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240040 VO (Post)koloniale Fantasien. Repräsentationen des Fremden in einer globalisierten Welt (3.3.1) (2015W)

Details

Sprache: Deutsch

Prüfungstermine

Lehrende

Termine

DO 08.10.2015 13:15-16:30 Ort: Hörsaal A, NIG 4. Stock

DO 22.10.2015 13:15-16:30 Ort: Hörsaal A, NIG 4. Stock

DO 05.11.2015 13:15-16:30 Ort: Hörsaal A, NIG 4. Stock

DO 19.11.2015 13:15-16:30 Ort: Hörsaal A, NIG 4. Stock

DO 03.12.2015 13:15-16:30 Ort: Hörsaal A, NIG 4. Stock

DO 14.01.2016 13:15-16:30 Ort: Hörsaal A, NIG 4. Stock

DO 28.01.2016 13:15-14:45 Ort: Hörsaal A, NIG 4. Stock - Prüfung


Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Auseinandersetzung mit kultureller Differenz und mit 'Fremdheit' steht von Anfang an im Zentrum ethnologischer Forschung. Gleichzeitig stellt seit der frühen europäischen Kolonialgeschichte die Konfrontation mit dem 'Fremden' für Europa ein wichtiges Mittel der 'Selbsterkenntnis' dar, bestand in der Abgrenzung zu den 'Anderen' doch ein wesentliches Moment der Konstruktion des Eigenen. Die Lehrveranstaltung widmet sich diesen europäischen Formen der Wahrnehmung und Darstellung des Fremden, ihren historischen Wurzeln und darauf folgenden Entwicklungen und Auswirkungen sowie ihren wissenschaftstheoretischen Implikationen in einer sich globalisierenden Welt.

Zunächst werden grundlegende Theorien zur Fremdrepräsentation sowie maßgebliche VertreterInnen vorgestellt, etwa Positionen der postkolonialen Theorie, aber auch Auseinandersetzungen in der Kultur- und Sozialanthropologie. Dabei werden Fragen der Repräsentation diskutiert, die spätestens seit der postmodernen Wende der Ethnologie und der 'Krise der Repräsentation' in den Blickpunkt unseres Faches gerückt ist. So wird das 'Othering' einerseits als Form der Objektivierung und Distanzierung des Fremden kritisch betrachtet und in den Kontext eines Machtgefälles gerückt, andererseits gilt es als zentrales und unvermeidliches Element ethnographischer Repräsentation. Die erarbeiteten theoretischen Positionen werden anhand ausgewählter Themenbereiche vertiefend behandelt. Etwa das Fremde als Mittel der Zivilisationskritik, eine Tradition, die weit in die europäische Geistesgeschichte zurückreicht, oder welche Formen der Fremd- und Selbstrepräsentation in der (historischen) Reiseliteratur zu finden sind. Weiters wird der 'koloniale Blick' thematisiert und die damit einhergehende Objektivierung 'exotischer' Menschen, etwa im Hinblick auf ihre Zurschaustellung in Europa, und inwiefern sich diese Tradition bis in die Gegenwart fortgesetzt hat. Schließlich werden Formen des (Neo-)Orientalismus beleuchtet, wie sie sich in medialen und politischen Diskursen nach den Anschlägen von 9/11 manifestierten. Ein wichtiges Augenmerk der Lehrveranstaltung liegt darauf, wie unterschiedliche Formen der Differenz und damit zusammenhängende Hierarchisierungen miteinander verwoben sind, etwa wie Fremd- und Geschlechterbilder oder auch Ethnizität miteinander verwoben sind oder welche Allianzen Rassismus und Sexismus im Kontext des Kolonialismus eingehen und welche Relevanz wiederum Männlichkeits- und Weiblichkeitsideale für koloniale Diskurse haben.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Prüfung über den VO-Stoff sowie Pflichtliteratur (Pflichtkerntexte).
Für eine positive Beurteilung müssen 50% der Punkte (24 Punkte) erreicht werden.
Hilfsmittel sind nicht erlaubt.

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die LV widmet sich unterschiedlichen Aspekten der europäischen Fremdrepräsentation, vor dem Hintergrund der kolonialen Aneignung der außereuropäischer Welt, die nicht zuletzt als wesentlicher Globalisierungsfaktor zu verstehen ist. Es werden grundlegende theoretische Zugangsweisen beleuchtet, wobei mit der Frage der Repräsentation ein für die Kultur- und Sozialanthropologie zentraler Aspekt thematisiert wird. Das Augenmerk richtet sich dabei auf unterschiedliche Formen der Konstruktion von 'Bildern' des/der 'Anderen' und deren Wechselwirkung mit den Konstruktionen des 'Eigenen', wobei auch die Langlebigkeit spezifischer Vorstellungs- und Argumentationsmuster deutlich wird. Diese Diskurse prägen jedoch nicht nur jene, die durch sie repräsentiert werden, sondern auch jene, die sie schaffen und bestimmen, wobei jedoch auch 'gegenhegemoniale' Positionen zu berücksichtigen sind. Und schließlich soll die Interdependenz und Verwobenheit unterschiedlicher Differenzkategorien und verschiedener Mechanismen von Privilegierung, Herrschaft und Unterordnung aufgezeigt werden. Dadurch wird eine differenzierte Auseinandersetzung mit Fragen der westlichen Fremdrepräsentation möglich.

Prüfungsstoff

Frontalvortrag, Pflichtkerntexte und deren Analyse, Filmanalyse.

Literatur

Hall, Stewart: The West and the Rest: Discourse and Power. In: Hall, Stewart/Bram, Gieben (ed.): Formations of Modernity, Cambridge: Polity Press, 1994, S. 275–320.

Macfie, Alexander Lyon (ed.) 2000. Orientalism. A Reader. New York: New York University Press.

Miles, Robert: Rassismus. Einführung in die Geschichte und Theorie eines Begriffs, Hamburg: Argument, 1991 (Orig. 1989)

Weitere Information zu Beginn des Semesters

Zuordnung im Vorlesungsverzeichnis

Letzte Änderung: Mo 07.09.2020 15:39