abwesenheit vom Seminar (maximal 1 Block): 2 Textseiten schriftliche Reflexion zu jedem der behandelten Texte sowie gegebenenfalls zu weiterem Material im Fall von Abwesenheit bei Gastvorträgen, Inputs oder Übungen
Notenverbesserungsmöglichkeit durch durchgehende Anwesenheit, konstruktive Mitarbeit und Diskussionsteilnahme (bei begründeter Abwesenheit durch eingehende schriftliche Behandlung der im jeweiligen Seminarblock bearbeiteten Texte und Themen).
40%
Verfassen einer schriftlichen Abschlussarbeit auf Basis der Seminarlektüre und weiterer selbstgewählter Materialien der genannten Literatur.
Klare Fragestellung zur Thematik der LV, gerne in vorheriger Absprache
Einbeziehen von in der LV verwendeten Texten, Materialien und Diskussionen sowie Texten aus der angegebenen Zusatzliteratur
Zitate mit der Seitenangabe im zitierten Werk für die Nachvollziehbarkeit
Umfang: mind. 15 Textseiten, exkl. Deckblatt, Plagiatserklärung und Inhaltsverzeichnis (Orientierung: 12pt, 1,5 zeilig)
Notenverbesserungsmöglichkeit durch genaue Behandlung der Fragestellung, hohe Schlüssigkeit der Argumentation, noch mehr Bezüge auf die im Seminar diskutierten Aspekte und Texte, noch mehr treffend ausgewählte Literatur (Literaturliste auf Moodle) und mehr konkrete Zitatbelege

Abgabetermin Seminararbeit: 14.7.2026, per Mail an gerlinde.mauerer@univie.ac.at und bettina.zehetner@univie.ac.at

Prüfungsstoff

Verpflichtend zu lesende Basisliteratur und erweiterte Literatur für die Präsentationen und Seminararbeiten finden sich auf der Moodle-Plattform zur LV.

Literatur

FRA – European Union Agency for Fundamental Rights, Eurostat and EIGE – European Institute for Gender. 2024. EU gender-based violence survey – Key results. Experiences of women in the EU-27, Publications Office of the European Union, Luxembourg. https://eige.europa.eu/e-reader/8512
Frauen*beraten Frauen* (Hg.). 2026 (3. Auflage). Ist das schon digitale Gewalt? Gewalt erkennen und verändern. Wien. https://frauenberatenfrauen.at/publikation/handbuch-ist-das-schon-digitale-gewalt/
Frauen*beraten Frauen* (Hg.). 2022. Was wirkt gegen Gewalt? Abschlussbericht der qualitativen Studie des Instituts für frauen*spezifische Sozialforschung. https://www.frauenberatenfrauen.at/waswirktgegengewalt.html
Frauen*beraten Frauen* (Hg.). 2025 (5. Auflage). Ist das schon Gewalt? Gewalt erkennen und verändern. Ein Handbuch.” Wien. https://frauenberatenfrauen.at/publikation/handbuch-ist-das-schon-gewalt/
Haller, Birgitt/ Eberhardt, Viktoria/ Meuser, Isabel/ Müllner, Stephan (2025): Femizide und Femizidversuche in Beziehungen. Qualitative Studie zu Gefährdungswahrnehmung und Hilfesuche in Wien. https://ikf.ac.at/wp-content/uploads/2025/12/final_Femizid_versuche_Wien.pdf
Haller, Birgitt/ Eberhardt, Viktoria/ Temel, Brigitte. 2023. Untersuchung Frauenmorde. Eine quantitative und qualitative Analyse. https://ikf.ac.at/wp-content/uploads/2023/07/Untersuchung_Frauenmorde.pdf Artikel
Haller, Birgitt/ Temel, Brigitte/ Eberhardt, Viktoria/ Mayer, Stefanie. 2024. Netzbasierter Frauenhass bei Jugendlichen und jungen Männern – Eine Bestandsaufnahme zu Incels in Österreich https://ikf.ac.at/wp-content/uploads/2025/01/Incels_in_Oesterreich.pdf
Hirigoyen, Marie-France. 2000. Die Masken der Niedertracht: Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann. München: Beck.
Hirigoyen, Marie-France. 2020. Die toxische Macht der Narzissten und wie wir uns dagegen wehren. München: Beck.
Kozjak, Lisa. 2018. Gewalt in lesbischen, bisexuellen und trans* Beziehungen in Österreich aus Perspektive von Berater_innen und Expert_innen: https://phaidra.univie.ac.at/detail/o:1347521.
Magaraggia, Sveva, Gerlinde Mauerer and Marianne Schmidbaur (Eds.). 2019. Introduction. In: Magaraggia, Sveva, Gerlinde Mauerer and Marianne Schmidbaur (Eds.): Feminist Perspectives on Teaching Masculinities: Learning Beyond Stereotypes, Teaching with Gender Series Volume 15, Routledge, London, New York: 1-16.
Scambor, Elli/ Bergmann, Nadja et al. 2025. „Mit Geschlechtergerechtigkeit zur Gewaltprävention“ (Care Arbeit) https://www.vmg-steiermark.at/sites/default/files/2025-09/bericht_geq_at_01092025-3_0.pdf
Statistik Austria 2022. Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen in Österreich. Prävalenzstudie beauftragt durch Eurostat und das Bundeskanzleramt. https://www.statistik.at/fileadmin/publications/Geschlechtsspezifische-Gewalt-gegen-Frauen_2021_barrierefrei.pdf
Verein Wiener Frauenhäuser. 2014. Psychische Gewalt gegen Frauen. Eine empirische Untersuchung. https://www.frauenhaeuser-wien.at/dokumente/studie_psychische_gewalt.pdf
Walby, Sylvia, Jude Towers, Susie Balderston, Consuelo Corradi, Brian Francis, et al. 2017. The Concept and Measurement of Violence. Bristol University Press (open access). http://www.jstor.org/stable/j.ctv47w5j0
Weil es Zeit ist: https://weileszeitist.at/ - Kampagne gegen psychische Gewalt an Frauen
Widler, Yvonne. 2022. Heimat bist du toter Töchter. Warum Männer Frauen ermorden – und wir nicht mehr wegsehen dürfen. Kremayr & Scheriau, Wien.
Zehetner, Bettina. 2024. Angesichts von Gewalt gibt es keine Neutralität. Feministische Parteilichkeit beim Thema Partner*innengewalt. Forum Supervision. Zeitschrift für Beratungswissenschaft und Supervision. Heft 63, Juli 2024, 32. Jahrgang "Diversität in der Supervision. Herausforderungen und Chancen".
Zehetner, Bettina. 2024a. Podcast der Uni Wien "Femizide als Gipfelpunkt von Gewalt gegen Frauen*" https://www.postgraduatecenter.at/weiterbildungsprogramme/gesundheit-naturwissenschaften/psychotherapie/podcast/

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Di 24.03.2026 15:07